Klinik
Der Verlauf der Erkrankung ist individuell
sehr unterschiedlich, es zeigen sich vielfältige Symptome, die die Erkrankten entwickeln
können. Typisch ist zum einen das Auftreten von unwillkürlichen
und unkontrollierbaren (sog. choreatischen) Bewegungen von meist mehreren
Muskelgruppen der Arme, Beine, des Rumpfes und auch des Gesichtes und
Kopfes. Die Bewegungen nehmen bei Aufregung oder Nervosität zu,
hinzu kommt eine deutliche Gangunsicherheit. Außerdem können
Sprech- und Schluckstörungen hinzutreten.
Daneben zeigen sich oft bereits im Frühstadium der Erkrankungen
psychische Veränderungen mit Reizbarkeit, Nervosität, Interesselosigkeit
und Depression. Auch Wahnvorstellungen und Halluzinationen können
Teil des Krankheitsbildes sein. In späteren Stadien kommen Gedächtnis-
und Orientierungsstörungen bis zur Demenz hinzu.Tritt die Erkrankung
bereits im Jugendalter auf, kann es dagegen zu einer zunehmenden Muskelsteifigkeit
und Bewegungshemmung kommen, wie es von Parkinson-Patienten bekannt
ist (Westphal-Variante).
Diagnostik
Im Frühstadium ist die Diagnose der Erkrankung schwierig.
Da es sich um eine erbliche Erkrankung handelt, sind die Befragung
und die Familiengeschichte des Patienten von großer Bedeutung.
Daneben ist die ausführliche klinisch-neurologische Untersuchung
entscheidend. Bei untypischen Beschwerden werden zusätzliche
bildgebende Verfahren (CT, MRT) eingesetzt, ggf. werden auch evozierte
Potentiale (SSEP) und Elektroenzephalographie (EEG) angewandt. Dies
ist notwendig, um die Huntington-Erkrankung von anderen Krankheitsbildern,
die im Anfangsstadium ähnlich verlaufen können, zu unterscheiden.
Eine sichere Diagnosestellung ist allerdings nur mit Hilfe einer
humangenetischen Testung möglich. Dabei wird eine Blutprobe
eines Betroffenen auf Veränderungen
im entsprechenden Gen untersucht. Auch gesunde Familienangehörige
können
sich diesbezüglich untersuchen lassen, allerdings muss dabei
zuvor eine ausführliche Beratung (z.B. durch einen Arzt für
Humangenetik) erfolgen. |
|
 |
Genetik
Die Huntington-Erkrankung wird autosomal-dominant vererbt: Patienten
tragen auf einem der beiden von den Eltern erhaltenen Genkopien (heterozygot)
eine charakteristische Verlängerung einer längenvariablen
Region (sog. CAG-Repeat) von mindestens 40 CAG-Repeats. Oft finden
sich weitere Familienmitglieder mit Erkrankungszeichen. Neumutation
ist gerade für HD sehr selten. Die Erkrankung betrifft
Männer und Frauen gleichermaßen, heterozygote Anlageträger
der charakteristischen Repeat-Verlängerung im Huntingtin-Gen
erkranken in jedem Fall (100% = vollständige Penetranz). Eine
Besonderheit der Huntington-Erkrankung ist die Möglichkeit einer
Zunahme der Repeat-Länge bei der Weitergabe an die Nachkommen
insbesondere über männliche Überträger. Klinisch äußert
sich dies in einem früheren Erkrankungsalter und schwereren
Krankheitsverlauf. Beides korreliert grob mit der Länge des
CAG-Repeats, wobei umgekehrt aus dem genetischen Befund keine sichere
Vorhersage bzgl. des individuellen Krankheitsverlaufes möglich
ist. Für Nachkommen eines Patienten bzw. Anlageträgers
ist eine formalgenetische Wahrscheinlichkeit von 50% anzugeben, erneut
heterozygote Anlageträger zu sein.
Therapie
Eine ursächliche Behandlung der Huntington-Erkrankung ist bisher
nicht bekannt; im Vordergrund steht die medikamentöse Therapie
zur Verminderung der Bewegungsunruhe, außerdem die Behandlung
depressiver und psychischer Symptome mit Hilfe von Antidepressiva und
Neuroleptika. Daneben haben funktionserhaltende Therapien, die zum
Ziel haben, die Mobilität und Lebensqualität über eine
lange Zeit zu erhalten, eine wichtige Bedeutung, insbesondere Physio-
und Ergotherapie sowie logopädische Behandlung.
Zur Behandlung der jugendlichen Form werden Medikamente eingesetzt,
die normalerweise gegen die Parkinson-Krankheit verwendet werden. In
späten Stadien der Huntington-Erkrankung sind auch die Versorgung
mit Hilfsmitteln (Gehwagen, spezielle Abpolsterungen) und eine ausreichende
Ernährung von großer Bedeutung.
Schwerpunkte der Regensburger Ambulanz
- Diagnosestellung und Differentialdiagnostik
- Medikamentöse Therapie der neurologischen und psychischen
Symptome
- Kontinuierliche Versorgung der Patienten im ambulanten und stationären
Bereich
- Einleitung von Rehabilitationsaufenthalten, Beratung Angehöriger
bzgl. häuslicher Versorgung
- genetische Beratung und Durchführung der humangenetischen
Diagnostik im Rahmen der interdisziplinären neurogenetischen
Sprechstunde in Zusammenarbeit mit Frau Dr. med. Ute Hehr,
Zentrum
für Humangenetik Regensburg.
Aktuelle klinische Studien:
Die Huntington-Ambulanz nimmt an der multizentrischen Studie des Deutschen
Netzwerks für erbliche Bewegungsstörungen (GeneMove) als
Zentrum teil. Dabei wird insbesondere untersucht, welche weiteren
genetischen Faktoren den Verlauf der Erkrankung beeinflussen.
Links und Kontaktadressen
Deutsche Huntington-Hilfe e.V.
www.huntington-hilfe.de
Deutsches Netzwerk für erbliche Bewegungsstörungen
www.genemove.de
Hereditary Disease Foundation
www.hdfoundation.org
Selbsthilfegruppen
Chorea-Huntington-Regensburg
Regensburger Selbsthilfegruppe
www.chorea-huntington-regensburg.seko-bayern.org
Deutsche Huntington-Hilfe e.V.
DHH Landesverband Bayern
c/o Prof. Dr. Dose
Bezirkskrankenhaus
Postfach 80
84416 Taufkirchen