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Wir sind Altphilologen. |
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Was wir
eigentlich tun? Unseresgleichen beschäftigt sich mit allen Arten von Texten
und Zeugnissen, die dem Kulturkreis der griechisch-römischen Antike
zugehören. Vom höchsten Musengeschenk der hehren Tragödie bis hin zu
Inventarlisten auf Stein und Steuerquittungen auf Papyrusfetzen, die der
ägyptische Wüstensand dankenswerterweise für uns konserviert hat: All dies
versuchen wir zu verstehen und in Zusammenhang zu bringen, um so, wie bei
einem Mosaik, Steinchen für Steinchen, ein möglichst umfassendes Bild vom
Leben in der Antike zu gewinnen; hier sind noch viele Flächen weiß. |
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"Und
wozu das Ganze?", werden Sie fragen. Keine Angst! Wir kommen Ihnen nicht
mit staubigen Bildungsidealen. Oder gar mit den Märchen von der Erhabenheit
antiken Menschentums (denkt man etwa an Sokrates' Verurteilung, hat man so
seine Probleme mit der 'edlen Größe' und den anderen Parolen). Es gibt wohl
auch bessere Gründe. Denn ob Sie es glauben oder nicht: Auch wir sind Menschen
unserer Zeit und blicken durchaus auch in die Zukunft. Dies beispielsweise in
folgendem Sinne. Es waren ja die Griechen, die in Kunst und Literatur, auf
dem Gebiete wissenschaftlicher Methode, im Bereich der politischen
Organisation und mit ihren ideologischen Entdeckungen (nehmen Sie nur den
heute so selbstverständlichen Wert des Individuums) völlig neuartige Modelle
geschaffen haben, die die gesamte abendländisch geprägte Welt bis heute
bestimmen. Wir nun arbeiten heute unter anderem an der Erforschung der
Rahmenbedingungen, die diesen folgenschweren Neubeginn damals ermöglicht und
bewirkt haben könnten. In Anbetracht der Probleme, die die Zukunft gewiß
bringen wird, scheint es nicht absurd, daß eine Gesellschaft, die etwas auf
sich hält, vielleicht auch eine kleine Schar derer sich leistet, die die
frühesten Ursprünge der eigenen kulturellen Errungenschaften kennen und
einmal auf ganz anderer Ebene der Frage nach den Bedingungen und
Möglichkeiten von Innovation auf den Grund gehen. Und dies ist nicht einmal
besonderer Luxus, wenn man bedenkt, daß wir niemals teure
Forschungslaboratorien brauchen werden. |
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Unsere Zeit
ist schnellebig geworden, und wir sehen viele der alten Werte fallen, die so
lange nicht hinterfragt wurden. Unsere Planungen werden immer kurzfristiger
(leider auch kurzsichtiger), und so verbreitet sich allenthalben eine
allgemeine Orientierungslosigkeit wie vielleicht noch nie zuvor. - Womöglich
ist es nicht die unklügste Verfahrensweise, mit der Menschen ihre weitere
Marschrichtung festzusetzen suchen, die ohne Orientierungshilfe in einer
Wüste vorwärtsirren: Immer mal wieder drehen sie sich um, verfolgen ihre
Spuren im Sand und blicken dorthin zurück, von wo sie losgegangen sind ...
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(Dr. Peter Csajkas, Wiss. Mitarbeiter am Lehrstuhl Latein 1999-2002) |