Teilprojekt 1
Funktionelle Analyse AMD-assoziierter Varianten imARMS2/HTRA1
Intervall auf Chromosom 10q26
Projektleiter: Prof. Dr. Bernhard Weber
Die
altersabhängige Makuladegeneration (AMD) ist eine komplexe Erkrankung
der zentralen Netzhaut und die häufigste Erblindungsursache in den
Industrieländern. Kenntnisse der genetischen Ursachen versprechen
Einblicke in Stoffwechselwege der Erkrankung und bieten damit neue
Zielstrukturen für therapeutische Interventionsmöglichkeiten. Ziel ist
es, die molekularen Mechanismen der AMD Pathogenese aufzuklären.
Hierbei konzentrieren wir uns auf einen Hauptgenort der AMD in 10q26,
in dem wir 15 polymorphe Varianten im Bereich der Gene ARMS2 und HTRA1
mit hoher Signifikanz und starken Effekten für ein AMD Risiko
identifizieren konnten. Diese Varianten werden auf ihre funktionelle
Bedeutung in der AMD Pathogenese untersucht. Eine zentrale Rolle
spielen dabei Analysen der Risiko- und Nichtrisiko-Varianten der beiden
Gene in einer Reihe biochemischer und zellbiologischer Ansätze sowohl
in zellulären als auch murinen in vivo Modellen. Parallel hierzu werden
die regulären zellulären/extrazellulären Funktionen der beiden
Gene in der Netzhaut aufgeklärt und Interaktionsnetzwerke beschrieben.
Diese Arbeiten sollen die Entwicklung einer transgenen Mauslinie
erlauben, um so ein valides Säugermodell der AMD Pathogenese zu
generieren, das weitere vertiefende Untersuchungen in vivo ermöglicht
und gleichzeitig innovative therapeutische Behandlungsansätze im
Tiermodell eröffnet.
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Teilprojekt 3
Die funktionelle Rolle von CTGF, BMP7 und TGF-ß2 in der
Pathogenese des primären Offenwinkelglaukoms
Projektleiter: PD Dr. Rudolf Fuchshofer
Der
größte Risikofaktor für den Tod retinaler Ganglienzellen beim primären
Offenwinkelglaukom ist ein zu hoher Augeninnendruck, hervorgerufen
durch einen erhöhten Abflusswiderstand für das Kammerwasser im
Trabekelwerk. Die Filtration des Kammerwassers wird beeinflusst durch
die extrazelluläre Matrix sowie die Kontraktilität der
Trabekelwerkzellen, für die der RhoA/ROCK Signalweg und das
Aktin-Zytoskelett eine wesentliche Rolle spielen. Der Umsatz von
extrazellulärer Matrix und die Kontraktilität im Trabekelwerk werden
moduliert durch den Connective Tissue Growth Factor (CTGF), der bei
Überexpression ein Offenwinkelglaukom im Mausauge hervorruft. Wir
werden den Phänotyp der von uns generierten Glaukom-Mäuse bis in ihr
hohes Alter weiter charakterisieren und untersuchen, wie er durch eine
Trabekelwerk-spezifische Defizienz des RhoA/ROCK Signalwegs beeinflusst
wird. Wir werden analysieren, ob CTGF durch zellulären Stress im
Trabekelwerk reguliert wird und ob mit höherem Alter das Trabekelwerk
empfindlicher auf CTGF reagiert. Um die Bedeutung von CTGF für das
normale Trabekelwerk zu studieren, werden wir Mäuse mit einer
konditionellen Defizienz von CTGF im Trabekelwerk generieren und
charakterisieren. Zur detaillierten Identifikation der von CTGF
regulierten Gene werden wir Microarray-Analysen mit mRNA aus von uns
entwickelten Trabekelwerkzelllinien mit CTGF-Überexpression oder
Knockdown durchführen. zurück zur Übersicht
Teilprojekt 4
Modulation von Mikroglia bei Netzhautdegeneration
Projektleiter: Prof. Dr. Thomas Langmann
Bei hereditären Netzhautdystrophien kommt es durch apoptotische
Degenerationsprozesse zu einem progressiven Verlust der Sehfähigkeit
bis hin zur Erblindung. Befunde im Mausmodell der X-gebundenen
juvenilen Retinoschisis (Rs1h-/Y) deuten darauf hin, dass die
Aktivierung von Mikroglia der retinalen Degeneration zeitlich voraus
geht. In der degenerierenden Netzhaut treten simultan
pro-inflammatorische und immundämpfende Mikrogliapopulationen auf. Das
neu identifizierte Activated Microglia/Macrophage WAP Domain Protein
(AMWAP) ist ein Marker und Effektor für anti-inflammatorische
Mikrogliazellen. Ein ähnlicher gegenregulierender Phänotyp kann in
vitro durch das Flavonoid Luteolin aus pro-inflammatorisch aktivierten
Mikrogliazellen reprogrammiert werden. Diese Befunde sollen nun in vivo
verifiziert werden, um den Effekt der Modulation von Mikroglia bei der
Netzhautdegeneration zu evaluieren. Das erste Ziel des Antrags ist,
durch gezielte Deaktivierung von Mikrogliazellen ihren funktionellen
Beitrag an der Netzhautdegeneration in Rs1h-/Y Mäusen aufzuklären. Dann
sollen die Mikroglia-modulierenden Eigenschaften von Luteolin im
Blaulicht-induzierten Lichtschaden in vivo untersucht werden. Weiterhin
beschäftigen wir uns mit der Charakterisierung und in vivo Rolle von
AMWAP als Mikroglia-Effektor. Die Ergebnisse des umfassenden
Forschungsvorhabens sollen aufklären, welche Mikroglia-gerichteten
Ansätze als Therapieoptionen bei Netzhautdegenerationen prinzipiell
erfolgverprechend sind.
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Teilprojekt 5
Gentechnisch veränderte Tiermodelle des primären
Offenwinkelglaukoms
Projektleiter: Prof. Dr. Ernst Tamm
Glaukome, eine Gruppe von heterogenen Erkrankungen, bei denen es zur
Degeneration der Axone von retinalen Ganglienzellen kommt, gehören
weltweit zu den häufigsten Ursachen von Sehbehinderung und Erblindung.
Ziel unseres Antrags ist es, die molekularen Mechanismen der
Pathogenese von Glaukomen aufzuklären. Wir gehen davon aus, dass dies
durch die Erforschung der Funktion von bei Glaukomen mutierten Genen
und der von ihnen kodierten Proteine gelingen kann. Wir konzentrieren
uns dabei auf die Moleküle Myocilin, Optineurin und WD Repeat Domain 36
Protein, welche bei Formen des primären Offenwinkelglaukoms mutiert
sind, auf PAX6, das beim mit Aniridia assoziiertem juvenilen Glaukom
mutiert ist, und auf Varianten von Lysyl Oxidase-like Protein 1, die
mit dem Pseudoexfoliationssyndrom und –glaukom assoziiert sind. Wir
haben zur Erforschung dieser Moleküle geeignete Tiermodelle entwickelt,
deren Phänotyp wir strukturell und funktionell detailliert analysieren
werden. Insbesondere werden wir testen, ob retinale Ganglienzellen bei
Defizienz dieser Moleküle leichter einen Schaden durch einen erhöhten
intraokulären Druck, den größten Risikofaktor des Glaukoms, erleiden.
In einer Reihe von biochemischen und zellbiologischen Ansätzen in vitro
und in vivo werden wir die Funktion der Moleküle weiter aufklären.
Unsere Arbeiten sollen, neben einem tieferen Verständnis der
molekularen Zusammenhänge bei Glaukomen, zur Entwicklung von kausalen
therapeutischen Ansätzen wesentlich beitragen.
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Teilprojekt 6
Untersuchungen zu funktionellen und strukturellen Eigenschaften des
Bestrophin-1 und seiner pathophysiologischen Rolle bei Morbus Best
Projektleiter: Prof. Dr. Olaf Strauß
Mutationen
im Bestrophin-1, einem integralen Membranprotein des retinalen
Pigmentepithels (RPE), unterliegen ursächlich der zentralen
Netzhautdystrophie Morbus Best. Initial wurde Bestrophin-1 als Ca2+-abhängiger Cl-
Kanal beschrieben, diese Funktion lässt sich in vivo bisher allerdings
nicht bestätigen. Unsere Daten legen eine mögliche Rolle von
Bestrophin-1 im intrazellulären Ca2+-Signalweg
nahe. Hauptziel des hier beantragten Projekts ist es, die
physiologische und pathophysiologische Rolle von Bestrophin-1 zu
klären. Hierfür haben wir zwei murine Modelle mit entsprechenden
Veränderungen im homologen Bestrophin-1 Gen der Maus generiert, die es
uns erlauben, die Funktion von normalem und mutantem Bestrophin-1 im
lebenden System zu untersuchen. Daneben benutzen wir porcine RPE Zellen
mit einer hohen endogenen Bestrophin-1 Expression als ein wichtiges
Zellkulturmodell. Mittels Immunpräzipitationen möchten wir das Netzwerk
der Interaktionspartner von Bestrophin-1 aufklären. Daneben fokussieren
wir uns in einem gerichteten Ansatz auf vielversprechende Kandidaten
des Ca2+-Signalweges. Hierbei soll die Funktion von normalem und mutantem Bestrophin-1 durch Modulation von Ca2+-Kanälen und intrazellulären Ca2+-Speichern
untersucht werden. Die komplementäre Vorgehensweise, die die Expertisen
der beiden beteiligten Arbeitsgruppen optimal zusammen bringt, sollte
es erlauben, ein funktionelles Modell der Mechanismen Bestrophin-1
vermittelter Zelldegeneration zu erarbeiten und damit die
Voraussetzungen für Evidenz-basierte Interventionsmöglichkeiten am
Tiermodell zu schaffen.
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Teilprojekt 7
Die funktionelle Bedeutung von Norrin im Auge
Teilprojektleiter: PD Dr. Andreas Ohlmann/Prof. Dr. Ernst Tamm
Norrin
ist ein sezerniertes Signalprotein, das über den klassischen
Wnt/β-Catenin Signalweg und Bindung an den frizzled-4 Rezeptor wirkt.
Norrin und frizzled-4 sind in der Netzhaut Teile eines Signalsystems,
das essentiell ist für die Ausbildung retinaler Kapillaren während der
fetalen Entwicklung. In der vergangenen Förderperiode konnten wir
zeigen, dass Norrin die Regeneration des Gefäßschadens nach einer
Sauerstoff-induzierten Retinopathie im Modell der Retinopathia
praematurorum der Maus signifikant verbessert. Zudem konnten wir eine
neuroprotektive Wirkung von Norrin auf retinale Ganglienzellen
nachweisen, die unabhängig von vaskulären Effekten erfolgt und mit
einer Erhöhung der Expression von Leukemia Inhibitory Factor (LIF) und
neuroprotektiven Faktoren in Müllerzellen einhergeht. Wir wollen nun
den molekularen und zellulären Mechanismus der durch
Norrin-vermittelten Gefäßregeneration und Neuroprotektion weiter
aufklären und analysieren, welchen Einfluss der Wnt-/β-Cateninsignalweg
und Norrin auf die Pathogenese der Retinopathia praematurorum und den
Erhalt des adulten retinalen Gefäßsystem sowie auf retinale
Ganglienzellen unter physiologischen Bedingungen und nach einer akuten
Schädigung hat. Dabei sollen transgene Tiermodelle verwendet werden,
die Norrin überexprimieren, Tiere, denen rekombinantes Norrin in den
Glaskörper injiziert wird, bzw. Tiere mit einer konditionellen Deletion
des Ndp und Ctnnb1 Gens. Eine Beteiligung von LIF an den durch
Norrin-vermittelten Effekten werden wir mit Hilfe von LIF-defizienten
Mäusen untersuchen.
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Teilprojekt 8
Neuronale Korrelate kortikaler Reorganisation bei Patienten mit Makuladegeneration
Teilprojektleiter: Prof. Dr. Mark Greenlee/Dr. Tina Plank
Das
beantragte Projekt will mittels funktioneller Magnetresonanztomographie
(fMRT) die neuroplastischen Vorgänge weiter aufklären, die bei
Patienten mit Makuladystrophien durch das Optimieren des exzentrischen
Sehens angestoßen werden. Während der ersten Förderperiode konnten wir
zeigen, dass eine stabile exzentrische Fixation an einem bevorzugten
Bereich der peripheren Retina (PRL – „preferred retinal locus“) zu
funktioneller Reorganisation im visuellen Kortex zu Gunsten des PRL
führt und dass Training zur Stabilisierung des PRL die neuroplastischen
Reaktionen fördert. Unsere Hypothese ist daher, dass perzeptuelles
Lernen (zur Unterscheidung feiner Details in Reizmustern) das Sehen am
PRL noch weiter verbessern kann und den Patienten – besser als
herkömmliche Lesetrainings - zusätzlichen Nutzen im Alltag bringen
wird. Die Anpassungen des visuellen Kortex während dieser Lernvorgänge
lassen sich mittels fMRT nachweisen. Weitere Schwerpunkte des
Folgeantrags sind die Suche nach den neuronalen Korrelaten von
Filling-In Phänomenen im zentralen Gesichtsfeld bei Makuladystrophie,
sowie die Frage, welchen Beitrag die Stäbchen zum Sehen am PRL leisten.
Dies kann durch Stimulation unter mesopischen Lichtverhältnissen
mittels fMRT gezeigt werden. In der folgenden Förderperiode soll zudem
das exzentrische Sehtraining für Patienten mit AMD fortgesetzt und
erweitert werden. zurück zur Übersicht
Teilprojekt 11
Funktionelle Analyse des FAM161A Proteins und Aufklärung der FAM161A-assoziierten Netzhautdegeneration
Teilprojektleiter: PD Dr. Heidi Stöhr/Prof. Dr. Thomas Langmann
Retinitis
Pigmentosa (RP) umfasst eine genetisch heterogene Gruppe erblicher
Netzhautdegenerationen, die zur Erblindung führen können. In
Vorarbeiten haben wir durch Kandidatengen-Priorisierung mittels
Cone-Rod Homeobox (CRX)-Chromatin-Immunpräzipitation und
Ultrahochdurchsatz-Sequenzierung, Nullmutationen im FAM161A Gen als
Ursache für autosomal rezessive RP (RP28) identifiziert. FAM161A wird
stark in den Fotorezeptoren exprimiert. Der vorliegende
Gemeinschaftsantrag vereint komplementäre Ansätze zweier Arbeitsgruppen
zur effektiven Aufklärung der bisher unbekannten Funktion von FAM161A
und der noch unverstandenen, molekularen Konsequenzen einer FAM161A
Defizienz, die zur RP führen. Dies beinhaltet zum einen die zelluläre
Feinlokalisierung des FAM161A Proteins sowie die Identifikation von
Interaktionspartnern und deren molekulare Wechselwirkungen in den
Fotorezeptoren mit proteinbiochemischen und zellbiologischen Methoden.
Weiterhin werden retinale Fam161a Knockdown und Fam161a
Knockout-Mausmodelle etabliert, um die direkten Auswirkungen einer
FAM161A Defizienz auf die Fotorezeptorphysiologie zu untersuchen. Die
Analyse der netzhautspezifischen Regulation von Fam161a rundet die
umfassende Charakterisierung dieses neuen RP-Gens ab. Von der
skizzierten Projektstrategie erwarten wir uns grundlegende Erkenntnisse
über die Netzhautfunktion und neue Einblicke in die degenerativen
Wirkmechanismen bei Retinitis Pigmentosa. zurück zur Übersicht
Zentralprojekt 1
Phänotypanalyse gentechnisch veränderter
Mäuse
Projektleiter: Prof. Dr. Ernst Tamm/Prof. Dr. Herbert Jägle
In der experimentellen Augenforschung spielen morphologische
Untersuchungsmethoden eine eminent wichtige Rolle bei der Analyse von
Phänotypveränderungen im Auge gentechnisch
veränderter
Mäuse und der Aufklärung der funktionellen Prozesse,
die den
Veränderungen zu Grunde liegen. Auch kann mit einer morphologischen Analyse die subzelluläre
Lokalisation von Proteinen in Zellen und Geweben bestimmt werden, womit
ein unverzichtbarer Bestandteil zu ihrer Funktionsanalyse geleistet
wird. Bei gentechnisch veränderten Mäusen kann zudem
die
Struktur und Funktion der Netzhaut in vivo zuverlässig
über
die Methoden der Funduskopie, der optischen
Kohärenztomographie (OCT) bzw. der elektroretinographischen
Untersuchung (ERG) charakterisiert werden.Zur
Sicherung einer hohen Qualität, der Vergleichbarkeit der Daten, sowie
der Fokussierung und Optimierung von Ressourcen soll die Durchführung
der morphologischen und elektrophysiologischen Methodik eingebettet
werden in die vor Ort vorhandene Logistik und Spezialexpertise, und im
Rahmen eines Zentralprojekts gebündelt werden. Aufgabe des Projekts ist
die Beratung sowie personelle und sächliche Unterstützung bei einer
möglichst breiten Palette von Untersuchungen. zurück zur Übersicht
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