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Kate MossKind, 4 JahreLinks das Supermodel Kate Moss, rechts ein für unser Kindchenschema- Experiment fotografiertes Mädchen (4 Jahre). Das Gesicht von Kate Moss weist deutlich kindchenhafte Merkmale auf, besitzt aber zugleich auch Reifekennzeichen wie hohe, ausgeprägte Wangenknochen und konkave Wangen, die durch Make-up noch betont werden. Nach Cunningham (1986) macht gerade die Kombination dieser Merkmale ihr Gesicht sehr attraktiv.
 

In der Attraktivitätsforschung gibt es die These, dass Frauen dann besonders attraktiv sind, wenn ihr Gesicht "kindchenhafte" Merkmale aufweist, d.h. Merkmale, die eigentlich für kleine Kinder typisch sind. Dies sind: 

  • Großer Kopf 
  • Große, dominante, gewölbte Stirn 
  • Relativ weit unten liegende Gesichtsmerkmale (Augen, Nase, Mund) 
  • Große, runde Augen 
  • Kleine, kurze Nase 
  • Runde Wangen 
  • Kleines Kinn 
Brigitte BardotDer Prototyp für eine "Kindfrau" ist Brigitte Bardot. Der Grund, warum kindlich aussehende Frauen attraktiver seien, ist ein biologischer: Evolutionsbiologen argumentieren, dass es in der Entwicklungsgeschichte des Menschen für Männer ein Vorteil war, junge Frauen als Fortpflanzungspartnerinnen zu bevorzugen, da sie  eher gesund seien und noch eine lange Periode der Fruchtbarkeit vor sich hätten. Dadurch könnten sie ihm besonders viele Kinder gebären, so dass er somit seine Gene an möglichst viele Nachkommen weitergeben könne. 

Die These ist aber nicht unumstritten. Denn auf der anderen Seite ist es auch so, dass sogenannte Reifekennzeichen ein Frauengesicht attraktiv machen. Dies sind v.a. hohe ausgeprägte Wangenknochen und konkave Wangen (also das Gegenteil von den kindlichen, runden Wangen!). Die biologische Begründung lautet, dass diese Reifekennzeichen dem Mann signalisieren, dass eine Frau kein Kind mehr ist, sondern geschlechtsreif und damit gebärfähig. Manche Attraktivitätsforscher (z.B. Grammer) vertreten die Ansicht, dass kindliche Merkmale ein Frauengesicht einfach nur jünger, aber nicht attraktiver machen. 
 

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Um die sogenannte "Kindchenschema-Hypothese" zu überprüfen, stellten wir von verschiedenen Gesichtern erwachsener Frauen mehrere Varianten her, die in ihren Gesichtszügen mehr oder weniger kindlich aussahen. Alle Varianten wurden dann von Versuchspersonen auf ihre Attraktivität beurteilt.
 
Kindchenschema

Links vier Kinder im Alter von 4 bis 6,5 Jahren; rechts das Kindchenschema, das daraus berechnet wurde.

Dazu gingen wir so vor: Aus vier aufgenommenen Gesichtern von Kindergartenkindern berechneten wir ein "Durchschnitts-Kindchengesicht". Anschließend wählten wir mehrere attraktive Frauengesichter aus. Jedes dieser Frauengesichter näherten wir mit Hilfe des Morphing-Programms an die Gesichtsproportionen des Kindchenschemas an. Dabei wurde das Gesicht der erwachsenen Frau nur in seinen Proportionen in Richtung Kindchenhaftigkeit verzerrt - die Gesichtsoberfläche wurde nicht neu berechnet. Von jeder erwachsenen Frau erstellten wir sechs Variationen: 
 
Gesicht 1
50% Kindchen
50% erwachsene Frau

 

Gesicht 2
40% Kindchen
60% erwachsene Frau

 

Gesicht 3
30% Kindchen
70% erwachsene Frau

 

Gesicht 4
20% Kindchen
80% erwachsene Frau

 

Gesicht 5
10% Kindchen
90% erwachsene Frau

 

Gesicht 6
0% Kindchen
100% erwachsene Frau

 

Die Versuchspersonen sollten für jede Frau angeben, welche Variation sie am attraktivsten finden. 
Die Ergebnisse dieses Experiments zeigen eindeutig, dass bei Frauengesichtern kindliche Merkmale (große, rundliche Augen, eine große, gewölbte Stirn, sowie kleine, kurze Ausprägungen von Nase und Kinn) stark attraktivitätserhöhend sind. Nur sehr wenige (9,5%) Versuchspersonen fanden in unserem Kindchenschema-Experiment die reifen "Original-Frauen" am attraktivsten. Die meisten bevorzugten Frauengesichter, denen ein Kindchenanteil von 10 - 50% beigemischt war (Näheres siehe Bericht!). Dies bedeutet: Selbst die attraktivsten Frauen werden noch schöner, wenn man ihre Gesichtsproportionen kindlicher macht. Interessant dabei ist, dass die Frauen, die bei diesem Experiment am attraktivsten beurteilt wurden, in der Realität nicht existieren. 

In unserem Online-Experiment können Sie mit weiteren Frauengesichtern Ihren eigenen Geschmack testen und mit den Attraktivitätsurteilen anderer vergleichen. 
Zum Kindchenschema-Online-Experiment
 

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Letzte Änderung: 26.04.2009, Webmaster