Demel, Sabine (Hg.),

Mehr als nur Nichtkleriker: Die Laien in der katholischen Kirche, 
Regensburg 2001.

Was wäre die Kirche ohne die Laien? Zu Beginn unseres Jahrhunderts hätte wohl die Antwort darauf geheißen: dann hätten ja die Kleriker niemanden mehr, der ihren Anordnungen gehorcht. Heute, im Zeitalter des Priestermangels, hört man nun eine ganz andere Antwort auf diese Frage. Jetzt wird nämlich allerorten erklärt: Ohne die Laien könnte doch die Kirche gar nicht mehr ihre vielen Aufgaben erfüllen. 

Spiegelt sich für die einen in diesem Wandel keine prinzipiell neue Auffassung über die Laien wider, sondern lediglich der Versuch, aus der Not eine Tugend zu machen, nämlich den Priestermangel durch die Laien als Lückenbüßer und Notbehelf zu kompensieren, so sehen andere darin ein Wirken des Heiligen Geistes, der  zu der Erkenntnis geführt hat, dass Laien nicht nur zur Kirche gehören, sondern (auch)  Kirche sind. 
Die neue aktive Rolle der Laien in Kirche und Gesellschaft ist für sie daher kein notwendiges Übel, kein Ersatz für die Kleriker, sondern eine wichtige Ergänzung und Bereicherung, die  im Wesen der Kirche selbst gründet. 
Wer oder was sind also die Laien? Sind sie die  Nichtfachleute in Sachen von Glaube und Kirche? Sind sie die Objekte der Seelsorge?  Sollen sie in der Welt ihren Glauben bezeugen, in der Kirche aber den Klerikern dienen? Oder haben sie auch in der Kirche eine eigenständige Stellung und Aufgabe? Sind auch sie Subjekte der Seelsorge? Sind auch sie in Sachen von Glaube und Kirche kompetent? 

Spätestens seit dem II. Vatikanischen Konzil (1962 – 1965) werden diese und viele weitere Fragen über die Laien im Raum der katholischen Kirche neu bedacht. Entscheidender Auslöser dafür ist der auf dem Konzil vollzogene Perspektivenwechsel im Selbstverständnis der katholischen Kirche, der auch zu einer veränderten Betrachtungsweise der Laien geführt hat. 
Bis dahin war nämlich Jahrhunderte lang gelehrt worden, dass es in der Kirche zwei Arten von Christen gibt, die Kleriker und die Laien. Und es war beharrlich betont worden, dass es sich hierbei um zwei ungleiche Personenstände handelt, weil die Kleriker die Kirche bilden und deshalb die Befehlenden sind, während die Laien das minderberechtigte Volk sind und als Untertanen zu gehorchen haben. 
Erst auf dem II. Vatikanischen Konzil setzt sich eine grundlegend neue Sicht und Bewertung der Laien durch. 
Denn die katholische Kirche wird  nicht mehr primär als die ständisch geordnete Gesellschaft von Klerikern und Laien verstanden, sondern als die Gemeinschaft aller Gläubigen, unter denen kraft der Taufe eine wahre Gleichheit besteht, die grundlegender ist als die Unterscheidung zwischen Kleriker und Laien. 
Ausgangspunkt sind somit nicht mehr die zwei Klassen der Kleriker und Laien, sondern die grundsätzliche Gleichheit aller Glieder des Volkes Gottes. Deshalb wird seitdem  immer wieder hervorgehoben, dass nicht nur die Kleriker bzw. die Hierarchie von Papst, Bischöfen, Priestern und Diakonen die Sendung der Kirche erfüllen, sondern auch die Laien. 
Alle, Laien und Kleriker, sind gemäß ihrer je eigenen Stellung in der Kirche zur Ausübung der Sendung berufen, die Gott der Kirche zur Erfüllung in der Welt anvertraut hat -- so ist wiederholt in kirchlichen Dokumenten zu lesen. 

Hieraus sind zumindest drei Schlussfolgerungen zu ziehen. 
Erstens darf es  in der Kirche nicht um Betreuung der einen durch die anderen gehen, sondern  es muss auf die wechselseitige Hilfe im Christsein ankommen. Zweitens  darf es keine Zweiteilung von aktiven Entscheidungsträgern hier und passiven Empfängern dort geben, sondern alle Gläubigen müssen die kirchliche Gemeinschaft aktiv mitgestalten. 
Drittens darf Kirche der Gesellschaft und Welt nicht nur gegenüber stehen, sondern muss vielmehr auch und gerade in ihrer Mitte tätig sein, nämlich  als das wirkmächtige Instrument Gottes für das Heil der Welt, also als Sakrament des Heils für die Welt. 

Was heißt das für die Laien in der Kirche? Wie hat sich ihre Rolle, ihr Tätigkeitsbereich und ihre Rechtsstellung in Kirche und Gesellschaft  im Vergleich zu früher verändert? Ist die Theorie hinreichend in die Praxis umgesetzt worden? Was wäre an Fortschritten wünschenswert? Was notwendig und was realistisch? 

Aus verschiedenen Perspektiven wird dazu Stellung bezogen: 

  • Heribert Smolinsky: Eigenständige Verantwortung von Laien. Ein lehrreicher Blick in die Geschichte der Kirche;

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  • Peter Neuner, Die Stellung der Laien in einem sich wandelnden Kirchenbild;
  • Helmuth Pree, Das kirchenrechtliche Kernprofil des hierarchischen Amtes; 
  • Sabine Demel, Statisten oder Protagonisten? Die Rechtsstellung der Laien auf dem ekklesiologischen Prüfstand;
  • Leo Karrer, Aufbruch der Laien in der Kirche; 
  • Hans Joachim Meyer, Die Eigenverantwortlichkeit der Laien im politischen und gesellschaftlichen Handeln.
 
Ein Blick auf die Buchpräsentation!
 

                                                                                                Stand: 19.08.04