Ultrastrukturelle Telepathologie
Das Projekt "Telemikroskopie" des Zentrallabors für Elektronenmikroskopie wird in Kooperation mit den Firmen Carl Zeiss NTS GmbH / Oberkochen (Hersteller des Elektronenmikroskops www.smt.zeiss.com) und Soft Imaging System GmbH / Münster (Hersteller des Steuerungssoftware-Moduls "Telepresence" integriert in die weit verbreitete Standard-Software für Mikroskope "analySIS" www.soft-imaging.de) entwickelt. Finanzielle Unterstützung erfährt das Projekt durch das Pathologische Institut sowie durch das Bayerische Staatsministerium für Arbeit und Sozialordnung, Familie und Frauen / München.
Mit Hilfe dieser Technologie können die oftmals für die Diagnostik notwendigen Zweitmeinungen sowohl schneller als auch kostengünstiger eingeholt werden, da der konventionelle Versand von EM-Bildern auf dem Postweg entfällt. Entscheidend ist dabei außerdem, dass der Experte keine vorab ausgewählten Areale beurteilen muss, sondern selbst die für die Fragestellung wichtigen Präparat-Bereiche auswählen und mikroskopieren kann. Dies ist vor allem bei den in letzter Zeit auftretenden Bioterror-Gefahren (z.B. Pocken, -> Bild) und dem Auftauchen neuer Krankheiten (z.B. SARS) hervorzuheben.
Unser Zentrallabor ist mit dem digitalen Elektronenmikroskop LEO 912AB (-> Geräteausstattung) ausgestattet - digital bedeutet hierbei, dass alle Funktionen des Mikroskops per Computer angesteuert werden können. Dies ist eine der wesentlichen Voraussetzungen, um es via Internet fernsteuern zu können. Eine Weitere ist das Vorhandensein einer Digitalkamera (sog. CCD-Kamera). Unser Mikroskop hier in Regensburg ist mit einer boden-montierten CCD-Kamera der Firma Proscan elektronische Systeme GmbH / Lagerlechfeld (www.proscan.de) ausgerüstet, die Digitalbilder mit einer Auflösung von 1024*1024 Pixel bei 14 bit Grauwerttiefe liefert.


In der ultrastrukturellen Diagnostik wird in verschiedenen Vergrößerungsbereichen gearbeitet. Um sich einen ersten Überblick verschaffen zu können, sind niedrige Vergrößerungen (sog. LowMag, 18 - 2.000x) unverzichtbar - durch die Aperturblende entsteht in diesem Vergrößerungsbereich jedoch ein Beschnitt des sichtbaren Ausschnitts (Vergrößerungen <300x) und damit eine Abnahme des Kontrastes des digitalen Bildes; daher muss die Blende in diesem Fall aus dem Strahlengang gebracht werden. Zu diesem Zweck ist an unserem Elektronenmikroskop derzeit weltweit einmalig eine automatisierte Aperturblende montiert.

Die Steuerungssoftware ist ein neuentwickeltes Modul - "Telepresence-Modul" - das in die analySIS-Software integriert ist. Auf Seiten des Elektronenmikroskop-Betreibers wird die sog. "Server"-Version installiert, durch diese werden grundlegende Einstellungen wie Mikroskoptyp, Kameratyp und Tischsteuerung definiert. Die Anwenderseite erhält die sog. "Client"-Version. Mit dieser können ebenso wie mit der Server-Version alle grundlegenden Funktionen zur Steuerung des Mikroskops ausgeführt werden:
a) Aufbau einer bidirektionalen Internetverbindung zum Server des Elektronenmikroskops
b) Abrufen von Live-Bildern (-> Bild "Client"). Diese werden zur schnelleren Übertragung in der Regel komprimiert.
Art und Ausmaß der Komprimierung ist regelbar und somit an die Übertragungskapazität der verfügbaren Internet-Verbindung anpassbar. (->Bild)
c) Abrufen von Standbildern (Aufzeichnung eines digitalen Bildes). Dieses wird unkomprimiert in voller Auflösung der verwendeten CCD-Kamera übertragen (download ->Bild Pockenvirus 1,87 MB). Je nach Übertragungskapazität und Verbindung dauert dies zwischen 4s (LAN 10 Mb/s) und 20s (ISDN 64 kb/s) bei 1024*1024 Pixel Auflösung, 14 bit Grauwerttiefe.
d) Verschieben des Präparats - damit kann der Client selbst die geeigneten Präparatareale ansteuern. (->Bild)
e) Freie Vergrößerungswahl zwischen 18facher und 500.000facher Vergrößerung
(->Bild
"Client").
f) Autofokus, Grob- und Feinfokussierung (->Bild "Client").
g) Reglung der "Licht"-Intensität mit Hilfe des mit übertragenen Belichtungs-Histogramms (->Bild "Client").
h) Freie Wahl der logischen Kamera (-> Bild), deren Belichtungszeit und der Art der Lichtintensitätsmessung (->Bild "Client").
i) Diskussionsmodus am Standbild durch schnell synchronisierende Pfeilsymbole, Schriftzeichen oder sonstige Overlay-Symbole, wodurch interessante Präparat- bzw. Bildbereiche eindeutig markiert werden können. (-> Bild)
j) Messungen am Standbild. (-> Bild)
k) Schnelle Übertragung von sonstigen Dateien.


Die Funktionsweise
(->Schema) der "Tele-Pathologie" wurde seit dem Jahr 2000 in Zusammenarbeit mit vier verschiedenen Institutionen durch mehrere Testschaltungen und Konsiliardiagnosen erprobt:
a) Dr. Hans Gelderblom, Konsiliarlaboratorium für elektronenmikroskopische Erregerdiagnostik, Robert-Koch-Institut Berlin
b) Dr. Bärbel Hauröder, Zentrallabor für Elektronenmikroskopie am Sanitätszentrum des Bundeswehrkrankenhauses Koblenz
c) Dr. Stefan Kolb, Pathologisches Institut der Universitätsklinik Zürich
d) Prof. Thomas Mairinger, Pathologisches Institut der Universitätsklinik Innsbruck

Die fortschreitende Entwicklung des Projektes "Tele-Pathologie" wurde einem breiten nationalen wie internationalen Publikum auf diversen Konferenzen und durch mehrere Publikationen vorgestellt ->Liste