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Universität Regensburg
 
Prof. Dr. Reinhard Richardi
em. o. Professor für Arbeitsrecht und Sozialrecht,
Bürgerliches Recht und Handelsrecht

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Wahlfachgruppe 11
Arbeitsrecht

  1. Zielsetzung der Wahlfachgruppe
  2. Pflichtfächer aus dem Arbeitsrecht sind für die Erste Juristische Staatsprüfung das Recht des Arbeitsverhältnisses einschließlich der zugehörigen Regelungen aus dem Tarifvertragsrecht (§ 5 Abs. 2 Nr. 3 JAPO). Diese Auswahl ist für Theorie und Praxis des Arbeitsrechts völlig unzureichend. Die notwendige Ergänzung enthält die Wahlfachgruppe 11: Kollektives Arbeitsrecht (Mitbestimmungs-, Betriebsverfassungs-, Personalvertretungs-, Koalitions-, Tarifvertrags- und Arbeitskampfrecht) sowie Grundzüge des arbeitsgerichtlichen Verfahrens (§ 5 Abs. 3 Nr. 11 JAPO).

    Weil der Arbeitsplatz für die überwältigende Mehrzahl unserer Mitbürger die Grundlage ihrer ökonomischen Existenz bildet, hat die Gestaltung der Arbeitgeber-Arbeitnehmer-Beziehungen einen besonderen Rang innerhalb der Rechtsordnung. Das Arbeitsverhältnis ist eine Erscheinungsform der Privatautonomie, das Arbeitsrecht daher Teil der Zivilrechtsordnung mit einer öffentlich-rechtlichen Ergänzung durch das Arbeitnehmerschutzrecht. Da dem Gesetzgeber die politische Kraft fehlt, eine Kodifikation dieses Rechtsgebiets zu schaffen, ist das Arbeitsrecht weitgehend Richterrecht. Es gibt eine besondere Gerichtsbarkeit, die Arbeitsgerichtsbarkeit, und entsprechend besteht für Rechtsanwälte die Möglichkeit, bei entsprechender Spezialisierung Fachanwalt für Arbeitsrecht zu werden.

    Die Besonderheit des Arbeitsrechts innerhalb der Zivilrechtsordnung wird vor allem durch das kollektive Arbeitsrecht geprägt, das den Gegenstand der Wahlfachgruppe bildet. Es ist, da nicht am grünen Tisch entworfen, sondern historisch bedingt, zweispurig gestaltet: Neben den auf dem Prinzip der Selbsthilfe beruhenden Regelungsmaterien des Koalitions-, Tarifvertrags- und Arbeitskampfrechts steht das durch Staatsintervention geschaffene Betriebsverfassungs- und Personalvertretungsrecht einschließlich des Rechts der unternehmensbezogenen Mitbestimmung.

  3. Lehrprogramm
  4. Für die Wahlfachgruppe werden die folgenden Vorlesungen angeboten:

    Die Vorlesungen werden im Drei-Semester-Rhythmus abgehalten. Nach dem Besuch der Pflichtfachvorlesung Arbeitsrecht ist es aber ohne weiteres möglich, mit jeder der drei zunächst genannten Vorlesungen das Wahlfachstudium zu beginnen, so daß das Studium ohne Schwierigkeit mit dem 8. Semester abgeschlossen werden kann.

    Außerdem findet in jedem Semester ein arbeitsrechtliches Seminar statt, das im Schwerpunkt Problemen des kollektiven Arbeitsrechts gewidmet ist. Ergänzt werden die Seminarveranstaltungen durch das Arbeitsrechtliche Praktiker-Seminar, in dem auswärtige Referenten vor allem aus der Praxis des Arbeitsrechts Vorträge über jeweils aktuelle Themen halten.

  5. Hilfsmittel
  6. Die dem Arbeitsrecht gewidmete Lehrbuchliteratur umfaßt stets das kollektive Arbeitsrecht. Zur Vertiefung kann der dritte Band des Münchener Handbuchs zum Arbeitsrecht (2. Aufl. 2000) herangezogen werden.

  7. Beachtung der Prüfungsgebiete für die Zweite Juristische Staatsprüfung beim Studium der arbeitsrechtlichen Wahlfachgruppe
  8. Nach § 44 Abs. 2 Nr. 1 JAPO sind Pflichtfächer für die Zweite Juristische Staatsprüfung die Pflichtfächer der Ersten Juristen Staatsprüfung; aus dem Gebiet des Arbeitsrechts tritt aber gemäß § 44 Abs. 2 Nr. 2 lit. d JAPO das arbeitsgerichtliche Verfahren (nur Urteilsverfahren) in Grundzügen hinzu. Zum Vorbereitungsdienst gehört ein Pflichtwahlpraktikum mit sechs Schwerpunktbereichen zur Wahl des Rechtsreferendars. Den Schwerpunktbereich 4 bildet das Arbeits- und Sozialrecht. Für diesen Schwerpunktbereich sind Prüfungsstoff die Grundzüge des Betriebsverfassungs- und Mitbestimmungsrechts, das arbeitsgerichtliche Verfahren ohne Beschränkung auf die Grundzüge und die Grundzüge des Sozialversicherungsrechts und des sozialgerichtlichen Verfahrens. Geprüft wird zwar insoweit nicht mehr schriftlich, sondern nur noch mündlich; die Note aus dem Schwerpunktbereich wird aber bei der Berechnung der Gesamtnote zweifach gezählt (§ 54 Abs. 1 Nr. 4 JAPO). Wer für die Zweite Juristische Staatsprüfung an seiner arbeitsrechtlichen Auswahlentscheidung festhält, sollte daher schon während des Studiums Kenntnisse im Sozialversicherungsrecht und dem sozialgerichtlichen Verfahren erwerben.


letzte Bearbeitung: 14. October 2011, lehrstuhl.maschmann@jura.uni-regensburg.de
URL dieses Dokumentes: http://www.uni-regensburg.de/Fakultaeten/Jura/richardi/Lehre/WFG11.shtml