Forschung

Rechtschreibschwierigkeiten in der Grundschule


Rechtschreibentwicklung im Anfangsunterricht und Möglichkeiten der Vorhersage ihrer Störungen

Längsschnittuntersuchung in 20 Klassen, in der die schriftsprachlichen Eingangskenntnisse von Schulanfängern mit späteren Rechtschreibleistungen korreliert wurden. Parallel wurde die Schriftsprachentwicklung von zurückgestellten Kindern erfasst, die ohne systematischen Lehrgang stattfand. Eingebettet in diese Erhebung sind sechs Fallstudien.


Entwicklung der Rechtschreibleistung zwischen Grundschule und Sekundarstufe

Erhebung der Rechtschreibleistung von Schülerinnen und Schülern am Ende der vierten und am Ende der fünften Klasse. Fragestellung: Sind im herkömmlichen Unterricht über die Grundschule hinaus noch wesentliche Verbesserungen der Rechtschreibleistung zu erwarten?
Ergebnis: Im Mittel der Stichproben gibt es einen Leistungsanstieg, der allerdings weitgehend von den leistungsstarken Kindern erbracht wird, die ihren Abstand zu den leistungsschwachen noch vergrößern.


Ausmaß der "Öffnung von Unterricht" in verschiedenen Schulformen

Schulleitungsbefragung nach Art und Grad der Öffnung des Unterrichts in Grund-, Haupt-, Realschulen und Orientierungsstufen. Ergebnis: Öffnung wird breit diskutiert aber erheblich weniger umgesetzt. Der Öffnungsgrad liegt bei den Grundschulen mit 18 % am höchsten, in den Realschulen mit 3,1 % am niedrigsten. Auch der für die Grundschulen geschätzte Öffnungsgrad bleibt damit weit hinter den allgemeinen Erwartungen zurück.


Unterschiede in den Rechtschreibleistungen von Mädchen und Jungen

Anhand von Erhebungsdaten vom Schulanfang bis zum Ende der 5. Klasse wurden Geschlechterdifferenzen in der Rechtschreibleistung untersucht.
Ergebnis: Am Schulanfang können die Mädchen bereits mehr Wörter schreiben als die Jungen. Hinsichtlich des "technischen" Aspekts der Schrift - Buchstabenkenntnis, Laut-Buchstaben-Zuordnung, Vorformen des Lesens - zeigen sich keine Geschlechterdifferenzen. Im ersten Schulhalbjahr gibt es in der schriftsprachlichen Entwicklung keine signifikanten Geschlechterdifferenzen. Erst ab dem Ende der 1. Klasse zeigen die Mädchen signifikant bessere Leistungen.


Möglicher Einfluss der gelernten Schreibschrift auf die Rechtschreibleistung von Grundschulkindern

Nachdem die lange behaupteten positiven Effekte der Vereinfachten Ausgangsschrift auf die Rechtschreibleistung sich als statistisch nicht hinreichend gesichert erwiesen haben, sollte überprüft werden, ob sich bei Kindern, die am Schulbeginn die Druckschrift als erste Schreibschrift erlernen, überhaupt Unterschiede zwischen Kindern, die im Anschluss verschiedene Schreibschriften erlernten (Lateinische vs. Vereinfachte Ausgangsschrift) in der Rechtschreibleistung zeigten. Dazu wurden Kinder des zweiten bis vierten Jahrgangs untersucht.
Ergebnis: Ein positiver Einfluss der Vereinfachten Ausgangsschrift konnte nicht nachgewiesen werden. Es gab im Gegenteil in einigen Substichproben signifikant bessere Leistungen bei Kindern, die die Lateinische Ausgangsschrift schreiben.


Interesse und Schriftsprachleistung (INTERES 1)

Ziel des Forschungsprojekts war die Klärung der Frage, worauf die im Durchschnitt schlechteren Rechtschreibleistungen von Jungen zurückzuführen sind. Dazu wurde eine qualitative Fehleranalyse von Diktaten vorgenommen, die Jungen und Mädchen in 4. und 5. Klassen geschrieben haben.
Ergebnis: Trotz durchschnittlicher Überlegenheit der Mädchen schrieben Jungen nicht alle Wörter in gleichem Umfang schlecht. Bei Wörtern, die zum "männlichen" Interessenspektrum zu zählen sind, machten sie weniger Fehler und schrieben sie teilweise sogar häufiger richtig als die Mädchen, z.B. Computer, Schiedsrichter, Lokomotive, Polizist.

Zur Abklärung der Frage, ob Jungen und Mädchen in ihren Schreibinteressen deutlich unterscheiden, wurde eine Befragung von Grundschulkindern des zweiten bis vierten Jahrgangs durchgeführt.
Ergebnis: Es sind deutliche Interessenunterschiede nachweisbar, wobei die von Jungen bevorzugten Bereiche - z.B. Technik, Sport - im Übungsmaterial der Schule kaum vorkommen, wogegen die typischen Schulbuchinhalte - z.B. Menschen, Natur, Tiere, positive Werte - die bevorzugten Schreibinteressen der Mädchen abdecken.

Aufgrund der Ergebnisse wurde das Modell eines "Interessenbezogenen Rechtschreiblernens" entwickelt, bei dem Kinder nicht an einem vorgegebenen Grundwortschatz, sondern an Wörtern aus ihren eigenen Interessenbereichen die Rechtschreibung erlernen.


Häufigkeitswortschatz von Grundschulkindern

In verschiedenen Untersuchungen ist nachgewiesen worden, dass der bisher üblicherweise den Lehrplänen für die Grundschule zu Grunde gelegte Grundwortschatz von ca. 1.000 Wörtern nicht das Kriterium hinreichender Verwendungsbreite erfüllt, sodass es nicht gerechtfertigt scheint, diese Anzahl für alle Kinder verbindlich zu üben. Sinnvoller scheint es zu sein, diese Anzahl zu reduzieren, den Lehrpersonen aber zusätzlich einen "Modellwortschatz" anzubieten, der es ihnen gestattet, die Erarbeitung der Besonderheiten der deutschen Rechtschreibung zu unterstützen.

In einer im November 1998 in Kooperation mit dem ISB durchgeführten Untersuchung wurde repräsentativ für den Freistaat Bayern geprüft, wie viele und welche Wörter bei Grundschulkindern eine hinreichend große Auftretenshäufigkeit in freien Texten haben.