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Der neue Tag
02.03.2002 

Beim "Kindchenschema" werden Männer schwach 

Regensburger Studie über attraktive Gesichter bestätigt viele Klischees vom Schönheitsideal - "Verpackung" wichtig - Morphing am Computer

Von Peter Klewitz 

Regensburg. Macht macht möglicherweise attraktiv - für Politiker dieser Tage ein Thema. Aber ein schönes Gesicht ist halt tausendmal attraktiver, das wissen wir spätestens seit Schneewittchen. Mit ihrer aufsehenerregenden Arbeit über die Attraktivität menschlicher Gesichter sind vier Regensburger Studienabsolventen jetzt in mehreren Fernsehsendern präsent.

Das Thema Schönheit hat das aus drei Psychologen und einem Biologen bestehende Kleeblatt voriges Jahr auf Lippe und Wimper abgeklopft. Ausgangspunkt war der alle zwei Jahre ausgelobte Deutsche Studienpreis der Körber-Stiftung, diesmal zum Motto "Wieviel Körper braucht der Mensch?" Die Regensburger Arbeit fuhr unter 432 Einsendungen prompt den zweiten Preis ein. 

Fotos ohne Make up

64 Frauen und 32 Männer, alle zwischen 19 und 27 Jahren alt, alle ohne Make up und alle im gleichen T-Shirt, fotografierten die vier Schönheitsforscher und bearbeiteten die 96 Gesichter dann per Computerprogramm. Ihre Attraktivität oder Unattraktivität, eingeteilt in sieben Stufen, hatten sie in mehreren Durchgängen von jeweils 100 bis 150 Versuchspersonen im Donaueinkaufszentrum beurteilen lassen. 

Das "Kreuzen" der Gesichter am Computer wird "Morphing" genannt. Sowohl ein Durchschnittsgesicht aller 32 Männer beziehungsweise 64 Frauen als auch ein Mix aus den jeweils zehn attraktivsten und unattraktivsten Gesichter wurde "gemorpht". Der Knalleffekt: Am besten beziehungsweise schlechtesten wurden am PC erzeugte Gesichter beurteilt, die es in Wirklichkeit gar nicht gibt... 

Weitere Experimente der Studie untersuchten gängige Ansichten. "Dabei stellten wir fest, dass Symmetrie zwar ein Faktor ist, aber eher ein unwichtiger", erzählt Martin Gründl (26), als Psychologe mittlerweile Projektleiter der Unfallforschung bei der Unfallchirurgie am Uniklinikum Regensburg ist. "Zwar wird ein asymmetrisches Gesicht als unschön empfunden, ein symmetrisches aber noch lange nicht als attraktiv." Viel maßgeblicher ist die Haut: Glatt, gebräunt und makellos stellt sie ein Ideal dar. 

Bestätigt haben die Regensburger Schönheitsforscher auch die Hypothese vom "Kindchenschema" bei Frauen. Hohe, gewölbte Stirn, große Augen, kleines Kinn und hohe Backenknochen wirken anziehend. Allerdings darf der "Kindchenanteil" nicht zu hoch sein, die Latte liegt zwischen zehn und 40 Prozent. Bei Männern wurde er erst gar nicht untersucht, weil hier markante Züge, schmales Gesicht und ein ausgeprägter Unterkiefer beim "starken Geschlecht" als attraktiv gelten. 

Schön und intelligent

Doch auch den Mann schmückt eine gute "Verpackung" - also ein brauner, reiner Teint. An der Oberfläche bleibt auch die soziale Komponente der Schönheit, mussten die vier Macher der interessanten Studien feststellen: "Das Klischee 'Was schön ist, ist auch gut' ist leider weit verbreitet", stellt Gründl fest. Einem attraktiven Gesicht werden positive Eigenschaften zugeschrieben - der Mensch wird als ehrlich, fleißig, intelligent, zuverlässig, gesellig und kreativ eingestuft.

Diesen erschreckend hohe Bonus, der allen Erfahrungen zum Trotz der Schönheit beigemessen wird, übertrumpft vielleicht nur noch eine Erkenntnis der Studie: Wir jagen alle einem Schönheitsideal nach, das es in der Realität nicht gibt, sondern das uns Medien und Beauty-Industrie täglich vorgaukeln. 
 
 
Der Prototyp einer attraktiven Frau, entworfen am Computer der Schönheitsforscher
   So sieht das "gemorphte" Bild einer unattraktiven Frau aus - nach Meinung der Regensburger Studie

 

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