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P.M. History
Mai 2002

Formt das Aussehen den Charakter?

"Schön und gut" - Kalos kai agathos": Schon für die alten Griechen gehörten diese Eigenschaften zusammen. Der Regensburger Psychologe Prof. Dr. Alf Zimmer erklärt, was hinter dieser Vorstellung steckt. Das Interview führte Stefan Primbs.

Der Fachmann: Universitätsrektor Alf Zimmer, Professor für Allgemeine und Angewandte Psychologie. Er betreute die Studie "Beautycheck" (siehe Kasten).
 

HISTORY: Lavater wollte an den Gesichtszügen Charakterzüge ausmachen. Ist das wirklich so lächerlich?

Zimmer: Im Einzelnen können solche Beobachtungen, wie sie Lavater machte, durchaus richtig sein. Es ist sogar so, dass die Mimik auf die Gemütslage zurückwirken kann. Manchen Depressiven beispielsweise hilft es, wenn sie sich vor dem Spiegel bewusst in eine gute Stimmung lächeln. Schlimm wird es dann, wenn man Beobachtungen generalisiert und glaubt, alles damit erklären zu können. Die schon von Lavaters Zeitgenossen belächelten Tiervergleiche sollte man nicht überbewerten, er hat sie meines Erachtens eher als Erinnerungshilfe verstanden.

HISTORY: Alle Menschen wollen schön sein. Doch was zeichnet einen "schönen"  Menschen aus? Gibt es kultur- und zeitübergreifende Merkmale?

Zimmer: ich glaube schon, dass es allgemeine Kriterien gibt. So wird in der Regel die "schöne" Gesichtsform auf Gesundheit hinweisen, das heißt, sie sollte nicht durch Krankheiten entstellt sein. Bei weiblichen Gesichtern kommt es speziell auch auf den Anschein von Jugendlichkeit an. Falten oder kantige Nasen werden dagegen als unschön wahrgenommen, weil sie eher ein Zeichen des Alters sind.

HISTORY: Eine Studie ihrer Studenten hat ergeben, dass den Schönen von ihren Mitmenschen auch positive Charaktereigenschaften zugeschrieben werden. Nur die Ehrlichkeit scheint der Mensch weniger stark mit dem Äußeren in Verbindung zu bringen. Warum?
Zimmer: Meine Hypothese: Mittlerweile spielt die Kosmetik eine so große Rolle - etwa beim Teint -, dass Schönheit heute nicht mehr als Ausdruck des innersten Selbst wahrgenommen wird, sondern oft als Maske, gewissermaßen als Lüge.

HISTORY: Woher kommt eigentlich die uralte Auffassung, dass ein schönes Äußeres auch einem guten Inneren entspricht?

Zimmer: Da stecken wohl zwei Dinge dahinter: Zum einen ist es tatsächlich so, dass sich der Gesichtsausdruck im Laufe der Zeit verändert, dass sich häufiges Stirnrunzeln in Stirnfalten und häufiges Lachen in Lachfalten äußert oder dass sich die aus Abscheu herabgezogenen Mundwinkel ins Gesicht eingraben können. So spiegelt sich der innere Zustand, der diese Mimik hervorruft, tatsächlich ein wenig im Gesicht. Zum anderen gibt es einen üblen Rückkopplungsprozess: Wer als hässlich gilt und dafür sozial benachteiligt wird, fühlt sich dadurch möglicherweise selbst zu antisozialem Verhalten berechtigt. Das kann schon bei Kindern beginnen, die wegen abstehender Ohren oder langer Nasen gehänselt werden. Wenn beispielsweise ein Rothaariger nur wegen seiner Haarfarbe als Dieb hingestellt wird - egal, was er tut -, dann wird er sich vielleicht sagen: "Da kann ich ja gleich stehlen."


 
Forschung im Einkaufszentrum (oben): 500 repräsentativ ausgewählte Besucher bewerteten am Computer (links) Gesichter nach Schönheit und nach Kriterien wie Intelligenz, Ehrlichkeit oder beruflichem Erfolg.


Brigitte Bardot mit Babyface: Der leicht geöffnete Mund, ein Merkmal des Kleinkinds, wirkt jugendlich und damit sexy - aber auch naiv.

HISTORY: Attraktive Frauen werden der Studie zufolge auch für intelligenter gehalten als unattraktive - andererseits pflegte der Film lange Zeit das Klischee attraktiver "Dummchen" - ein Widerspruch?

Zimmer: Das liegt daran, dass - wie schon erwähnt - vor allem bei Frauen die Schönheit mit Jugendlichkeit verbunden wird. Damit kommen Merkmale aus Kindheit und Vorpubertät ins Spiel, die gemeinhin mit Naivität verbunden werden. Ein permanent leicht geöffneter Mund beispielsweise zeichnet Kleinkinder aus und steht daher nicht für Intelligenz, doch Pin-ups oder auch Marylin Monroe posierten regelmäßig damit.

HISTORY: Wer schön ist, wird auch als erfolgreich und fleißig eingeschätzt. Wie wichtig ist das für die Karriere?

Zimmer: Das spielt schon eine Rolle. In Amerika lassen sich Bewerberinnen von Trainern regelrecht zur "typischen Erfolgsfrau" stylen, um im Vorstellungsgespräch zu bestehen, neuerdings auch zunehmend Männer. Und es ist auch was dran: Wer von Kindheit an wegen seines Äußeren im Umgang mit seinen Mitmenschen bevorzugt wurde, wird sich wahrscheinlich auch souveräner in der Gesellschaft bewegen und kann sozial kompetenter reagieren - für das berufliche Fortkommen ist das nur förderlich.

HISTORY: Müssen wir uns also bald alle nach einem Idealbild stylen und umoperieren lassen, wenn wir es zu was bringen wollen?

Zimmer: Wir sehen zurzeit auf den Magazinen fast nur noch Coverfotos, die mit dem Computer geschönt wurden. Die Frauen darauf nähern sich nach meiner Beobachtung optisch immer mehr an. Ich glaube, dass dieser Trend nicht dauerhaft sein wird. Denn auf der anderen Seite gibt es eine Sehnsucht nach etwas Spezifischem: Charakter. Und ein Charakterkopf ist nicht unbedingt ein schöner Kopf. Und es kommen ja auch heute nicht nur Leute wie der Telekom-Chef Ron Sommer, der dem Schönheitsideal entspricht, in die Vorstandsetagen, sondern auch ein Jack Welch (Ex-Chef von General Electric, der härteste Manager der Welt; d. Red.), der dem sicher nicht entspricht. 

HISTORY: Herr Professor Zimmer, wir danken für das Gespräch. 

Lavaters Erben: Diese Nachwuchswissenschaftler bekamen für die Studie "Beautycheck" einen Studienpreis. Von links: Christoph Scherber, Claus Marberger, Martin Gründl und Christoph Braun.
 
 
 

Ein schmales Gesicht lässt Jungen und Mädchen intelligenter aussehen

Gelobt sei, was schön macht! Denn wer schön ist, wird auch für intelligent, erfolgreich und zufrieden gehalten - sagt eine Studie
 

"Die Ergebnisse sind erschreckend eindeutig", kommentieren die vier Regensburger Nachwuchswissenschaftler Christoph Braun. Martin Gründl. Claus Marberger und Christoph Scherber (einziger Biologe neben den drei Psychologen) die Ergebnisse ihrer groß angelegten Studie "Beautycheck - Ursachen und Folgen von Attraktivität".

Die Forscher ließen dafür die Gesichter von Models und "normalen" Menschen fotografieren und aus diesen Fotos vom Computer Dutzende von Mischungen erzeugen. Dann Legten sie diese Bilder 500 ausgewählten Versuchspersonen in einem Einkaufszentrum zur Einschätzung vor. Diese wählten dabei nicht nur nach der Schönheit aus, sondern sollten auch anklicken, für wie sympathisch, intelligent, kreativ, Aufregend, zugänglich, fleißig oder gesellig sie die jeweilige Person auf dem Foto halten. Fazit: Dieselben Gesichter, die die Leute als attraktiv bezeichneten, wurden auch mit allen anderen positiven Eigenschaften bedacht. "Schöne Menschen haben also einen dicken Bonus im Leben", so die Forscher.

Ihr Trost für alle, die sich nicht in den "Sexy-Gesichtern" wiederfinden: Die Regensburger Ergebnisse waren wohl nur deshalb so eindeutig, weil die Bilder standardisierte Gesichter in Ruhestellung zeigten. So wichtige Dinge wie ein sympathisches Lächeln, aber auch Schmuck, Kleidung, Kosmetik oder Frisur konnten die Ergebnisse somit nicht beeinflussen. Damit ließe sich also noch so mancher Schönheitsfehler wettmachen.

Die Studie mit vielen Bildern und Beispielen ist im Internet einsehbar (www.beautycheck.de).

SP

 

Schmales Gesicht, dunklere Haut, vollere Lippen: Das sind nur einige der Merkmale, die Männer und Frauen attraktiv erscheinen lassen. Diese vom Computer errechneten Gesichter wirken aber nicht nur "sexy", sie strahlen auch Fleiß, Intelligenz, Erfolg, Kreativität und Zufriedenheit aus.
 
 
 

Nicht gerade schmeichelhaft: Computergenerierte Prototypen eines Mannes und einer Frau, die von den Probanden als erfolglos, unzufrieden, unsympathisch, dumm, unnahbar, ungesellig und langweilig eingeschätzt wurden. Die Forscher sehen darin die Bestätigung, dass in uns alte Vorurteile weiterleben.
 


 

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