Sabine Demel,
Mitmachen - Mitreden - Mitbestimmen. Grundlagen, Möglichkeiten und Grenzen in der katholischen Kirche,  Regensburg 2001.


Zum Inhalt:

Mitbestimmung in der Kirche

Problemstellung
„Volk Gottes“, „Gemeinschaft aller Gläubigen“, „Glaubenssinn des ganzen Gottesvolkes“
– das sind Schlüsselbegriffe, die das II. Vatikanische Konzil (1962-1965) zukunftsweisend vorgegeben hat. 
Immer wieder wird seitdem betont, dass nicht nur die Kleriker bzw. die Hierarchie von Papst, Bischöfen, Priestern und Diakonen die Sendung der Kirche erfüllen, sondern auch die Laien. 
Alle, Laien und Kleriker, sind gemäß ihrer je eigenen Stellung in der Kirche zur Ausübung der Sendung berufen, die Gott der Kirche zur Erfüllung in der Welt anvertraut hat – so ist wiederholt in kirchlichen Dokumenten zu lesen. 

Preis: € 8.90
172 Seiten,
ISBN 3-7867-83799

Doch diese theologische Maxime von der grundsätzlichen Gleichheit im Volk Gottes und dem daraus resultierenden  Mitwirken und Mitbestimmen  aller Glieder in der Kirche hat sich in der Praxis noch zu wenig niedergeschlagen und ist auch im kirchlichen Gesetzbuch von 1983 nicht vollends verwirklicht. 
Im kirchlichen Alltag läuft weiterhin vieles von oben nach unten, vom Papst über die Bischöfe zu den Pfarrern hin zum Rest der kirchlichen Gemeinschaft. Auf allen Ebenen der Kirche wird darüber geklagt, dass es zu wenig bis gar keine Mitbestimmung gibt; das Miteinander ist weder von umfassender wechselseitiger Information, offener Meinungsäußerung und Dialog noch von kooperativer Arbeitsweise, Beteiligung an Entscheidungsprozessen oder vom Mittragen der Konsequenzen geprägt. Ursachen
Grund für diese unbefriedigende Situation ist folgende Tatsache:
war gehört die Lehre des II. Vatikanischen Konzils über das Volk Gottes und die wahre Gleichheit aller Getauften wie auch von der Gemeinschaft der vielen Teilkirchen zum anerkannten Gemeingut der katholischen Kirche.
Zugleich stehen aber die Kleriker (Papst, Bischof, Priester, Diakon) nach wie vor zu sehr im Mittelpunkt des kirchlichen Lebens. Ihnen wird aufgrund ihrer Weihe nicht nur in den zentralen, sondern in allen kirchlichen Angelegenheiten eine derart unersetzliche Rolle zugesprochen, daß der je eigene Anteil der einzelnen Gläubigen wie auch der einzelnen Teilkirchen nicht zum Tragen kommt; vielmehr ist deren Ausübung von Diensten und Ämtern fast nur in Abhängigkeit vom Weiheamt ausgestaltet. 
Die konkreten Vorgaben über die jeweiligen Möglichkeiten, Rechte und Pflichten von Laien und Klerikern innerhalb der Glaubensgemeinschaft wie auch von Papst und Bischöfen innerhalb der Gemeinschaft der Teilkirchen ist weiterhin von dem traditionellen, vorkonziliaren Bild des überall unentbehrlichen Klerikers auf der einen Seite und des allseits zuständigen Papstes auf der anderen Seite gekennzeichnet.
Dies zeigt sich auf der pfarrlichen Ebene (z.B. Pfarrgemeinderat oder Predigtdienst) ebenso wie im teilkirchlichen (z.B. Priesterrat oder Diözesansynode) und gesamtkirchlichen Bereich (z.B. Ökumenisches Konzil oder Bischofssynode). 

Perspektiven
Dieser Widerspruch zwischen Theorie und Praxis – zwischen theologischer Grundaussage über die Gleichwertigkeit aller Gläubigen einerseits und mangelnder rechtlicher Ausgestaltung dieser Gleichwertigkeit andererseits - bedarf einer dringenden Änderung. 
Folgende Reformvorschläge können dazu einen wichtigen Beitrag leisten:
 

Zum einen ist die bisherige Kleruszentriertheit der kirchlichen Dienste und Ämter auf eine laienorientierte Ausgestaltung hin aufzubrechen, d.h., Laien sind in allen kirchlichen Lebensbereichen durch wesentlich mehr Mitwirkungs- wie auch Einspruchsrechte an den Gestaltungs- und Entscheidungsprozessen zu beteiligen.
Zweitens ist die Allzuständigkeit des Papstes durch die drei Prinzipien der legitimen Vielfalt in der Einheit, der bischöflichen Kollegialität und der Subsidiarität rechtlich klar einzuschränken und sein Einheitsamt stärker als Dienst- und Wächteramt zu umschreiben. 
Und drittens ist die Kompetenz der Bischofskonferenzen zu stärken, damit sich ihre Mittler- und Vermittlerrolle zwischen den Teilkirchen und dem Papst besser entfalten kann. 


                                                                                                         Stand: 19.08.04