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Allegra
Februar 2003

Das Geheimnis der Schönheit

Wann finden wir ein Gesicht schön? Wann hässlich? Was assoziieren wir mit Schönheit? Die Studie "Beautycheck" gibt Aufschluss - und erstaunliche Ergebnisse

Jeder kann sagen, ob er ein Gesicht schön findet, aber kaum einer, warum. Um herauszufinden, nach welchen Kriterien Attraktivität funktioniert, fotografierten der Regensburger Diplompsychologe Martin Gründl, 27, und sein Team 64 Frauen- und 32 Männergesichter und legten sie Versuchspersonen vor. "Wir überprüften drei Hypothesen: die der Durchnittlichkeit, der Symmetrie und die des Kindchenschemas“, erklärt Gründl. Zuerst ließ er die Gesichter nach Attraktivität beurteilten. Dann erstellte er mit einem Computerprogramm (Morphing) neue virtuelle Gesichter, in denen unterschiedlich viele Originalgesichter enthalten sind. Ein Teil der echten Gesichter wurde symmetrisch optimiert, ein zweiter Teil dem Kindchenschema angenähert und ein dritter dem Durchschnittsgesicht (aus allen echten). Nach der zweiten Beurteilung sollten die Probanden den Computergesichtern folgende Eigenschaften zuordnen: gesellig, zufrieden, intelligent, ehrlich, sympathisch, erfolgreich, aufregend – und ihre negativen Pendants.
 


Attraktivitäts-Check:

Frauen
Attraktive Frauengesichter:
 

Unattraktive Frauengesichter:
 

Merkmale schöner Frauengesichter:

  • Braune Haut 
  • Schmales Gesicht 
  • Wenig Fettansatz 
  • Volle, gepflegte Lippen 
  • Weiter Augenabstand 
  • Dunkle, schmale Augenbrauen 
  • Viele lange und dunklere Wimpern 
  • Hohe Wangenknochen 
  • Schmale Nase 
  • Keine Augenringe 
  • Dünne Augenlider 

Männer
Attraktive Männergesichter:
 

Unattraktive Männergesichter:
 

Merkmale des männlichen "Sexy-Gesichts" im Vergleich zum "Unsexy-Gesicht":

  • Braune Haut 
  • Schmales Gesicht 
  • Wenig Fettansatz 
  • Volle Lippen 
  • Symmetrischer Mund 
  • Dunklere Augenbrauen 
  • Viele und dunkle Wimpern 
  • Obere Gesichtshälfte ist im Verhältnis zur unteren breiter 
  • Hohe Wangenknochen 
  • Markanter Unterkiefer 
  • Markantes Kinn 
  • Keine Geheimratsecken 
  • Dünne Augenlider 
  • Keine Falten zwischen Nase und Mundwinkel 

Die Ergebnisse:

1. Gemorphte, computererzeugte Gesichter werden im Schnitt attraktiver empfunden als echte. Je mehr Durchschnitt in einem virtuellen Gesicht enthalten ist, desto attraktiver wird es beurteilt. 

2. Symmetrie ist zwar ein Kriterium, aber bei weitem nicht in dem Ausmaß, wie oft angenommen. 

3. Auffallend bei Frauengesichtern ist: Kindliche Merkmale (große, runde Augen, große, gewölbte Stirn, kleine Nase, kleines Kinn) sind besonders attraktivitätsfördernd. Gründl: „Selbst die schönsten Frauen werden noch schöner, wenn wir ihre Gesichtsproportionen kindlicher machen.“

4. Je attraktiver eine Person ist, desto aufregender, intelligenter und erfolgreicher wird sie eingeschätzt. 

5. Die Gesichter, die am attraktivsten beurteilt wurden, existieren in der Realität nicht. Gründl: „Die Merkmale dieser Gesichter sind für normale Menschen unerreichbar. Die Medien führen uns perfekte, am Computer nachbearbeitete Gesichter aber leider täglich vor Augen. Am Ende werden wir selbst Opfer unseres eigenen, unrealistischen Schönheitsideals.“ 



 
 
Karl Grammer, 52, ist Anthroposoph, Humanethologe und Buchautor ("Signale der Liebe", dtv)
"Schönheit müsste abgeschafft werden"
Welche Signale sendet Schönheit aus? Interview mit dem Partnerwahlforscher Karl Grammer

Welche Wirkung hat Schönheit auf andere Menschen?
Wer attraktiv oder sexuell anziehend ist, gilt auch als sympathisch. Das ist das gängige Attraktivitätsstereotyp. Das bedeutet: Schöne Menschen werden überschätzt. Sie gelten als kompetenter und zuverlässiger. Negatives Verhalten verzeiht man ihnen eher als unattraktiven Menschen. Aussehen dominiert Qualifikation. Was schön ist, ist gut. Das ist ein Standard in den Köpfen, der geht nicht weg. 
 

Welche Rolle spielt dabei Eifersucht?
Eine sehr große. Attraktive Frauen gelten als bessere Sexualpartner, die reichere Männer heiraten. Dafür werden sie von weniger attraktiven Frauen als schlechte Mütter, Egoisten und Snobs eingeschätzt. Und man traut ihnen eher außereheliche Affären zu. 

Ticken Männer und Frauen anders, wenn es um Schönheit geht? 
Attraktivität spielt im Wunschdenken der Männer eine deutlich größere Rolle als bei Frauen. Sie denken, je mehr sie verdienen, desto attraktiver muss die Partnerin sein. Weil sie nach der Attraktivität ihrer weiblichen Begleitung beurteilt werden. Ein Mann wird positiv und als beruflich erfolgreich eingeschätzt, wenn er eine attraktive Frau an seiner Seite hat. 

Und wie werden Frauen beurteilt, die einen attraktiven Mann haben? 
Das haben wir noch nicht erforscht. 

Sind schöne Menschen immer im Vorteil? 
Leider ja. Hübsche Babys werden länger angelächelt, schöne Kinder bekommen für denselben Unsinn geringere Strafen. Über attraktive Verbrecher wird milder gerichtet. Schönheit ist nicht demokratisch, sondern diskriminierend. Sie müsste abgeschafft werden.

Welchen Anteil haben die Medien am grassierenden Schönheitswahn?
Die haben damit gar nichts zu tun. Unsere Schönheitsobsession kommt aus der Evolution. Schönheit hat schon immer eine Rolle gespielt.

Inwiefern? 
Sie gilt als Garant für genetische Qualität. Ein Körper, egal ob der eines Mannes oder der einer Frau, muss einige grundlegende Funktionen erfüllen. Er muss der Reproduktion dienlich sein, sollte einen ausgewogenen Energieumsatz haben und eine optimale Bewegungsphysik. Physische Merkmale, die bei uns als schön gelten, sind nach der Evolutionsbiologie durch sexuelle Selektion entstanden und stellen auslösende Reize dar.

Schöne Menschen profitieren also auch bei der Partnersuche? 
Jein. Interessanterweise werden attraktive Männer öfter von Frauen angesprochen. Bei schönen Frauen ist es umgekehrt. Attraktivität wirkt eher hemmend, verunsichert Männer.
 
 

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Last modified: 2003-06-09, Webmaster