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DIE WELT
15.12.2001

Schöne Menschen aus dem Computer

Von Mirko Herr

Laufen wir unerreichbaren Vorstellungen von Traumfrauen und Traummännern nach, um uns dabei nur in Frustrationen zu stürzen? Forschungen einer Gruppe von Psychologiestudenten an der Universität Regensburg legen genau diesen Schluss nahe.

In sehr aufwendigen Experimenten wollten die vier Forscher eigentlich nur herausfinden, wie ein Gesicht beschaffen sein muss, um schön zu wirken. Erschreckendes Ergebnis: Kein Mensch kann so schön sein wie Gesichter, die sich schnell im Computer herstellen lassen. Die Studenten legten über 500 Versuchspersonen Fotos von natürlichen Gesichtern vor und auch solche, die sie im Computer hergestellt hatten. Wenn dann die Attraktivität der Gesichter bewertet werden sollte, schnitten die Computerbilder immer besser ab. "Unsere Originale wurden regelrecht runtergemacht. Wir hatten auch einige Fotomodels dabei, aber selbst die waren im Vergleich zu den manipulierten Gesichtern nur Mittelmaß", wundert sich Martin Gründl, inzwischen Diplompsychologe.

Er sieht eine echte Gefahr für unsere Schönheitsideale, denn Computerbilder sind in der Werbeindustrie heute weit verbreitet. Bei Models in Modezeitschriften wird die Augenfarbe intensiviert, die Haut wird gebräunt, Falten verschwinden mit einem Mausklick. "Die Medien zeigen uns ständig perfekte Schönheiten, die in der Realität unmöglich sind. Man zieht automatisch Vergleiche, und der Druck auf den Einzelnen steigt", so Gründl. Große Frustrationen sind für ihn die Folge.

Dies wird noch verständlicher; wenn man ein weiteres Experiment der Regensburger Gruppe bedenkt. Sie baten ihre Versuchspersonen nämlich, einigen der Gesichter Persönlichkeitseigenschaften zuzuordnen. Schöne Menschen wurden durchweg für intelligenter, freundlicher und interessanter gehalten. Ein weiterer Grund, nach Schönheit zu streben. Und wenn die Ideale unerreichbar sind, kann das für manchen zum großen Problem werden.

Die Regensburger wissen nun auch, wie sie ein Gesicht im Computer verändern müssen, um die perfekte Schönheit zu schaffen. Sie bedienten sich einer Technik, die morphen genannt wird. Dabei verschmilzt der Computer eine Reihe von Originalgesichtern zu einem Durchschnittsgesicht. Die schönsten Frauen- und Männergesichter erhielt die Gruppe, wenn sie die Originalgesichter miteinander verschmolz, die die höchsten Schönheitswertungen erhalten hatten. Bei den Frauengesichtern ließ sich der Effekt sogar noch steigern, wenn einige Kindergesichter mit denen der Erwachsenen vermorpht wurden. So bildeten sich Gesichter, die dem so genannten Kindchenschema entsprachen, also große Augen haben, eine hohe Stirn, einen runden Kopf und eine kurze Nase. Am Ende entstand auf dem Bildschirm das Bild der vollkommen schönen Frau.

"Wir wollten aber keine Superfrau designen, diese Schönheit ist nur ein Abfallprodukt", sagt Gründl. Immerhin gelang es den Studenten auch, eine lange anerkannte Theorie zur Schönheit ins Wanken zu bringen. Die Durchschnittshypothese ging davon aus, dass Gesichter schön sind, wenn sie den Durchschnitt aus möglichst vielen anderen bilden. Dann hätte jedes Computergesicht, für das mehrere andere verschmolzen wurden, schön sein müssen. Die Versuchspersonen fanden aber nur die schön, die aus attraktiven Originalgesichtern gebildet wurden.

Die Schönsten im Web:
www.beautycheck.de
 


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