Adresse Uni

Universität Regensburg
Rechenzentrum

Adresse RZ

Aktuelles Portrait RZ Struktur Thematisch RZ A .. Z suchen RZ-home

[Kopf 77]

HORST ANTES

* 1935 in Heppenheim an der Bergstraße,
1957-59 Studium an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste in Karlsruhe.
1965-67 Lehrauftrag an der Staatl. Akademie der Bildenden Künste in Karlsruhe.
1967-73 und wieder seit 1984 Professor an der Staatl. Akademie der Bildenden Künste in Karlsruhe.

Kopf 77

Innenhof Rechenzentrum
(1. Obergeschoß) Plastik;
Corten-Stahl
Höhe ca. 0,4m, Breite ca. 0,4m
Ankauf 1977


Geradezu versteckt im Innenhof des Rechenzentrums, selbst manch einem, der dort arbeitet, unbekannt, befindet sich die Stahlplastik von Horst Antes, der zu den international bekanntesten Künstlern zählt, deren Werke an der Uni Regensburg vertreten sind.

Zwei Glasfronten geben den Blick frei in den Innenhof, der mit Kletter- und Hängepflanzen bewachsen ist. Inmitten des Hofes steht in einem mit Holz eingefaßten Beet und halb verdeckt von einer dort eingepflanzten Latschenkiefer die kleine Plastik aus Corten-Stahl.

Ein flüchtiger Blick im Vorbeigehen wird den Kopf nicht sofort wahrnehmen, so natürlich ist er in seine Umgebung eingebunden. Völlig mit Rost überzogen, paßt er sich dem Farbton der Erde im Beet an. Für den Künstler, der eigentlich aus dem Bereich der Malerei kommt, ist Rost keine zwangsläufig hinzunehmende Witterungserscheinung: Der braun-rote Rostüberzug ist gewollt, denn er stellt den Farbauftrag dar.

Der auf das Profil als Schaufront ausgerichtete, quasi als Scheibe ausgebildete Kopf zeigt mit seiner flächigen Gestaltungsweise nur sehr wenig Plastizität. Er paßt sich den Gesetzmäßigkeiten des Raumes an, ohne ihn nach mehreren Seiten hin zu durchdringen und zu verdrängen. Eine Assoziation zur Malerei, die an eine räumliche Vorgabe, nämlich die der zweidimensionalen Leinwand gebunden ist, drängt sich auf.

Antes verzichtet auf die Darstellung von Haaren, Ohren und auf die Modellierung von Gesichtszügen. Die Betonung liegt auf der großen Nase, dem leicht geöffneten Mund mit wulstigen Lippen und würfelförmig eingeritzten Zähnen, dem weit nach vorne geschobenen Kinn und den Augen in Form eines Halbkreises mit kreisrunden Pupillen und Augenlidern.

Obwohl die Augen im Profil angeordnet sind, sind sie in Draufsicht dargestellt.

Die Figur besitzt zwar menschliche Merkmale, jedoch stellt sie nicht die naturgetreue Abbildung des Kopfes eines Menschen dar. Mit seinem kultischen Charakter und seiner mystischen Ausstrahlungskraft erinnert der "Kopf 77" vielmehr an ein Stammesobjekt .

In die geschlossene Kopfform integrierte Darstellungen beleben die Plastik und erweitern sie inhaltlich: Auf der linken Profilseite ist eine nur in ihren Umrissen dargestellte Sitzfigur in das Metall eingraviert, die ihre angewinkelten Arme mit geöffneten Händen nach vorne ausstreckt. Die Wangenpartie des Kopfes wird auf beiden Seiten jeweils von einer Hand eingenommen, die in ihrer Größe etwa der einer Frauenhand entspricht. Während die rechte Hand etwa 1 mm in das Metall eingestanzt ist, wurde die linke auf das Metall aufgesetzt und überschneidet teilweise die eingravierte Sitzfigur.

Der Kopf 77 ist eine der zahlreichen Kopfmetaphern, die in Antes malerischen und plastischen Werken seit Mitte der 60er Jahre eine bedeutende Rolle spielen. Mit dem Thema eines Kopfes im Käfig hat sich Antes wiederholt auseinandergesetzt. Auch hier entsteht der Eindruck von Unzugänglichkeit und Gefangenschaft. Zwar umschließen keine Gitterstäbe die Plastik, jedoch stellt der Innenhof mit seinen fast vollständig in die Glasfrontintegrierten Türen, die man als solche gar nicht auf den ersten Blick erkennt, eine gewisse Umzäunung dar.

Hat man ihn entdeckt, übt er eine Anziehungskraft aus, die dazu einlädt, den Hof zu betreten und sich intensiver mit der Figur auseinanderzusetzen. Erst im Gehen um die Figur herum erschließt sich dem Betrachter ihr Gesamtcharakter.

S.A.
[Innenhof]

Innenhof des Rechenzentrums mit Kopfplastik, September 1996.

Literatur:

Horst Antes, Der Kopf, Katalog, Karlsruhe - Lübeck 1978.
A. Francke/J Thimme, Horst Antes, Metallplastik, München 1976.
Horst Antes, Katalog Galerie Valentien, Stuttgart 1981.

Quellen:

Text: Rund um die Kugel, Ein Wegweiser zu den Kunstwerken an der Universit&aumlt Regensburg (herausgegeben von der Gruppe "ARTTRAKTIONEN"), MZ-Druck Regensburg 1992.

Bilder: W. Ruhstorfer, mit digitaler Kamera (Minolta RD 175) und computerunterstützter Nachbehandlung, Regensburg 1996.


Noch mehr Interesse an Kunst?

Aktuelles Portrait RZ Struktur Thematisch RZ A .. Z suchen RZ-home


Letzte Änderung: 6. Juni 1998, Michael Middleton (Rz 1.07, Tel.: 943-4890)