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Sprache und IdentitätFranz Kafka im mitteleuropäischen sprachlichen und kulturellen KontextGeplante Symposien
Veranstaltet von M. Nekula (Bohemicum, Universität Regensburg) in Kooperation mit A. Greule (Germanistik, Universität Regensburg) ProgrammTermin: 28.09. bis 30.09. 2005 Das Symposium, das im Rahmen des Projekts „Franz Kafka im mitteleuropäischen sprachlichen und kulturellen Kontext“ veranstaltet wird, knüpft an die internationale Konferenz Juden zwischen Deutschen und Tschechen (2003; Konferenzband erscheint im Oldenbourgh Verlag im Jahre 2005) an und wird von der Fritz Thyssen Stiftung und der Regensburger Universtitätsstiftung Hans Vielberth gefördert. Bei dem internationalen Symposium geht es um den Zusammenhang von Bilingualismus und Sprachenkampf in den böhmisch/österreichischen und tschechoslowakischen Institutionen (Verwaltung, Bildung), die in makrosoziologischen Rahmenbedingungen der böhmischen Länder und der Tschechoslowakei verankert waren. Im Unterschied zur bisherigen Forschung soll jedoch nicht allein die — etwa in Gesetzen und Verordnungen — intendierte Sprachwirklichkeit beschrieben, sondern auch die vor diesem Hintergrund fassbare, dynamische tatsächliche Sprachwirklichkeit untersucht werden. Gerade mit Blick auf Franz Kafka, der vor und nach 1918 in einer zentralen öffentlichen Institution mit der Zuständigkeit für ganz Böhmen tätig war, drängt sich die Frage auf, wie die kommunikativen Abläufe in der Arbeiter-Unfall-Versicherungs-Anstalt in Wirklichkeit genau aussahen, welche Stellung Deutsch und Tschechisch als Kommunikationsmittel tatsächlich einnahmen und welcher symbolische Wert ihnen zufiel, denn die Sprachenfrage spaltete die Versicherungs-Anstalt soweit, dass eine Teilung der Anstalt angestrebt war. Das Symposium nimmt sich demzufolge zum Ziel, die Kommunikationsabläufe in den öffentlichen Institutionen dieser Zeit aus dieser Perspektive zu erfragen. Ähnlich relevant erscheint auch die bisher kaum diskutierte Frage des Bildungsweges Franz Kafkas, da das böhmische Schulwesen mit der Teilung der Prager Universität im Jahre 1882 einen massiven sprachnational geprägten Wechsel in der Einstellung gegenüber Bildung erlebte, der rechtlich vorbereitet und auch begleitet war und in der Tschechoslowakei erneut die Gesellschaft polarisierte. Dies wirkte sich selbstverständlich auch auf Debatten jüdischer Intellektueller dieser Zeit (Assimilation, Zionismus, Diaspora ...) sowie auf das Werk Franz Kafkas aus. Von diesem interdisziplinären Symposium sind somit neue Impulse nicht nur für die Kafka-Forschung, sondern auch für die soziolinguistisch verstandene Bilingualismus-Forschung zu erwarten, die über die Institutionsgeschichte auch für die Geschichts- und Politikwissenschaft relevant ist. Im Übrigen ist die Sprachpolitik eine besonders wichtige Fragestellung auch im Kontext der erweiterten Europäischen Union, die in dieser politisch hochsensiblen Frage auch vor dem Hintergrund historischer Reminiszenzen ihren Weg finden muss. Um Anmeldung deutscher und englischer Referate (mit Abstract) unter folgender Adresse wird zum 31.03.2005 gebeten: Universität Regensburg
Veranstaltet von M. Nekula (Bohemicum, Universität Regensburg) in Kooperation mit A. Greule (Germanistik, Universität Regensburg) ProgrammTermin: 15.02. bis 17.02. 2006 Die Veranstaltung knüpft an die Konferenz Juden zwischen Deutschen und Tschechen (2003), das Symposium Sprache und nationale Identität in öffentlichen Institutionen der Kafka-Zeit (2005) und die Regensburger Tagung zu deutschen Kanzleisprachen in Europa (1999) an. Das Symposium, das im Rahmen des Projektes „Franz Kafka im mitteleuropäischen sprachlichen und kulturellen Kontext“ veranstaltet wird, wird von der Fritz Thyssen Stiftung gefördert. Die Eigenart von Kafkas Stil wurde bis vor kurzem einerseits durch die „Sprachverarmung“ und den „Sprachverfall“ der „sterilisierten Ghettosprache“ bzw. die „Sprachinselsituation“ der deutschen Enklave in Prag, andererseits durch den „jüdischen Tonfall“ des Prager Deutsch erklärt, das von Kafka gesprochen worden sein soll. Die deutsche Sprache in Prag, das vor 1918 Sitz wichtiger deutsch-geprägter Verwaltungsinstitutionen war und auch nach 1918 immer noch Sitz von über Böhmen hinaus wahrgenommenen Bildungs- und Kulturinstitutionen wie der Deutschen Universität oder der Presseorgane wie Prager Tagblatt geblieben ist, befand sich dabei seit dem späten 19. Jahrhundert immer deutlicher in einer Kontaktsituation mit dem Tschechischen. Dies wird etwa im Haushalt der Familie Kafka oder am Sprachverhalten des Versicherungsbeamten Franz Kafka sichtbar, der ab 1918 im Amt zum Tschechischen als Amtssprache zu wechseln hatte. So wird die Rolle der tschechischen Kultur und der tschechischen Sprache in Kafkas Schaffen und Sprachgebrauch seit kurzem neu hinterfragt, genauso wie die Varietäten des Deutschen und deren Stellenwert in der sprachlichen Situation in Prag, und zwar nicht nur im Hinblick auf Franz Kafka, seine Familie und seinen Freundeskreis, sondern auch im Hinblick auf die jüdische Enklave in Prag, die einerseits von der Migration, andererseits von Bilingualismus und Sprachenwechsel geprägt war. Diesen Fragen geht auch das Symposium „Deutsch in multilingualen Stadtzentren Mittel- und Osteuropas“ nach; es stellt sie allerdings bewusst in einen breiteren Kontext. Denn vergleichbare, wenn auch im Einzelnen anders akzentuierte Fragestellungen ergeben sich im ausgehenden 19. und angehenden 20. Jahrhundert auch für andere multilinguale Stadtzentren Mittel- und Osteuropas wie Bratislava/Preßburg, Riga, Lódz/Lodsch, Kraków/Krakau, Budapest, Opole/Breslau, Lvov/Lemberg, Odessa oder Wien. Ein Vergleich der verschiedenen Stadtzentren kann nicht nur den Blick für das Deutsche in den genannten Stadtzentren schärfen; er liefert vielmehr auch einen wesentlichen Beitrag sowohl zur Kafka-Forschung und zur Erforschung des Deutschen in den jüdischen Enklaven Mittel- und Osteuropas, das von der sprachwissenschaftlichen Seite bisher eher vernachlässigt wurde, als auch zur Stadtsprachen- und Varietätenforschung. Um Anmeldung deutscher oder englischer Referate (mit Abstract) wird zum 1.5.2005 unter folgender Adresse gebeten: Universität Regensburg
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