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Prof. Dr. Jörg Oberste

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Aktuelle Forschungen Publikationen Lebenslauf



Aktuelle Forschungen

Edition der mittelalterlichen Stadtbücher Dresdens (1404-1535) und Altendresdens (1412-1549)

Eine der größten Leistungen des mittelalterlichen Bürgertums war die Durchsetzung seines Rechtes auf Freiheit und Selbstbestimmung. Stadträte und Bürgermeister standen an der Spitze der Bürgerschaft. Stadtschreiber, Kämmerer und Notare sorgten für die geordnete Stadtverwaltung. In Dresden, wie in vielen anderen mittelalterlichen Städten, zogen die Bürger vor den Stadtrat, um ihre Geschäfte, Familien- oder Rechtsangelegenheiten zu regeln: Eheverträge, Testamente, Erbteilungen, Quittungen, Stiftungen für die Dresdner Kirchen und Hospitäler, Kauf- und Kreditgeschäfte, Handwerksordnungen, Neubürgerlisten, Schiedssprüche und Ratsbeschlüsse - die Dresdner Stadtbücher gewähren einen faszinierenden Einblick in den Alltag des städtischen Gemeinwesens und seiner Bürger. Mit ihrer Hilfe lässt sich die Geschichte Dresdens im Zeitalter des glanzvollen wettinischen Aufstiegs, der Hussitenkriege und der Reformation neu schreiben.
Das Stadtarchiv Dresden bewahrt sechs der sieben Dresdner Stadtbücher aus den Jahren 1404 bis 1535 sowie die beiden Altendresdner Stadtbücher von 1412 bis 1549. Lediglich das zweite Dresdner Buch von 1437 bis 1453 ging während des Zweiten Weltkrieges verloren. Für das älteste Stadtbuch liegt eine Transkription von Elisabeth Boer aus dem Jahre 1963 vor. Ebenfalls überliefert sind ein Findregister für die Jahre 1454 bis 1519 sowie eine Reihe von Wachstafeln, ein äußerst seltener Fund aus den Jahren 1437 bis 1456. Jedes Buch umfasst zwischen 60 und 150 Pergament- oder Papierblättern. Mit wenigen lateinischen Ausnahmen sind die Einträge in frühneuhochdeutscher Sprache mit obersächsischer Einfärbung gehalten. Die spätmittelalterliche Kursivschrift variiert zwischen den verschiedenen Stadtschreibern, denen die Stadtbücher oblagen.
Gemeinsam mit dem Stadtarchiv Dresden ist die Edition der insgesamt acht Bücher mit historisch-philologischem Kommentar, ausführlichen Registern und Forschungshinweisen bis Ende 2008 geplant. Ein Workshop zu den Perspektiven und Problemen der Stadtbuchforschung und -edition wird für Ende 2006 geplant.

Vorarbeit:
Jörg Oberste: Alltag und Lebenswelt im spätmittelalterlichen Dresden, in: Geschichte der Stadt Dresden, hg. v. Karlheinz Blaschke, Stuttgart 2005 (im Druck).


Religiöse Kommunikation und städtische Eliten im mittelalterlichen Regensburg

Die künftigen Forschungen an der Universität Regensburg untersuchen die religiös-kirchlichen Rahmenbedingungen und sozialen Erscheinungsformen des Aufstiegs städtischer Eliten im 13. und 15. Jahrhundert. Sie gehen dabei generell von der Beobachtung aus, dass die Beziehungen der wirtschaftlich führenden Familien zur lokalen Kirche, zu den Pfarreien, Stiften und Klöstern ihrer Heimatstadt und des näheren Umfeldes, wesentliche Funktionen bei der Etablierung einer sozialen Führungsposition innerhalb der städtischen Gesellschaft erfüllten, während der zeitgenössische Diskurs in Theologie und Kanonistik eine eher restriktive Ethik städtischer Berufe und kaufmännischer Praktiken formulierte. Mit welchen theologischen Argumenten, religiös-ethischen Verpflichtungen, medialen Formen und praktischen Konsequenzen die Integration der städtischen Welt im allgemeinen und ihrer sozialen Eliten im besonderen gelang und welche Rolle dabei die insbesondere die Bettelordenskonvente spielten, soll am gut dokumentierten Regensburger Fallbeispiel veranschaulicht werden.
In einem weiteren Schritt wird konkret nach dem Spektrum religiöser Verhaltensweisen kaufmännisch-städtischer Gruppen, insbesondere ihren komplexen Interaktionen mit kirchlichen und klösterlichen Einrichtungen des lokalen und regionalen Umfelds sowie ihrer pastoralen Betreuung und Integration zu fragen sein. Die bezeichneten Manifestationen stadtbürgerlicher Frömmigkeit lassen in einer erweiterten Perspektive einerseits nach Möglichkeiten öffentlicher Repräsentation von Führungsansprüchen fragen (die "rituell-religiöse Dimension stadtbürgerlicher Identitätsbildung", K. Schreiner) und andererseits nach den institutionellen Mechanismen für Kommunikation und Kooperation der familiär eng verflochtenen, im Eigeninteresse agierenden kommunalen wie kirchlichen Eliten. Die reiche Überlieferung von Testamenten, Stiftungen und Urkunden aus kirchlichen und städtischen Archiven Regensburgs bildet die Grundlage der Untersuchungen. Eine Aufarbeitung des großen Bestands Regensburger Testamente im Bayerischen Hauptstaatsarchiv und lokalen Archiven soll in diesem Zusammenhang angestrebt werden und möglicherweise eine Edition vorbereiten.

Vorarbeiten:
Jörg Oberste: Bonus negotiator Christus - malus negotiator dyabolus. Kaufmann und Kommerz in der Bildersprache hochmittelalterlicher Prediger, in: Institutionalität und Symbolisierung. Verstetigungen kultureller Ordnungsmuster in Vergangenheit und Gegenwart, hg. v. G. MELVILLE, Köln/Weimar/Wien 2001, S. 425-449.
Jörg Oberste: Zwischen Heiligkeit und Häresie. Religiosität und sozialer Aufstieg in der Stadt des hohen Mittelalters, Bd. 1: Städtische Eliten in der hochmittelalterlichen Kirche, Bd. 2: Städtische Eliten in Toulouse (Norm und Struktur 17), Köln/Weimar/Wien 2003.
Jörg Oberste: Das Bistum Regensburg im Spätmittelalter zwischen Krise und Erneuerung. Zwei Reformschriften Konrads von Megenberg (†1374), in: Zeitschrift für bayerische Landesgeschichte 64 (2001), S. 663-692.