Codex Canonum Ecclesiarum Orientalum. 
Gesetzbuch der katholischen Ostkirchen.
Lateinisch-deutsche Ausgabe,

hrsg. v. Gerosa, L., Krämer, P., übers. v. Ludwig, G., Budin, J., grundlegend bearb. v. Demel, S., Gerosa, L., Krämer, P., Müller, L.,

Paderborn 2000.

 

Der Codex Canonum Ecclesiarum Orientalium, das Gesetzbuch der katholischen Ostkirchen, wurde vor nunmehr fast zehn Jahren erlassen und bietet zum erstenmal in der Geschichte der Kirche ein einheitliches Rechtskorpus, das für alle katholischen Ostkirchen in gleicher Weise gilt. Mit der erforderlichen Genehmigung des Apostolischen Stuhls hat sich nunmehr eine Gruppe von Fachleuten an die z. T. recht schwierige Arbeit der Übersetzung dieses Dokuments des kirchlichen Rechts gemacht. Hierfür waren mehrere Beweggründe ausschlaggebend: Zum einen gibt es auch im deutschsprachigen Raum nicht wenige Gläubige und Gemeinschaften von Gläubigen, die den katholischen Ostkirchen angehören. Diesen muß es ermöglicht bzw. erleichtert werden, die Rechtsordnung ihrer Kirche zu kennen und zu verstehen. Zum anderen soll der CCEO als das zweite große Dokument des geltenden kanonischen Rechts bekannter werden und mit ihm die Tatsache, daß es in der katholischen Kirche einen Rechtspluralismus gibt, den es weiter auszubauen gilt. Der Vergleich zwischen dem Gesetzbuch der lateinischen Kirche und jenem der orientalischen Kirchen macht die Spezifika beider Rechtsordnungen in der katholischen Kirche deutlich und kann auf diese Weise die Interpretation des kanonischen Rechts erleichtern. 
Eine erste Übersetzung des Gesetzbuches der katholischen Ostkirchen haben Gerd Ludwig und Dr. Joachim Budin erstellt, die deswegen auf dem Titelblatt dieses Buches als Übersetzer genannt werden. Allerdings handelte sich dabei um eine Rohübersetzung, die einer gründlichen Überarbeitung bedurfte. Diese schwierige und aufwendige Aufgabe der Überarbeitung wie auch der gleichzeitigen Anpassung an die kirchliche Rechtssprache haben Prof. Dr. Sabine Demel, Prof. Dr. Libero Gerosa, Prof. Dr. Peter Krämer und Prof. Dr. Ludger Müller übernommen. Ihre durchgängig notwendigen Einzelkorrekturen haben sie in zahlreichen Sitzung der gesamten Arbeitsgruppe aufeinander abgestimmt. Hierbei leistete Prof. Dr. Michael Kunzler als liturgiewissenschaftlicher und ostkirchenkundlicher Berater wertvolle Dienste. An dieser Stelle sei auch denen gedankt, die - mehr im Hintergrund stehend - unverzichtbare Hilfestellungen geboten haben, stellvertretend für alle sei nur Frau Dipl.- Theol. Lic. iur. can. Barbara Ries genannt. 
Zugrundegelegt wurde der Text des 1990 als separates Buch veröffentlichten CCEO, der anhand des vom Pontificium Consilium de legum textibus interpretandis mit Angabe der Quellen ergänzten Ausgabe von 1995 überprüft wurde; in diesen Text wurden die Änderungen eingearbeitet, die mit dem Motu Proprio »Ad tuendam fidem« vom 18. Mai 1998 promulgiert worden sind. Selbstverständlich ist ausschließlich der lateinische Text des Codex Canonum Ecclesiarum Orientalium maßgeblich; die deutsche Übersetzung kann lediglich eine Hilfe zu seinem Verständnis und zu seiner Anwendung darstellen. Dennoch mußte sich die Arbeitsgruppe stets darum bemühen, so nah wie möglich am Text zu bleiben. Angestrebt wurde jedoch keine wörtliche, sondern eine textadäquate Übersetzung, die auch lesbar sein soll; insbesondere mußte gelegentlich der Satzbau den Erfordernissen der deutschen Sprache angepaßt werden. Eine in allen ihren Teilen einheitliche Übersetzung wurde nicht angestrebt. Daß es bezüglich der Übersetzung einzelner Stellen auch andere einleuchtende, ja bessere Lösungen geben mag, sei gern eingeräumt; diesbezügliche Verbesserungsvorschläge, die in eine eventuelle Neuauflage eingehen könnten, sind ebenso herzlich willkommen wie Hinweise auf Druckfehler, die bei aller Sorgfalt unterlaufen können. 
Die Arbeitsgruppe hat in enger Zusammenarbeit einige Kriterien zur Übersetzung festgelegt und einige Grundentscheidungen getroffen, deren wichtigste im folgenden kurz zu erläutern sind: 
1. Die Konsultoren und Mitglieder der Kommission zur Revision des orientalischen Kirchenrechts konnten bei ihrer Arbeit großen Nutzen aus der vorangegangenen Kodifikation des lateinischen Kirchenrechts ziehen, was sich vor allem im Bereich des Prozeßrechts auswirkt. So stimmt der Text des CCEO des öfteren mit jenem des Gesetzbuches der lateinischen Kirche wörtlich oder zumindest fast wörtlich überein. Das legte es der Arbeitsgruppe nahe, im allgemeinen die in der deutschen Kirchenrechtswissenschaft üblichen Fachausdrücke der Übersetzung zugrundezulegen. Gelegentlich wurden aber besser erscheinende Übersetzungsmöglichkeiten gewählt. So wird das lateinische Wort »potestas« in bezug auf Staat und weltliche Gesellschaft mit »Gewalt«, in bezug auf die »potestas sacra« aber mit dem eher biblisch klingenden Wort » Vollmacht« (»potestas plena« mit »umfassende Vollmacht«) wiedergegeben. 
2. Dem Charakter des CCEO als Gesetzbuch der katholischen Ostkirchen sollte dadurch entsprochen werden, daß typische Begriffe der orientalischen Liturgie, Theologie und Rechtsordnung erhalten bleiben. So wird nicht von der Firmung, sondern von der Myronsalbung (»chrismatio sancti myri«) gesprochen. Hinsichtlich der Zuordnung von Klerikern zu einer Diözese, einem Orden oder einer ordensähnlichen Gesellschaft des gemeinsamen Lebens wird nicht der im westlichen Kirchenrecht übliche Terminus der Inkardination verwendet, sondern von Askription gesprochen. Dasselbe Wort »ascribere« muß in anderen Zusammenhängen (z. B. im Blick auf die Einordnung von Christgläubigen in eine bestimmte eigenberechtigte Kirche) mit »zugehören« o. ä. übersetzt werden, weil es hier um ein grundlegend anderes Rechtsverhältnis geht. 
3. Die typischen Begriffe der orientalischen Rechtsordnung werden nicht in ihrer latinisierten, sondern in der der jeweiligen sprachlichen Herkunft entsprechenden Form wiedergegeben. So wird zwar bei Codex und Canon die auch sonst übliche lateinische Schreibweise zugrundegelegt, die für das orientalische Kirchenrecht typischen Amtsbezeichnungen von Synkellos und Protosynkellos aber ihrem etymologischen Ursprung entsprechend geschrieben. 
4. Vorgelegt werden sollte eine einigermaßen textnahe Ubersetzung, nicht aber eine Interpretation des Gesetzbuches der katholischen Ostkirchen. Das hatte z. B. zur Folge, daß »monasterium stauropegiacum« mit »stauropegiales Kloster« und nicht, was zwar leichter verständlich, aber weniger textnah gewesen wäre, mit »Patriarchalkloster« übersetzt wurde. 
5. Hinsichtlich des imperativischen Konjunktivs hat die Arbeitsgruppe hingegen gemeint, durch die Übersetzung selbst eine Interpretationshilfe geben zu müssen. Da durch den imperativischen Konjunktiv in der Regel eine Rechtspflicht zum Ausdruck gebracht wird, wird er in der Regel mit »muß« oder »ist zu« wiedergegeben. Sofern jedoch aus dem Sachzusammenhang klar wird, daß keine Mußvorschrift gemeint ist, sofern also eine nicht nachprüfbare Pflicht zum Ausdruck kommt, ein erheblicher Ermessensspielraum eingeräumt wird oder die Pflicht an Bedingungen geknüpft wird, die nicht im voraus erfaßt werden können, wird die Übersetzung mit »sollen« gewählt. 
Es ist zu wünschen, daß die lateinisch-deutsche Ausgabe des Codex Canonum Ecclesiarum Orientalium bei aller Fehlerhaftigkeit menschlicher Arbeit wenigstens einen bescheidenen Dienst für das Leben der orientalischen Kirchen leisten kann. 
 

Die Herausgeber 

 

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