Elektrisiermaschinen
im 18. und 19. Jahrhundert - Ein kleines Lexikon

 


Elektrizität und Tod
Kleine Tiere wie Frösche, Mäuse, Ratten oder Vögel durch elektrischen Schlag zu töten, war Teil der elektrischen Forschung. Sie wurden anschließend aufgeschnitten und auf Spuren der Elektrizität hin untersucht. Ebenso gehörten solche Versuche zum Repertoire der Showexperimente. Von Benjamin Franklin (1706 – 1790) ist bekannt, daß er auf diese Weise zu Forschungszwecken Vögel tötete. Auch Luigi Galvanis (1737 – 1798) Versuche an Fröschen, die er ausführlich in seiner 1791 erschienen Arbeit De viribus electricitatis in motu musculari commentarius beschrieb, forderten unzählige Opfer. Doch elektrische Tierversuche dienten nicht ausschließlich wissenschaftlichen Zwecken, sondern auch der Belustigung.

Allerdings versuchte man auch schon früh, Elektrizität zur Wiederbelebung einzusetzen. So berichtete Pierre Bertholon (1741 – 1800) in seiner Arbeit Anwendung und Wirksamkeit der Elektrizität zur Erhaltung und Wiederherstellung der Gesundheit des menschlichen Körpers (1788 – 1789) von dem neapolitanischen Arzt Giovanni Fortunato Bianchini (1719 – 1779), der versuchte, mittels Elektrizität einen Hund, dem man einen Teil des Gehirns weggeschnitten hatte, zu reanimieren. Charles Kite (gest. 1811) beschreibt in seinem Essay on the Recovery of the Apparently Dead aus dem Jahre 1788  bereits eine spezielle Elektrisiermaschine für Reanimationszwecke. Der Liverpooler Arzt James Curry (1756 – 1805) schrieb in seinen Popular Observations on Apparent Death von 1792 elektrischen Schlägen durch die Brust die höchste Effektivität zu. Solche Bestrebungen wurden durch humanistische Gesellschaften wie die Londoner Royal Humane Society gefördert. 1818 führte der schottische Arzt und Chemiker Andrew Ure (1778 – 1857) in Glasgow Reizbarkeitsversuche an einem soeben hingerichteten Menschen durch und konnte auf diese Weise Muskelbewegungen hervorrufen. 1819 berichtete er über diese Versuche in seinem Beitrag "An account of some experiments made on the body of a criminal immediatly after execution, with physiological and practical observations" im Quaterly Journal of Science. Ähnliche Versuche gehen auf Galvanis Neffen Giovanni Aldini (1762 – 1834) zurück. Seit Mitte des 20. Jahrhunderts wird die Elektrizität zur Wiederbelebung im klinischen Bereich eingesetzt.

Spätestens seit dem großes Aufsehen erregenden Tod des Petersburger Wissenschaftlers Georg Wilhelm Richmann (1711 – 1753) durch einen Gewitterblitz, stand die Gefährlichkeit der Gewitterelektrizität außer Zweifel. Auch Franklin setzte bei den Drachenversuchen, die letztlich zur Entwicklung des Blitzableiters führten, sein Leben aufs Spiel. Ebenso gab es eine Reihe nicht ungefährlicher Showexperimente, bei denen ahnungslose Personen einen heftigen elektrischen Schlag erhielten, etwa beim "elektrischen Kuß", beim "elektrischen Taler" oder beim "elektrisierten Weinglas".

[FRAUNBERGER; HEILBRON; HOCHADEL; SCHREIER; STILLINGS]


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