"Die geistige und materielle Not der Menschen vergangener
Jahrhunderte fand
bildhaften Ausdruck in Form von häßlichen, sagenhaften
Tieren,
sogenannten Basilisken. Der Mythologie nach ist der Basilisk das
giftigste aller Tiere,
eine Mittelnatur zwischen Eidechse, Hahn und Schlange. Sein Zischen
bringt Tod,
sein Gifthauch versengt Bäume und Sträucher. Andere
Beschreibungen
klingen noch abenteuerlicher. Nach ihnen ist der Basilisk ein aus
einem dotterlosen
Hahnenei durch ein Kröte auf dem Mist ausgebrütetes Tier.
Sein Blick,
der sog. Basiliskenblick, galt für den Menschen als
tödlich. Nur das
Wiesel [...] war imstande, das Verderben und Tod bringende Tier zu
töten.
Das Bild des Basilisken brachte man des öfteren an Bauwerken
an, um sie vor
Zerstörung zu bewahren und Dämonen und Unheil von ihnen
abzuwenden. In diesem Zusammenhang ist auch das Relief eines
Basilisken an der
Steinernen Brücke zu verstehen, das wie kein anderes Bauwerk
der Stadt dem
Wüten der Elemente preisgegeben ist. Nur wenige Regensburger
werden
diese unscheinbare, aber kulturgeschichtlich nicht unbedeutsame
Plastik entdeckt
haben. In einer Rechtecknische [...] sitzt eine phantastische
Tiergestalt. Der Kopf,
der dem eines Hahnes nicht unähnlich ist, läßt den
Ansatz des
Kammes, einen gekrümmten Schnabel und ein kleines Ohr erkennen.
Eine
böse Gereiztheit scheint das Tier befallen zu haben. Zornig
schlägt es
den glatten Schweif durch die Hinterbeine auf den Leib, die Krallen
klammern sich
an der unteren Steinkante fest. Die am unteren Nischenrand
eingetiefte Jahreszahl
1733 dürfte wohl von einer späteren Erneuerung stammen."
(Aus: Bauer, Karl: Regensburg. Aus Kunst-, Kultur-, und
Sittengeschichte.
Regensburg 1988, S. 285)
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