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Pressemitteilung 11.04.2011Verbesserte Schlaganfall-Versorgung im Raum Regensburg Bezirksklinikum mit Uni-Klinikum etablieren neues Konzept der mobilen ausgelagerten Stroke Unit Die Klinik und Poliklinik für Neurologie der Universität Regensburg etabliert mit Unterstützung der Schlaganfall-Initiative Regensburg e.V. und dem BMW Werk Regensburg ein neues Konzept zur Verbesserung der Schlaganfall-Versorgung im Raum Regensburg.
Die mobile Schlaganfallversorgung („Regensburger Schlaganfallmobilprojekt“) hat das Ziel, das Zeitfenster ab Eintreten eines Schlaganfalls bis zum Behandlungsbeginn so weit wie möglich zu verkleinern, um Spätfolgen des Schlaganfalls für den Patienten abzuwenden. Wurde der Schlaganfall bislang nach Eintreffen des Patienten auf der Schlaganfall-Spezialstation („Stroke Unit“) diagnostiziert, ist nun bereits im Notarztwagen eine hochwertige Untersuchung und Diagnostik möglich, so das Ergebnis einer neunmonatigen Studienphase im letzten Jahr am Bezirksklinikum. „Ein Schlaganfall ist ein Wettlauf gegen die Zeit“, betont PD Dr. Felix Schlachetzki, einer der Oberärzte der Stroke-Unit und Intensivstation, „nach dem Ereignis eines Schlaganfalls sterben pro Minute ca. 1,9 Millionen Gehirnzellen ab, wenn nicht behandelt wird “.
Das Konzept der neurologische Untersuchung und Neurosonographie beim akuten Schlaganfallpatienten im Rettungsdienst Dr. Felix Schlachetzki und Dr. Sandra Boy sind gemeinsam mit Prof. Dr. Thilo Hölscher von der University of California San Diego die geistigen Urheber des Projektes einer mobilen Schlaganfallversorgung. Nach einer ersten Studienphase in den USA im Jahr 2005 starteten sie im Rahmen einer zweiten Studienphase das Projekt vor einem Jahr in Regensburg. Das Ziel besteht durchgehend in der schnellstmöglichen Abklärung eines ursächlichen Gefäßverschlusses bereits am Ort des Geschehens. Die Untersuchungsinformationen werden dann, so das Konzept, noch während des Krankentransports sofort an das zuständige Schlaganfallzentrum weitergeleitet. Dr. Felix Schlachetzki: „Damit gewinnen wir wertvolle Zeit für die schnellstmögliche Beseitigung des Gefäßverschlusses mittels einer Thrombolyse-Therapie oder mechanischer rekanalisierender Maßnahmen“. Die vielversprechenden Studienergebnisse aus den ersten beiden Phasen veranlassten nun das Ärzteteam, das Konzept langfristig am Bezirksklinikums umzusetzen. Möglich wird das durch die Unterstützung des BMW-Werks Regensburg und der Schlaganfall-Initiative Regensburg e.V.. Letztere erklärte sich bereit, dauerhaft ein ihr vom BMW Werk Regensburg gestiftetes Einsatzfahrzeug zu diesen Zwecken zur Verfügung zu stellen. Außerdem werden die beteiligten Mitarbeiter des Malteser Rettungsdienstes in die Akutdiagnostik des Schlaganfalls eingewiesen. „Damit kann das Konzept der mobilen Schlaganfallversorung und seine wissenschaftliche Bewertung durch unsere Schlaganfall-Experten vollständig umgesetzt werden“, freut sich Prof.Dr. Ulrich Bogdahn, Direktor der Klinik und Poliklinik für Neurologie, über diesen großen Schritt nach vorn. Die mobile Schlaganfallversorgung funktioniert im sogenannten „Rendezvouz-Verfahren“. Dabei treffen sowohl der Rettungssanitäter als auch ein Schlaganfall-Neurologe mit einem mobilen Utraschallgerät beim akuten Schlaganfallpatienten ein. Dieser wird zunächst fachkompetent untersucht, anschließend die lebenswichtigen, hirnversorgenden Arterien mittels mobiler transkranieller Farbduplexsonografie einzeln funktionell dargestellt. Damit ist noch vor Ort die Entscheidung über die anschließende Therapie auf der Schlaganfall-Station möglich und dort wesentlich schneller verfügbar.
Zwischenfazit Die bisher vorliegenden Studienergebnisse aus den beiden Phasen lassen erwarten, dass das Konzept der mobilen Schlaganfallversorgung optimal etabliert und vervollständigt werden kann. Bereits in der ersten Studienphase hatte sich gezeigt, dass Blutgefässe, die das Hirn versorgen, bereits innerhalb der ersten 5 bis 10 Minuten nach Eintreffen am Notfallort mittels Ultraschall dargestellt werden können. Im Laufe der neunmonatigen Regensburger Pilotphase nahmen die Experten dann die Untersuchungsqualität und die Sicherheit der Darstellung der Hirngefäße durch ein Ultraschallkontrastmittel ins Visier. Dabei zeigte sich, dass die Nutzung von Ultraschallkontrastmitteln sowohl die diagnostische Sichrheit als auch die Zahl der darstellbaren Gefäße in der Notfallsituation erhöhte und verschlossene Gefäße eindeutig identifizierte. Insgesamt konnten während der Regensburger Studienphase weit über hundert Patienten mit dem Schlaganfallmobil versorgt werden. Die mittlere Anfahrtszeit zum akut Erkrankten betrug 18 Minuten, die mittlere Untersuchungszeit fünf Minuten. Insgesamt dauerte der Rettungseinsatz ab Alamierung bis hin zur Klinikeinweisung durchschnittlich 52 Minuten. Und: durch das Rendezvous-Prinzip geht keine kostbare Zeit verloren! Dr. Felix Schlachetzki zieht ein positives Fazit: „Die Interaktion zwischen dem Neurologen und den Mitarbeitern des Rettungsdienstes gestaltete sich zielführend und sehr kollegial. Wir konnten vor Ort eine umfassende Diagnostik des Gefäßverschlusses erstellen. Das wirkte sich äußerst positiv auf den Zeitpunkt des Behandlungsbeginn und den Therapieverlauf auf der Schlaganfall-Spezialstation aus“. Dr. Sandra Boy: „Langfristig wird es darum gehen, ob die Therapie des Schlaganfalls mittels Ultraschallwellen, die den Gefäßverschluss auflösen können (sog. Sonothrombolyse), bereits vor Ort - also noch viel schneller - erfolgen kann.“
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