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Experimente in Projektion - Chemie en miniature

(4+2)-Cycloadditionen (Diels-Alder)

Lernziel: Dien- und Dienophil-Komponenten in Diels-Alder-Produkten

Peter Keusch




English version




Chemikalien:
Cyclopentadien  (frisch destilliert)
1 mmol Anthracen / Toluol  (0.178 g / 20 mL)
1 mmol Cyclopentadien / Toluol  (82.6 ml / 20 mL)
1 mmol p-Benzochinon / Toluol  (0.108 g / 20 mL)
0.2 mmol 4-Phenyl-1,2,4-triazolin-3,5-dion (N-PTD) / Toluol  (0.035 g / 20 mL)


Anmerkung: Das frisch destillierte Cyclopentadien ist auf Eis zu halten. Ansonsten regiert es binnen einer Stunde mit sich selbst unter bildung von Dicyclopentadien (Dimerisation).


Gefahren und Sicherheitsmaßnahmen:

Cyclopentadien und Dicyclopentadien sind gesundheitsschädlich beim Einatmen. Sie wirken stark reizend auf die Schleimhäute der Augen und der oberen Atemwege.
Toluol ist gesundheitsschädlich beim Einatmen. Reizt die Augen, Atmungsorgane und die Haut. Wird über die Haut aufgenommen. Aufnahme grösserer Mengen führt zu Rausch, Krämpfen bis zur Bewusstlosigkeit.
p-Benzochinon wirkt stark reizend und ätzend auf Haut und Schleimhäute, insbesondere auf die Augen und oberen Atemwege. Lösung in Toluol m Abzug bereiten.

Schutzbrille, Schutzhandschuhe. Das Experiment ist in einem Tischabzug durchzuführen!


Versuchsdurchführung:

In zwei Reagenzgläser (R1 und R2) gibt man jeweils 1 mL der N-PTD - Lösung und fügt in R1 einen Tropfen der Lösung von Anthracen, in R2 einen Tropfen der Lösung von Cyclopentadien in Toluol zu.

Zwei weitere Reagenzgläser (R3 und R4) werden mit 1 mL der p-Benzochinon - Lösung beschickt und die Lösung in R4 mit 5 Tropfen frisch destilliertem Cyclopentadien versetzt.


Versuchsergebnis:

R1 Die N-PTD - Lösung entfärbt sich nach 5 Minuten.
R2 Die Lösung des N-PTD wird sofort entfärbt  (Bild 1).
R3 Gelbe p-Benzochinon - Lösung  (zum Vergleich)
R4  Die gelbe Lösung hellt sich allmählich auf und wird nach 2 Minuten farblos  (Bild 2).


Foto1
Bild 1

Foto2
Bild 2





















Deutung des Versuchsergebnisses:


·   In einer Diels-Alder-Reaktion wird ein System mit 2 p-Elektronen (Dienophil) in 1,4-Position an ein konjugiertes p-System mit 4 p-Elektronen (Dien) addiert. Die Reaktion wird als [4+2]-Cycloaddition klassifiziert. Die bedeutet, dass die 4 p-Elektronen des Diens und die 2 p-Elektronen des Dienophils gleichzeitig in die Reaktion involviert sind. Es findet eine Umordnung der 6 Elektronen statt. Zwei neue s-Bindungen (blau markiert in den folgenden Gleichungen) und eine p-Bindung werden gleichzeitig gebildet, während drei p-Bindungen (rot markiert in den folgenden Gleichungen) gebrochen werden. Die treibende Kraft der Reaktion ist die Bildung der neuen s-Bindungen, die energetisch stabiler sind, als die
p-Bindungen. Das Reaktionsprodukt ist ein sechsgliedriger Ring. Ein typisches Beispiel ist die Reaktion von 1,3-Butadien mit Ethen unter Bildung von Cyclohexen  (1).



·  Die Diels-Alder-Reaktion ist stereospezifisch sowohl bezüglich des Diens als auch bezüglich der Dienophils. Die Reaktion verläuft als syn-Addition an beiden Komponenten. Bei offenkettigen Dienen hängt dementsprechend die Reaktivität vom Anteil der im Konformationsgleichgewicht vorhandenen s-cis-Konformation ab. Cyclische Diene, in denen die s-cis-Konformation fixiert ist, wie z.B. Cyclopentadien und 1,3-Cyclohexadien sind daher besonders reaktionsfähig, während cyclische Diene mit trans-Konformation überhaupt keine Diels-Alder-Reaktion eingehen.



·   Die bereits bei Raumtemperatur ablaufende Dimerisierung von Cyclopentadien stellt eine Diels-Alder-Reaktion dar. Ein Cyclopentadien-Molekül agiert als Dien mit 4 p-Elektronen, das andere Molekül als Dienophil mit 2 p-Elektronen. Durch einstündiges Erhitzen auf 150°C und anschließende Destillation wird aus dem dimeren Produkt das Dienmonomer gewonnen.

Gleichung


·   Elektronenliefernde Substituenten (Methyl-, Methoxygruppe) im Dien und elektronenziehende Substituenten (Formyl-, Nitrogruppe) im Dienophil fördern Cycloadditionen.

·   Cycloadditionen gehören zu den pericyclischen Reaktionen. Aufgrund einer cyclischen Anordnung der Elektronen im Übergangszustand erfolgen Bindungsbruch und Bindungsbildung konzertiert (simultan).

·   N-PTD und p-Benzochinon sind Dienophile, Cyclopentadien bzw. Anthracen sind Diene.

·   Die Entfärbung der roten N-PTD - bzw. der gelben p-Benzochinon - Lösung wird durch den Verlust der konjugierten Doppelbindung bedingt  (2)  und  (3).


Gleichung

Gleichung

·   Die unterschiedlichen Reaktionsgeschwindigkeiten lassen eine Wertung der Dienophile und Diene zu: N-PTD ist ein besseres Dienophil als p-Benzochinon; das Cyclopentadien ist reaktiver als das Anthracen.

·   Bei der Addition des N-PTD an das Anthracen findet lediglich der mittlere Ring Berücksichtigung (Resonanzstabilisierung des Cycloaddukts).


Allgemeine Instruktionen zur Versuchsdurchführung und Auflistung der Experimente (Download)






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