Kommentiertes Vorlesungsverzeichnis

WS 1999/2000



GRIECHISCHE PHILOLOGIE

Vorlesungen

[35200] Griechische Vorlesung: Rechenauer
Die frühgriechische Philosophie
2st., Di 16-18, CH 33.1.91 Beginn: 02.11.1999

Seit Nietzsche der Altertumswissenschaft mit der Forderung nach der "Aufgrabung der Vorsokratiker - der bestverschütteten aller griechischen Tempel" eine neue, über die traditionelle Orientierung an Platon, Aristoteles und die Stoa hinausweisende Blickrichtung gegeben hat, kann sich die "vorsokratische Philosophie" eines regen Interesses erfreuen. Wenn hier der gängige Begriff "vorsokratisch, Vorsokratiker" durch die Formulierung "Frühgriechische Philosophie" ersetzt wird, so deswegen, um die irreführende, eine teleologische Entwicklung suggerierende Zuordnung auf Sokrates zu vermeiden. Gemeint ist freilich die in der griechischen Dichtung (bei Homer und Hesiod) vorbereitete, mit Thales von Milet einsetzende und bis Demokrit reichende Reihe von Denkansätzen und Welterklärungsmodellen, deren überlieferte Texte in der als ganzer immer noch nicht ersetzten Sammlung von Diels-Kranz, Die Fragmente der Vorsokratiker (6. Aufl. 1951-52) zusammengestellt sind.

In der Vorlesung sollen eingangs die Quellen, Voraussetzungen und Vorstufen der Philosophie bei den Griechen sowie Probleme der doxographischen Überlieferung behandelt werden. Im Zentrum wird sodann die Interpretation der Fragmente sowie der aus ihnen zu rekonstruierenden philosophischen Entwürfe liegen. Hierbei soll es auch darum gehen, diese Entwürfe als Antworten auf ihnen zugrundeliegende Fragen zu verstehen. Schließlich soll auch der Frage nachgegangen werden, inwieweit aus den unterschiedlichen Einzelperspektiven sich eine Gemeinsamkeit der Denktradition ergibt, die auch für die moderne Philosophie und Wissenschaft relevant ist.

Neuere Darstellungen:

W.K.C. Guthrie: A History of Greek Philosophy, vol. I: The earlier Presocratics and the Pythagoreans, Cambridge 1962, ND 1978; vol. II: The Presocratic tradition from Parmenides to Democritus, Cambridge 1965, ND 1990.

J. Barnes: The Presocratic Philosophers, 2. Aufl. London-Boston 1982.

J. Mansfeld: Die Vorsokratiker. Griechische und deutsche Auswahl der Fragmente, 2 Bde., Stuttgart 1983/1986.

G.S. Kirk-J.E. Raven-M. Schofield (Hrsg.): Die vorsokratischen Philosophen. Einführung, Texte und Kommentare, Stuttgart-Weimar 1994 (= dt. Ausgabe von: The Presocratic Philosophers. A critical history with a selection of texts, 2. Aufl. Cambridge 1983).

Th. Buchheim: Die Vorsokratiker. Ein philosophisches Portrait, München 1994.
 

[35000] Sprachwissenschaftliche Vorlesung: Klingenschmitt
Einführung in die historische Grammatik des Griechischen
1st., Fr 11-12, W 113 Beginn: 05.11.1999

Die Vorlesung behandelt in einer sich an den Anforderungen des Griechisch-Unterrichts an Gymnasien orientierenden Auswahl Themen aus allen Bereichen der griechischen Grammatik: historische Lautlehre (das griechische Phoneminventar und seine Vorgeschichte; die wichtigsten Erscheinungen der lautlichen Entwicklung in historischer Zeit; die Akzentuation); Nominal- und Verbalflexion; Syntax (z.B. Gebrauch der Tempora und Modi).
 
 

Seminare und Übungen
 

[35201] Griechisches Hauptseminar (Poesie): Rechenauer
Homerische Epik
2st., Di 18-20, PT 3.3.66 Beginn: 02.11.1999

In diesem Seminar sollen nicht die weithin obsoleten Fragen nach der Genese der homerischen Epen oder gar nach der Person des Dichters Homer aufgewärmt werden, vielmehr soll das Werk in seiner durch die Forschung der letzten Jahrzehnte von vielen Seiten erhellten Eigenart im Blickpunkt des Interesses stehen. Demzufolge wird auch von der sog. "homerischen Frage" im traditionellen Sinne relativ wenig die Rede sein. Ausführlich Behandlung finden sollen: Voraussetzungen und Bedingungen der epischen Tradition des homerischen Epos; der Problemkreis von Mündlichkeit und Schriftlichkeit; Verhältnis von dargestelltem Gegenstand und Darstellung; Aufbau und Struktur des homerischen Epos; Eigenart der epischen Dichtersprache. Besonderes Augenmerk wird der Frage gelten, in welcher Weise der hermeneutische Prozeß zwischen Autor und Publikum als ein auf Verstehbarkeit gerichteter Akt das dichterische Schaffen mitbestimmt hat.

Im einzelnen sollen ausführliche Interpretationen der beiden unter Homers Namen laufenden Epen erarbeitet werden, wobei diese in ihrer Struktur und Komplexität transparent werden sollen.

Literatur zur ersten Orientierung:

W. Schadewaldt: Der Aufbau der Ilias, Frankfurt 1975.

J. Latacz (Hrsg.): Homer. Tradition und Neuerung (WdF Bd. 463), Darmstadt 1979.

Ders.: Homer, München 1986.

H. Patzer: Die Formgesetze des homerischen Epos, Stuttgart 1996.
 

[35202] Griechisches Proseminar (auch für Lateinstudierende) (Prosa): Rechenauer
Paradigmen griechischer Geschichtsschreibung
2st., Do 14-16, CH 33.1.91 Beginn: 04.11.1999

Die Anfänge dessen, was in der europäischen Literatur bis heute unter Geschichtsschreibung verstanden wird, wurden bei den Griechen gelegt. Neben Herodot, dem "pater historiae", wie ihn Cicero (De legibus I 1,5) genannt hat, war es v.a. Thukydides, der mit der Begründung der politischen Geschichtsschreibung die moderne Auffassung von Historiographie mitgeprägt hat. Aber das geschichtliche Geschehen wurde bei den Griechen auch noch mit anderen Darstellungsschwerpunkten eingefangen, beispielsweise einer rhetorischen, einer tragischen oder einer pragmatischen Ausrichtung. Von der Breite dieses Spektrums und seinen einzelnen Entwicklungsstufen will die Veranstaltung ein Bild vermitteln, wobei neben den Voraussetzungen und Vorstufen der griechischen Historiographie (etwa den sog. Logographen) gerade auch ihr Fortwirken in der lateinischen Literatur beleuchtet werden soll.

Zur Einführung empfohlen:

M. Grant: Klassiker der antiken Geschichtschreibung, München 1973 (The Ancient Historians, London 1970).

A. Momigliano: Die Geschichtsschreibung, in: E. Vogt (Hrsg.): Griechische Literaturgeschichte, Wiesbaden 1981, 305-336.

K. Meister: Die griechische Geschichtsschreibung. Von den Anfängen bis zum Ende des Hellenismus, Stuttgart 1990.

O. Lendle: Einführung in die griechische Geschichtsschreibung. Von Hekataios bis Zosimos, Darmstadt 1992.
 
 

[35203] Griechisches Proseminar (Prosa): Janka / Schäfer, Chr.
Mythen und Gleichnisse bei Platon (Zur Einführung in die griechische
Philosophie; offen auch für Teilnehmer ohne Griechischkenntnisse)
2st., Do 12.30 s.t.-14, ZH 8 Beginn: 04.11.1999

Das interdisziplinäre Seminar wendet sich an alle, die einen kursorischen Überblick insbesondere über die literarische Ausgestaltung der Hauptthemen in Platons Dialogen gewinnen wollen. Solche anvisierte Themen sind u.a.: Die Ideenlehre, Jenseitsvorstellungen, Ethik, Politik und Kosmologie. Angesichts der Eigenart der Aufgabe, die auf eine Verbindung von philosophischer Aussage und literarischer Vermittlung ausgerichtet ist, bietet sich ein fächerübergreifender Zugang an, durch den beide Seiten - philologische und philosophische - voneinander (hoffentlich) profitieren können. In diesem Sinne wird bei den gemeinsamen Referaten zu den Einzelthemen eine Zusammenarbeit von Philologen und Philosophen nachdrücklich erwünscht.

Voraussetzungen: keine. Grundlage für den Erhalt eines benoteten Proseminarscheins für das Fach Griechisch ist die Übernahme eines (Teil)Referats sowie eine kurze schriftliche Ausarbeitung einer kommentierten Übersetzung.

Themenliste:

Gleichnisse:

Sonnen-, Linien-, Höhlen- (Politeia), Seelenwagen- (Phaidros); evtl. Segeltuchgleichnis (Parmenides)

Mythen:

Kulturentstehung (Protagoras), Theuth (Phaidros), Atlantis (Kritias), Menschenalter (Politikos), Aristophanesrede über den Eros (Symposion), die Jenseitsmythen
 

[35204] Griechisches Proseminar (Prosa): Heitsch / Kutschera
Platon, Charmides
2st., Mo 16-18, ZH 7 Beginn: 08.11.1999

Beste Ausgabe: Platonis opera tom. III, rec. I. Burnet (OCT).

Zur Einführung: Die Platon-Bücher von Walter Bröcker und Paul Friedländer.
 

[35205] Übung: Rechenauer
Lektüre und Interpretation griechischer Prosaliteratur
2st., Do 10-12, PT 3.3.66 Beginn: 04.11.1999

Es ist ein Dilemma philologischer Ausbildung, daß wissenschaftliche Textinterpretation einerseits die gründliche Beiziehung der einschlägigen sekundären Hilfsmittel (z.B. Kommentare) voraussetzt, daß aber andererseits durch die vorschnelle Anwendung dieser wissenschaftlichen Instrumentarien die Fähigkeit zu einem unvoreingenommenen Textverständnis beeinträchtigt wird. Abhilfe schaffen kann hier nur eine Steigerung der philologischen Wahrnehmungsfähigkeit. Diese Veranstaltung bietet Leseübungen, die zu eigenständigen Beobachtungen an griechischen Prosatexten hinführen und Hinweise zu ihrer wissenschaftlichen Erschließung geben sollen. Dazu soll ein Grundlagenwissen über die wichtigsten literarischen Genera, Autoren und Epochen vermittelt werden.

Die Textbasis wird sich von den Anfängen der griechischen Prosaliteratur bis in die römische Kaiserzeit erstrecken. Die Veranstaltung eignet sich für Studierende aller Semester (nicht nur für Examenskandidaten).
 

[35233] Einführung in die Klassische Philologie Beck
2st., Fr 8.30-10, W 116 Beginn: 05.11.1999

Für nähere Angaben siehe bei Lateinischer Philologie.
 
 

Lektüre
 

[35206] Griechische Lektüre (Poesie): Wolbergs
Kallimachos, Hymnen
2st., Mi 16-18, CH 33.1.91 Beginn: 03.11.1999

Aus dem großen Werk des Kallimachos von Kyrene (2. H. 3. Jh. v. Chr.) - er war gelehrter Mitarbeiter an der Bibliothek von Alexandria und der wohl einflußreichste Dichter der hellenistischen Zeit - sind vollständig nur 6 Hymnen und eine größere Zahl Epigramme erhalten. Die Hymnen in ihrer Eigenart in wenigen Worten vorzustellen, ist kaum möglich; man ziehe zur ersten Orientierung etwa A. Dihles Griechische Literaturgeschichte (3. Aufl. 1998, S. 291-295) heran. - In der Lektüreübung werden die Hymnen 1, 2 und 3 gelesen; Texte werden in Kopie zur Verfügung gestellt.
 

[35207] Griechische Lektüre (Prosa): Wolbergs
Lukian
2st., Mi 14-16, CH 33.1.91 Beginn: 03.11.1999

Lukian (ca. 120-180) gehört sicher zu den kaiserzeitlichen griechischen Autoren, die kennenzulernen Studenten der Klassischen Philologie (also auch Lateinstudenten) nur empfohlen werden kann. Seine ausnahmslos kurzen Schriften (Reden, Diatriben, Dialoge, Briefe) sind in der Mehrzahl sprachlich und stilistisch gewandt, ohne vor zu große Anforderungen zu stellen (gutes Attisch), sie sind interessant, weil Lukian vielerlei (von ihm so gesehene) Verirrungen im geistigen Leben seiner Zeit satirisch-polemisch aufs Korn nimmt, und sie haben Witz. - In der Lektüreübung werden ausgewählte Schriften verschiedenen Charakters gelesen.

Text:

Luciani opera, rec. M. D. Macleod, Tom. I (OCT).
 
 

Sprach- und Stilübungen
 

[35210] Übersetzungskurs Deutsch-Griechisch Janka
2st., Mo 11-13, PT 3.3.68 Beginn: 08.11.1999

Der Kurs ist für Kandidaten des Grund- und Hauptstudiums (ab 1. Studiensemester aufwärts ohne obere Schranke) gedacht, die sich die Grundlagen eines ìDialogesî zwischen deutscher und altgriechischer Sprache erarbeiten oder dieselben festigen wollen.

Diesem Ziel dienen drei Schwerpunkte:

1) Ein Repetitorium der Morphologie und Syntax regt zur konzentrierten Vertiefung besonders problemträchtiger Grammatikkapitel an. Diese werden in Formenübungen, im Phrasentraining und anhand von Textbeispielen verinnerlicht.

2) Regelmäßige Kurzklausuren mit stofflichen Schwerpunkten und zwei Langklausuren unter Prüfungsbedingungen gewährleisten ausgedehnte Übungsmöglichkeiten sowie kontinuierliche Rückmeldung über den Leistungsstand.

3) Häusliche Übersetzungen schwierigerer Texte, die korrigiert und im Plenum besprochen werden, befördern das (kontrollierte) Einschleifen der Technik der Rückübersetzung.

-Auch für griechische Kurzreferate (5 Min.),  ¢ttik…zein (attikízein) und die Hellenisierung deutscher Originaltexte wird noch Zeit bleiben.

-Dringende Empfehlung für die Semesterferien: Arbeiten Sie die Formenlehre (und möglichst auch die Grundlagen der Syntax) in der neuen HELLAS-Grammatik gründlich durch. In sprachwissenschaftlichen Fragen sollten Sie zudem die Grammatik von BORNEMANN und RISCH konsultieren.
 

[35211] Grammatik- und Übersetzungskurs Griechisch-Deutsch: Wolbergs
Demosthenes
4st., Di 10-12, Do 16-18, PT 3.3.68 Beginn: 02.11.1999

Repetitorium der griechischen Syntax anhand einiger politischer Reden des Demosthenes (384-322), des "größten unter allen attischen Rednern" (A. Dihle).

Text:

Demosthenis orationes, rec. S. H. Butcher, Tom. I (OCT).
 
 

Sprachübungen zur Vorbereitung auf das Graecum / für Neugriechisch
 

[35212] Griechisch I für Philologen Fajen
6st., Mo-Fr 11s.t.-12, Mo H 11, Di H 23, Mi H 2, Do H 23, Fr H 6 Beginn: 02.11.1999

[35213] Griechisch I für Philologen und Theologen Wolbergs
6st., Mo-Fr 12s.t.-13, R 005 Beginn: 02.11.1999
 
 

Sprachübungen für Neugriechisch
 

[35214] Neugriechisch für Anfänger N. N.
2st., Mi 18-20, Phys. 5.1.03 Beginn: 03.11.1999

[35215] Neugriechisch für Fortgeschrittene N. N.

2st., Do 18-20, Phys. 5.1.03 Beginn: 04.11.1999
 

Fachdidaktische Veranstaltungen
!!! müssen ausnahmsweise in diesem Semester entfallen !!!


LATEINISCHE PHILOLOGIE

Vorlesungen

[35220] Lateinische Vorlesung: Beck
Seneca, Philosophische Schriften
2st., Mi 8-10, H 8 Beginn: 03.11.1999

L. Annaeus Seneca (ca. 4 v. Chr. - 65 n. Chr.) ist ohne Zweifel eine der bedeutendsten Persönlichkeiten des ersten nachchristlichen Jahrhunderts, und dies nicht nur als Literat. Unter Claudius zeitweise verbannt, auf Veranlassung von dessen Gattin Agrippina zurückgerufen, wurde Seneca der Erzieher des späteren princeps Nero und hatte so über mehrere Jahre maßgeblichen Einfluß auf den Regenten und damit die Regierung des römischen Reiches. Die in den 60er Jahren immer stärker werdende Entartung Neros zwang Seneca jedoch zum Rückzug auf sich selbst; als Opfer der Hinrichtungswelle nach der Pisonischen Verschwörung mußte er seinem Leben ein Ende setzen.

Zeitlose Bedeutung bis heute hat Seneca allerdings durch seine Schriften erworben, von stoischer Philosophie geprägte Traktate, vor allem Dialoge und Briefe. Neben einer prosimetrischen Satire besitzen wir ferner mehrere Tragödien mythischen Inhaltes - von weiteren unter seinem Namen überlieferten abgesehen sind dies die einzigen erhaltenen lateinischen Werke dieser Gattung.

Nach einem Überblick über das Leben Senecas und seine Zeit und einer Einführung in die stoische Philosophie werden in der Vorlesung Senecas philosophische Schriften nacheinander vorzustellen und zu besprechen sein.

Zur begleitenden Lektüre empfohlen:

M. T. Griffin: Seneca. A Philosopher in Politics, Oxford 1976.

P. Grimal: Seneca. Macht und Ohnmacht des Geistes, Darmstadt 1978.
 
 

[35001] Sprachwissenschaftliche Vorlesung: Klingenschmitt
Geschichte der lateinischen Sprache: Die Zeit des klassischen Lateins
1st., Fr 10-11, W 113 Beginn: 05.11.1999

Die Vorlesung behandelt das literarische Latein der klassischen Periode (Anfang 1. Jh.v.Chr. bis Anfang 1. Jh.n.Chr.). Besprochen werden u.a.

1. die Unterschiede zwischen der Sprache der Dichtung und Prosa;

2. die Entstehung der klassischen Kunstprosa und klassischen Dichtersprache; dabei sind auch die Entwicklungen in der vorausliegenden (altlateinischen) Sprachperiode zu berücksichtigen;

3. die sprachlichen und stilistischen Eigentümlichkeiten der wichtigsten Repräsentanten der klassischen Dichtung und Prosa.
 

Seminare und Übungen
 

[35225] Lateinisches Hauptseminar (Prosa): Beck
Cicero, Epistulae
2st., Fr 10-12, H 5 Beginn: 05.11.1999

Bereits durch seine Reden und das umfangreiche philosophische wie rhetorische Werk scheint ein deutliches Bild von der Persönlichkeit Ciceros zu gewinnen, das ihn freilich nur als den überlegenen Staatsmann und Philosophen zeigt, als der er sich selbst in der Öffentlichkeit darstellen wollte. Durch die umfangreichen Briefcorpora 'ad Atticum' (Freund und Verleger), 'ad Quintum fratrem ', 'ad M. Brutum' (der Caesarmörder) und 'ad familiares' (Freunde, Verwandte, Zeitgenossen), die z.T. wohl ebenfalls an ein größeres Publikum gerichtete und demgemäß stilisierte, z.T. aber rein private und gewiß nicht zur Veröffentlichung bestimmte Briefe enthalten, wird jedoch ein Blick auch auf den sich ganz unbefangen gebenden, mit und über seine Familie und literarische Pläne sprechenden, über die politische Situation, seine Gegenspieler und seinen gelegentlich völlig falsch eingeschätzten Einfluß plaudernden, taktierenden, aber auch jammernden und klagenden Cicero möglich - einen Cicero, der so gar nicht dem Bild des großen Staatsmannes und Philosophen entspricht. (Vgl. z.B. den nach der Lektüre der Briefe entsetzten Petrarca in einem eigenen Brief von 1345 an das doch so geschätzte Vorbild: ... quid enim iuvat alios docere, quid ornatissimis verbis semper de virtutibus loqui prodest, si te interim ipse non audias?)

Die im Seminar zu besprechenden Briefe (z.B. Att. 3.7ff. über seine Verbannung, 4,1 die Rückkehr nach Rom, fam. 15,1f. seine Zeit in Kilikien, 4,7-11 die politische Situation 46 v. Chr., 1,8 sein Verhältnis zu Pompeius, 6,6f. zu Caesar, 4,5f. und 5,16 über Trost, 11,27f. die Freundschaft mit Matius) werden als Kopiervorlage zur Verfügung gestellt.

Textausgaben:

D. R. Shackleton Bailey, 4 Bde., Stuttgart (Teubner) 1987-1988.

W. S. Watt, 3 Bde., Oxford (OCT) 1958, 1965, 1982.

Kommentare:

R. Y. Tyrrell, L. C. Purser, 7 Bde., Dublin 1885-1901 (u. Nachdr.).

D. R. Shackleton Bailey, 10 Bde., Cambridge 1965-1970, 1977, 1980.

Zur Vorbereitung empfohlen sei die Lektüre einer Cicero-Biographie (z.B. von M. Gelzer 1969, M. Fuhrmann 1989).
 

[35230] Lateinisches Proseminar (Prosa): Wacht
Sallust, Bellum Iugurthinum
2st., Mo 10-12, ZH 7 Beginn: 08.11.1999

Sallust, nach der Ermordung seines Gönners Caesar politisch im Abseits, sieht in der Historiographie eine sinnvolle Ersatzhandlung für die ihm verwehrte politische Tätigkeit. Auf diese Weise - zweifelsohne zum Gewinn für die Nachwelt - zum rerum Romanarum florentissimus auctor (Tac. ann. 3,30) geworden deutet er den Krieg in Nordafrika als Geschehen, das letztlich innenpolitisch durch den Konflikt zwischen Nobilität und Volk bestimmt wird.

Textausgaben und Kommentar:

Sallusti Crispi Catilina, Iugurtha, Fragmenta ed. A. Kurfess, Leipzig (Teubner) 31957.

C. Sallusti Crispi Catilina, Iugurtha, Historiarum fragmenta rec. L. D. Reynolds, Oxford 1991.

C. Sallustius Crispus, Bellum Iugurthinum komm. v. E. Köstermann, Heidelberg 1971.

Zur einführenden Lektüre:

R. Syme: Sallust, Darmstadt 1975.

A. D. Leeman: Aufbau und Absicht von Sallusts Bellum Jugurthinum, Amsterdam 1957.
 

[35231] Lateinisches Proseminar (Poesie): Beck
Juvenal, Satiren
2st., Mi 10-12, PT 3.0.60 Beginn: 03.11.1999

Die 16 Satiren des vor allem unter Domitian, Trajan und Hadrian zunächst leidenden, dann lebenden Juvenal, eines Zeitgenossen des Entsprechendes durchmachenden Tacitus also, sind für uns die letzten römischen Beispiele dieser Gattung, die in ihrem oftmals recht wütenden, beißenden Spott weit über die seiner Vorgänger Horaz und Persius hinausgehen. Das Leben in der Großstadt und am Kaiserhof, Erbschleicherei und die Behandlung von Klienten, das Rezitationsunwesen, Eitelkeit und übertriebener Luxus, sexuelle Ausschweifungen und abartige Praktiken bei beiderlei Geschlecht, all dies ist für Juvenal empörend, anzuprangern (vgl. seine bekannte Formulierung 1,30 difficile est saturam non scribere) und bewirkt für die heutigen Leser eine vergnügliche Lektüre.

Im Seminar behandelt werden ausgewählte Passagen aller Satiren, so daß sich insgesamt ein Überblick über das Werk und die pessimistische Grundeinstellung des Dichters zur Gesellschaft seiner Zeit ergibt.

Text:

A. Persi Flacci et D. Iuni Iuvenalis Saturae, ed. W. V. Clausen, Oxford (OCT) 1959 u.ö.

Kommentar:

E. Courtney: A Commentary on the Satires of Juvenal, London 1980.
 

[35015] Sprachwissenschaftliches Proseminar: Schaffner
Lateinische Inschriften
2st., Do 12-14, W 116 Beginn: 04.11.1999

Inschriften bilden einen bedeutsamen Teil der lateinischen Überlieferung. Als authentische und meist datierbare Zeugnisse auf dauerhaftem Material geben sie wertvolle Aufschlüsse über sprachliche Zustände und Entwicklungen, die der kodikalen Tradition nur schwer abzugewinnen wären. Da die inschriftlichen Texte auch aus Bereichen stammen, die von der Literatur kaum oder nicht berührt werden, haben sie eine wesentliche Bedeutung für das Verständnis des antiken Lebens.

Nach einer allgemeinen Einführung in die lateinische Epigraphik und einem Überblick über die für die Kenntnis des Frühlateinischen wichtigen Inschriften werden in dem Seminar zunächst einige bedeutende Inschriften aus der Zeit um 200 v.Chr. behandelt, so das senatus consultum de Bacchanalibus (kurz SCBacch.) aus dem Jahre 186 v.Chr., dessen Voraussetzungen uns Livius 39, 8-19 überliefert, und die meist in Saturniern abgefaßten Scipionengrabinschriften. Geplant ist ebenfalls, ausgewählte Passagen aus dem Monumentum Ancyranum, der besterhaltenen, 1555 in Ankyra gefundenen Abschrift des Leistungsberichtes des Augustus (index rerum gestarum, Suet. Aug. 101,4) zu lesen.

Interessenten mögen sich bitte in die Anfang Oktober 1999 aushängende Teilnehmerliste eintragen. Texte und weiteres Unterrichtsmaterial werden in Kopien zur Verfügung gestellt. Der Proseminarschein kann wahlweise durch eine Klausur am Ende des Semesters oder durch eine Seminararbeit erworben werden.

Zur Anschaffung empfohlen: Altlateinische Inschriften, ausgewählt von Ernst Diehl, Berlin 51964.

Zur vorbereitenden Lektüre: Ernst Meyer, Einführung in die lateinische Epigraphik, Darmstadt 1973.
 

[35233] Einführung in die Klassische Philologie Beck
2st., Fr 8.30-10, W 116 Beginn: 05.11.1999

Diese - personalbedingt nur im Wintersemester angebotene - Übung ist für Studienanfänger obligatorisch und sollte möglichst im ersten Semester besucht werden. Ihr Ziel besteht darin, die Teilnehmer mit den für ein Studium der Klassischen Philologie wesentlichen Hilfsmitteln und Disziplinen vertraut zu machen und als Vorbereitung für den Besuch von Seminaren eine erste Einführung in grundlegende Arbeitsmethoden zu geben. Berührt werden folgende Gebiete:

1.) Aufbau, Ziele und Möglichkeiten eines Studiums der lat. und/oder griech. Philologie

2.) Epochen und Gattungen der griech. und lat. Literatur

3.) Aufbau und Benutzung der Bibliothek

4.) Hilfsmittel (z.B. RE, Bibliographien, Lexika, Grammatiken, Handbuch der Altertumswissenschaft, Textausgaben, Zeitschriften), Technik des Bibliographierens sowie Hinweise zum Aufbau einer eigenen Studienbibliothek

5.) Überlieferungs- und Textgeschichte, Textkritik

6.) Metrik

7.) Rhetorik

8.) Methoden der Interpretation, Hinweise zur Anfertigung einer Seminararbeit.

Für den Erwerb eines benoteten Scheines wird regelmäßige Teilnahme, aktive Mitarbeit und eine mindestens ausreichende Leistung in der Abschlußklausur erwartet.

Zur Einführung und begleitenden Lektüre empfohlen:

G. Jäger: Einführung in die Klassische Philologie, München 31990.
 
 
 

Lektüre
 

[35235] Lateinische Lektüre (Poesie): Csajkas
Lukrez
2st., Di 8-10, ZH 7 Beginn: 02.11.1999

Felix qui potuit rerum cognoscere causas - mit diesen Worten preist schon Vergil Lukrez als den Seher der wahren Zusammenhänge und der Totalität unserer Welt: Mit seinem umfangreichen Lehrgedicht De rerum natura hat Lukrez, Zeitgenosse Ciceros, der Nachwelt eines der wichtigsten - und zugleich literarisch reizvollsten - Zeugnisse der hellenistischen Philosophie hinterlassen. Denn in seiner Dichtung legt er ausführlich die Physik der epikureischen Schule dar, also die namentlich auf Demokrit zurückgehende Atomistik. Ausgehend von den Prinzipien der Atomtheorie führt Lukrez den Leser über eine materialistische Seelenlehre und die Frage der Sinneswahrnehmungen zu einer umfassenden atomistischen Weltenschau. Sein Hauptziel dabei ist die Befreiung des Lesers von Todesangst und Aberglaube. - Eine Beschäftigung mit Lukrez kann sich daher vielleicht auch heute noch lohnen; außerdem haben wir es mit einem epikureischen Physikbuch zu tun, auf eine gewisse voluptas legendi wird man sich also freuen dürfen.

Im Vordergrund wird eine um exaktes Verständnis bemühte Lektüre ausgewählter Partien stehen, daneben wollen wir auch regelmäßig das Hexameter-Lesen üben. Auf die zahlreichen textkritischen Probleme, die das Werk uns aufgibt, werden wir aus Zeitgründen allenfalls am Rande zu sprechen kommen können. Am Ende des Semesters wird eine Übungsklausur (incl. gemeinsamer Besprechung) Gelegenheit zum Selbsttest bieten.

Text:

Lucreti De rerum natura libri sex rec. Cyrillus BAILEY. Oxford 21922 oder

T. Lucreti Cari De rerum natura libri sex rec. J. MARTIN. Leipzig 51969 [ND 1992].
 

[35236] Lateinische Lektüre (Prosa): Blusch, J.
Cicero, De imperio Cn. Pompei
2st., Mo 13-15, W 116 Beginn: 08.11.1999

Unabdingbar (sowie zur Anschaffung empfohlen): eine wissenschaftliche Textausgabe mit kritischem Apparat (d.h. weder Reclam noch sonst etwas dergleichen), also (z.B.) Bd.1 der Oxford-Ausgabe der Reden Ciceros.

Beachten Sie bitte auch die Erläuterungen zum Übersetzungskurs Latein-Deutsch Unterstufe.
 
 

Sprach- und Stilübungen
 

[35240] Klausurenkurs für Examenskandidaten Wacht
2st., Fr 10-12, Phys. 5.1.03 Beginn: 05.11.1999

Diese Übung ist ausschließlich für Examenskandidaten gedacht und soll die eigene häusliche Vorbereitung auf die beiden Übersetzungsklausuren begleitend unterstützen. Jeweils im Wechsel werden dt.-lat. und lat.-dt. Klausuren auf Examensniveau geschrieben und besprochen.

Als reguläre Teilnehmer mit Korrekturanspruch zugelassen sind Studierende, die mindestens einen Sprachübungsschein der Oberstufe erworben und sich bereits für das Examen angemeldet haben oder sich im WS 99/00 anmelden werden.
 

[35241] Übersetzungskurs Deutsch-Latein (Oberstufe) Wacht
2st., Do 10-12, Phys. 5.1.03 Beginn: 04.11.1999

Diese Übung dient gezielt der Vorbereitung auf das dt.-lat. Staatsexamen. Als Hausaufgaben, Klausuren und in gemeinsamer Arbeit in den Sitzungen selbst werden Paraphrasen von Originaltexten aus dem Bereich Kriegswesen, Geschichtsschreibung, Philosophie ins Lateinische zu übersetzen sein. Grammatische Phänomene (vor allem Syntax) und schwierigere Konstruktionen werden wiederholt bzw. besprochen und eingeübt. Die Konzentration auf eine bestimmte Thematik soll zur Erarbeitung einer themenbezogenen Phraseologie anleiten. (Ein weiterer Oberkurs wird im nächsten Semester die Themenbereiche Rhetorik, Staatswesen, Recht, Wissenschaft abdecken.)

Teilnahmevoraussetzung: Erfolgreicher Besuch der dt.-lat. Sprachübungen Unterstufe.

Zur Vorbereitung wird empfohlen, die Übungssätze zur lateinischen Syntax durchzuarbeiten.

Textheft abzuholen im Sekretariat (PT 3.3.73).
 

[35242] Übersetzungskurs Deutsch-Latein (Unterstufe) Blusch, J.
2st., Di 14-16, CH 13.0.82 Beginn: 02.11.1999

Ein die Syntax abdeckendes Textheft mit (dt. Einzel-)Sätzen wird zur Verfügung gestellt. Laut-, Wortbildungs- sowie Formenlehre werden der über das Semester verteilten (und in regelmäßigen Abständen - per Kurzklausur - überprüften) Eigeninitiative der Teilnehmer überlassen. Basis (anschaffen!): Grammatik Rubenbauer-Hofmann-Heine.
 

[35243] Übersetzungskurs Latein-Deutsch (Oberstufe) Csajkas
2st., Di 18-20, PT 2.0.5 Beginn: 02.11.1999

Diese Übung ist für Examenskandidaten als unmittelbare Vorbereitung auf die entsprechende Examensklausur gedacht. In Form von Übungsklausuren im Kurs ("Ernstfallsimulation"), Hausaufgaben und auch mündlichen ad-hoc-Versionen werden Dichtungs- und Prosatexte unterschiedlicher Epochen und Gattungen übersetzt und die dabei auftretenden Fragen diskutiert.
 

[35244] Übersetzungskurs Latein-Deutsch (Mittelstufe) Janka
2st., Mo 16-18 (14-tägig), CH 33.1.91 Beginn: 08.11.1999

Gedacht ist der Kurs in erster Linie für diejenigen, die sich auf die lateinisch-deutsche Übersetzungsscheinklausur vorbereiten.

Gelesen werden - zur Begleitung und Vertiefung der häuslichen Lektüre - ausgedehnte Partien aus dem für die nächste Klausur maßgeblichen Textcorpus.

Angestrebt ist dabei die Erprobung einer Mehrzahl von Lektüretypen (mikroskopisches, statarisches, kursorisches, paraphrasierendes, verstehendes Lesen...).

Geboten wird zudem ein kurzgefaßtes Repetitorium der wichtigsten altertumswissenschaftlichen Methoden (Edition, Textkritik, stilistische Analyse, Metrik), soweit deren Beherrschung für die Bewältigung des Fragenteils in Klausuren wie der o. g. relevant sein könnte.

Erwartet wird regelmäßige und aktive Mitarbeit aller Teilnehmenden.

Kritische Ausgaben der Texte sind nach Bedarf anzuschaffen.
 

[35245] Übersetzungskurs Latein-Deutsch (Unterstufe) Blusch, J.
4st., Mi 13-15, Do, 14-16, CH 33.1.93 Beginn: 03.11.1999

Diese - personalbedingt nur im Wintersemester angebotene - Übung richtet sich speziell an Studienanfänger und sollte möglichst im ersten Semester besucht werden.

Angestrebt: vertieftes Verständnis der lt. Grammatik sowie Förderung der Übersetzungs-Kompetenz. Dazu wird ein die Syntax abdeckendes Textheft mit (lat. Einzel-)Sätzen zur Verfügung gestellt. Laut-, Wortbildungs- sowie Formenlehre werden der über das Semester verteilten (und in regelmäßigen Abständen - per Kurzklausur - überprüften) Eigeninitiative der Teilnehmer überlassen. Basis (anschaffen!): Grammatik Rubenbauer-Hofmann-Heine.

Aufgrund nicht vom Institut zu verantwortender Stellenstreichungen kann diese Veranstaltung nicht mehr in der bisher üblichen Weise als 6st. Grammatik- und Übersetzungskurs durchgeführt werden. Der gemäß Studienordnung für die Zulassung zur Zwischenprüfung notwendige Schein wird stattdessen für den Besuch des neu konzipierten lat.-dt. Unterkurses (4st.) und den Nachweis der erfolgreichen Teilnahme an einem Lektürekurs (2st.) ausgestellt.

Empfohlen wird der begleitende Besuch der Lateinischen Lektüre (Prosa): Cicero, De imperio Cn. Pompei.

Übersetzungskurs und Lektürekurs sollten, müssen jedoch nicht im selben Semester besucht werden.
 
 

Fachdidaktische Veranstaltungen

!!! entfallen aus zwingenden Gründen in diesem Semester !!!
 
 

Sprachübungen zur Vorbereitung auf das Latinum

[35250] Latein I (Parallelkurs A) Blusch, J.
6st., Mo-Fr 12s.t.-13, Mo u. Mi - Fr H 12, Di H 9 Beginn: 02.11.1999

[35251] Latein I (Parallelkurs B) Fajen
6st., Mo-Fr 12s.t.-13, Mo, Di H 6, Mi H8, Do H 9, Fr H 5 Beginn: 02.11.1999

[35252] Latein I (Parallelkurs C) Wacht
6st., Mo-Fr 12s.t.-13, Mo - Do H 35, Fr H 33