Institut für Musikwissenschaft

Vorlesungsverzeichnis

Wintersemester 2000/2001

 Studienberatung:

Prof. Dr. David Hiley, Gebäude PT 4.2.23, Tel. 943 35 12
Sprechstunde: Di 11-12 Uhr

PD Dr. Franz Körndle, Gebäude PT 4.2.04, Tel. 943 37 54
Sprechstunde: Fr 10-11 Uhr

Einführungsveranstaltung für Studierende der Musikwissenschaft:
16. Oktober 2000, 9-10 Uhr im Tonstudio (Gebäude PT 4.0.47)
 
 
Vorlesungen Seminare Proseminare Einstufungstests / Vorgezogene Abschlußklausuren
Übungen Kolloquium Ensembles


Vorlesungen

31 600 Allgemeine Musikgeschichte II (ca. 1400-1700) 
2st., Mo 11-13, Beginn: 16.10.2000
Körndle PT 2.0.4

Der zweite Abschnitt der insgesamt über vier Semester reichenden Überblicksvorlesung zur Musikgeschichte behandelt den Zeitraum von etwa 1400 bis 1720. Dabei werden einführend die Grenzen der Epochen (Mittelalter/Renaissance und Renaissance/Barock) thematisiert. Die erste Semesterhälfte wird dem 15. und 16. Jahrhundert gewidmet sein, wobei die Einbettung der Musik in die Geschichte der Zeit den Ausgangspunkt bilden wird. Nach einer Vorstellung der wichtigsten Zentren und Institutionen werden die Komponisten und die zentralen Gattungen ihres Schaffens im Mittelpunkt stehen (Chanson, Madrigal, Frottola, Villanella, Lied, Messe und Motette). Daneben sollen instrumentale Bearbeitungen vokaler Werke (für Orgel oder Laute) zur Sprache kommen. Wichtig erscheint auch das Verhältnis der Komponisten zu ihren Arbeit- bzw. Auftraggebern. Die zweite Semesterhälfte geht auf die Umbruchsituation der Zeit um 1600 ein, wobei die Entwicklung der selbständigen Instrumentalmusik einen besonderen Platz einnimmt. Die neuen Gattungen Oper, Kantate und Oratorium sowie das Concerto werden ebenso thematisiert wie das Weiterleben der alten Formen.
Literaturempfehlung: Ludwig Finscher (Hg.), Die Musik des 15. und 16. Jahrhunderts, Laaber 1989 u. 1990 (Neues Handbuch der Musikwissenschaft 3,1 u. 3,2); Werner Braun, Die Musik des 17. Jahrhunderts, Laaber 1981 (Neues Handbuch der Musikwissenschaft 4).
 
 
31 601 Heinrich Schütz und seine Zeit 
2st., Do 15-17, Beginn: 19.10.2000
Gmeinwieser PT 2.0.4

Heinrich Schütz (1585-1672) hat als "musicus poeticus ecclesiasticus" nicht an Aktualität eingebüßt. Die poetisch-musikalische Umsetzung des Wortes ist bei ihm von besonderem Gewicht. So ist das Werk von Heinrich Schütz liturgisch betrachtet ökumenisches Gemeingut. Nach Darstellung des künstlerischen Werdegangs des Meisters, angefangen von Il libro de' Madrigali bis hin zur Weihnachtshistorie und den letzten Werken, sollen schwerpunktmäßig die Eindrücke und Kompositionsprinzipien, die Schütz in Italien geprägt haben, untersucht werden.
 
 
31 602 Der Impressionismus in der Musik 
2st., Mi 9-11, Beginn: 18.10.2000
Hiley PT 2.0.4

Die Anwendung des aus der Kunstgeschichte entlehnten Terminus ‚Impressionismus' im Dienst der musikalischen Stilgeschichtsschreibung ist seit etwa 1920 üblich, seit 1960 jedoch zunehmend umstritten. Im Rahmen einer Besprechung der Werke Debussys und seiner Zeitgenossen - unter Berücksichtigung der impressionistischen Malerei und der Literatur der Symbolisten - wird die Vorlesung versuchen, die musikästhetischen und -stilistischen Elemente zu identifizieren, die zur Verwendung dieser Etikettierung führten. Außerdem wird die Frage gestellt, ob sich übergreifende Gemeinsamkeiten zwischen den Künsten feststellen lassen und welchen historischen Stellenwert sie beanspruchen können.
 
 
31 603 Frederick Delius (1862-1934) (in englischer Sprache) 
2st., Do 11-13, Beginn: 19.10.2000
Hiley  PT 2.0.4

Delius stammte aus einer in Bradford ansässigen deutschen Familie und studierte u. a. in Leipzig. Die Uraufführungen zahlreicher seiner Werke fanden in Deutschland statt. Trotzdem sind seine Werke hierzulande heute kaum bekannt. Ab seinem 26. Lebensjahr wohnte er in Frankreich, aber auch dort ist sein Name heute unbekannt. Obwohl Delius in England geboren wurde, weist seine Musik nur äußerst selten englische Züge auf. Vielmehr ist sie oft von den Berglandschaften Norwegens inspiriert. Aber allein in Großbritannien erfreut sich seine Musik großer Beliebtheit. Die Vorlesung wird versuchen, die Wurzeln und Grundelemente von Delius' Musik darzustellen, die Künstlerkreise (u.a . Gauguin, Munch, Strindberg) zu dokumentieren, in denen er sich bewegte, und die berauschende Kraft seiner Werke im spätromantischen Kontext zu erklären.
 


Seminare

neu Orlando di Lasso 
2st., Di 16-18, Beginn: 17.10.2000
Körndle PT 2.0.4

Ohne Zweifel war Orlando di Lasso der bedeutendste Komponist in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts. Dafür lassen sich zahlreiche Gründe anführen: Das kompositorische Spektrum Lassos übertrifft in seiner Vielseitigkeit alle Zeitgenossen (Motetten, Messen, liturgische Kompositionen, Chansons, Madrigale, deutsche Lieder, Moreschen, Prophetiae Sibyllarum, Theatermusik, sonstige Gelegenheitskompositionen). Kein anderer Komponist der damaligen Zeit erreichte mehr Drucke und Nachdrucke. Lassos Werke wurden in den bedeutendsten Druckorten Europas publiziert (Rom, Venedig, Paris, Nürnberg, München, Antwerpen). Weitere Superlative bestätigen den Rang Lassos: Er war der am besten verdienende Komponist seiner Zeit. Er ist so gut dokumentiert wie kein anderer Komponist seiner Zeit, von ihm sind die meisten (verschiedenen) Portraits erhalten.
Schon früh geriet der junge Musiker Lasso in Italien zwischen die politischen Parteien und agierte womöglich als Spion für die prokaiserliche Partei in Neapel, Rom und vermutlich sogar London. Obwohl von 1556 bis zu seinem Tod 1594 im politisch ruhigeren München tätig, hielt er weiterhin Kontakte in die Niederlande, nach Frankreich und Italien. Obwohl seine geistlichen Kompositionen zu einem guten Teil für die katholische Liturgie des gegenreformatorischen Hofes in München geschrieben sind, fanden sie vielfach Eingang in die Gottesdienste der Protestanten in Nord- und Ostdeutschland. Wie wir aus der jüngeren Forschung wissen, war Lasso keineswegs unumstritten. Die Münchner Jesuiten, für die er nicht wenige Werke komponiert hat, setzten anderes aus seinem Schaffen auf einen Index verbotener Kompositionen. Mehrfach hat Lasso auch Musik zu den Dramen der Jesuiten beigesteuert und somit zur Entwicklung des frühen Musiktheaters beigetragen. Die Aufführungstradition seiner Werke reichte in München bis weit ins 18. Jahrhundert hinein.
Grundlegende Biographie: Mit seinem zweibändigen Werk über den Komponisten Orlando di Lasso hat 1976 Horst Leuchtmann einen Markstein in der Musikbiographik gesetzt. Dabei war Leuchtmann von der Frage ausgegangen, ob Lasso 1594 am Reichstag zu Regensburg teilgenommen hat. Aufgrund der massiven Diskrepanzen, die sich aus den erforschten Fakten und der bis dahin gültigen Lasso-Biographie Wolfgang Boettichers ergaben, entschloß sich Leuchtmann zu einer bis heute einzigartigen Art der Darstellung: Auf ganzen 15 Seiten sind nun alle bekannten Fakten zum Leben des Komponisten zusammengetragen, auf weiteren 189 Seiten wird dieses Wissen dann ausführlich unter Einbeziehung der bis dahin vorliegenden Lasso-Forschung kommentiert.
Themenbereiche: Komponieren für die Politik (Huldigung, Propaganda etc.) - Liturgische Werke (Messen, Magnificat, Proprien etc.) - Vertonungen erotischer oder obszöner Texte (Chansons, Moreschen) - Die indizierten Werke - Theatermusik - Vergleiche mit Werken anderer Komponisten (bei gleichen Texten).
Literatur: Peter Bergquist, Orlando di Lasso Studies, Cambridge 1999; Wolfgang Boetticher, Orlando di Lasso und seine Zeit, Kassel u. a. 1958; ders., Aus Orlando di Lassos Wirkungskreis, Kassel u. a. 1963; Ignace Bossuyt u. a., Orlando di Lassus and his Time. Colloquium Proceedings Antwerpen 24.-26.08.1994, Peer 1995; Sherlock Holmes, The Polyphonic Motets of Lassus, London 1896; Horst Leuchtmann, Orlando di Lasso. Sein Leben, Wiesbaden 1976; Adolf Sandberger, Beiträge zur Geschichte der bayerischen Hofkapelle unter Orlando di Lasso, Bd. 1 u. 3, Leipzig 1894 u. 1895; Bernhold Schmid (Hg.), Orlando di Lasso in der Musikgeschichte. Bericht über das Symposion der Bayerischen Akademie der W issenschaften München, 4. - 6. Juli 1994, München 1996, S. 159-168.
 
 
31 606 Anton Bruckner und Johannes Brahms: 
Gegensätze in der symphonischen Tradition des 19. Jahrhunderts 
2st., Do 9-11, Beginn: 19.10.2000
Hiley PT 2.0.4

Die Symphonien Anton Bruckners (ca. 1863-1896) und Johannes Brahms' (ca. 1862-1885) stehen seit den kulturpolitischen Querelen der 1870er Jahre in Wien als Paradigmen für zwei Richtungen der Symphonik in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts, obwohl beide Komponisten (und nicht nur wegen ihrer offensichtlichen Größe) ziemlich isoliert und für sich stehen. Bei Brahms merkt man eine erstaunliche strukturelle Dichte und, zumindest nach der 1. Symphonie, die "Vermeidung des großen, heroisch-pathetischen Tons" (MGG2). Bei Bruckner fallen insbesondere die Monumentalität in Ausmaß und Gestus sowie die parataktisch gereihten, in sich "statisch und zeitlos wirkenden" Teile auf. Der Schwerpunkt des Seminars liegt in der analytischen Auseinandersetzung mit den Werken Bruckners und Brahms', wobei auch Tendenzen dieser unterschiedlichen Richtungen bei früheren Komponisten (Schubert, Schumann, Mendelssohn) untersucht werden.
Eine Literaturliste liegt im Sekretariat des Instituts für Musikwissenschaft aus.
 


Proseminare

31 607 Architektur, Liturgie und Musik im Mittelalter 
2st., Mi 11-13, Beginn: 18.10.2000
Hiley / Schöller PT 2.0.5

Das Proseminar will mittelalterliche Sakralarchitektur, Liturgie und Musik zusammenführen, Kirchen also nicht als leere Gefäße sehen, sondern sie mit dem füllen, wofür sie errichtet wurden. Neben Fragen des Verhältnisses zwischen der Architektur und der Ausführung liturgischer Musik werden Themen wie die Bedeutung von Zahl und Proportion in der Architektur bzw. Musiktheorie und Gesangskomposition (Moduslehre, Komposition in der Reihenfolge der acht Modi) diskutiert. Das Studium von Originalquellen aus Regensburg und Bamberg ermöglicht einen Einblick in die Musikpraxis zweier bedeutender kirchenmusikalischer Zentren (Besuche verschiedener Kirchen sind vorgesehen).
Eine Literaturliste liegt im Sekretariat des Instituts für Musikwissenschaft aus.
 
 
neu Klavierlieder um 1800 
2st., Mo 15-17, Beginn: 16.10.2000
Körndle PT 4.0.47

Das Seminar wird sich mit Liedkompositionen für Solostimme und Klavier aus der Zeit von ca. 1780 bis ca. 1810 befassen. In diesen Zeitraum fallen Werke der sog. zweiten Berliner Liederschule (Carl Friedrich Zelter und Johann Friedrich Reichardt) ebenso wie Lieder von Joseph Haydn und Ludwig van Beethoven. Aspekte der Untersuchungen sollten Einfachheit im Lied und Volkston sowie die Entwicklung vom Strophenlied zum durchkomponierten Lied sein. Die Referate sollten eines der folgenden Lieder behandeln, ggf. im Vergleich mit anderen Vertonungen des gleichen Textes. Mit einer gewissen Absicht habe ich vor allem Lieder ausgewählt, deren Texte von Goethe stammen.
J. F. Reichardt: Erlkönig (Goethe), in: EDM 59,2, S. 2-4; Johanna Sebus (Goethe), in: EDM 59,2, S. 43-49; Der König von Thule (Goethe), in: EDM 59,2, S. 17. - C. F. Zelter: Der König von Thule (Goethe); in: H. J. Moser, Das deutsche Sololied und die Ballade (Das Musikwerk 14), S. 67, und in: EDM 106, S. 81; Johanna Sebus (Goethe), in: Nagels Musik-Archiv 91; Neue Liebe, neues Leben (Goethe), in: C. F. Zelter, 50 Lieder, hrsg. v. Ludwig Landshoff (Schott, S. 30), und in: EDM 106, S. 100; Wonne der Wehmut (Goethe), in: Zelter, 50 Lieder, S. 28. - L. v. Beethoven: Neue Liebe, neues Leben (Goethe), in: GA Serie 23, No. 219,2, und in: NA XII,1, S. 38-41, 100-103; Wonne der Wehmuth (Goethe), in: GA Serie 23, No. 221,1, und in: NA XII,1, S. 124, 216-217; An die Hoffnung (Tiedge, Urania), in: GA Serie 23, No. 215, und in: NA XII, 1, S. 70-71, 142-147; Adelaide (Matthisson); GA Serie 23, No. 216, und in: NA XII,1, S. 25-31. - J. Haydn: Gott, erhalte [Franz] den Kaiser (Haschka), in: HW XXIX/1, S. 89; Als einst mit Weibes Schönheit, in: HW XXIX/1, S. 90. - W. A. Mozart: Sehnsucht nach dem Frühlinge (Overbeck), in: NMA III: 8, S. 58.
Literatur: Heinrich W. Schwab, Sangbarkeit, Popularität und Kunstlied. Studien zu Lied und Liedästhetik der mittleren Goethezeit 1770-1814, Regensburg 1965; Walther Dürr, Das deutsche Sololied im 19. Jahrhundert. Untersuchungen zu Sprache und Musik, Wilhelmshaven 1984; Kim Mi-Young, Das Ideal der Einfachheit im Lied von der Berliner Liederschule bis zu Brahms, Kassel 1995.
 


Übungen

31 608 Repertoirekunde: Das Madrigal im 16. und 17. Jahrhundert 
2st., Di 9-11, Beginn: 17.10.2000
Berlinghoff PT 2.0.4

Ziel dieser Veranstaltung ist die Erweiterung der Repertoirekenntnisse auf dem Gebiet des italienischen und englischen Madrigals des 16. und 17. Jahrhunderts. Ausgangspunkt ist hier zunächst ein kurzer Überblick über die Besonderheiten der italienischen Verslehre sowie eine Einführung in die Geschichte des Madrigals als einer der zentralen musikalischen Gattungen der Renaissance und des Barock. Auf dem Programm stehen ausgewählte italienische Madrigale u. a. von C. de Rore, L. Marenzio, Cl. Monteverdi, C. Gesualdo, O. di Lasso und L. Luzzaschi, ferner Madrigale der "deutschen" Vertreter H. Schütz, H. L. Hassler, J. Regnart und L. Lechner sowie der wichtigsten Komponisten der English Madrigal School (W. Byrd, Th. Morley, Th. Tomkins, Th. Weelkes, J. Wilbye u. a.). Behandelt werden außerdem Werke der Komponistinnen Maddalena Casulana und Barbara Strozzi. Das Madrigalschaffen der einzelnen KomponistInnen soll unter Einbeziehung biographischer Aspekte jeweils in kurzen Referaten zusammengefaßt, anhand ausgewählter Beispiele in Hinblick auf stilistische Eigenheiten und Sprachvertonung diskutiert und in Tonaufnahmen vorgestellt werden.
Die Übung richtet sich an Studierende der Fächer Musikwissenschaft und Musikpädagogik. Italienisch-Kenntnisse sind wünschenswert, werden aber nicht notwendig vorausgesetzt.
Einführende Literatur: Ludwig Finscher (Hg.), Die Musik des 15. und 16. Jahrhunderts, Laaber 1989 u. 1990, S. 437-498 (Neues Handbuch der Musikwissenschaft 3,2).
 
 
31 609 Die böhmische Oper vom Wiener Singspiel zur tschechischen Nationaloper
2st., Mi 14-16, Beginn: 18.10.2000 
Fuchs PT 2.0.4

Die Opernentwicklung in den böhmischen Ländern weist, ausgehend von den liturgischen Spielen des späten Mittelalters (Mysterienspiele) bis zum Barock (italienische Oper bei Sporck-Kukus und Nostitz-Prag), vergleichbare Wesenszüge wie in anderen mitteleuropäischen Ländern auf. Für Prag wird im ausgehenden 18. Jahrhundert hinsichtlich der Opernästhetik die extensive Mozartverehrung prägend. In diesen Kontext ordnen sich stilistisch böhmische Singspielkomponisten (Wenzel Müller, Ferdinand Kauer, Adalbert Gyrowetz u. a.) ein, deren Leben und Werk näher zu untersuchen ist. Biographisch und zum Teil stilistisch treten sie als Vermittler zwischen 18. und 19. Jahrhundert in Erscheinung
Ab dem 19. Jahrhundert vollziehen sich vor dem Hintergrund der sogenannten tschechischen "Nationalen Wiedergeburt" musikpraktische und -ästhetische Veränderungen, die zur Tschechischen Nationaloper eines Bedrich Smetana mit seiner Prodaná nevesta (Die verkaufte Braut) führen. Dieser Entwicklungsprozeß soll im Kontext künstlerischen Zeitgeistes und gesellschaftspolitischer Verhältnisse um 1848 diskutiert werden. Dabei ist vor allem auf die innermusikalischen Bedingtheiten der Gattung Oper sowie auf musikalische und linguistische Elemente einzugehen, die den Impetus nationalen Duktus tragen. Der sogenannte tschechische Nationalstil relativiert sich allerdings aufgrund der Omnipräsenz Richard Wagners (böhmischer Wagnerismus). Vor diesem Hintergrund läßt sich auch der multinationale Einfluß auf tschechische Komponisten und deren Oeuvre im Lehrer-Schüler-Verhältnis darstellen.
Gleichermaßen ergibt sich ein Bild hinsichtlich von Personen (von Škroup über Dvorak bis Janacek), die am Werden und Wirken einer nationaltschechischen Musik bis ins 20. Jahrhundert hinein beteiligt waren.
 
 
neu Notationskunde II (1300-1600)
2st., Di 11-13, Beginn: 17.10.2000
Körndle PT 2.0.4

Bis zur Mitte des 13. Jahrhunderts war die musikalische Notenschrift lediglich in der Lage gewesen, Rhythmus als eine Folge von Gruppenzeichen zu fixieren (Modalnotation). Mit der Emanzipation des Einzelzeichens gelang um die Mitte des 13. Jahrhunderts der entscheidende Schritt hin zu einem mensuralen Zeichensystem, in dem der einzelnen Note ein rhythmischer Wert zukam. Diese Art der Aufzeichnungsweise wurde in den folgenden Jahrhunderten erweitert und verfeinert (Ars nova, Ars subtilior) bis sich schließlich im 16. Jahrhundert die Notationsform (weiße Mensuralnotation) herausgebildet hatte, die bis heute in Gebrauch ist. Der Kurs soll nicht nur eine Einführung in die Transkription dieser Arten historischer in moderne Notation geben, sondern auch die Wechselwirkungen von Komposition und den Möglichkeiten der Niederschrift diskutieren. Daneben werden grundlegende Informationen zu den einschlägigen Quellen angeboten.
Literaturhinweise: MGG2, Artikel Notation, Sachteil, Bd. 7, Sp. 323ff.; Willi Apel, The Notation of Polyphonic Music: 900-1600, Cambridge (Mass.) 1942 (dt. erweiterte Übersetzung: Die Notation der polyphonen Musik: 900-1600, Leipzig 1964); Heinrich Besseler u. Peter Gülke, Schriftbild der mehrstimmigen Musik, Leipzig 1973 (Musikgeschichte in Bildern III,5).
 
 
31 610 Akustische Grundlagen und Geschichte der Musikinstrumente 
2st., Fr 11-13, Beginn: 20.10.2000
Wackerbauer PT 2.0.4

Die musikalische Akustik eignet sich wie kaum ein anderes Gebiet, naturwissenschaftliche Betrachtungsweisen ohne mathematischen Aufwand anschaulich zu machen. Zudem sind die Fragestellungen der Physik und Psychophysik der Musik eng mit den Problemen der Systematik und der historischen Entwicklung der Musikinstrumente verknüpft. Die Übung soll einerseits einen Überblick über die unterschiedlichen Ansatzpunkte instrumentenkundlicher Forschung vermitteln, andererseits die historische Entwicklung und die Funktionsweise einer repräsentativen Auswahl von Musikinstrumenten näher beleuchten. Verschiedene Aspekte wie die akustischen Grundlagen, die Spielweise, Arten der Klassifikation oder der Umgang mit unterschiedlichen Quellentypen (Instrumente, Archivalien, ikonographische Zeugnisse, etc.) sollen dabei angesprochen werden.
Literatur: Wilhelm Stauder, Einführung in die Instrumentenkunde, Wilhelmshaven 21977, Michael Dickreiter, Musikinstrumente, Kassel 1987; Donald E. Hall, Musikalische Akustik, Mainz 1997.
 
 
31 611 Harmonie- und Satzlehre I (für Lehramt und Magister) 
1st., Di 13-14, Beginn: 17.10.2000
Kraus H 4

Dreiklänge der Hauptharmonien, ihre Sextakkorde, der Dominantseptakkord.
Lehrbücher: Paul Hindemith, Aufgaben für Harmonie-Schüler, Mainz: Schott; Hermann Grabner, Handbuch der funktionellen Harmonielehre, Regensburg 1995.

Einstufungstest (Teilnahme verpflichtend!):
Donnerstag, 12.10.2000, 17-18 Uhr, Musikpavillon Seybothstr., M 28.
 
 
 
31 647 Harmonielehre I (für Lehramt und Magister) 
1st., Mi 13-14, Beginn: 18.10.2000
Hofmann M 26

Die Veranstaltung führt in die Grundlagen der funktionellen, durmolltonalen Harmonielehre ein (unter Berücksichtigung relevanter Anteile der Notations-, Skalen-, Satz- und Formenlehre).
Einführende Literatur: Hermann Grabner, Handbuch der funktionellen Harmonielehre, Regensburg 1977; Wilhelm Maler, Beitrag zur durmolltonalen Harmonielehre, München 1975.
Einstufungstest (Teilnahme verpflichtend!):
Donnerstag, 12.10.2000, 17-18 Uhr, Musikpavillon Seybothstr., M 28.
 
 
31 612 Harmonie- und Satzlehre III 
1st., Di 15-16, Beginn: 17.10.2000
Kraus H 4

Dreiklänge und Septakkorde der Nebenstufen, Modulationen, Ausarbeitung von bezifferten Bässen zu Arien, Liedern, Rezitativen, Chören und Instrumentalstücken.
Lehrbuch: Paul Hindemith, Aufgaben für Harmonie-Schüler, Mainz: Schott.
 
 
31 613 Kontrapunkt II 
1st., Di 16-17, Beginn: 17.10.2000
Kraus H 4

Ausarbeitung von Choralvorspielen, Inventionen und Fugen zu zwei bis vier Stimmen.
Lehrbuch: Lemacher/Schröder, Lehrbuch des Kontrapunkt, Mainz: Schott.
 
 
31 645 Gehörbildung I
1st., Mo 15-16, Beginn: 16.10.2000
Poschner M 26

Intervallhören, Notation einfacher Melodien und Rhythmen aus verschiedenen stilistischen Bereichen.
Einstufungstest (Teilnahme verpflichtend!):
Donnerstag, 12.10.2000, 15-16 Uhr, Musikpavillon Seybothstr., M 28.
 
 
31 614 Partiturspiel 
1st., Di 17-18, Beginn: 17.10.2000
Kraus H 4

Pflichtveranstaltung lt. Studienordnung.
 
 
31 615 Formenlehre III: Sonatenformen 
1st., Di 18-19, Beginn: 17.10.2000
Kraus PT 2.0.4

Sonata da chiesa - Sonata da camera (Corelli); einsätzige Sonate (Scarlatti); klassische Sonate (Haydn - Mozart - Beethoven); romantische und moderne Sonate (Schubert - Hindemith); ausgewählte Formenanalysen.
 
 
31 616 Propädeutikum Generalbaß- und Partiturspiel 
1st., Di 8-9, Beginn: 17.10.2000
Buckland PT 4.0.47

Behandelt werden die Grundzüge des Generalbaß- und Partiturspiels in Theorie und Praxis. Das Propädeutikum dient als Vorbereitung auf die Kurse Generalbaß- und Partiturspiel. Ein Scheinerwerb ist nicht möglich.
 
 
31 617 Generalbaßspiel 
1st., Di 9-10 Buckland, Beginn: 17.10.2000
Buckland PT 4.0.47

Pflichtveranstaltung lt. Studienordnung.
Literatur: Hermann Grabner, Generalbaßübungen, Leipzig: Kistner & Siegel, 1936
 
 
31 618 Harmonische Analyse II 
1st., Mi 16-17, Beginn: 18.10.2000
Bruach PT 4.0.47

Die Übung soll als Einführung in den Bereich der funktionellen Harmonik aus einer historischen bzw. musikwissenschaftlichen Perspektive dienen. Als Material werden ausgewählte Beispiele von Komponisten der Klassik erarbeitet bzw. analysiert. Dabei werden unterschiedliche Gattungen (u. a. Musik für Tasteninstrumente, Kammer- und Orchestermusik, Oper) mit ihren besonderen harmonischen und strukturellen Problemen vorgestellt. Zusätzlich können auch modulatorische Prozesse selbst komponiert und mit Passagen aus den Klavierwerken Haydns und Mozarts als pädagogischem Hintergrund verglichen werden.
Literatur: Dieter de la Motte, Harmonielehre, Kassel u. a. 1976.
 
 
31 619 Harmonische Analyse IV 
1st., Mi 17-18, Beginn: 18.10.2000
Bruach PT 4.0.47

Die Übung soll eine Einführung in den Bereich der funktionellen Harmonik aus einer historischen bzw. musikwissenschaftlichen Perspektive geben. Als Material sind ausgewählte Beispiele von Komponisten der zweiten romantischen Generation (u.a. Liszt, Wagner, Franck, Brahms, Bruckner, Mahler, Reger) bis hin zu den ersten Strömungen der Musik des 20. Jahrhunderts (u. a. Debussy und Schönberg) vorgesehen. Dabei werden unterschiedliche Gattungen (u. a. Klaviermusik, Lied, Symphonie, Oratorium) mit ihren besonderen harmonischen und strukturellen Problemen behandelt. Zusätzlich können auch modulatorische Prozesse erarbeitet werden.
Literatur: Dieter de la Motte, Harmonielehre, Kassel u. a. 1976.
 
 


Kolloquium

31 620 Kolloquium zu aktuellen Forschungsproblemen 
2st., Di 18-20, Beginn: 24.10.2000
Hiley/Körndle  PT 4.0.47

Das Kolloquium ist primär für Studierende bestimmt, die ihre Magisterarbeit oder Dissertation vorbereiten. Die Teilnahme setzt eine vorherige Anmeldung (Sprechstunden der Dozenten) voraus.


Ensembles

Universitätschor, Universitätsorchester, Bigband etc.
 


Einstufungstests / Vorgezogene Abschlußklausuren

Donnerstag, 12.10.2000 Raum M 28  
15-16 Uhr Gehörbildung I (U, M)  
17-18 Uhr Harmonie- und Satzlehre I (U, M)  

Zu den Kursen Harmonie- und Satzlehre I, Harmonische Analyse I (wird nur im Sommersemester angeboten) sowie Gehörbildung I finden Einstufungstests statt. Die Teilnahme ist verpflichtend. Anhand der Ergebnisse lassen sich individuelle Stärken und Schwächen aufzeigen sowie Empfehlungen oder Zuweisungen für angemessene Kurse geben. Zugleich erhalten Studierende, die über ausreichende Vorkenntnisse verfügen, hierdurch die Möglichkeit, Leistungsnachweise auch ohne den Besuch der entsprechenden Lehrveranstaltung zu erwerben und damit Studienzeit zu sparen.


Stand: 6. Oktober 2000