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Süddeutsche Zeitung
14.11.2001

Zweiter Preis beim Wettbewerb der Körber-Studienstiftung für Studenten aus Bayern

Schönheit aus dem Computer

Regensburger Psychologen erzeugen das perfekte Gesicht - eine Kreuzung aus Cleopatra, Cindy und Greta 

Von Horst Hanske 

Regensburg - Bildschirm, Bildschirm in der Hand, wer ist die Schönste im ganzen Land? Frei nach den Gebrüdern Grimm sind Model- Agenturen in Zukunft bei der Auswahl ihrer Bewerber nicht mehr allein auf ihren Geschmack angewiesen. Sie können den Computer befragen, der die Kandidaten längst erfasst hat und ihr Gesicht anhand von 75000 Referenzpunkten mit dem der anderen Bewerber vergleicht. 

Vier Psychologie-Studenten der Regensburger Universität haben zum Thema "Bodycheck - Wie viel Körper braucht der Mensch" eine Studie mit dem Titel "Beautycheck - Ursachen und Folgen von Attraktivität" entwickelt. Das ist nicht sehr neu, denn schon in Greta Garbos Antlitz wurde mit Maßband und Zirkel nach den Geheimnis der Schönheit gesucht. Die Regensburger Seelenkundler arbeiten mit einem computergestützten Auswahlsystem. Sie haben Originalgesichter gekreuzt und verändert und sind schließlich zum Idealgesicht von Frau und Mann gelangt, das sogar kritische Model-Agenturen entzückte. Für diese Arbeit wurde ihnen der zweite Preis bei dem bundesweit ausgeschriebenen Deutschen Studienpreis der Körber-Stiftung zugesprochen. Die Jury lobte die "gut aufgebaute, anspruchsvolle und intelligente Untersuchung". Als "überzeugend" hoben die Juroren auch die "gesellschaftlichen Implikationen" der Studie hervor: "Die gemorphten Gesichter schnitten im Schönheitsvergleich durchweg besser ab als die realen. Was aber passiert, wenn der Computer die Wirklichkeit übertrifft?" 

Was macht die Gesichter von Claudia Schiffer oder Cindy Crawford so anziehend? Der Diplom-Psychologe Martin Gründl und die Psychologiestudenten Claus Marberger, Christoph Braun und Christoph Scherber untersuchten, welche Merkmale ein Gesicht attraktiv machen, und gingen der Frage nach, ob Schönheit auch Anerkennung und Macht bringt. Aber auch das dürfte seit Cleopatra gesichert sein. Allerdings ist das Verfahren nach Auffassung der Regensburger Psychologen differenzierter als frühere Verfahren - und es hat darüber hinaus den Vorteil, dass altbekannte Hypothesen jetzt endlich vergleichbar sind. Für ihre Studie fotografierten die Schönheitsforscher 56 Frauen und 32 Männer im Alter zwischen 17 und 29 Jahren, davon acht Models. Sie fotografierten diese Gesichter en face wie beim polizeilichen Fahndungsfoto. Die Köpfe wurden dann von Versuchspersonen auf einer Skala von 1 (= sehr unattraktiv) bis 7 (= sehr attraktiv) beurteilt und anschließend mit Hilfe von Softwareprogramme verändert, verjüngt und veredelt. Dann ging das Quartett zur Publikumsbefragung in ein Regensburger Einkaufszentrum. Dort durfte das Volk an mehreren Bildschirmen Jury spielen. In vier großen Umfragen benoteten jeweils 100 bis 150 Leute einmal die Attraktivität der Originalgesichter und anschließend die der manipulierten Gesichter. Dabei hatten die Befragten keine Ahnung, dass hier perfekt manipuliert (gemorpht) worden war. Zusätzlich wurde nach den sozialen Eigenschaften der gezeigten Personen gefragt, nach ihrer Intelligenz oder Ehrlichkeit. 

Bei Frauengesichtern wirken kindliche Merkmale, wie große runde Augen attraktiv. Als schön geltende Frauen haben eine braunere Haut, ein schmales Gesicht und vollere Lippen, einen weiteren Augenabstand, dünnere Augenlider, lange dunkle Wimpern und schmale dunkle Augenbrauen, höhere Wangenknochen und eine schmale Nase. Erstaunlicherweise gilt das auch für attraktive Männer. Je attraktiver die präsentierten Gesichter waren, desto erfolgreicher, zufriedener, sympathischer, intelligenter, geselliger, aufregender und kreativer wurden die Personen eingeschätzt. Das Gesicht, das alle, auch die anspruchsvollen Model-Agenturen, für das schönste hielten, war übrigens gar nicht echt, sondern vom Computer gezeugt: ein völlig unrealistisches Schönheitsideal, das für die Kosmetik und Schönheitschirurgen Reklame macht. Ein eher langweiliges Gesicht. 

Dieses virtuelle, ganz unrealistisch schöne Gesicht entzückte sogar die anspruchsvollen Modell-Agenten.
 


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