Mitteilungenaus dem Stadtmuseum Wels 1/96

500 Jahre auf den Spuren der Römer:
Geschichte der Erforschung des römerzeitlichen Regensburg

Ausstellung der Universität Regensburg im Stadtmuseum Wels
20. März - 15. September 1996

 


Römerzeitliches Regensburg
Das Legionslager an der Donau
Castra Regina im Mittelalter
Regensburg - 14 v.Chr. gegründet
Die Anfänge der Erforschung
Die ersten Ausgrabungen
Der Beginn der Bodendenkmalpflege
Denkmalverlust heißt Geschichtsverlust
Die "planmäßige" Wiederauferstehung von Castra Regina

 

Katalogtitelblatt
Regensburg (Bayern) liegt am nördlichsten Punkt der Donau. Die Stadt war jahrhundertelang Sitz der bairischen Herzöge und auch die erste Hauptstadt Bayerns. Am Kreuzungspunkt wichtiger Verkehrsverbindungen gelegen, war Regensburg im Mittelalter Metropole eines europaweiten Femhandels, die Wurzeln der Stadt aber liegen in der Römerzeit.

Römerzeitliches Regensburg

Seit der Regierung des Kaisers Augustus hatten die Römer ihren Herrschaftsbereich über die Alpen immer weiter nach Norden ausgedehnt. Die Donau entwickelte sich zunehmend zu einem der wichtigsten Verbindungswege zwischen den westlichen Reichsteilen (Gallien/Germanien) und den östlichen Gebieten an der unteren Donau. Der Flußlauf bildete seit dem ausgehenden ersten Jahrhundert n. Chr. von Eining an (etwa 40 km südwestlich von Regensburg) auch die Nordgrenze des römischen Weltreiches.

Diese Flußgrenze sicherte man durch eine Kette von Militäranlagen gegen feindliche Einfälle. Im Zuge dieser Maßnahmen rückten die Römer wohl spätestens Anfang der 80er Jahre des ersten Jahrhunderts n. Chr. in die Regensburger Bucht vor.

Hier an der Mündung von Naab und Regen in die Donau kreuzten sich wichtige vorgeschichtliche Handelswege. Die Verkehrsgunst mag auch die römischen Strategen dazu bewogen haben, an diesem Platz einen Heeresverband zu stationieren.

Das auf einem Hangsporn im heutigen Stadtteil Kumpfmühl errichtete Kohortenkastell bot die Möglichkeit, den gesamten Donaubogen, die Flußmündungen von Regen und Naab und damit die Verkehrswege zu beherrschen. Um das Kastell entwickelte sich gleichzeitig ein Vicus mit Kastellbad, Streifenhäusern und wahrscheinlich einer Raststation (mansio). Es konnten verschiedene Gewerbebetriebe nachgewiesen werden. Darüber hinaus existierte weiter im Norden, nahe der Donau, die sogenannte "Donausiedlung".

Das zuerst relativ ungestörte Leben der römischen Soldaten und Zivilisten an der Donaugrenze änderte sich Mitte des zweiten Jahrhunderts. Germanen, Markomannen und andere Stämme, die vorher nördlich des Flusses gelebt hatten, stießen gewaltsam gegen die Reichsgrenze vor. Bei den daraus entstehenden kriegerischen Auseinandersetzungen wurden in den 70er Jahren des zweiten Jahrhunderts n. Chr. wohl auch das Regensburger Lager sowie die dazugehörigen Zivilsiedlungen in Schutt und Asche gelegt.

Das Legionslager an der Donau

Nachdem der erste Ansturm der beutehungrigen Germanenscharen zurückgeschlagen werden konnte, beschloß Kaiser Marcus Aurelius den strategisch wichtigen Donaubogen erneut mit einer römischen Militäranlage zu befestigen. Am nördlichsten Punkt, den der Fluß erreicht, einem exponierten Grenzposten des Weltreiches, sollte dabei eine Demonstration römischer Macht gegeben werden. Und so entstand am südlichen Donauufer ein festes Standlager für eine Legion, den größten und bestausgerüsteten Kampfverband der Römer

Wie ein inschriftliches Zeugnis belegt, war der Bau im Jahre 179 n. Chr. wahrscheinlich weitgehend fertiggestellt und konnte von der III. Italischen Legion bezogen werden. Das neue Lager hatte seinen Platz in der Flußau, nur wenige Meter von der Donau entfernt. Mit seinen Ausmaßen von ca. 540 x 450 m bedeckte es ein Areal (25 ha), das später das Zentrum der mittelalterlichen Stadt Regensburg werden sollte.

Reginum bzw. in der Spätantike Castra Regina, so nannte man die neue Festung. Regina war dabei dem vorrömischen Flußnamen des Regens entlehnt, so daß Castra Regina eine militärische Befestigung am Fluß Regen bezeichnete. Reginum/Castra Regina war der militärische Vorort der römischen Provinz Raetien (Hauptstadt: Augusta Vindelicum, Augsburg), eines Gebietes, das im Westen bis zum Bodensee reichte. Im Osten war die Provinz durch den Grenzfluß lnn von Noricum getrennt. Die nördliche Grenze gegen das freie Germanien bildete der Limes und ab Eining die Donau. Im Süden wurden die Südostschweiz, Vorarlberg und Tirol mit einbezogen.

Mit der Legion hielten römische Kultur und Lebensgewohnheiten an der Nordgrenze des Imperiums Einzug. Westlich des Legionslagers entwickelte sich vor den Mauern der Militärbefestigung schnell eine Zivilsiedlung (canabae) mit stadtartigem Gepräge, die jedoch im Gegensatz etwa zu Lauriacum, niemals Stadtrecht erhalten haben dürfte.

Nur wenige Kilometer weiter donauaufwärts entstand etwa gleichzeitig mit dem Legionslager eine weitere dorfartige Siedlung (vicus) um ein Kleinkastell gegenüber der Naabmündung. Im Umfeld des Legionslagers, z.T. ebenfalls noch im Weichbild der heutigen Stadt, legte man zahlreiche villae rusticae (Bauernhöfe) zur Versorgung der Großsiedlung an. Somit fassen wir mit dem Begriff "römerzeitliches Regensburg" eine ganze Anzahl verschiedenartiger Siedlungsagglomerationen zusammen, zu denen sich noch Gräberfelder und Heiligtümer gesellten. Mit der Stationierung der Legion hatte die Blütezeit des römerzeitlichen Regensburg begonnen.

Der sich bald entwickelnde - wenn auch provinzielle - Wohlstand geriet jedoch seit Mitte des 3. Jahrhunderts verstärkt in Gefahr. Immer wieder brandeten in der Folgezeit die Wogen germanischer Eindringlinge gegen die römischen Vorposten. Dörfer und Städte in Raetien wurden zerstört, Kastelle erobert. Mindestens zweimal mußte auch Reginum dieses Schicksal erleiden.

Anfang des 4. Jahrhunderts änderte sich die Struktur des römischen Heeres. Der Großverband der Legion wurde aufgelöst und in mehrere Einheiten mit zahlenmäßig geringerem Umfang aufgeteilt (diokletianisch-konstantinische Heeresreform). Auch in Castra Regina wurde die Truppenstärke reduziert. Dies nützte die bisher vor den Mauern lebende Zivilbevölkerung und zog in das Innere des schützenden Lagergevierts. Nun lebten also Zivilisten und Soldaten innerhalb der ehemals reinen Militäranlage Seite an Seite.

Castra Regina im Mittelalter

Die römische Epoche neigte sich ihrem Ende zu, und langsam änderte sich auch die ethnische Zusammensetzung der im Lager am Donaubogen wohnenden Menschen. Eine neue germanische Schicht gewann durch Zuzügler, Söldner usw. immer mehr an Bedeutung und spielte im 5. Jahrhundert bereits die dominierende Rolle. Aus dem einstigen römischen Militärlager entwickelte sich so im Laufe der Zeit die frühmittelalterliche Stadt Regensburg, immer noch umgeben von der mächtigen Befestigungsmauer des römischen Legionskastells. Wohl bereits sehr früh war die Siedlung zum Kristallisationspunkt eines neuen Stammes, nämlich der baiuvarii geworden. Die ersten baiuwarischen Herzöge aus dem Geschlecht der Agilolfinger wählten sich die repräsentative und kaum zu erobernde Festung als Residenz.

An diesem kurzen und gerafften Überblick über die römische Geschichte Regensburgs wird deutlich, wie sehr die Regensburger Stadtgeschichte in der römischen Epoche verwurzelt ist. Das Lager der III. Italischen Legion bildete den Ausgangspunkt für die spätere Stadtwerdung, wobei die Siedlungskontinuität neben archäologischen Hinweisen auch durch die bruchlose Tradierung des Namens belegt wird. Auch heute noch liegt das Zentrum Regensburgs, die Altstadt, auf dem Areal des ehemaligen Legionskastells.

Regensburg - 14 v. Chr. gegründet

So ist die erste Ausstellungsstation überschrieben. Der Titel gibt die Umschrift einer Regensburger Schaumünze aus dem Jahre 1639 wieder. Er greift damit allerdings eine zeitlich weit zurückreichende, noch in einer sozusagen vorwissenschaftlichen Epoche wurzelnde Ansicht auf, die in der Stadtgeschichtsschreibung über lange Zeit hinweg Verbreitung fand. Man suchte eine möglichst hochrangige und altehrwürdige Tradition der Stadt dadurch zu beweisen, daß man den Ursprung Regensburgs in das Jahr 14 v. Chr. zurückverlegte und dabei als Ahnherrn der Stadt den römischen Kaiser Tiberius einforderte. Herausgearbeitet hatte man diese Vergangenheitsfiktion in propagandistischer Absicht bereits in der zweiten Hälfte des 11. Jahrhunderts, indem man Regensburg mit dem in der vita Severini erwähnten römischen Ort Tiburnia gleichsetzte, um dann daraus eine Gründung durch den namensähnlichen römischen Kaiser abzuleiten. Die dabei verfolgte Intention lag in einer Rangerhöhung der mittelalterlichen Stadt, die ihre in dieser Zeit real gegebene wirtschaftliche und herrschaftspolitische Vorrangstellung durch eine entsprechende Vergangenheitskonstruktion noch untermauern und legitimieren wollte. Die Theorie verfestigte sich in der Überlieferung und wurde mit marginalen Veränderungen bis in die Neuzeit weitertradiert, wobei der Topos mehr oder weniger durchgehend politisch instrumentalisiert blieb.

Die Anfänge der Erforschung

Der Beginn der wissenschaftlichen Beschäftigung mit Regensburgs römischer Vergangenheit liegt zu Beginn des 16. Jahrhunderts und ist v.a. mit dem Namen eines Mannes verbunden: Johannes Turmair (1477-1534), der sich in humanistischer Manier nach dem latinisierten Namen seiner Heimatstadt Abensberg "Johannes Aventinus" nannte. Der "Vater der bairischen Geschichtsschreibung" lebte und wirkte lange Zeit in Regensburg. Er versuchte die Gründungsgeschichte der Stadt (s.o.) erstmals anhand materieller römischer Relikte, d.h. vor allem anhand von Inschriften zu überprüfen, wenn nötig auch zu korrigieren, immer jedoch in der Absicht, sie grundsätzlich zu untermauern. Aventin war wohl der erste, der sich um eine Zusammenstellung der Regensburger "Römersteine", also der römischen Inschriften der Stadt, bemühte. Er sammelte sie aber nicht nur, sondern versuchte auch, sie kritisch auszuwerten, zu lesen und zu interpretieren und so einen Zusammenhang zwischen epigraphischem Material und der literarisch fixierten Tradition zu schaffen. Die Sammlung römischer Inschriften Regensburgs, wie sie Aventin in mehreren Druckwerken wiedergab, blieb die Grundlage jeder Beschäftigung mit dem epigraphischen Material der Stadt bis in die Moderne.

Genauso wie fast zwei Jahrhunderte später dem Regensburger Weihbischof Graf Albert Ernst von Wartenberg ging es Aventinus jedoch in erster Linie um die Rekonstruktion einer ruhmreichen Vergangenheit der ehemaligen bairischen Hauptstadt. Wartenberg legte den Schwerpunkt seiner - zugegeben sehr phantasiereichen - Forschungen und Entdeckungen am Ende des 17. Jahrhunderts seiner geistlichen Profession entsprechend allerdings auf die christliche Tradition der Stadt, die er in der Römerzeit zu erkennen glaubte. Für ihn war das Christentum bereits seit apostolischer Zeit in der Römersiedlung an der Donau beheimatet, ein Umstand, den er archäologisch zu untermauern dachte. Als Beweis für seine Hypothese diente ihm die Auffindung unterirdischer Gänge in die Stadt, die in seiner Interpretation zu "Katakomben" wurden. Außerdem verwies er noch auf weitere christliche Funde, die er angeblich in Regensburg barg, z.B. mehrere sogenannte "Goldgläser" sowie römische Ziegel mit - nach Wartenberg - christlichen Symbolen.

Die ersten Ausgrabungen

Sicherlich vermögen die Funde Wartenbergs einer kritischen Betrachtung kaum standzuhalten. Anzumerken bleibt jedoch, daß sowohl bei ihm wie auch schon bei Aventin Ansätze einer neuen Aufmerksamkeit spürbar wurden, die man von nun an den materiellen Hinterlassenschaften zukommen ließ. Deutlicher wurde diese Verlagerung des Forschungsinteresses dann im 18. und zu Beginn des 19. Jahrhunderts, als man begann, systematisch im Boden nach Altertümern zu graben. Wiederum lassen sich hier für Regensburg wichtige Stationen auf dem Wege der Erforschung v.a. durch zwei Männer; nämlich Georg Gottlieb Plato-Wild und Bernhard Stark, markieren.

Der Regensburger Stadtsyndicus Plato-Wild (1710-1777) führte erstmals archäologische Grabungen durch, bei denen er sowohl die Grabungsplätze wie auch die Befunde in Kartenskizzen und Beschreibungen fixierte und so das Fundmaterial in einen topographisch-historischen Zusammenhang einordnen konnte.

Der Benediktinerpater Bernhard Stark (1767-1839) aus dem Regensburger Kloster St. Emmeram trat ebenfalls als Ausgräber in Aktion. Ihm gelang es, bei der politischen Führung der Stadt Interesse für seine Aktivitäten zu wecken. Im Herbst 1808 konnte er den Fürstprimas Carl von Dalberg, den damaligen Stadtherrn von Regensburg, dazu bewegen, erstmals archäologische Grabungen mit sozusagen öffentlichen Geldern zu unterstützen. Eine Maßnahme, die dann im Jahre 1810 vom Nachfolger Dalbergs als Stadtsouverän, dem jungen bayerischen Königreich, übernommen wurde.

Auch Starks weiterer Werdegang zeigt, wie die wissenschaftliche Erforschung der Vergangenheit immer mehr unter staatliche Obhut kam. Nachdem Regensburg 1810 an Bayern gefallen war, hatte Stark im königlichen Auftrag für die Überführung der prähistorischen und römischen Altertümer der Stadt und ihrer Umgebung in die Hauptstadt zu sorgen. 1811 wurde er Konservator des königlichen Antiquariums in München.

Der Beginn der Bodendenkmalpflege

Im 19. Jahrhundert liegen dann auch die Wurzeln dessen, was wir heute unter Denkmalpflege verstehen. Die Aufgabe, das historische Erbe in Form materieller Überreste zu bewahren, vom Staat gefordert und gefördert, wurde bald an die überall entstehenden Historischen Vereine delegiert, in denen sich Begeisterung und fachliche Kompetenz geschichtsinteressierter Laien und Dilettanten - hier im wahren und ursprünglich positiven Wortsinn - zusammenfanden. Die Intention war dabei vorrangig staats-national-politisch, weniger bzw. kaum wissenschaftlich, es ging um eine Belebung des Nationalgefühls, d.h. der Vaterlandsliebe.

Der Historische Verein für den Regenkreis (heute: Historischer Verein für Oberpfalz und Regensburg),der sich 1830 konstituierte, legte mit seiner Sammlung prähistorischer, römischer und mittelalterlicher Altertümer den Grundstock für den Bestand des Regensburger Stadtmuseums. Über die reine Sammeltätigkeit hinaus entfaltete der Historische Verein auch rege Aktivitäten im Bereich der archäologischen Grabungen bzw. dem Bemühen, Bodendenkmäler zu bewahren. Er gab damit auch die Basis für unser heutiges Wissen über die römische Vergangenheit der Stadt.

Die Modernisierung der Infrastruktur Regensburgs sowie die Neubebauung bisher nicht oder nur geringfügig bebauter Gebiete brachten vor allem in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zahlreiche Bodeneingriffe mit sich, bei denen verstärkt Spuren aus der Römerzeit zutage traten. Dadurch konnte die lokale Römerforschung bedeutende Fortschritte verbuchen.

Besonders hervorzuheben ist hier der Anschluß Regensburgs an das Eisenbahnnetz. Die Anlage der Schienentrasse in den 70er Jahren führte zur Entdeckung des sogenannten "großen römischen Gräberfeldes" mit insgesamt ca. 6000 Bestattungen. Die Belegung reicht vom 2. Jahrhundert n. Chr. bis in das frühe Mittelalter.

Im Zuge der innerstädtischen Modernisierung kam es sodann zur Freilegung der Porta Praetoria, des ehemaligen Nordtores des Legionslagers, dessen Torbogen sowie ein Flankenturm 1885 bei Umbaumaßnahmen im Gebäudekomplex des Bischofshofes entdeckt wurden. In beiden Fällen zeigten sich bereits exemplarisch die Probleme und lnteressenskonflikte, die schon damals beim Versuch, die Vergangenheit zu bewahren, erwuchsen und die uns noch heute durchaus geläufig sind.

Denkmalverlust heißt Geschichtsverlust

Moderne Stadtplanung und wirtschaftliche Entwicklung auf der einen Seite und Erforschung der Vergangenheit unter Bewahrung ihrer Zeugnisse auf der anderen, beides muß nicht unbedingt im Widerspruch stehen, sondern kann sich auch gegenseitig fördern und befruchten. Häufig bedarf es jedoch eines langen und harten Kampfes, bis schließlich ein im besten Falle für beide Seiten förderlicher Kompromiß entsteht. Das Wechselspiel scheinbar diametral gerichteter Kräfte und Interessen bestimmt im 20. Jahrhundert weitgehend die Schritte der archäologischen Erforschung des römerzeitlichen Regensburg und den weiteren Umgang mit den Funden. Die Ausstellung versucht dies an markanten Beispielen aus dem Altstadtbereich zu verdeutlichen. Wenngleich die Reihe der angeführten Exempla bereits in den 70er Jahren endet, so ließe sie sich selbstredend bis in unsere Gegenwart fortführen.

Immer wieder taucht dabei die Frage auf: Wie gehen wir heute eigentlich mit den Relikten unserer Geschichte, die einmalig und unwiederbringlich sind, um?

Bei den denkmalpflegerischen Problemen, wie sie sich bei den verschiedensten Bodeneingriffen in der Altstadt bis in die jüngste Gegenwart darbieten, aber auch bei ihren Lösungen bzw. Lösungsversuchen werden immer wieder zwei Stränge im Umgang mit der römischen Vergangenheit - sicherlich nicht nur mit ihr - deutlich, die schon seit dem 18. Jahrhundert bemerkbar sind: Einerseits die forscherischen Aktivitäten, in der Absicht, unseren Kenntnisstand zu erweitern, andererseits das Bemühen um die Erhaltung und wenn möglich auch die Präsentation der Denkmäler zur Selbstverortung im Fluß der Geschichte und nicht zuletzt - in gut mittelalterlicher Tradition - zur Prestigeerhöhung, sei es der eigenen Kommune, sei es der eigenen Zeit, sei es der eigenen Person. Nur die Gewichtung der verschiedenen Aspekte ändert sich dabei fortwährend.

Die "planmäßige" Wiederauferstehung von Castra Regina

Das Bild, das wir uns von unserer Vergangenheit machen, entsteht zwar in unseren Köpfen, es bleibt aber nicht nur eine geistig-abstrakte Vorstellung, sondern verlangt immer nach visueller Umsetzung. In diesem Sinne begleitet auch die Frage: "wie hat das römische Regensburg eigentlich ausgesehen", die fortschreitende Römerforschung durch die Zeit. Die Vorstellungen, egal ob mehr der Phantasie und dem Wunschdenken oder mehr dem wissenschaftlichen Kenntnisstand entspringend und beide Bereiche widerspiegelnd, manifestieren sich in einer Vielzahl von Planzeichnungen seit dem ausgehenden 18. Jahrhundert. Eine Auswahl dieser Pläne fokusiert gleichsam wie eine Sammellinse verschiedene Phasen der forschungsgeschichtlichen Entwicklung, gleichzeitig wird dabei noch einmal der Rahmen der Gesamtthematik der Ausstellung nachgezeichnet.

Die Ausstellung "500 Jahre auf den Spuren der Römer" wurde von einer Gruppe Studierender des Faches Geschichte an der Universität Regensburg (Projektleitung: Priv. Doz. Dr. Gerhard Waldherr, Lehrstuhl für Alte Geschichte) im Rahmen einer zweisemestrigen Lehrveranstaltung (WS 93/94, SS 94) konzipiert und dann in Zusammenarbeit mit der Volkshochschule Regensburg, die den Großteil der Kosten übernahm, realisiert. Finanzielle Unterstützung gewährten darüber hinaus noch die Verwaltung der Stadt Regensburg (Amt für Archiv und Denkmalpflege) und der Verein der Freunde der Universität Regensburg e. V

Die Ausstellung wird von einem umfangreichen Katalog (124 Seiten) mit zahlreichen Abbildungen begleitet, in dem die einzelnen Themenbereiche in umfassenderen Texten ausführlicher dargestellt werden. Ergänzend zur Ausstellung bietet der Katalog sodann Auszüge aus zwei für die Forschungsgeschichte sehr wichtigen, bisher nicht publizierten Manuskripten sowie mehrere Aufsätze zum Thema.

 

Gerhard Waldherr

 

Impressum:Medieninhaber und Herausgeber nach dem Mediengesetz: Magistrat der Stadt Wels, Stadtmuseum, Burggasse 13, 4600 Wels. Redaktion: Renate Miglbauer. Texte, Gestaltung: Gerhard Waldherr. Fotos: Museum der Stadt Regensburg. Presse- und Informationsstelle - Bilddokumentation der Stadt Regensburg

 

Stand: IV 99

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