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Projekte 1. Novum Testamentum Patristicum In einer Phase, in der die Stärken, aber auch die Grenzen historisch-kritischer Exegese immer klarer zutage treten, rückt die Auslegung des Neuen Testaments in der Alten Kirche wieder mehr in den Fokus exegetischer, aber auch patristischer Studien. Eine grundlegende Aufarbeitung des schier unübersichtlichen Materials zur altkirchlichen Interpretation des Neuen Testaments steht bis heute aus. Eine internationale Arbeitsgruppe von Exegeten und Patristikern ist seit einigen Jahren dabei, eine neue Reihe von Kommentaren zu erarbeiten, die die Rezeption des Neuen Testaments in der Antike in ihren wichtigsten Linien darstellt und die zugleich die jeweiligen Interpretationen in ihren historischen wie hermeneutisch-methodologischen Hintergrund einordnet. Im Herbst 2007 wird der erste Band erscheinen: M. Meiser, Galater (NTP 9), Göttingen 2007. Neben den eigentlichen Kommentaren sind verschiedene Einzelstudien als Vorarbeiten bzw. begleitende Projekte in Arbeit. Konkret sind folgende Buchprojekte direkt mit dem Lehrstuhl Exegese und Hermeneutik des Neuen Testaments verbunden: A. Merkt/T. Nicklas (Hg.), Entwicklungen von Passions- und Auferstehungstraditionen im frühen Christentum, Tübingen 2008. T. Nicklas / J.-M. Roessli, Apokryphen als Auslegungen neutestamentlicher Texte (NTP-Sb), Göttingen [in Vorbereitung für 2009]. T. Nicklas in Zusammenarbeit mit J. van Oort, Offenbarung 1-11 (NTP), Göttingen [in Vorbereitung für 2013]. Für weitere Informationen siehe die entsprechende Website: http://www.uni-regensburg.de/Fakultaeten/Theologie/alte-kg/html/ntp.html 2. Tod, Auferstehung und Jenseits in der Antike Eine der großen, letztlich nicht zu beantwortenden Fragen menschlichen Daseins ist die Frage nach dem "Wohin"? Der Tod als das absolute Ende des Lebens in seiner bekannten, für menschliches Ermessen (be-)greifbaren Form stellt die Bedeutung alles menschlichen Lebens so radikal in Frage, dass am Tode vorbei die Frage nach dem Sinn des Lebens sinnlos würde. Die Frage nach dem "Danach" ist deshalb zutiefst mit dem menschlichen Dasein verbunden. Mit der hellenistischen Ära – wohl beeinflusst auch durch die Schockerfahrungen der Verfolgungen in seleukidischer Zeit – formulieren biblische Texte wie Daniel, das 2. Makkabäerbuch oder das Buch der Weisheit Salomos in immer deutlicher werdender Form die Hoffnung auf eine individuelle endzeitliche Auferstehung zumindest der Gerechten. Diese Texte entstehen aber keineswegs im luftleeren Raum – ihre Autoren wie auch ihre Leserinnen und Leser sind Teil der vielfältigen Geisteswelt der römisch-hellenistischen Antike mit ihren mannigfachen Bezügen in die Denkwelten des alten Orients hinein. Die Frage nach dem Umgang mit dem Tod in verschiedenen antiken Religionssystemen und Gesellschaften ist von bleibender Bedeutung: Das in Zusammenarbeit mit verschiedenen Wissenschaftlern z.T. unterschiedlicher Fachrichtungen gestartete Projekt sucht einerseits vorhandenes Quellenmaterial zu erschließen (siehe Lehrstuhl Merkt), andererseits thematische Überlegungen anzustellen: Gemeinsam mit Vertretern der Universität Leuven, Belgien, wurde bereits im März 2007 ein internationales Symposium unter dem Titel "The Otherworld in its Relation to this World” organisiert. Der Fokus dieser Tagung richtete sich auf Vorstellungen und Darstellungen des Jenseits und ihre Funktion im Hinblick auf konkrete Probleme und Fragen des Diesseits. Ein Sammelband, der die Beiträge zu dieser Tagung zusammenstellt, ist in Vorbereitung: E. Eynikel/F. García Martínez/T. Nicklas/J. Verheyden (Hg.), The Otherworld in its Relation to This World (JSJ.S), Leiden – Boston 2008. Für das Jahresende 2008 ist in Zusammenarbeit mit der International Society of Deuterocanonical and Cognate Literature (ISDCL) eine Folgetagung zum Thema Der menschliche Körper in Tod und Auferstehung in Regensburg geplant. http://www.uni-salzburg.at/portal/page?_pageid=141,137427&_dad=portal&_schema=PORTAL 3. Edition und Interpretation christlicher Apokryphen In den vergangenen drei Jahrzehnten ist in vermehrtem Maße die Bedeutung neutestamentlicher bzw. christlicher Apokryphen für das Verständnis des frühen Christentums wiederentdeckt worden. Dabei spielen diese Texte weniger eine Rolle für die Rückfrage nach dem historischen Jesus, sondern für das Verstehen von Wachstums- und Interpretationsprozessen biblischer Literatur. Viele von ihnen erlauben auch interessante Einsichten in ansonsten kaum zugängliche Aspekte christlicher Sozial-, Frömmigkeits- oder Theologiegeschichte. In vielen Fällen aber ist die wissenschaftliche Arbeit an christlichen Apokryphen bisher noch dadurch erschwert, dass kaum verlässliche kritische Editionen der Texte vorliegen, die eine angemessene Interpretation erlauben. Während für die Texte des Neuen Testaments meist vielfältige Kommentare vorliegen, existieren für viele Apokryphen zudem bis heute weder verlässliche deutsche Übersetzungen, noch gar ausführliche Gesamtinterpretationen. In diesem Zusammenhang ist weiterhin Grundlagenarbeit notwendig. Für die nächsten Jahre ist geplant, die bereits erfolgte Arbeit an petrinischen Apokryphen (v.a. Petrusevangelium und griechische Offenbarung des Petrus) sowie apokryphen Evangelienfragmenten (v.a. P.Egerton 2) fortzusetzen und zu vertiefen. 4. Eine neue Richtung innerhalb der neutestamentlichen Textkritik: Was uns antike Handschriften über die Geschichte des Christentums erzählen Die Textkritik des Neuen Testaments wird landläufig gerne als die Disziplin angesehen, in der es darum geht, aus der Vielzahl erhaltener Lesarten in den erhaltenen Textzeugen des Neuen Testaments einen Text zu rekonstruieren, der dem Urtext so nahe wie möglich kommt. Auch wenn wir heute immer vorsichtiger mit dem Begriff "Urtext" geworden sind, bleibt diese Fragerichtung der neutestamentlichen Textkritik relevant. Darüber hinaus wurden gerade in den vergangenen Jahren neue Fragerichtungen innerhalb der neutestamentlichen Textkritik fruchtbar gemacht, die sich weniger dafür interessieren, aus der Vielfalt der Textformen den "einen "Urtext" zu rekonstruieren, sondern die die vorhandene Vielfalt ernst zu nehmen und in ihrem historischen Umfeld zu interpretieren suchen. Eine der interessantesten Richtungen besteht sicherlich darin, sich nicht nur die verschiedenen erhaltenen Textformen anzusehen, sondern dabei auch die konkreten Manuskripte des neutestamentlichen Textes genauer zu untersuchen, die diese überliefern: Die konkreten, ganz unterschiedlichen Handschriften frühchristlicher Texte und der Umgang mit ihnen erlauben uns nämlich – als eine Art von letzten "Fingerabdrücken" von Menschen einer längst vergangenen Zeit – in vielen Fällen vorsichtige Einblicke in Aspekte der Lebenswelt dieser Menschen. Nachdem ein erster Sammelband zu ausgewählten Problemen im Zusammenhang mit der genannten Fragerichtung im Jahr 2006 erschienen ist, ist ein Folgeband bereits in Vorbereitung: T.J. Kraus/T. Nicklas (Hg.), New Testament Manuscripts: Their Texts and Their World (TENT 2), Leiden – Boston 2006. Der Folgeband soll unter dem Titel "Early Christian Manuscripts: Their Texts and Their World" in der gleichen Reihe erscheinen. |
© Prof. Dr. Tobias Nicklas, Lehrstuhl für Exegese und Hermeneutik des Neuen Testaments (Universität Regensburg) |
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