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Mittelbayerische Zeitung
15.11.2001

Studenten fragten: Wer sind die Schönsten im Land?

"Beauty-Check" bestätigt unsere Vorurteile / Mit einer aufwendigen wissenschaftlichen Arbeit Preis gewonnen

von Harald Raab, MZ

REGENSBURG. Es ist zum Heulen: Der Mensch aus Fleisch und Blut mit Ecken, Kanten und Charakter zählt nichts mehr. Wir, die wir dem Dauerbombardement von sexy Gesichtern und Körpern im Fernsehen und im Kino ausgesetzt sind, sind dem realen Leben so entrückt, dass wir das Begehrenswerte, das Schöne, Wahre und Gute nur noch im Virtuellen suchen und zu finden glauben.

All das haben an der Universität Regensburg die drei Psychologie-Studenten Christoph Braun, Martin Gründl, Claus Marberger und der Biologie-Student Christoph Scherber mit einer groß angelegten Studie bestätigend herausgefunden. Sie trägt den bezeichnenden Titel "BEAUTY-CHECK - Ursachen und Folgen von Attraktivität". Damit haben sie auch den zweiten Platz beim Deutschen Studienpreis der Körberstiftung erringen können. Der mit 8000 Mark dotierte Preis wird im Februar nächsten Jahres in Berlin überreicht.

In der sehr aufwendigen von Professor Dr. Alf Zimmer und Dr. Rainer Scheuchenpflug betreuten Studie wurden Versuchspersonen im Alter zwischen 15 und 81 Jahren in einem ersten Schritt Porträtbilder von 64 Frauen und 32 Männern vorgelegt. Sie mussten sie nach einer Skala von 1 (sehr unattraktiv) bis 7 (sehr attraktiv) bewerten.

Danach wurde mit Hilfe eines Computerprogramms (Morphing) neue künstliche Gesichter hergestellt, in denen unterschiedlich viele Original-Gesichter zu immer gleichen Anteilen enthalten sind. Die vom Computer erstellten Gesichter wurden nun ebenfalls zur Attraktivitätsbefragung Versuchspersonen vorgelegt. Dies fand jeweils im Donaueinkaufszentrum statt, um eine möglichst breite soziale Mischung zu erreichen.

Original- und Computer-Gesichter wurden außerdem einer Model-Agentur unterbreitet. Wie nicht anders zu erwarten war, wurden die virtuellen Gesichter zu 88 Prozent als geeignet für einen Beauty-Job eingestuft. Die Bilder realer Menschen sind dagegen fast alle durchgefallen. Aber auch die anderen Befragten fanden ihr Schönheitsideal in der Regel in den künstlich erzeugten Gesichtern.

Kind-Frau bevorzugt

Untersucht wurde mit gleicher Vorgehensweise, inwieweit eine Annäherung der Gesichtsproportionen erwachsener Frauen an das Kindchenschema attraktivitätssteigernd wirkt.

Das Ergebnis: nur 9,5 Prozent der Befragten fanden die Originalfrauen attraktiv. Die meisten - und zwar Männer und Frauen gleichermaßen - ließen sich von kindlichen Merkmalen wie große, rundliche Augen, eine große, gewölbte Stirn sowie kleine Ausprägungen von Nase und Kinn betören. Selbst die attraktivsten Frauengesichter wurden noch besser beurteilt, wenn ihnen Kindchenanteile im Computerbild beigemischt wurden.

Außerdem gaben Versuchspersonen an, dass attraktive Frauen eine braune Haut, ein schmaleres Gesicht und vollere und gepflegte Lippen haben. Als attraktiver wird außerdem beurteilt: ein weiter Augenabstand, dünnere Augenlider, mehr, längere und dunklere Wimpern, dunklere und schmalere Augenbrauen, höhere Wangenknochen und eine schmale Nase.

Für Männer werden sehr ähnliche Attraktivitätsmerkmale genannt. Dazu kommen noch ein markanter Unterkiefer und ein markanteres Kinn.
 


Attraktiv und sexy: auf die rechten virtuellen Gesichter fahren die meisten ab.

Völlig irrational wird es bei der Befragung, an der insgesamt 500 Personen teilgenommen haben, wenn es darum geht, vom Aussehen auf Charaktereigenschaften zu schließen. Keine Frage, der attraktivere wird auch für den besseren Menschen gehalten. Mit zunehmender eingeschätzter Schönheit steigt auch die Bewertung als erfolgreich, zufrieden, sympathisch, intelligent und gesellig. Und man sollte es nicht für möglich halten: attraktive Frauen und Männer werden sogar für fleißiger und kreativer gehalten.

Doch alles ist nur schöner Schein: Die Gesichter, die es von realen Personen gar nicht gibt, werden Eigenschaften so massiert zugeschrieben, wie man es im Leben nicht finden kann. "Das Bildnis des Dorian Gray" blendet wie eh und je die Menschen.

Es scheint, dass die vier Regensburger Studenten von ihrem Untersuchungsergebnis auch etwas erschrocken waren, wenn sie sagen: "In unserer Untersuchung stellte sich heraus, dass die als am attraktivsten beurteilten Gesichter keine echten Gesichter waren, sondern von uns am Computer erzeugte.

Diese virtuellen Gesichter zeichnen sich durch Merkmale aus, die für uns normale Menschen völlig unerreichbar sind. Indem uns die Medien solche perfekten Gesichter täglich vor Augen führen - man denke nur an die bis ins Detail computertechnisch nachbearbeiteten Gesichter für Kosmetikwerbung, besteht die Gefahr, dass wir selbst zu Opfern unserer eigenen, völlig unrealistischen Schönheitsideale werden."


  
Passanten-Befragung nach dem idealen Gesicht im Donau-Einkaufszentrum
 


  
Drei der vier Forscher: C. Marberger, Chr. Braun, M. Gründl 
Foto: Hanske 
 


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