Sabine Demel: 

Strukturen und Ämter der Kirche.Was aus theologisch - rechtlicher Sicht dazu zu sagen ist, Würzburg 2002 (pastoraler Basiskurs, Theologie im Fernkurs, Lehrbrief 9).

Zum Inhalt:

Lektorin, Küster, Religionslehrerin, Kaplan, Pastoralassistentin, Ministrantin, Seniorenkreisleiter, Gemeindereferent, Kommunionhelferin, Mitglied des Pfarrgemeinderates, Pfarrer ... - eine Vielzahl von Tätigkeiten und Funktionen, die es in jeder katholischen Kirchengemeinde gibt. Der eine verbindet damit gute Erfahrungen, die andere eher schlechte. Denn der eine denkt z.B. daran, wie gut und effektiv der Pfarrgemeinderat arbeitet, wie anregend der Religionsunterricht war oder wie einfühlsam der Pfarrer mit den wiederverheirateten Geschiedenen in seiner Gemeinde umgeht; die andere erinnert sich dagegen an die fruchtlosen Diskussionen im Kirchenchor wegen neuer Liedvorschläge, an die mangelnde Akzeptanz von Kommunionhelferinnen in der Gemeinde oder an die gespannte Atmosphäre zwischen Gemeindereferent und Pfarrer usw. 

 
So unterschiedlich die Erfahrungen in und mit der Gemeinde als Kirche vor Ort heute auch sind, sie machen eines deutlich: Die Gemeinde ist nicht mehr nur Objekt, sondern auch Subjekt der kirchlichen Sendung. Pastoral ist nicht mehr wie früher nur die Aufgabe der Priester an den Gemeindegliedern und Seelsorge nicht mehr nur die Sorge für die Seele der bzw. des Einzelnen: Pastoral ist vielmehr die Aufgabe aller Glieder der Kirche und Seelsorge die wechselseitige Hilfe im Christsein. 
 
Wechselseitige Hilfe in einer Gemeinschaft kann nur gelingen, wenn 
· nicht alle haargenau das gleiche tun, sondern je nach Stand und Aufgabe in der Gemeinschaft spezifische Dienste übernehmen.
· die je spezifische Tätigkeit nicht willkürlich ausgeübt oder eingegrenzt wird, sondern nach bestimmten und allgemeingültigen Kriterien der Gemeinschaft erfolgt. 
 
Deshalb ist es notwendig, dass es Strukturen gibt, die beiden Bedingungen adäquat Rechnung tragen. Solche Strukturen zu schaffen und diese auch stets auf ihre Funktionsfähigkeit hin zu (über)prüfen ist Aufgabe des Rechts. 
Damit erfüllt Recht eine wichtige Funktion sowohl für die Gemeinschaft als Ganze wie auch für die/den Einzelnen in der Gemeinschaft. 
 
Umso erstaunlicher ist es, dass sich gerade heutzutage alles, was nach „Recht" klingt und mit „Recht" zu tun hat, nicht allzu großer Beliebtheit erfreut. Dies gilt insbesondere, wenn von „Recht" in der Kirche bzw. von „Kirchenrecht'' die Rede ist. Warum ist das so? 
Was ist diesem Eindruck entgegenzuhalten? Wie steht es genauerhin mit dem Recht in der katholischen Kirche? Wo ist dieses Recht überhaupt zu finden? 
Diesen grundlegenden Fragen ist das 1. Kapitel gewidmet. 
 
Den drei Strukturprinzipien der Kirche ist das 2. Kapitel gewidmet. Gemeint sind damit die drei Prinzipien: 
1. die Gemeinschaft der Gläubigen als Volk Gottes, 
2. die Gemeinschaft der Teilkirchen, 
3. die hierarchische Gemeinschaft. 
Aus diesem Selbstverständnis von Kirche ergeben sich Konsequenzen für das ökumenische Verhältnis der katholischen Kirche zu den anderen Kirchen und kirchlichen Gemeinschaften, die ein eigener Abschnitt behandelt.
 
Das 3. Kapitel thematisiert die grundlegende Gleichheit aller Glieder der Kirche wie ihre Unterscheidung in Kleriker, Laien und Ordenschristen. Ein besonderes Augenmerk gilt der allgemeinen Problematik von Laien in der Kirche und speziell der Rolle der Frau in der Kirche.
 
Wie die höchste Autorität in der Kirche ausgeübt wird, wie der Papst und das Bischofkollegium aufeinander bezogen sind, welche Funktionen ein Ökumenisches Konzil bis hin zu den verschiedenen Gremien hat, die dem Papst bei der Ausübung seines Einheitsdienstes zur Seite stehen, erörtert das 4. Kapitel.
Die rechtliche Stellung der Teilkirchen mit ihren unterschiedlichen Leitungsämtern der Gesetzgebung, der Verwaltung und der Gerichtsbarkeit und die Möglichkeiten der Mitgestaltung der Laien auf diözesaner Ebene sind Inhalt des 5. Kapitels
Die Bischofskonferenz steht in einer Mittelfunktion, ihr rechtlicher Gestaltungsspielraum ist zwischen dem Apostolischen Stuhl und dem Ortsbischof angesiedelt, wie anhand der Deutschen Bischofskonferenz aufgezeigt wird.
Der Pfarrer hat zwar kirchenrechtlich die dominante Stellung in der Pfarrei inne, aber es gibt Möglichkeiten der kirchenamtlichen Sendung für Laien in der Pfarrei, wie das 6. Kapitel zeigt. Es geht auf die schwierige rechtliche Situation der deutschen Pfarrgemeinderäte ein, um anschließend eine kritische Bilanz zu ziehen, die gleichzeitig einen Ausblick auf die Zukunft der Kirche geben will.
Der Anhang bietet eine Übersicht über die kirchenrechtlichen Quellen sowie die wichtigsten Angaben zur Sekundärliteratur.
 

                                                                                                  Stand: 19.08.04