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RUNDSCHAU Rundschau 03.04.2002 Schön um jeden Preis Körperkult auch in Regensburg: Zwischen Fitness und Magersucht Regensburg (xdm). Sie stählen sich in Fitness-Clubs. Sie konsultieren den Schönheitschirurgen und konsumieren "Premium"-Produkte. Unaufhaltsam steigt die Schar der Anhänger des Körperkults des 21. Jahrhunderts. "Die Leute sind jugendlicher geworden", meint Kurt Haindl, profunder Kenner und Pionier der Regensburger Fitness-Club-Szene. Der agile Endvierziger interpretiert den "Run" auf seine Studios als Konsequenz der "sitzenden Gesellschaft". "Die Motivation ein Studio zu besuchen, liegt vor allem im gestiegenen Gesundheitsbewusstsein. Aber auch Eitelkeit spielt eine Rolle." Mit Angeboten von der Stange bedient Haindl seine Kientel schon längst nicht mehr. Maßgeschneiderte Trainingsmethoden, gepaart mit exklusivem Ambiente, setzen heute den Standard und sollen so die Zielgruppen "Anspruchsvolle Kids" bis "Mittfünfziger" erreichen. "Prominente leben es vor und die Leute nutzen das immer professioneller werdende Angebot der Trainingsmöglichkeiten, um sich wohlzufühlen." Operation für neues Leben Die Zeichen der Zeit erkannt hat auch Dr. Ruf. In seiner Praxis am Regensburger Arnulfsplatz gibt er den Menschen das, was sie durch hartes Training nicht schaffen. Brustvergrößerung, Fettabsaugen und Hilfe bei allzu dicken Tränensäckchen. "Patienten leiden oft unter ihrem Körperbild und auch 20-Jährige finden inzwischen den Weg zum plastischen Chirurgen. Schönheitsoperationen sind längst kein Phänomen der Highsociety mehr. Menschen aus allen Gesellschaftsschichten sind bereit, auf andere Dinge zu verzichten, um sich unters Messer zu legen - damit anschließend ein neues Leben für sie beginnt." Dass dieses Leben nach dem Eingriff ein anderes sein muss, weiß der Chirurg aus unzähligen Gesprächen mit Patienten zu berichten. "Erhöhte Selbstsicherheit und persönliche Zufriedenheit" nennen die meisten Patienten schon kurze Zeit nach dem Eingriff. Erheblicher dürfte aber sein, dass "die besser aussehenden Menschen die besseren Jobs bekommen." Was Gesichter attraktiv macht Vier Regensburger Studenten führten Experimente zum Thema Attraktivität
und deren soziale Wahrnehmung durch. Das Forscherteam untersuchte in seiner
Studie, mit der es den zweiten Studienpreis der Körber-Stiftung gewann,
was Gesichter attraktiv macht. Die Studenten legten 500 Testpersonen Fotos
vor und ließen sie ausgewählte Kriterien wie Ehrlichkeit, Intelligenz
und Fleiß zuordnen. Das Ergebnis war verblüffend. Die von ihnen
mittels Bildbearbeitungssoftware bearbeiteten Gesichter bekamen beinahe
ausnahmslos höhere Werte als die Originale. "In unserer Untersuchung
stellte sich heraus, dass die als am attraktivsten beurteilten Gesichter
keine echten Gesichter waren, sondern von uns am Computer erzeugte. Diese
virtuellen Gesichter zeichnen sich durch Merkmale aus, die für uns
normale Menschen völlig unerreichbar sind. Künstliche Gesichter
sind attraktiv und Attraktivität wird positiv bewertet", heißt
eine Erkenntnis von Gründl und Marberger, die die postbiologische
Ära einläuten könnte.
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