Griechische
Philologie - Lateinische Philologie
Vorlesungen
[35200] Griechische
Vorlesung:
Rechenauer
Die frühgriechische Philosophie
2st., Di 14-16, R 009
Beginn:
20.4.2004
Seit Nietzsche der Altertumswissenschaft
mit der
Forderung nach der „Aufgrabung der Vorsokratiker – der
bestverschütteten aller
griechischen Tempel“ eine neue, über die traditionelle Orientierung an
Platon,
Aristoteles und die Stoa hinausweisende Blickrichtung gegeben hat, kann
sich
die „vorsokratische Philosophie“ eines regen Interesses erfreuen. Wenn
hier der
gängige Begriff „vorsokratisch, Vorsokratiker“ durch die Formulierung
„Frühgriechische Philosophie“ ersetzt
wird, so deswegen, um die irreführende, eine teleologische Entwicklung
suggerierende Zuordnung auf Sokrates zu
vermeiden. Gemeint ist freilich die in der griechischen Dichtung (bei
Homer und
Hesiod) vorbereitete, mit Thales von Milet einsetzende und bis Demokrit
reichende Reihe von Denkansätzen und Welterklärungsmodellen, deren
überlieferte
Texte in der als ganzer immer noch nicht ersetzten Sammlung von
Diels-Kranz,
Die Fragmente der Vorsokratiker
(6. Aufl. 1951-52) zusammengestellt sind.
In der Vorlesung sollen eingangs die Quellen, Voraussetzungen und Vorstufen der Philosophie bei den Griechen sowie Probleme der doxographischen Überlieferung behandelt werden. Im Zentrum wird sodann die Interpretation der Fragmente sowie der aus ihnen zu rekonstruierenden philosophischen Entwürfe liegen. Hierbei soll es auch darum gehen, diese Entwürfe als Antworten auf ihnen zugrundeliegende Fragen zu verstehen. Schließlich soll auch der Frage nachgegangen werden, inwieweit aus den unterschiedlichen Einzelperspektiven sich die Gemeinsamkeit der Denktradition ergibt, die auch für die moderne Philosophie und Wissenschaft relevant ist.
Neuere
Darstellungen:
W.K.C.
Guthrie: A History of Greek Philosophy, vol. I: The earlier
Presocratics and
the Pythagoreans, Cambridge 1962, ND 1978; vol. II: The Presocratic
tradition from
Parmenides to Democritus, Cambridge 1965, ND 1990.
J. Barnes: The Presocratic Philosophers, 2. Aufl. London-Boston 1982.
J. Mansfeld: Die Vorsokratiker. Griechische und deutsche Auswahl der Fragmente, 2 Bde., Stuttgart (Reclam)1983/1986.
G.S.
Kirk-J.E. Raven-M. Schofield (Hrsg.): Die vorsokratischen
Philosophen.
Einführung, Texte und Kommentare, Stuttgart-Weimar 1994 (= dt.
Übersetzung von:
The Presocratic Philosophers. A
critical history with a selection of texts, 2. Auf. Cambridge 1983).
Th. Buchheim: Die Vorsokratiker. Ein philosophisches Portrait, München 1994.
Chr. Rapp: Vorsokratiker, München 1997.
[35201] Griechisch-lateinische
Vorlesung
Janka
Antike Liebesdichtung
2st., Do 16-18, H 10
Beginn:
22.4.2004
Primus amans
carmen vigilatum nocte negata / dicitur ad clausas concinuisse fores.
(Erstmals soll ein Verliebter ein ,Wächterlied‘ in einer Nacht der
Abweisung, /
so erzählt man, vor verriegelten Türen gesungen haben, Ovid, Fasti 4,109-110). Diese Legende von der
Entstehung des poetischen Ständchens vor verschlossener Tür legt nahe:
Seit es
Liebende gibt, gibt es auch eine Art von Liebesdichtung. Die antike
Literaturgeschichte bestätigt dies immerhin so weit: Seit es Dichtung
gibt,
gibt es Dichtung über Liebe und Liebende. Selbst dem Urbild des
Heldenepos,
Homers Ilias, ist Aphrodite und ihr
nächtliches Wirken nicht fremd. Eine eigenständige Subgattung
,Liebespoesie‘
hat sich in der Antike indes erst relativ spät entwickelt. Wenn wir
also in
dieser Vorlesung die disiecta membra
AMORIS, d.h. hier: die erotischen Motive in der Dichtung der Antike, ordnen und strukturieren wollen, dürfen
wir einen Gang durch alle wichtigen Epochen und Gattungen der
griechischen und
römischen Poesie unternehmen. Frühgriechische Epik (Homer und Hesiod),
archaische Lyrik (vor allem: Sappho), die attische Tragödie (mit den
unheimlich-unglücklich liebenden Frauen Klytaimestra, Medea, Deianeira
und
Phaidra), Elegie und Bukolik des Hellenismus (etwa Theokrit), die
hellenistische ,neue‘ und die archaische römische Komödie mit ihren
verliebten
Jünglingen, Hetären und behüteten Bürgerstöchtern (bei Menander,
Plautus,
Terenz), die lateinische Iambik und Liebeslyrik (Catull, Horaz), die
römische
Liebeselegie (bes. Tibull,
Properz, Ovid), die Erotodidaxe in Ovids Ars
sowie das erotische Epigramm der Antike (etwa Martial): Dieses Spektrum
an
Gattungen, Autoren und Themen deutet das Textcorpus an, das wir uns in
diesem
Semester erschließen wollen. Leitfrage soll sein, ob sich ein
,Grundmuster‘
erotischen Dichtens in der Antike ermitteln und in seiner Entwicklung
schlüssig
verfolgen läßt. Dabei werden Seitenblicke auf die Einbettung der Poesie
und der
Poeten in die soziale Lebenswirklichkeit von Sexualität und
Geschlechterverhältnis
in ihrem jeweiligen geschichtlichen Umfeld fallen. Das Fortleben der
antiken
Liebesdichtung in literarischen und theoretischen Texten späterer
Epochen bis
hin zur Gegenwartsliteratur wird uns die bleibende Bedeutung, aber auch
den
steten Wandel erotischer Dichtung begreifen lehren.
Alle griechischen und lateinischen Texte werden mit deutscher Übersetzung dargeboten, da diese Veranstaltung auch über den Kreis der Fachstudierenden hinaus geöffnet ist (insbes. für die Module „Allgemeine Literaturwissenschaft“ und „Gender Studien“).
Texte werden
in Kopie zur Verfügung gestellt.
Zur Einführung
und Vorlesungsbegleitung:
John J. Winkler, Der gefesselte Eros.
Sexualität und
Geschlechterleben im antiken Griechenland, dt. Übs. von Sebastian Wohlfeil, München 1997
(dtv).
R.O.A.M.
Lyne, The Latin Love Poets. From Catullus to Horace, Oxford 1980 (ND
1986).
Niklas
Holzberg, Die römische Liebeselegie. Eine Einführung, Darmstadt
22001.
[35000] Sprachwissenschaftliche Vorlesung:
Klingenschmitt
Einführung in die Sprache Homers
1st., Di 11-12, R 005
Beginn:
20.4.2004
Die Beschäftigung mit der Sprache des homerischen Epos ist von Bedeutung für
1. die Beurteilung der Entstehung des Epos und die Bestimmung des unterschiedlichen Alters der einzelnen Textabschnitte. Wichtig ist in diesem Zusammenhang:
a) die für die homerische Kunstsprache charakteristische Mischung von äolischen und ionischen Elementen;
b) die in jüngeren Partien gelegentlich zu beobachtende falsche Verwendung archaischer Wörter und Fügungen, welche für den oder die jüngeren Dichter nicht mehr verständlich waren.
2. die philologische Interpretation des Textes (z.B. für die Bedeutungsbestimmung der im späteren Griechisch nicht fortgesetzten homerischen Wörter und Wortformen);
3. die griechische Sprachgeschichte.
Die Vorlesung beginnt mit einer Darstellung der wichtigsten Gegebenheiten der homerischen Metrik, soweit diese für die sprachwissenschaftliche Interpretation der Texte von Bedeutung sind (z.B. Verseinschnitte, an denen Hiat gestattet ist; Positionsbildung; Nachwirken von altem Digamma). In der Folge wird eine Wort-für-Wort-Interpretation einzelner Abschnitte der Dichtung vorgenommen. Bei der Auswahl der zu behandelnden Textpartien können die Wünsche und besonderen Interessen der Teilnehmer berücksichtigt werden. Die Lehrveranstaltung dient auch zur Einführung in die historische Grammatik und Sprachgeschichte des Griechischen.
Seminare und Übungen
[35202] Übung
auf der Stufe eines Oberseminars:
Rechenauer
Interpretation griechischer Dichtung und
Prosa
2st., Mi 10-12, PT. 3.3.66
Beginn:
21.4.2004
Es ist ein Dilemma philologischer Ausbildung, daß wissenschaftliche Textinterpretation einerseits die gründliche Beiziehung der einschlägigen sekundären Hilfsmittel (z.B. Kom-mentare) voraussetzt, daß aber andererseits durch die vorschnelle Anwendung dieser wissen-schaftlichen Instrumentarien die Fähigkeit zu einem unvoreingenommenen Textverständnis beeinträchtigt wird. Abhilfe schaffen kann hier nur eine Steigerung der philologischen Wahr-nehmungsfähigkeit. Diese Veranstaltung bietet Leseübungen, die zu eigenständigen Beob-achtungen an griechischen Texten aus Prosa und Dichtung hinführen und Hinweise zu ihrer wissenschaftlichen Erschließung geben sollen. Dazu soll ein Grundlagenwissen über die wichtigsten literarischen Genera, Autoren und Epochen vermittelt werden.
Die Texte werden sich von den Anfängen der griechischen Literatur in Dichtung wie Prosa bis in die römische Kaiserzeit erstrecken. Die Übung eignet sich für Studierende aller Semester (nicht nur für Examenskandidaten, die sich gezielt auf die Interpretationsklausur vorbereiten möchten).
Literaturhinweis:
Die griechische Literatur in Text und Darstellung, 5 Bde., hrsg. von H. Görgemanns, Stuttgart (Reclam) 1985 – 1991.
[35203] Griechisches
Hauptseminar:
Rechenauer
Die Frauenkomödien des Aristophanes
2st., Do 10-12, PT. 3.3.66
Beginn:
22.4.2004
Unter den elf
vollständig erhaltenen Komödien des Aristophanes befinden sich drei, in
denen
Frauen eine zentrale Rolle spielen: die 411 aufgeführte „Lysistrate“,
die im
selben Jahr inszenierten „Frauen am Thesmophorienfest“ sowie die
„Frauen in der
Volksversammlung“ von 392. In dem Seminar soll das Bild, das
Aristophanes in
diesen drei Komödien von den griechischen Frauen sowie von dem
Verhältnis
zwischen den Geschlechtern zeichnet, in seinen verschiedenen
Perspektiven
analysiert werden. Daneben wird die Beschäftigung mit Grundfragen der
griechischen Komödie stehen, die für ein tieferes Verständnis des
Aristophanes
unerläßlich sind (produktions- und rezeptionsästhetische Bedingungen;
Aufführungspraxis; die Wirkungsmodalitäten und -qualitäten des
Komischen).
Mein Wunsch an
die interessierten Teilnehmer wäre, daß sie sich bis zur ersten Sitzung
mit
Inhalt und Aufbau der genannten Stücke schon etwas vertraut gemacht
haben, z.B.
durch Lektüre in einer deutschen Übersetzung oder einschlägiger Artikel
zur
Einführung (etwa in Kindlers Literaturlexikon).
Die Teilnehmer
sollten im Besitz einer kritischen Textausgabe sein, etwa: Aristophanis
comoediae, recognoverunt brevique adnotatione critica instruxerunt F.W.
Hall
& W.M Geldart, Tom. I-II, Oxonii 21906-1907 (seither
immer
wieder nachgedruckt). Die drei zu behandelnden Stücke im 2. Bd. dieser
Ausgabe.
Zur Einführung
empfohlen:
H.-J. Newiger,
Die griechische Komödie, in: E. Vogt (Hrsg), Griechische Literatur,
Wiesbaden
1981 (Neues Handbuch der Literaturwissenschaft Bd. 2), S. 187-230.
Th. Gelzer,
Aristophanes der Komiker, RE Suppl. XII Stuttgart 1970, Sp. 1392-1569.
S. B. Pomeroy,
Frauenleben im klassischen Altertum, Stuttgart 1985 (aus dem
Englischen), S.
139-180: "Das Bild der Frau in der Literatur des klassischen Athen".
[31126] Forschungskolloquium
(auf der Stufe des Hauptseminars):
Janka/Schäfer
Die Kontroverse um Platons
‘ungeschriebene Lehre’
2st., Fr 12-14, PT 1.0.1
Beginn:
23.4.2004
Die
wissenschaftliche These, Platon habe neben seinen geschriebenen
Dialogen im
inneren Schulbetrieb seiner Akademie eine ‘systematischere’
ungeschriebene
Lehre vertreten, läßt sich bis ins 18. Jahrhundert zurückverfolgen. Im
20.
Jahrhundert entwickelte die sogenannte ‘Tübinger Schule’ auf der
Grundlage
bestimmter Hinweise bei Aristoteles, Speusipp und anderen antiken
Autoren, vor
allem aber auch in der Rückführung späterer philosophischer
Entwicklungen auf
Platon, das ehrgeizige Projekt einer ‘Rekonstruktion’ der
‘ungeschriebenen
Lehre’ Platons. Seitdem stehen sich im Streit um den Sinn und die
Richtigkeit
dieser Deutung zwei Lager unversöhnlich gegenüber, und es ist sicher
nicht
falsch, hier vom Hauptkriegsschauplatz der modernen
Platoninterpretation zu
sprechen. Das interdisziplinäre Forschungskolloquium macht es sich zur
Aufgabe,
die Argumente der namhaftesten Vertreter beider Seiten zu diskutieren
und
anhand der antiken Quellentexte zu überprüfen. Damit soll gleichzeitig
der
aktuelle Forschungsstand zu Platon in Klassicher Philologie und
Philosophiegeschichte
vorgestellt und sondiert werden.
Die Veranstaltung wendet sich an Studierende des Hauptstudiums (gern auch der Lateinischen Philologie), die an philosophischen Texten und Fragestellungen besonders interessiert sind.
Voraussetzungen für den Erwerb eines Hauptseminarscheins sind regelmäßige aktive Mitwirkung bei der Arbeit am Text und der freien Diskussion und die Anfertigung einer schriftlichen Hausarbeit, in der ein im Plenum vorzutragendes Thesenreferat um die Interpretationsanregungen aus dem Kolloquium zu erweitern ist. Gäste sind herzlich willkommen.
[35205] Griechisches
Proseminar (auch für Lateinstudierende):
Rechenauer
Paradigmen griechischer
Geschichtsschreibung
2std., Di 17-19, PT 2.0.5
Beginn:
20.4.2004
Die Anfänge dessen, was in der europäischen Literatur bis heute unter Geschichtsschreibung verstanden wird, wurden bei den Griechen gelegt. Neben Herodot, dem „pater historiae“, wie ihn Cicero (De legibus I 1,5) genannt hat, war es v.a. Thukydides, der mit der Begründung der politischen Geschichtsschreibung die moderne Auffassung von Historiographie mitgeprägt hat. Aber das geschichtliche Geschehen wurde bei den Griechen auch noch mit anderen Darstellungsschwerpunkten eingefangen, beispielsweise einer rhetorischen, einer tragischen oder einer pragmatischen Ausrichtung. Von der Breite dieses Spektrums und seinen einzelnen Entwicklungsstufen will die Veranstaltung ein Bild vermitteln, wobei neben den Voraussetzungen und Vorstufen der griechischen Historiographie (etwa den sog. Logographen) gerade auch ihr Fortwirken in der lateinischen Literatur beleuchtet werden soll.
Zur Einführung
empfohlen:
M. Grant: Klassiker der antiken Geschichtschreibung, München 1973 (The Ancient Historians, London 1970).
A. Momigliano, Die Geschichtsschreibung, in: E. Vogt (Hrsg.): Griechische Literaturgeschichte, Wiesbaden 1981, 305-336.
K. Meister: Die griechische Geschichtsschreibung. Von den Anfängen bis zum Ende des Hellenismus, Stuttgart 1990.
O. Lendle: Einführung in die griechische Geschichtsschreibung. Von Hekataios bis Zosimos, Darmstadt 1992.
Lektüre
[35206] Griechische
Lektüre (Poesie):
Wolbergs
Hesiod
2st., Mo 16-18, PT 3.3.68
Beginn:
19.04.2004
Von Hesiod (um 700 v. Chr.), dem ältesten antiken Autor mit einem gewissen persönlichen Profil, sind zwei umfangreichere epische Dichtungen erhalten, die „Theogonie“ und die „Werke und Tage“. In der „Theogonie“ hat Hesiod, von den Musen, wie er sagt, damit beauftragt, einen Götterstammbaum vorgelegt, in den er Naturerscheinungen und mancherlei Mächte und Kräfte, die das Leben der Menschen bestimmen, integriert hat, um auf dieser Grundlage die Welt zu beschreiben, wie sie entstanden ist, wie sie sich entwickelt hat und unter welchen Einflüssen sie ist, wie sie ist. Die „Werke und Tage“, entstanden aufgrund eines Erbstreits mit seinem Bruder, haben Fragen der Gerechtigkeit und des menschlichen Zusammenlebens zum Gegenstand und formulieren Regeln für das bäuerliche Leben und die Arbeit auf dem Land.
In der Lektüreübung sollen umfangreiche Partien aus beiden Epen gelesen werden.
Text:
Hesiodi Theogonia - Opera et dies - Scutum ed. F. Solmsen, Fragmenta selecta edd. R. Merkelbach & M. L. West, Oxford 1970, 3. Aufl. 1991.
[35207] Griechische
Lektüre (Prosa):
Wacht
Julian, Briefe
2st., Mo 8.30-10, PT 3.3.68
Beginn:
19.04.2004
Flavius Claudius Iulianus, Neffe Konstantins des Großen, vom regierenden Kaiser Constantius II., seinem Vetter, in dem er den Mörder seines Vaters sah, mit großem Mißtrauen betrachtet, wurde fern vom kaiserlichen Hof an verschiedenen, immer wieder vom Kaiser neu bestimmten Orten Kleinasiens erzogen. Unter der Aufsicht der arianischen Bischöfe Eusebios und Georgios wurde der gebildete Eunuche Mardonios mit Julians Erziehung und Unterricht betraut. Er weckte in ihm die Liebe zur antiken heidnischen Kultur. Mit dem Redner Libanios verbindet ihn bald enge Freundschaft. In Ephesos lernte er den Neuplatoniker Maximos kennen, unter dessen Einfluss er vom Christentum abfiel und sich der mystisch-theurgischen neuplatonischen Richtung des Jamblichos anschloss. Die Konversion musste angesichts der politischen Lage geheim bleiben. Erst in seiner nur zwei Jahre währenden Regierungszeit (361-363) bekannte sich Julian offen zum Heidentum und machte die Wiederherstellung des heidnischen Kultes und die Reorganisation heidnischen Lebens zu seinem Hauptanliegen. – Das umfangreiche Briefkorpus mit Schreiben an Libanios, Jamblich und Maximos, aber auch an Priester, Stadtgemeinden, Beamte u.a. gibt Einblick in sein fortbestehendes philosophisches und literarisches Interesse
Texte werden in Kopie zur Verfügung gestellt.
Sprach- und Stilübungen
[35209] Übersetzungskurs Deutsch-Griechisch
Wolbergs
2st., Mi 16-18, PT. 3.3.68
Beginn:
21.4.2004
Der Kurs ist in diesem Semester in erster Linie für Kandidaten des Grundstudiums (ab 1. Sem.) gedacht.
Schwerpunkte:
(1) Repetitorium der griechischen Morphologie (insoweit nötig) und Syntax;
(2) Häusliche Übersetzungen, die korrigiert und besprochen werden;
(3) Klausuren.
Zur Vorbereitung empfohlen:
Sorgfältige Lektüre einiger Reden des Lysias und/oder des Demosthenes.
[35210] Übersetzungskurs Griechisch-Deutsch (I):
Wacht
2st., Mo 10-12, PT 3.3.68
Beginn:
19.04.2004
Die Übung dient der Vertiefung der griechischen Syntax und soll zugleich die Lektürefähigkeit fördern. Gelesen werden Texte verschiedener Autoren und Genera, die auch Latinisten ansprechen. Der Schwierigkeitsgrad wird dem Kenntnisstand von Studierenden im Grundstudium (ab 1. Sem.) angemessen sein.
Texte werden
in Kopie zur Verfügung gestellt.
Fachdidaktische Veranstaltung
[35212] Der Griechischunterricht
Nusser
2st., Mi 16.30-18 (oder n. Vereinbarung), PT 3.3.68
Folgende Themen werden behandelt:
- Probleme und Chancen des heutigen Griechischunterrichts
- Motivationsmöglichkeiten für das Fach Griechisch
- Ziele des griechischen Sprach- und Lektüreunterrichts
- der Lehrplan für Griechisch 9 - 13
- Aufbau einer Grammatikstunde und einer Lektürestunde
- Prüfungsaufgaben
Theorie und Praxis sollen sich auf eine im Rahmen der Veranstaltung durchführbare Weise ergänzen.
Literatur:
Fachlehrplan für Griechisch; Schulbücher für den griechischen Sprachunterricht.
Weitere
Informationen zum Kursbeginn siehe Aushang.
Sprachkurse zur Vorbereitung auf das Graecum
[35213] Griechisch I für Philologen
Blusch
6st., Beginn bereits vor der Vorlesungszeit,
voraussichtlich 1.4 - 2.4., 5.4. - 8.4. sowie 13.4. - 16.4.2004, 12
s.t.-13,
Raum s. Aushang
während des Semesters: Mo, Mi, Fr 12 s.t.-13, H 7
nach Semesterende: voraussichtlich 27.7.-6.8.2004, 12 s.t.-13, Raum s.
Aushang
[35214] Griechisch II für Theologen
Wolbergs
6st., Blocksitzungen vor Vorlesungsbeginn, s. Aushang
Sprachkurse für Neugriechisch
[35215] Neugriechisch für Anfänger
Müller
2st., Mi 17.30-19, R 006
Beginn:
21.4.2004
Lektionen 1-8 des Lehrbuchs „Griechisch Heute 1+1“ von D. Dimitra und M. Papacheimona.
Vorkenntnisse oder Altgriechisch-Kenntnisse sind keine Voraussetzung.
2st., Mi 19-20.30, R 006 Beginn: 21.4.2004
Lektionen 9-12 des Lehrbuchs „Griechisch Heute 1+1“ von D. Dimitra und M. Papacheimona. Neben der Grammatik ist ein Teil der Unterrichtsstunden für Konversation reserviert.
Nach Vereinbarung wird für Fortgeschrittene mit guten Vorkenntnissen ein Kurs in Konversation und Bearbeitung von Texten angeboten.
Vorlesungen
[35220] Lateinische
Vorlesung:
Beck
Seneca
2st., Mi 10-12, H 9
Beginn:
21.4.2004
L. Annaeus Seneca (ca. 4 v. Chr. - 65 n. Chr.) ist ohne Zweifel eine der bedeutendsten Persönlichkeiten des ersten nachchristlichen Jahrhunderts, und dies nicht nur als Literat. Unter Claudius zeitweise verbannt, auf Veranlassung von dessen Gattin Agrippina zurückgerufen, wurde Seneca der Erzieher des späteren princeps Nero und hatte so über mehrere Jahre maßgeblichen Einfluß auf den Regenten und damit die Regierung des römischen Reiches. Die in den 60er Jahren immer stärker werdende Entartung Neros zwang Seneca jedoch zum Rückzug auf sich selbst; als Opfer der Hinrichtungswelle nach der Pisonischen Verschwörung mußte er seinem Leben ein Ende setzen.
Zeitlose Bedeutung bis heute hat Seneca allerdings durch seine Schriften erworben, von stoischer Philosophie geprägte Traktate, vor allem Dialoge und Briefe. Neben einer prosimetrischen Satire besitzen wir ferner mehrere Tragödien mythischen Inhaltes - von weiteren unter seinem Namen überlieferten abgesehen sind dies die einzigen erhaltenen lateinischen Werke dieser Gattung.
Nach einem Überblick über das Leben Senecas und seine Zeit und einer Einführung in die stoische Philosophie werden in der Vorlesung Senecas philosophische Schriften nacheinander vorzustellen und zu besprechen sein.
Zur
begleitenden Lektüre empfohlen:
M. T. Griffin: Seneca. A Philosopher in Politics, Oxford 1976.
P. Grimal: Seneca. Macht und Ohnmacht des Geistes, Darmstadt 1978.
[35201] Griechisch-lateinische
Vorlesung:
Janka
Antike Liebesdichtung
2st., Do 16-18, H 10
Beginn:
22.4.2004
Primus amans
carmen vigilatum nocte negata / dicitur ad clausas concinuisse fores.
(Erstmals soll ein Verliebter ein ,Wächterlied‘ in einer Nacht der
Abweisung, /
so erzählt man, vor verriegelten Türen gesungen haben, Ovid, Fasti 4,109-110). Diese Legende von der
Entstehung des poetischen Ständchens vor verschlossener Tür legt nahe:
Seit es
Liebende gibt, gibt es auch eine Art von Liebesdichtung. Die antike
Literaturgeschichte bestätigt dies immerhin so weit: Seit es Dichtung
gibt,
gibt es Dichtung über Liebe und Liebende. Selbst dem Urbild des
Heldenepos,
Homers Ilias, ist Aphrodite und ihr
nächtliches Wirken nicht fremd. Eine eigenständige Subgattung
,Liebespoesie‘
hat sich in der Antike indes erst relativ spät entwickelt. Wenn wir
also in
dieser Vorlesung die disiecta membra
AMORIS, d.h. hier: die erotischen Motive in der Dichtung der Antike, ordnen und strukturieren wollen, dürfen
wir einen Gang durch alle wichtigen Epochen und Gattungen der
griechischen und
römischen Poesie unternehmen. Frühgriechische Epik (Homer und Hesiod),
archaische Lyrik (vor allem: Sappho), die attische Tragödie (mit den
unheimlich-unglücklich liebenden Frauen Klytaimestra, Medea, Deianeira
und
Phaidra), Elegie und Bukolik des Hellenismus (etwa Theokrit), die
hellenistische ,neue‘ und die archaische römische Komödie mit ihren
verliebten
Jünglingen, Hetären und behüteten Bürgerstöchtern (bei Menander,
Plautus,
Terenz), die lateinische Iambik und Liebeslyrik (Catull, Horaz), die
römische
Liebeselegie (bes. Tibull,
Properz, Ovid), die Erotodidaxe in Ovids Ars
sowie das erotische Epigramm der Antike (etwa Martial): Dieses Spektrum
an
Gattungen, Autoren und Themen deutet das Textcorpus an, das wir uns in
diesem
Semester erschließen wollen. Leitfrage soll sein, ob sich ein
,Grundmuster‘
erotischen Dichtens in der Antike ermitteln und in seiner Entwicklung
schlüssig
verfolgen läßt. Dabei werden Seitenblicke auf die Einbettung der Poesie
und der
Poeten in die soziale Lebenswirklichkeit von Sexualität und
Geschlechterverhältnis
in ihrem jeweiligen geschichtlichen Umfeld fallen. Das Fortleben der
antiken
Liebesdichtung in literarischen und theoretischen Texten späterer
Epochen bis
hin zur Gegenwartsliteratur wird uns die bleibende Bedeutung, aber auch
den
steten Wandel erotischer Dichtung begreifen lehren.
Alle griechischen und lateinischen Texte werden mit deutscher Übersetzung dargeboten, da diese Veranstaltung auch über den Kreis der Fachstudierenden hinaus geöffnet ist (insbes. für die Module „Allgemeine Literaturwissenschaft“ und „Gender Studien“).
Texte werden
in Kopie zur Verfügung gestellt.
Zur Einführung
und Vorlesungsbegleitung:
John J. Winkler, Der gefesselte Eros.
Sexualität und
Geschlechterleben im antiken Griechenland, dt. Übs. von Sebastian Wohlfeil, München 1997
(dtv).
R.O.A.M.
Lyne, The Latin Love Poets. From Catullus to Horace, Oxford 1980 (ND
1986).
Niklas
Holzberg, Die römische Liebeselegie. Eine Einführung, Darmstadt
22001.
[35001] Sprachwissenschaftliche Vorlesung: Klingenschmitt
Geschichte der lateinischen Sprache in nachklassischer Zeit
1st., Di 10-11, R 005 Beginn: 20.4.2004
Die Vorlesung behandelt die lateinische Literatursprache in nachklassischer Zeit:
1. die silberne Latinität (etwa 20-120 n. Chr.)
2. die Periode des Archaisierens (etwa 120-200 n. Chr.).
Dargestellt werden zunächst die unterschiedlichen stilistischen Strömungen dieser Perioden. Anschließend werden die sprachlichen und stilistischen Eigentümlichkeiten der wichtigsten Repräsentanten der Prosa und Dichtung dieser Zeit besprochen.
Seminare und Übungen
[35225] Übung
auf der Stufe des Oberseminars:
Beck
Interpretation Prosa
2st., Mo 18-20, W 116
Beginn:
19.4.2004
Angesichts der ministeriell verordneten Notwendigkeit, am Ende des Lehramtsstudiums die Fähigkeit zum Interpretieren lateinischer Texte in einer eigenen Interpretationsklausur unter Beweis zu stellen, ist eine gezielte Vorbereitung unerlässlich. Hinzu kommt die selbst-verständliche Notwendigkeit, antike Texte nicht einfach nur zu lesen und zu übersetzen: Für eine gute Übersetzung wichtig ist das gleichzeitige inhaltlich‑gedankliche Verstehen, das Erkennen zugrunde liegender sachlicher, historischer, mythologischer oder gattungsbedingter Zusammenhänge und ein Gefühl für die sprachlich‑stilistischen Besonderheiten des lateinischen Originals.
In der Übung sollen poetische Texte verschiedener Gattungen und Epochen gemeinsam besprochen und vor allem im Hinblick auf die Leitlinien der Interpretationsklausur analysiert werden. Zugelassen sind Studierende des Hauptstudiums, die mindestens einen Haupt-seminarschein erworben haben.
[35226] Lateinisches
Hauptseminar (Prosa):
Janka
Sallust und seine historiographische
Tradition
2st., Do 12.30-14, PT 1.0.1
Beginn:
22.4.2004
„Mein Sinn für Stil, für das Epigramm als Stil erwachte fast augenblicklich bei der Berührung mit Sallust – ich war mit einem Schlage fertig“, bekannte Friedrich Nietzsche (1844-1900) in seiner Schrift Was ich den Alten verdanke. Auch abgesehen von dieser erstaunlichen Fernwirkung als Stilist hat der einstige Clodius-Parteigänger, Caesarianer und Provinzausbeuter C. Sallustius Crispus (86-34 v. Chr.) durch seine im Ruhestand verfaßten Geschichtswerke bleibenden Ruhm erworben. Der Schauseite des (bedrohlich) wachsenden Imperiums hält er die Innenansicht der Unterminierung Roms durch Sittenverfall entgegen: Mit seinen Monographien über die Catilinarische Revolte von 63 v. Chr. (Rom zwischen Cato, Catilina und Caesar) und den Krieg gegen Iugurtha von 111-105 v. Chr. (also: Rom und Nordafrika hundert Jahre nach dem zweiten Punischen Krieg) ist er zum ersten bedeutenden Historiker Roms avanciert (von Albrecht). Über seinem größer angelegten Spätwerk, den Historien (die bis 67 v. Chr. reichen), von denen sich leider nur Fragmente erhalten haben, ist der Autor dann gestorben. Ronald Syme schreibt Sallust „all die melancholische Strenge eines Moralisten und Patrioten“ zu. Sein Werk hat nicht nur Schule gemacht, wie besonders Asinius Pollio und Tacitus lehren, sondern es wurzelt in einer reichen Tradition. An deren Anfang steht Thukydides, der messerscharfe Analytiker des innergriechischen Bruderkrieges im 5. Jahrh. v. Chr. Aber auch die römischen Gattungsväter haben Sallust entscheidend beeinflußt. Im Hauptseminar sollen alle Werke und Fragmente Sallusts vorgestellt und namentlich im Verhältnis zur griechischen und römischen Tradition der Geschichtsschreibung anhand beispielhafter Auszüge interpretiert werden. Dabei wird es neben anderem um Überlieferung, Werkstruktur, Geschichtsbild, Verhältnis Rhetorik – Historiographie, politisch-philosophische Tendenz, Darstellungsprinzipien und Quellenfragen gehen.
Am Anfang des Semesters erhalten die Seminarteilnehmer(innen) durch problemorientierte gemeinsame Textanalyse das methodische Rüstzeug für ihre eigenständigen Forschungen. Dann sollen sie in thesenhaften Referaten ihre Auswertung des Textcorpus im Plenum zur Diskussion stellen. Voraussetzungen für den Erwerb eines Hauptseminarscheins sind regelmäßige aktive Mitarbeit, die Gestaltung einer Teilsitzung als Referent(in) und die Anfertigung einer schriftlichen Hausarbeit, in der das Thesenreferat um die Interpretationsanregungen aus dem Kurs zu erweitern ist.
Text
(bitte besorgen!):
C. Sallusti Crispi Catilina. Iugurtha. Historiarum Fragmenta Selecta. Appendix Sallustiana, rec. L. D. Reynolds, Oxford 1991 (OCT).
Zur Einführung:
Dieter Flach, Römische Geschichtsschreibung, Darmstadt 31998.
[35227] Lateinisches
Hauptseminar (Poesie):
Beck
Martial
2st., Mi 8.30-10 Uhr, PT 1.0.1
Beginn:
21.4.2004
Mit 12 Büchern Epigrammata, 2 Aufschriftensammlungen für Saturnaliengeschenke (Xenia und Apophoreta) und einem zur Einweihung des Colosseums 80 n. Chr. verfaßten Liber spectaculorum ist der in der Nachfolge Catulls stehende Spanier Martial (ca. 40-104) für uns der ausführlichste Zeuge für die Gattung ‘Epigramm’, in der er z.T. mit beißendem Spott, provozierend und obszön die Schwächen seiner Zeitgenossen anprangert. Neben der vergnüglichen Lektüre bieten seine thematisch vielfältigen Gedichte aber auch wertvolle Informationen über die Verhältnisse der Zeit Domitians und lassen evtl. sogar Rückschlüsse auf den Charakter des Dichters zu (unterwürfiger Schmeichler oder unterschwelliger Prinzipats-Kritiker?).
Die Besprechung ausgewählter Epigramme soll einen Überblick über Martials erhaltenes Werk vermitteln und zugleich dazu anregen, die überlieferte Abfolge seiner Gedichte (Variations-, Zyklen-Prinzipien) genauer zu untersuchen.
Textausgaben:
M. Val. Martialis, Epigrammata, rec. W. M. Lindsay, Oxford (OCT) 21929.
M. Val.
Martialis, Epigrammaton libri, rec. W. Heraeus/I. Borovskij, Leipzig
(BT) 31982.
M. Val.
Martialis, Epigrammata, ed. D. R.
Shackleton Bailey, Stuttgart (BT) 1990.
Zur
Einführung:
N. Holzberg: Martial, Heidelberg 1988.
[35228] Lateinisches
Proseminar (Poesie):
Blusch
Appendix Vergiliana, Catalepton
2st., Di 12-14, ZH 8
Beginn:
20.4.2004
„Vergilischer Anhang - Anhang zu Vergil“? Was ist das? Diesen Titel gibt es erst seit 1572/73. Unter ihm brachte der namhafte Humanist J.J. Scaliger eine Textausgabe heraus mit lateinischen Gedichten verschiedenster Art, kurzen und langen, sozusagen von der „Mücke“ (Culex) bis zum „Ätna“ (Aetna), Gedichten, die man irgendwie mit dem Namen Vergil in Zusammenhang gebracht bzw. zu bringen versucht hat. Innerhalb der Sammlung eine weitere kleine Sammlung mit zumeist recht kurzen Gedichten. Titel: Catalepton. Catalepton? Dieser zunächst etwas rätselhaft anmutende Titel dürfte über die Schreibweise kat¦ leptÒn wohl in eine bestimmte Richtung weisen, siehe Festschrift Reitzenstein 1931, S.25-40: Die Entwicklung des Wortes leptÒj zur Stilbezeichnung der Alexandriner. Naheliegende Assoziation: Neoteriker, Poeta doctus und dergl. Ob nun das eine oder andere Gedicht der Sammlung wirklich von Vergil stammt - als eine Art Jugendwerk (irgendetwas wird er ja schließlich vor seinen großen Werken geschrieben haben) -, ist im Grunde ohne Belang, mit Catalepton befinden wir uns jedenfalls in der geistigen Nähe Catulls. Und in der Tat: catal. 10 (Vergil oder nicht?) ist eine waschechte Parodie auf Catull c.4.
Text: eine wissenschaftliche Ausgabe (ggf. kopiert).
[35229] Lateinisches
Proseminar (Prosa):
Wacht
Minucius Felix, Octavius
2st., Fr 8.30-10, PT 2.0.5
Beginn:
23.4.2004
Minucius Felix, christlicher Autor aus dem beginnenden 3. Jh., richtet sich in dem in Sprache und Form Ciceros philosophischen Dialogen nachgebildeten ‘Octavius’ apologetisch und werbend an ein gebildetes heidnisches Publikum. Die akademisch-skeptische Position des Gesprächspartners Caecilius, die, an Cotta aus Ciceros de nat. deor. erinnernd, sich mit traditionellem Religionsverständnis verbindet, bestreitet der Christ - unter Verzicht auf spezifisch christliche und biblische Beweisführung - mit rationalen, der heidnischen philosophischen Tradition entnommenen Argumenten.
Text:
Minucius Felix, Octavius ed. B. Kytzler, Stuttgart (Teubner) 1992.
Einführende Literatur:
H. v. Geisau, Art. ‘Minucius Felix’: RE Suppl. 11,1, 1968, 952-1002. 1365-1378.
C. Becker, Der Octavius des Minucius Felix. Heidnische Philosophie und früchchristliche Apologetik. ( = Sb. Bayer. Akad. d. Wiss.) München 1967,2.
[35015] Sprachwissenschaftliches
Proseminar:
Schaffner
Petron, Satyricon
2st., Mi 12-14, W 112
Beginn:
21.4.2004
Wer Latein nur aus den Werken der großen Klassiker kennt, bekommt schwerlich einen Eindruck von der Farbigkeit und Lebendigkeit der römischen Umgangssprache. Wie sagt man beispielsweise auf Lateinisch „Du Glückspilz!“ – „Hier fliegen einem gebratene Tauben in den Mund!“ oder auch „Jemanden in die Tasche stecken“? („Fortunae fili!“ – „Hic porci cocti ambulant“; „aliquem in rutae folium conicere“). Einen guten Einblick in die römische Umgangssprache des 1. nachchristlichen Jahrhunderts vermittelt als einziger literarischer Text dieser Zeit der Roman „Satyricon“ des römischen Dichters C. Petronius Arbiter (gest. 65 n. Chr.). Besonders die sog. „Cena Trimalchionis“, die vergnüglichste Passage dieses Romans, bewahrt Tonfall und Diktion der zeitgenössischen Vulgärsprache. Petron schildert hier einen langen Abend, den Enkolpius und Giton, die „Haupthelden“ des Romans, mit ihren beiden zeitweiligen Reisegefährten bei einem luxuriösen Gastmahl verbringen, das der neureiche Trimalchio seinen Freunden gibt. Ihre endlosen Unterhaltungen, die sog. „Freigelassenen-gespräche“, beinhalten Nachbarstratsch und Politikerschelte, Zoten und Zeugnisse blühender Unbildung, Schimpfkanonaden und grauslich-merkwürdige Geschichten – das alles in schönster lateinischer Umgangssprache.
Schwerpunkt der Lehrveranstaltung bildet die gemeinsame Lektüre und Interpretation ausgewählter Textpassagen aus den Freigelassenengesprächen. Dabei sollen die Besonderheiten der darin aufscheinenden lateinischen Umgangssprache herausgearbeitet werden. Andere relevante Themenkomplexe (z.B. Leben und Werk Petrons, gattungsspezifische Charakteristika des römischen Romans etc.) sollen durch Referate abgedeckt werden, die in der 1. Sitzung zu vergeben sind.
Interessenten mögen sich in die Anfang April 2004 aushängende Teilnehmerliste (PT 3.3.83) einschreiben. Der Erwerb eines Seminarscheines setzt die Übernahme eines Referates, das anschließend auszuarbeiten ist, und eine erfolgreich bestandene Klausur am Ende des Semesters voraus.
Textausgaben:
Petronii Arbitri Satyricon, cum apparatu crit. ed. Konrad Mueller, München 1961.
Petronii Arbitri Satyricon reliquiae ed. Konrad Mueller, Stuttgart 1995.
Zur
Einführung:
Martin S.
Smith, Petronii Arbitri Cena Trimalchionis, Oxford 1975.
Bret
Boyce, The language of the freedmen in Petronius’ Cena Trimalchionis,
Leiden
1991.
Lektüre
[35230] Lateinische
Lektüre (Prosa):
Beck
Seneca, Epistulae morales
2st., Di 10-12, W 116
Beginn:
20.4.2004
Mit den uns noch erhaltenen 124 Briefen des ehemaligen Erziehers und Beraters des römischen Kaisers Nero ist scheinbar die intime Privatkorrespondenz eines der mächtigsten Männer Roms überliefert: vertraute Privatbriefe aus seinen letzten Lebensjahren an den engen Freund Lucilius nach dem Vorbild der Privatkorrespondenz Ciceros mit seinem Atticus. Tatsächlich jedoch ist Seneca mit seinem berühmten Alterswerk zum Schöpfer des philosophischen Essays geworden, in dem er unter dem bloßen Vorwand der Briefsituation in vielfältiger Weise Fragen der persönlichen Lebensführung und vor allem auch des Umgangs mit dem Tod erörtert. Eine äußerst ansprechende, lockere und abwechslungsreiche Hinführung zur eignen Beschäftigung mit antiker, speziell stoischer Philosophie.
Gemeinsam behandelt werden v.a. Briefe aus dem zweiten Teil der Sammlung (epist. 89-124).
Empfohlene
Textausgabe:
L. Annaei Senecae ad Lucilium epistulae morales, rec. L.D. Reynolds, Bd.II, Oxford 1965. (u. Nachdr.)
Zur Einführung
und begleitenden Lektüre:
M. Fuhrmann: Seneca und Kaiser Nero, Berlin 1997.
M.T.
Griffin: Seneca. A philosopher in politics, Oxford 1976.
P. Grimal: Seneca. Macht und Ohnmacht des Geistes, Darmstadt 1978 (Original Paris 1978).
G. Maurach: Seneca. Leben und Werk, Darmstadt 1991.
H. Cancik: Untersuchungen zu Senecas Epistulae morales, Spudasmata Bd. 18, Hildesheim 1967.
E. Hachmann: Die Führung des Lesers in Senecas „epistulae morales“, Münster 1995.
G. Maurach: Der Bau von Senecas Epistulae morales, Heidelberg 1970.
[35231] Lateinische
Lektüre (Poesie):
Astner
Juvenal, Satiren
2st., Mo 8.30-10, PT 1.0.1
Beginn:
19.4.2004
In einer der momentan florierenden Quizsendungen im Fernsehen gefragt, von wem der Ausspruch ‘mens sana in corpore sano’ stamme, geriet der Kandidat merklich ins Schwitzen: keine Joker mehr vorhanden - die Chance auf eine Million Euro vertan.
Dieses Zitat (10,356) und noch zahlreiche, weitere sprichwörtliche Redensarten, wie etwa ‘panem et circenses’ (10,81) oder ‘Das ist doch aufgewärmter Kohl!’ (vgl. 7,154), gehen zurück auf Juvenal, den letzten Satirendichter Roms, der als poeta ethicus im Mittelalter ein beliebter Schulautor war und auch in der Neuzeit überall dort rezipiert wurde, wo man sich vornahm, Satiren zu dichten. Juvenal selbst, der zunächst als Deklamator und Rhetor in Rom tätig war, brauchte keinen Vorsatz, um zu dichten, denn über sich und seine Zeit sprechend kommentiert er: ‘facit indignatio versum’ (1,79) und ‘difficile est saturam non scribere’ (1,30). Mit reichlich rhetorischem Pathos und oft beißendem Spott schildert er das (Alltags-)Leben der stadtrömischen Bevölkerung, besonders der Oberschicht, und misst es an einem sittlichen Ideal, das wohl auch der alte Cato nicht hätte erfüllen können. Auf diese Weise beschwört Juvenal einerseits eindringlich den „Geist des Römertums“ (castigator morum), doch lässt er anderseits seine Leser teilhaben am bunten Treiben in der Großstadt und am Kaieserhof mit all seinen Lastern, Eitelkeiten und Sünden, aber auch mit all seinen Schattenseiten und Elend.
Während der gemeinsamen Lektüre sollen
ausgewählte
Passagen aller 16 Satiren gelesen werden, so dass ein Überblick über
das
Gesamtwerk und die Themen Juvenals gewonnen werden kann. Voraussetzung
für den
Scheinerwerb sind regelmäßige, aktive Teilnahme und das Bestehen der
Abschlussklausur.
Text:
A.
Persi Flacci et D. Iuni Iuvenalis Saturae, ed. W. V. Clausen, Oxford
(OCT)
1959.
Kommentar:
E.
Courtney: A Commentary on the Satires of Juvenal, London 1980.
Sprach- und Stilübungen
[35240] Klausurenkurs für Examenskandidaten
Wolbergs
2st., Mi 14-16, W 112
Beginn:
21.4.2004
Diese Übung ist ausschließlich für Examenskandidaten gedacht und soll die eigene häusliche Vorbereitung auf die beiden Übersetzungsklausuren begleitend unterstützen. Jeweils im Wechsel werden dt.-lat. und lat.-dt. Klausuren auf Examensniveau geschrieben und besprochen.
Als reguläre Teilnehmer mit Korrekturanspruch zugelassen sind Studierende, die mindestens einen Sprachübungsschein der Oberstufe erworben und sich bereits für das Examen angemeldet haben oder sich im SS 2004 anmelden werden.
[35241] Übersetzungskurs Latein-Deutsch (Oberstufe)
Wolbergs
2st., Do 14-16, W 112
Beginn:
22.4.2004
Die Übung ist zur Vorbereitung auf die Examensklausur und die mündliche Examensprüfung gedacht. Texte verschiedener Gattungen und Epochen werden teils nach häuslicher Vorbereitung, teils als mündliche ad-hoc-Übersetzungen oder auch in Form von Übungsklausuren bearbeitet. Anfallende Fragen grammatischer und, soweit in diesem Rahmen möglich, auch inhaltlicher Art werden behandelt.
[35242] Übersetzungskurs Deutsch-Latein (Oberstufe)
Wacht
2st., Do 8.30-10, PT 2.0.5
Beginn:
22.4.2004
Diese Übung dient gezielt der Vorbereitung auf das deutsch-lateinische Staatsexamen. Als Hausaufgaben, Klausuren und in gemeinsamer Arbeit in den Sitzungen selbst werden Paraphrasen von Originaltexten aus dem Bereich Rhetorik, Staatswesen, Recht, Wissenschaft ins Lateinische zu übersetzen sein. Grammatische Phänomene (vor allem Syntax) und schwierigere Konstruktionen werden wiederholt bzw. besprochen und eingeübt. Die Konzentration auf eine bestimmte Thematik soll zur Erarbeitung einer themenbezogenen Phraseologie anleiten. (Ein weiterer Oberkurs wird im nächsten Semester die Themenbereiche Kriegswesen, Geschichtsschreibung und Philosophie abdecken.)
Teilnahmevoraussetzung:
Erfolgreicher Besuch der dt.-lat. Sprachübungen Mittelstufe.
[35243] Übersetzungskurs Latein-Deutsch
(Mittelstufe)
Wolbergs
2st., Mo 14-16, CH 12.0.18
Beginn:
19.4.2004
Diese Übung stellt in erster Linie eine zusätzliche Möglichkeit der Vorbereitung auf die lateinisch-deutsche Übersetzungsscheinklausur (und Zwischenprüfung) dar; die eigenverant-wortliche Vorbereitung auf diese Prüfung, d. h. die möglichst intensive private Lektüre im angegebenen Textcorpus, kann der Kurs aber keinesfalls ersetzen.
Ziel des Kurses ist es, anhand von Texten, die aus dem relevanten Corpus stammen, Übersetzungstechniken zu üben und die Kenntnisse auf jenen Gebieten zu festigen, die im Fragenteil der o.g. Klausur im Mittelpunkt stehen: Metrik, sprachliche und stilistische Merkmale, Editionstechnik und Textkritik.
Neben der mündlichen Besprechung und Diskussion, in der Übersetzungsmöglichkeiten erarbeitet und dabei auftretende Fragen geklärt werden sollen, werden auch Übungsklausuren unter „Ernstfall-Bedingungen“ durchgeführt, in denen sich die Teilnehmer testen können.
[35244] Übersetzungskurs Deutsch-Latein
(Mittelstufe)
Astner
2st., Di 8.30-10, W 116
Beginn:
20.4.2004
Diese Übung baut auf den deutsch-lateinischen Unterkursen auf. Im Plenum werden mittelschwere zusammenhängende Texte ins Lateinische übersetzt. Neben den Problemen der Syntax, die zu besprechen sein werden, sollen auch anhand exemplarischer Einzelsätze zum einen die Kenntnis der lateinischen Phraseologie und Synonymik gefestigt, zum anderen Grundfragen der lateinischen Stilistik behandelt werden; den Schwerpunkt hierbei wird der im Deutschen und Lateinischen unterschiedliche Gebrauch der Wortarten und der syntaktischen Strukturen bilden.
[35245] Übersetzungskurs Latein-Deutsch
(Unterstufe)
Wacht
2st., Mi 8.30-10, PT 2.0.5
Beginn:
21.4.2004
Die Übung ist speziell für Studienanfänger gedacht und sollte möglichst im ersten oder zweiten Semester besucht werden. Besprochen werden die wichtigsten Erscheinungen der lateinischen Syntax, und zwar (1.) anhand lateinischer Einzelsätze und (2.) im Rahmen der Lektüre einiger zusammenhängender Partien aus einer Rede Ciceros. Kenntnisse in der Formen- und Kasuslehre sollen dazu parallel nach vorgegebenem Plan in häuslicher Arbeit aufgefrischt werden; sie werden in Kurzklausuren regelmäßig überprüft.
Aufgrund nicht vom Institut zu verantwortender Stellenstreichungen kann diese Veranstaltung nicht mehr in der bisher üblichen Weise als 6st. Grammatik- und Übersetzungskurs durchgeführt werden. Der gemäß Studienordnung für die Zwischenprüfung notwendige Schein wird stattdessen für den Besuch der Unterkurse Lat.-Dt., Dt.-Lat. (je 2st.) und den Nachweis der erfolgreichen Teilnahme an einem Lektürekurs (2st.) ausgestellt.
Ein Textheft mit lateinischen Einzelsätzen ist ab Mitte April bei mir erhältlich.
Textausgabe
der Rede Ciceros:
M. Tulli Ciceronis orationes recognovit brevique adnotatione critica instruxit A. C. Clark, tom. I, Oxford 1905 (nachgedruckt).
Dazu zur Anschaffung dringend empfohlen:
H. Rubenbauer-J. B. Hofmann, Lateinische Grammatik, neubearbeitet von R. Heine, Bamberg/München 121995.
[35246] Übersetzungskurs Deutsch-Latein
(Unterstufe)
Blusch
2st., Do 12-14, H 14
Beginn:
22.4.2004
Der Übung zugrunde gelegt wird ein Textheft mit (dt. Einzel-)Sätzen, die im Wesentlichen die lateinische Syntax abdecken. Da möglicherweise nicht alle Teilnehmer den Unterkurs des letzten Semesters absolviert haben, würde ich gleichwohl bestimmte Voraussetzungen gerne erfüllt sehen, d.h. ich erwarte eine möglichst solide Kenntnis der Laut-, Wortbildungs- und Formenlehre sowie gute Vokabelkenntnisse. Es empfiehlt sich, mit der ggf. notwendigen Auffrischung der angesprochenen Kenntnisse gleich in den Semesterferien zu beginnen. Das Textheft kann gegen Unkostenerstattung bei mir bezogen werden.
Zugrundegelegt
und daher zur Anschaffung empfohlen:
H. Rubenbauer und J. B. Hofmann, Lateinische Grammatik, neubearbeitet von R. Heine, Bamberg/München 121995.
Fachdidaktische Veranstaltung
[35247] Lehrbücher als zentrale Medien im Lateinunterricht
Utz
2st., 14-tägig, Di 16 s.t.-19, R 009
Beginn:
20.4.2004
Das Bildungswesen in Bayern - und damit auch der Lateinunterricht -stehen verstärkt in der Disksussion: Nach dem Erscheinen einer Reihe innovativer Lehrbücher Mitte der 90er-Jahre erfordern die neuen bayerischen Lahrpläne und Rahmenbedingungen nun schon wieder neue Lehrwerke. Auf welchen grundsätzlichen Überlegungen basieren diese? Inwiefern können sie helfen, die Anliegen unseres Faches zu vermitteln?
In der Veranstaltung sollen nach der üblichen Einführung v.a. Beispiele neuer Lehrbücher untersucht werden. Dabei handelt es sich insbesondere um den neuen "Cursus" und "Cursus continuus", um "Latein mit Felix" und "Felix", um das neue "prima" und um "Interesse".
Ein detaillierter Arbeitplan wird in der ersten Sitzung vorgelegt.
Sprachkurse zur Vorbereitung auf das
Latinum
[35250] Latein II (Parallelkurs A)
Blusch
6st., Blocksitzungen vor Vorlesungsbeginn
Beginn/Raum:
siehe Aushang
[35251] Latein II (Parallelkurs B)
Wacht
6st., Blocksitzungen vor Vorlesungsbeginn
Beginn/Raum:
siehe Aushang