Entwurf

  

§ 29a

Philosophie

(§ 79b LPO I)

 

Der vorliegende Paragraph der Studienordnung beschreibt Ziele, Inhalte und Verlauf des Studiums des Faches Philosophie für den Studiengang Lehramt an Gymnasien (vertieftes Studium) an der Universität Regensburg. Er regelt das Studium der Philosophie als wissenschaftliches Fachstudium im Sinne des Art. 3 Abs. 1 Nr. 1 BayLBG.

 

1. Berührungspunkte mit anderen Studiengängen

Der hier behandelte Studiengang hat inhaltliche Berührungspunkte zum Studium der Philosophie mit dem Ziel des Abschlusses als M.A. (Magister Artium). Entsprechende Studienleistungen werden anerkannt, vgl. § 11.

 

2. Studienbeginn und Studienvoraussetzungen

(1) Der Studienbeginn im Fach Philosophie ist zum Winter- oder zum Sommersemester möglich.

(2) Es bestehen keine besonderen fachspezifischen Voraussetzungen für die Aufnahme eines Studiums der Philosophie. Ein Interesse an den im Fach behandelten fundamentalen Fragen muß jedoch zugrunde liegen. Weiter erfordert das Studium ein gut ausgebildetes Abstraktionsvermögen und die Fähigkeit zu begrifflichen Operationen.

(3) Das Fach Philosophie kann in der Ersten Staatsprüfung nur als "Erweiterungsfach" gewählt werden. Das Studium einer der zugelassenen Kombinationen von zwei anderen Fächern wird daher beim Philosophiestudium für das Lehramt vorausgesetzt.

 

3. Studienberatung

Es wird empfohlen, schon vor Studienbeginn die Fachstudienberatung zu konsultieren. Für Studienanfänger wird eine Einführungsveranstaltung angeboten.

 

4. Studienziele und Studieninhalte

(1) Das Studium soll den Philosophiestudenten zu einem eigenen sachkundigen Urteil über philo-sophische Probleme führen und ihn befähigen, der gegen-wärtigen philosophischen Diskussion auf dem Gebiete seines Interesses kritisch zu folgen.

(2) Entsprechend den in Regensburg gebotenen Möglichkeiten wird der Student angehalten, die Schwerpunkte seines Studiums im Hauptstudium in den folgenden drei Gebieten zu suchen:

I. Metaphysik, Anthropologie sowie Geschichte der Philosophie;

II. Praktische Philosophie (Ethik, Theorie von Recht, Staat und Gesellschaft, von Kunst, Religion und Geschichte);

III. Theoretische Philosophie (Logik, Erkenntnistheorie, allgemeine und spezielle Wissenschaftstheorie, Sprachphilosophie).

(3) Entsprechend den Anforderungen in der Ersten Staatsprüfung sollen Kenntnisse in folgenden Gebieten erworben werden:

(4) Die philosophischen Disziplinen sind für Zwecke der Prüfung und für die Wahl eines Spezialgebiets in der nachfolgenden Liste festgelegt; zwei aus jeder Gruppe sind zu wählen:

Gruppe A:
a) Logik,
b) Metaphysik bzw. Ontologie,
c) Erkenntnistheorie,
d) Sprachphilosophie;

Gruppe B:
e) Philosophische Anthropologie,
f) Ethik,
g) Rechts- und Sozialphilosophie.

 

5. Studienaufbau

(1) Das Studium gliedert sich in einen Ersten Studienabschnitt (Grundstudium) und einen Zwei-ten Studienabschnitt (Hauptstudium) von je vier Semestern. Das Hauptstudium wird mit der Ersten Staatsprüfung abgeschlossen.

(2) Eine Zwischenprüfung braucht im Erweiterungsfach Philosophie nicht abgelegt zu werden. Voraussetzung des Zugangs zu den Veranstaltungen des Hauptstudiums (Haupt- und Oberseminare) ist jedoch der Nachweis der erfolgreichen Teilnahme an den für das Grundstudium vorgesehenen Lehrveranstaltungen (vgl. 6, A. 2).

(3) Die Kenntnisse und Fähigkeiten werden im Verlauf des Studiums in folgenden Unter-richts-formen bzw. Lehrveranstaltungen vermittelt:
Einführungsveranstaltung
Vorlesungen
Proseminaren
Hauptseminaren.

 

6. Verteilung der Studieninhalte

Die Studenten können unter Berücksichtigung der notwendigen Leistungsnachweise bzw. der speziellen Prüfungsanforderungen die entsprechenden Lehrveranstaltungen selbst auswählen.

A) Das Grundstudium

(1) Das Ziel des ersten, in der Regel zweijährigen Studienabschnittes ist vor allem die Kennt-nis der Hilfsmittel und Grundbegriffe sowie eine gründliche Schulung der Fähigkeit zur wissenschaftlichen Argumentation und Kritik und zur methodischen Analyse von Lehrmeinungen. Diese Schulung erfolgt einerseits durch Veranstaltungen in Logik und allgemeiner Wissenschaftstheorie und in einer Einführungsübung, die an die Hilfsmittel heranführt, andererseits durch historisch-systematische Studien zum Verständnis wichtiger philosophischer Theorien und Begriffe.

(2) Das Grundstudium umfaßt mindestens

1. je eine Lehrveranstaltung aus den in 4.(2) genannten drei Hauptgebieten;

2. drei zweistündige Proseminare bzw. Übungen:

Ein Proseminar (Übung) zur Einführung in das Studium der Philosophie (mit Hilfsmittelkunde) und

je ein Proseminar (Übung) aus zweien der in 4.(2) genannten drei Hauptgebiete. Dabei soll eine Vorlesung oder ein Proseminar aus dem Gebiet der Logik gewählt werden. Zu den Proseminaren aus den Hauptgebieten soll je eine Seminararbeit angefertigt bzw. ein Referat gehalten werden.

(3) Die Reihenfolge des Besuchs der Lehrveranstaltungen ist den Studenten freigestellt; sie sollten die Einführungsveranstaltung möglichst zu Beginn des Studiums besuchen. 

B) Das Hauptstudium

(1) Enzyklopädische Kenntnis der Geschichte und aller Disziplinen der Philosophie im Ganzen wird nicht angestrebt. An ihre Stelle tritt die eingehendere Kenntnis ausgewählter, in der Lektüreliste (siehe Abschnitt C) benannter klassischer Werke der Philosophie sowie die intensive Beschäftigung mit überschaubaren Spezialgebieten. Bei der Auswahl solcher Spezialgebiete sind die Anforderungen der Ersten Staatsprüfung zu berücksichtigen (s. oben 4.(3)und (4)); es wird empfohlen, die Beratung durch den zuständigen Fachdozenten in Anspruch zu nehmen.

(2) Spezialgebiete in diesem Sinne sind etwa die folgenden:

1. Autoren nach Maßgabe der Lektüreliste (siehe Abschnitt C).

2. Schulen, Epochen oder Problemkreise der Philosophiegeschichte; z. B.: Vorsokratiker, Stoa, Universalienstreit im Mittelalter, Nominalismus im Mittelalter, Rationalismus im 17. Jahrhundert, Empirismus im 17. Jahrhundert, Aufklärung, Deutscher Idealismus, Neukantianismus, Phänomenologie, Existenzphilosophie.

3. Systematische Themen wie z.B.:
aus dem Gebiet der Logik: Metamathematik, Modallogik;
aus dem Gebiet der allgemeinen Wissenschaftstheorie: Theorie der Erklärung, Theorie der Bestätigung;
aus dem Gebiet der speziellen Wissenschaftstheorie: Analyse einer speziellen Theorie einer empirischen Einzelwissenschaft;
aus dem Gebiet der Sprachphilosophie: Bedeutungs-Theorie;
aus dem Gebiet der Naturphilosophie: Theorie von Raum und Zeit, Theorie der Kausalität;
aus dem Gebiet der Anthropologie: Leib-Seele-Problem, Sozial- und Kulturanthropologie;
aus dem Gebiet der Rechts- und Staatsphilosophie: Problem des Naturrechts, Grundfragen der modernen Staatslehre;
aus dem Gebiet der Gesellschaftsphilosophie: Theorie der bürgerlichen Gesellschaft, Begriff der Ideologie;
aus dem Gebiet der Geschichts- und Kulturphilosophie: Philosophie der Technik, des Fortschritts;
aus dem Gebiet der Religionsphilosophie: Problem der Gottesbeweise, Philosophie der Offenbarung.

(3) Während des Hauptstudiums ist der Besuch von weiterführenden Lehrveranstaltungen sowie die Teilnahme an Hauptseminaren, die das abgeschlossene Grundstudium als Zulassungsvoraussetzung haben, sachlich erforderlich. Die Wahl der Veranstaltungen bleibt den Studenten überlassen, doch sollen mindestens ein Seminar und eine weitere Lehrveranstaltung im Zusammenhang mit den besonderen Spezialgebieten stehen, die der Student sich für sein Hauptstudium auswählt.

(4) Nachweise über die erfolgreiche Teilnahme an Lehrveranstaltungen sind für die Meldung zur Ersten Staatsprüfung im Erweiterungsfach Philosophie nicht erforderlich.

C) Die Lektüreliste

Während des Grund- und Hauptstudiums wird die Lektüre folgender Texte erwartet:

(1) Je eine Hauptschrift von Platon und Aristoteles.

(2) Eine Schrift von einem Autor der mittelalterlichen Philosophie, z. B.: Albertus Magnus, Anselm von Canterbury, Augustinus, Bonaventura, Duns Scotus, Nico-laus von Kues, Thomas von Aquin.

(3) Eine Schrift von Descartes oder Leibniz.

(4) Kant, Kritik der reinen Vernunft.

(5) Eine Schrift von Hume, Locke oder Hobbes.

(6) Eine Schrift von Fichte, Schelling oder Hegel.

(7) Eine Schrift von Nietzsche oder Kierkegaard, oder
eine Schrift von Bolzano, Frege oder Husserl.

(8) Je eine Schrift von zwei Autoren des 20. Jahrhunderts, z. B.: Carnap, Heidegger, Jaspers, Russell, Sartre, Scheler, Wittgenstein, Buber, Guardini.

(9) Zwei Werke zum Methoden- und Begründungsproblem eines der vertieft studierten Unterrichtsfächer.

Die nähere Auswahl der Schriften erfolgt nach Rücksprache mit dem betreffenden Fachdozenten.

 

7. Zulassungsvoraussetzungen für die Prüfungen

1. Zwischenprüfung

Im Erweiterungsstudium (dritten Fach) braucht die Zwischenprüfung nicht abgelegt zu werden (§ 1 Zwischenprüfungsordnung).

2. Erste Staatsprüfung (§ 79b LPO I)

Für die Zulassung zur Prüfung sind keine fachspezifischen Nachweise Voraussetzung, da die Prüfung in Philosophie nur als "Erweiterung" der Ersten Staatsprüfung abgelegt werden kann.

 


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