Der Borromäusverein empfiehlt:
Das religiöse Buch des Monats August 2004 
Frauen und kirchliches Amt 

Demel, Sabine: Frauen und kirchliches Amt. 
Vom Ende eines Tabus in der katholischen Kirche. 
Freiburg: Herder Verlag, 2004. 152 S..; kt.; 12,90 € 


Seit dem II. Vatikanischen Konzil und nochmals verstärkt durch ein Votum der Würzburger Synode ist das Thema der Zugänge zu den Ämtern der Kirche immer wieder Gegenstand intensiver Diskussion. Vieles kreist dabei um die unterschiedliche Bewertung der kirchenrechtlichen Klärung, dass die Priesterweihe allein Männer vorbehalten ist. Verschiedensten vatikanischen Erklärungen ist es nicht gelungen, Ruhe in die nicht nur sachlich geführte Diskussion zu bringen. Aktuell brennt die Thematik kirchlicher Dienste und Ämter bei den Suchbewegungen zu einer kooperativen Pastoral neu auf. In dieser Situation erscheint das Werk der Regensburger Professorin für Kirchenrecht. Es skizziert das Thema, fragt nach den Grundlagen in biblischen Texten, in der Tradition der Kirche, in den kirchenrechtlichen Festlegungen zwischen 1903 und 1983 und nach den theologischen Aussagen des Konzils. Entsprechend dem Titel des Buches werden im Mittelteil die verschiedenen Facetten einer derzeit ausgeschlossenen Frauenordination in der katholischen Kirche beleuchtet. Im Epilog fragt sich die Autorin selbst mit Blick auf Katharina von Alexandrien nach ihrem persönlichen Anteil und Beitrag zur Klärung der Debatte.

Sabine Demel schreibt in einer gerade auch für interessierte Nichtfachleute verständlichen Sprache. Der umfangreiche 30-seitige Anhang enthält selbst für Nichttheologen manch aufschlussreichen Hinweis auf die Akteure und den jüngeren Diskussionsverlauf. Darüber hinaus zeichnet sich das Werk durch den Verzicht auf jedwede Unsachlichkeit aus, die Klarheit der Analyse macht einerseits Positionen deutlich und weist anderseits auf mögliche Veränderungen durch das kirchliche Lehramt hin. Demel stellt geltendes Kirchenrecht nicht in Frage, in der Bewertung der „Aktion Priesterinnenweihe“ von 2002 ist ihre Position eindeutig. Gleichzeitig skizziert sie im Bezug auf die pastorale Situation in den Gemeinden jetzt und in Zukunft die auf der Grundlage ihrer Analyse möglichen Beteiligungsformen von (un-)verheirateten Frauen und Männern an den Diensten und Ämtern der Kirche. Dass sie diese Diskussion ob der besonderen Fähigkeiten von Frauen besonders beleuchtet, kennzeichnet bereits der Titel des Buches. Daneben betont die Autorin immer wieder ihr Hauptanliegen: die theologische Anerkennung der Gleichwertigkeit der Geschlechter und ihr gemeinsames Wirken als gleichberechtigte und partnerschaftliche „Zeichen und Werkzeuge des Heils“. Vor dem Hintergrund immer größerer - von Priestern zu versorgenden - Gemeinden zeigt Demel Wege auf, wie vor dem Hintergrund theologischer Weiterentwicklungen auch rechtliche Regeln der Kirche angepasst und gleichzeitig zeitgemäße Lösungen für veränderte Gemeindesituationen erreicht werden könnten. Insgesamt ist das Buch ein engagierter, wohltuend sachlicher Diskussionsbeitrag, der von allen, die sich mit dem Thema – unabhängig von ihrer jeweiligen eigenen Position zu den aufgeworfenen Fragen – befassen, mit Gewinn gelesen werden kann. 

(Als „Religiöses Buch des Monats“ benennen der Borromäusverein, Bonn, und der Sankt Michaelsbund, München, monatlich eine religiöse Literaturempfehlung, die inhaltlich-literarisch orientiert ist und auf den wachsenden Sinnhunger unserer Zeit antwortet.) 

 

Stand: August 2004