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Sprache und IdentitätFranz Kafka im mitteleuropäischen sprachlichen und kulturellen KontextProjektübersicht
Das vorliegende Projekt geht auf den sprachlichen Kontext etwa in Familie, Freundeskreis, Schule oder Amt ein, in dem sich Franz Kafka bewegte und der durch den praktizierten Bi- und Multilingualismus nicht nur seine Sprachkenntnisse und sein Sprachverhalten, sondern auch seine Identität prägte. Die Fremd- und Selbstdefinition der eigenen Identität, die in den sprachnational polarisierten böhmischen Ländern und im Prag dieser Zeit über die Sprache erfolgte und zu erfolgen hatte und die etwa im Zusammenhang mit der Wahl der Schule oder im Hinblick auf das Sprachverhalten in den öffentlichen Institutionen eine wesentliche Rolle spielte, wurde von Franz Kafka in seiner Korrespondenz und seinen Werken wiederholt problematisiert und verweigert — oder zumindest vermieden. Kafkas Sprachverhalten gerade in den Domänen Schule und Arbeit stellt unter den Prager Juden keine Ausnahme dar. Dagegen folgte der Zionismus bei der Suche nach jüdischer Identität den Debatten, dass die Sprache das Wesen der Nation ausmache und ihre Selbstfindung erst einmal ermögliche, die philosophisch in der Romantik, politisch im Habsburgerreich verankert waren. Die Aufgabe des Projektes ist nähere Bestimmung möglicher Auswirkungen des Bi- bzw. Multilingualismus in privater und öffentlicher Sphäre auf Franz Kafkas Deutsch, wobei entsprechende Phänomene durchaus auch aus der Variation des Deutschen erklärbar sind. Dies dürfte das bipolar sprachnationale, deutsch-tschechische Erklärungsmuster der sozialen Realität, das weit über das 19. Jahrhundert hinaus wirksam geblieben ist und die Interpretation von Kafkas Biographie und Werk bis heute bestimmt, zumindest problematisieren — so wie dies auch Kafka in seinen privaten und literarischen Texten tut. Dafür ist es notwendig die sozialen und institutionellen Voraussetzungen des deutsch-tschechischen Bilingualismus und Franz Kafkas Sprachkompetenz und -verhalten in Bezug auf den sozialen Wandel in den Institutionen (Schule, Verwaltung) nachzuzeichnen, deren Konstruktion und Funktionieren im Wesentlichen einerseits durch die Förderung der Sprachnationen und andererseits durch den Sprachenkampf bestimmt waren. Dies wird durch vier Teilprojekte sichergestellt:
Das Projekt geht von Recherchen, Quellenarbeit und Analysen der Monographie Franz Kafkas Sprachen: „...in einem Stockwerk des innern babylonischen Turmes...“ (2003, tschechisch 2004) aus, deren Autor sich bei seiner Arbeit u.a. auch auf die kollegiale Unterstützung seitens der Herausgeber von Franz Kafkas Briefen (hg. v. H.-G. Koch) und Amtlichen Schriften (hg. v. K. Hermsdorf u. B. Wagner) stützen konnte, die im Rahmen der Kritischen Kafka-Ausgabe erscheinen bzw. erschienen sind. Eine weitere Unterstützung erfährt das Projekt durch die Kooperation mit Kollegen Jürgen Daiber, Albrecht Greule (Universität Regensburg) und Jiří Pešek (Karlsuniversität Prag). |
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