Griechische Philologie - Lateinische
Philologie
Vorlesungen
[35200] Griechische Vorlesung: Rechenauer
Die griechische Literatur des 4. Jahrhunderts in gattungsspezifischer
Betrachtung
2st., Di 14-16, W 116 Beginn: 16.4.2002
Verglichen mit der weithin unbestrittenen Blüte der griechischen Literatur im 5. Jh. v. Chr. scheint der literarischen Produktion des 4. Jh. ein nicht mehr ebenbürtiger, ja fast epigonenhafter Rang zuzufallen. Eine derartige Einschätzung mag im Hinblick auf einzelne Formen wie die Tragödie oder die Historiographie, die im Zeitalter der Klassik des 5. Jh. ihre gültige Ausprägung erfahren haben, ihre Berechtigung haben. Gleichwohl darf nicht übersehen werden, daß einige der größten Leistungen des geistigen und literarischen Lebens bei den Griechen dem 4. Jahrhundert angehören, so die philosophischen Systeme eines Platon (Akademie) und Aristoteles (Peripatos), ebensowenig stellt sich der rhetorischen Kunst eines Demosthenes Vergleichbares aus dem 5. Jh. zur Seite. Und unzweifelhaft ist eine Reihe von literarischen Gattungen für uns überhaupt erst in fortan kanonisierter Form des 4. Jh. greifbar wie etwa der literarisch-philosophische Dialog oder der enkomiastische Fürstenspiegel. Nicht zu vergessen, daß sich die politische Komödie des 5. Jh. in dieser Zeit zu einer Neuen Komödie hin entwickelt, die in dieser Gestalt von den Römern bis in die europäische Neuzeit als klassisches Vorbild komischen Spiels gedient hat.
Die Vorlesung will am Leitfaden gattungsgeschichtlicher Entwicklungen einen Überblick über diese Phase der griechischen Literatur geben, die sich in vielerlei Hinsicht als eine Epoche des Wandels darstellt: Der Sitz im Leben der Polis den die Literatur bisher innehatte wird zunehmend abgelöst von einer Literarisierung, neben den bisherigen geistig-kulturellen Mittelpunkt Athen treten alsbald die neuen hellenistischen Zentren. Von nun an übernimmt die Prosaliteratur die Führung vor der Poesie, insbesondere Philosophie und Rhetorik bereiten die geistigen Grundlagen der hellenistischen Welt vor. Bei dieser Betrachtung sollen ebenso die historischen Voraussetzungen, die Entwicklungen der verschiedenen Gattungen und ihre Formprobleme behandelt werden wie die vielfältigen Arten der Rezeption.
Literatur:
T.L. Webster: Art and Literature in Fourth Century Athens, London 1956
[35000] Sprachwissenschaftliche Vorlesung: Klingenschmitt
Das hellenistische Griechisch und der Attizismus
1st., Di 11-12, PT 1.0.7 Beginn: 16.4.2002
In der Lehrveranstaltung werden zunächst die Eigentümlichkeiten des hellenistischen Griechisch (der Koine) besprochen. In der Folge findet eine Interpretation ausgewählter inschriftlicher und literarischer hellenistischer Texte statt. Gegen Ende des Semesters wird dann der als Reaktion auf das Vordringen der Gemeinsprache entstandene Attizismus behandelt. Auch hier werden die sprachlichen Merkmale nach einer systematischen Darstellung an Hand von Textproben vorgeführt.
Seminare und Übungen
[35201] Übung auf der Stufe des Oberseminars Rechenauer
Interpretation griechischer Prosa und Poesie
2st., Di 17-19, PT 3.3.66 Beginn: 16.4.2002
Es ist ein Dilemma philologischer Ausbildung, daß wissenschaftliche Textinterpretation einerseits die gründliche Beiziehung der einschlägigen sekundären Hilfsmittel (z.B. Kommentare) voraussetzt, daß aber andererseits durch die vorschnelle Anwendung dieser wissenschaftlichen Instrumentarien die Fähigkeit zu einem unvoreingenommenen Textverständnis beeinträchtigt wird. Abhilfe schaffen kann hier nur eine Steigerung der philologischen Wahrnehmungsfähigkeit. Diese Veranstaltung bietet Leseübungen, die zu eigenständigen Beobachtungen an griechischen Texten aus Prosa wie Poesie hinführen und Hinweise zu ihrer wissenschaftlichen Erschließung geben sollen. Dazu soll ein Grundlagenwissen über die wichtigsten literarischen Genera, Autoren und Epochen vermittelt werden
Die Textbasis wird sich von den Anfängen der griechischen Literatur bis in die römische Kaiserzeit erstrecken.
Die Veranstaltung eignet sich für Studierende aller Semester (nicht
nur für Examenskandidaten).
[35202] Griechisches Hauptseminar: Rechenauer
Aischylos, Die Perser
2st., Do 14-16, PT 3.3.66 Beginn: 18.4.2002
Die "Perser" des Aischylos stellen in mehrfacher Hinsicht einen Sonderfall dar. Nicht nur daß uns hierin die älteste erhaltene griechische Tragödie vorliegt (472 v. Chr. aufgeführt), diese behandelt auch einen historischen Stoff der eigenen Zeitgeschichte (die um 8 Jahre dem Aufführungsdatum vorausliegende Seeschlacht von Salamis), und nicht, wie an sich üblich, einen Mythos des sog. heroischen Zeitalters. Vor allem aber stechen die "Perser" in ihrer Darstellungsperspektive von den im Zusammenhang mit dem griechischen Sieg häufig zu beobachtenden Usancen ideologischer Selbstbespiegelung ab: Das Geschehen wird aus der Sicht der mit großer Siegeszuversicht zum Kampf angetretenen und angesichts ihrer gewaltigen Heeresübermacht gänzlich unerwartet unterlegenen Perser als Katastrophe dargestellt. Aischylos hat es also bewußt vermieden, diesen Stoff für eine dramatische Selbstinszenierung athenischen Heldentums als nationales Festspiel auszuschlachten. Vielmehr nutzt er das historische Geschehnis frei von jedem Hellenen-Barbaren-Schematismus als Deutungsmodell für die Wirksamkeit der religiösen Grundlagen menschlichen Handelns. Die Frage nach dem eigentlichen Grund der persischen Katastrophe, die für ihn im Kern des Stückes steht, beantwortet er mit dem Hinweis auf ein menschliches Verschulden durch die frevlerische Überschreitung gottgesetzter Maßstäbe. Bedeutsam ist dabei, daß das Ende in der Katastrophe nicht ohne Hoffnung ist, sondern im Leid eine Erkenntnis bereithält.
Im Zentrum des Seminars soll die intensive Textinterpretation in Auseinandsersetzung mit den Problemstellungen der Forschung stehen. Dabei soll es um folgende Fragenkreise gehen: Mensch und Gottheit, das Verhältnis von menschlicher Schuld und göttlicher Lenkung, Verblendung, Überhebung und Erkenntnis.
Textgrundlage:
Aeschyli septem quae supersunt tragoediae, ed. D.L Page, Oxford 1972, oder die ältere Oxfordedition von G. Murray, bzw. Aeschyli tragoediae cum incerti poetae Prometheo, ed. M.L. West Stuttgart 1990
Kommentare:
P. Groeneboom: Aischylos’ Perser I/II. Einl., Text, krit. App., Komm. Übers. v. H. Sönnichsen, Göttingen 1960
H.D. Broadhead: The Persae of Aeschylus, ed. with Introduction, Crit. Notes and Commentary, Cambridge 1960
E. Hall: Aeschylus Persians, ed. with an Introd., Transl. and Commentary,
Warminster 1996
[35203] Griechisches Proseminar (auch für Lateinstudierende): Rechenauer
Griechische Lyrik und ihr Fortwirken in der römischen Poesie
2st., Do 10-12, W 116 Beginn: 18.4.2002
Ähnlich wie das griechische Epos hat auch die griechische Lyrik gleich in ihren frühesten Ausprägungen eine späterhin nicht wieder erreichte Vollendung erreicht. Die Geschichte dieser faszinierenden literarischen Entwicklung in ihren einzelnen Ausprägungen und Gestalten einsichtig zu machen, soll ein Ziel dieser Veranstaltung sein. Ein weiterer Zweck wird darin liegen, die römische Lyrik in ihrer Abhängigkeit von griechischen Vorbildern als Rezeptionsphänomen zu begreifen und zu untersuchen.
Zu Anfang soll aus gattungspoetischer Sicht die Frage erörtert werden, was nach antikem wie modernem Verständnis unter "Lyrik" zu verstehen ist und wie der Gattungsbegriff "Lyrik" in Absetzung gegen andere Literaturgenera entstanden ist. Wesentlich ist hierbei, daß unter diesem Terminus ein sehr weitgespanntes Feld verschiedenartiger literarischer Formen zu subsumieren ist, dessen Spektrum von der noch dem Epos nahestehenden Elegie über den invektivenhaften Jambos bis hin zu den monodischen Liedern der lesbisch-äolischen Lyrik und schließlich zur (morphologisch späteren) Chorlyrik reicht.
Im Zentrum wird die Interpretation der griechischen Vorbilder der römischen Lyriker Catull und Horaz stehen. In direkter Gegenüberstellung geeigneter Gedichte sollen die Verfahrensweisen in der Übernahme von Themen und Motiven, von lyrischen Ausdrucksmitteln und metrischen Formen durch die römischen Dichter aufgezeigt werden. Dabei wird der Blick neben die archaischen Lyriker und Jambographen (Archilochos, Sappho, Alkaios, Hipponax usw.) sich auch auf die Chorlyrik (Pindar) und ausgewählte hellenistische Dichter (v.a. Kallimachos) richten.
Jeder Teilnehmer soll im Besitz einer wissenschaftlichen Textedition von Catull und Horaz sein. Die griechischen Textbeispiele werden, da es keine geeignete Gesamtedition gibt, am besten durch Xerokopien zugänglich gemacht.
Literaturhinweise:
H. Fränkel: Dichtung und Philosophie des frühen Griechentums, München 31969 (1. Aufl. 1951)
W. Schadewaldt: Die frühgriechische Lyrik, Frankfurt/Main 1989
Lektüre
[35206] Griechische Lektüre (Poesie) Bernek
Euripides, Iphigenie in Tauris
2st., Do 16-18, PT 3.3.68 Beginn: 18.4.2002
Das Schicksal Iphigeniens, die – von Artemis vor der Opferung in Aulis bewahrt und ins Land der Taurer entrückt – von ihrem Bruder Orest schlußendlich aus der Fremde gerettet wird, ist durch Goethes gleichnamiges Theaterstück wohlbekannt. Welch gewichtige Änderungen Goethe allerdings seiner antiken Vorlage angedeihen lassen mußte, um daraus sein "verteufelt humanes" Drama zu formen, wird uns die kursorische Lektüre der Euripideischen Iphigenie lehren – gehört sie doch zu seinen sogenannten "melodramatischen" Stücken mit ihren mehrfachen Umschwüngen im Handlungsverlauf, die ein ordnendes Eingreifen der göttlichen Sphäre am Ende unvermeidlich werden lassen.
Bei unserer gemeinsamen Lektüre wollen wir unser Augenmerk vor allem auf die Besonderheiten von Kompositionstechnik und Figurenzeichnung bei Euripides sowie auf die mannigfaltigen intertextuellen Bezüge des Stückes innerhalb der Tradition der attischen Tragödie richten.
Text:
OCT (ed. Diggle) oder eine andere kritische Ausgabe.
[35207] Griechische Lektüre (Prosa): Wolbergs
Demosthenes
2st., Mo 14-16, PT 3.3.68 Beginn: 15.4.2002
Demosthenes (384-322) galt im Altertum und weithin auch in der Neuzeit als der bedeutendste attische Redner. Nach dem frühen Tod seines Vaters ist er 364/63 erstmals vor Gericht aufgetreten, in Prozessen gegen seine Vormünder, die Teile seines Erbes verschleudert hatten. Anschließend war er intensiv um eine Vervollkommnung seiner rednerischen Fähigkeiten bemüht und ist dann als Logograph und vielleicht als Redelehrer tätig gewesen. Seit 355, nach dem Zerfall des 2. attischen Seebundes, hat er sich der Politik zugewandt. Seine politischen Reden, die er in der Volksversammlung und in politischen Prozessen gehalten hat, und hier besonders jene Demegorien, in denen er zum Widerstand gegen die expansionistische Politik Philipps II. von Makedonien aufrief, haben in erster Linie seinen Ruhm als princeps oratorum (Cicero und Quintilian) begründet.
Die Veranstaltung soll den Teilnehmern Gelegenheit geben, durch gemeinsame Lektüre einiger politischer Reden Sprache und Stil des Demosthenes möglichst genau kennenzulernen.
Text:
Demosthenis orationes recognovit brevique adnotatione critica instruxit
S. H. Butcher, tom. I, Oxford 1903 (seither immer wieder nachgedruckt).
Sprach- und Stilübungen
[35209] Übersetzungskurs Deutsch-Griechisch Wolbergs
2st., Mi 14-16, PT 3.3.68 Beginn: 17.4.2002
Der Kurs ist für Kandidaten des Grund- und Haupstudiums (ab 1. Sem.) gedacht.
Schwerpunkte:
(1) Repetitorium der griechischen Morphologie (insoweit nötig) und Syntax;
(2) Häusliche Übersetzungen, die korrigiert und besprochen werden;
(3) Klausuren.
Zur Vorbereitung empfohlen:
Sorgfältige Lektüre einiger Reden des Lysias und/oder des
Demosthenes.
[35210] Übersetzungskurs Griechisch-Deutsch (II): Wacht
2st., Mo 8.30-10, PT 3.3.68 Beginn: 15.4.2002
Gelesen werden Texte verschiedener Autoren und Genera von mittlerem
Schwierigkeitsgrad. Angesprochen sind vornehmlich Studierende, die die
Zwischenprüfung absolviert haben.
Fachdidaktik
[35212] Der Griechischunterricht Nusser
2st., Mi 16 s.t. - 18; PT 3.3.68 Beginn: 17.4.2002
Folgende Themen werden behandelt:
- Probleme und Chancen des heutigen Griechischunterrichts
- Motivationsmöglichkeiten für das Fach Griechisch
- Ziele des griechischen Sprach- und Lektüreunterrichts
- der Lehrplan für Griechisch 9 - 13
- Aufbau einer Grammatikstunde
- Aufbau einer Lektürestunde
- Prüfungsaufgaben
Theorie und Praxis sollen sich auf eine im Rahmen der Veranstaltung durchführbare Weise ergänzen.
Literatur:
Fachlehrplan für Griechisch; Schulbücher für den griechischen
Sprachunterricht
Sprachkurse zur Vorbereitung auf das Graecum
[35213] Griechisch I für Philologen Wacht
6st., während des Semesters: Mo, Mi, Fr 12 s.t. – 13, W 116
Beginn: 2.4.2002
zusätzlich 2.4. – 12.4., 22.7. – 6.8.02, 9 s.t. - 10
[35214] Griechisch II für Theologen Wolbergs
6st., Blocksitzungen vor Vorlesungsbeginn (siehe Aushang)
Sprachkurse für Neugriechisch
[35215] Neugriechisch für Anfänger Müller
2st., Mi 18-20, Phys. 5.1.08 Beginn: 17.4.2002
Lektionen 1-8 des LBuchs "Griechisch Heute 1+1" von D. Dimitra und M. Papacheimona.
Vorkenntnisse oder Altgriechisch-Kenntnisse sind keine Voraussetzung.
[35216] Neugriechisch für Fortgeschrittene Müller
2st., Di 18-20, Phys. 5.1.08 Beginn: 16.4.2002
Lektionen 9-12 des Lbuchs "Griechisch Heute 1+1" von D.Dimitra und M.Papacheimona. Neben der Grammatik ist ein Teil der Unterrichtsstunden für Konversation reserviert.
Nach Vereinbarung wird für Fortgeschrittene mit guten Vorkenntnissen
ein Kurs in Konversation und Bearbeitung von Texten angeboten.
Vorlesungen
[35220] Lateinische Vorlesung: Beck
Theater in Rom
2st., Mi 10-12, H 8 Beginn: 17.4.2002
Welchen Stellenwert das Theater auch für den einfachen Römer gehabt hat, ist heute anhand der nur wenigen erhaltenen Stücke weniger Autoren kaum noch nachvollziehbar. Von spätantiken Sonderformen abgesehen, sind allein frühe, in griechischer Tradition stehende Komödien eines Plautus oder Terenz vollständig überliefert sowie Tragödien Senecas aus der Spätzeit dieser Gattung längst nach deren Blüte, als zumeist die bloße Rezitation an die Stelle echter Aufführungen getreten war. Daß es daneben noch eine Vielzahl anderer Bühnenformen gegeben hat, wird nurmehr durch Fragmente und verstreute Erwähnungen deutlich: u.a. Atellane, unterschiedliche Arten von Komödie und Tragödie (fabula palliata, togata, crepidata, praetexta, trabeata) und vor allem Mimus und Pantomimus, die schließlich sogar die klassischen Formen der Komödie und Tragödie verdrängen konnten - welch ein Ereignis, wenn ein Bathyllus die Leda tanzte (Juv.6,63)! Aus dem Theater kannte der Römer den Mythos, nicht unbedingt aus eigener Lektüre literarischer Texte. Den Lebensunterhalt zum Schreiben seiner Epen mußte sich ein Statius mit dem Verkauf von Mimen-Fabeln für die Bühne verdienen.
Ausgehend von den griechischen Voraussetzungen soll in der Vorlesung ein Überblick über das römische Theater von seinen ersten Anfängen im Jahr 240 v. Chr. bis in die Spätantike gegeben werden. Im Vordergrund werden natürlich die erhaltenen Texte stehen, doch auch dramentheoretische Äußerungen etwa eines Horaz und Fragen der Aufführungspraxis und Entwicklung römischer Theaterbauten (Vitruv) werden zu behandeln sein. Ein Ausblick auf Rezeption und Wiederentdeckung des lateinischen Dramas wird bis in die Renaissance führen.
Die Vorlesung wird begleitet von einem Tutorium, das sich speziell an Studierende im Grundstudium richtet (n.V., Näheres siehe Aushang). Verwiesen sei zudem auf das Lat. Proseminar Seneca, Phaedra.
Zur vorbereitenden Lektüre empfohlen sei der von E. Lefèvre
herausgegebene Sammelband 'Das römische Drama' (Darmstadt 1978).
[35001] Sprachwissenschaftliche Vorlesung: Klingenschmitt
Die Sprache Petrons
1st., Di 10-11, Raum siehe Aushang Beginn: 16.4.2002
Das Satiricon Petrons gehört der Zeit der silbernen Latinität
an. Die Merkmale der Sprache dieser Epoche treten in der Darstellung der
Rahmenhandlung und in den Gesprächen Gebildeter hervor. Von besonderem
Interesse ist jedoch, dass der Roman als einziger literarischer Text des
Lateinischen in den Freigelassenengesprächen Einblick in die Vulgärsprache
der Zeit gewährt. Mit den sprachlichen Besonderheiten des Satiricons
macht die Interpretation einzelner Textstücke vertraut.
Seminare und Übungen
[35225] Lateinisches Oberseminar (Neulatein): Beck
Carolus Porée, Brutus Tragoedia
2st., Mi 8.30-10, Dienstzimmer 3.3.74
Beginn: 17.4.2002
Die in der griechisch-römischen Antike hochgeschätzte und in der Tat überaus reizvolle Gattung der Tragödie bedarf gewiß keiner Empfehlung: Anstatt bloßer mythischer Erzählung und epischer Breite läßt sich in einem in sich geschlossenen Drama von überschaubarer Länge gleichsam miterleben, wie Leid und Affekte auf den Menschen wirken. Anders als den Gräzisten mit ihren immerhin 31 erhaltenen Stücken der großen drei, Aischylos, Sophokles und Euripides, stehen dem Latinisten jedoch leider nur 10 unter dem Namen Senecas überlieferte lateinische Tragödien zur Verfügung, von spätantiken Sonderformen abgesehen. Hat man Senecas Tragödien ausgelesen, liegt es folglich nahe, auf der Suche nach einem Ersatz in lateinischer Sprache in die Zeit der Renaissance zu wechseln.
In Fortführung des Oberseminars vom SS 2000 soll dieses Mal der ‚Brutus‘ des französischen Jesuiten Carolus Porée gelesen werden (1675-1741), eine ‚Praetexta‘ über den z.B. aus Livius gut bekannten L. Junius Brutus, den ersten römischen Konsul, der die Tarquinier ins Exil trieb. Das Seminar hat den Charakter eines Forschungskolloquiums und soll die Edition/Übersetzung vorbereiten.
Willkommen sind alle, die Freude an der Beschäftigung mit Dramen und bislang noch nicht übersetzten/kommentierten lateinischen Texten mitbringen, insbesondere fortgeschrittene Studierende des Hauptstudiums, die schon mindestens einen Hauptseminar-Schein erworben haben. (Bei Bedarf und entsprechend intensiver Mitarbeit [Referat/Seminararbeit] kann u.U. ein weiterer Hauptseminarschein ausgestellt werden. Im Vordergrund wird jedoch die gemeinsame Arbeit am Text stehen.) Ich bitte um persönliche Anmeldung bis 31.3.2002. Die behandelten Texte werden in Kopie zur Verfügung gestellt.
Zur Einführung:
L. Bradner: The Latin Drama of the Renaissance (1340 - 1640), Studies in the Renaissance 4 (1957), S. 31-70
W. Creizenach: Geschichte des neueren Dramas, 5 Bde., Halle 21911-1923
u. Nachdr.
[35226] Lateinisches Hauptseminar (Poesie): Beck
Ovid, Amores
2st., Fr 10-12, W 116 Beginn: 19.4.2002
Eigentlich hätte es ein Epos werden sollen, Hexameter wie üblich – so beteuert es Ovid einleitend. Es sei jedoch Cupido selbst gewesen, der ihm in jedem zweiten Vers einen Fuß genommen und damit die Gattung vorgegeben hat: Liebesdichtung, d.h. Liebeselegie nach dem Vorbild eines Tibull oder Properz, die Ovid in lasziv-spielerischer Weise übertrifft (Ovidius utroque lascivior, so Quint. inst. 10,1,93). Denn ganz der Liebe gelten seine ‚Amores‘ ohne die kallimacheisch-aitiologische Gelehrsamkeit eines Properz oder die bukolische Zurückgezogenheit eines Tibull. Und nicht nur von der Liebe zu einer, seiner Corinna, gibt sich Ovid bestimmt. Ob modesta, procax, aspera, docta, rustica, mollis, dura, (in-)culta, brevis, longa, candida, flava, nivea, nigra, oder wie sie auch beschaffen sein mag: Ovid liebt sie alle und muß immer lieben (2,4,10 centum sunt causae cur ego semper amem). Er gibt sich als Soldat in Amores Diensten. Er läßt uns Liebesglück und die Erfüllung miterleben ebenso wie seine verzweifelten Versuche, die Geliebte zu erreichen oder von ihr loszukommen. Er trauert z.B. über den Tod ihres Papageien, dichtet ihren Ring an, appelliert an ihren Wächter, klagt über Rivalen und ärgert sich über ihr Färben des Haars ...
Von ursprünglich fünf Büchern, Ovids offenbar erstem Werk wohl aus dem zweiten Jahrzehnt v. Chr., sind heute drei Bände erhalten, eine vom Dichter überarbeitete und gekürzte Auswahl als Neuauflage um oder nahe der Zeitenwende – 15, 19 und 15 Elegien, die es im Seminar gemeinsam zu besprechen gilt.
Textausgabe:
P. Ovidi Nasonis Amores, Medicamina ..., Ars, Remedia ..., ed. E.J. Kenney, Oxford (OCT) 1961
Zur Einführung:
S. Döpp: Werke Ovids, München 1992
N. Holzberg: Die römische Liebeselegie, Darmstadt 1990
[35227] Lateinisches Hauptseminar: Blößner
Griechische Philosophie in Rom
2st., Blocksitzungen unmittelbar nach Semesterende (10 Tage) Beginn/Raum:
siehe Aushang
Die Etablierung griechischer Philosophie in Rom ist ein Phänomen, dessen Bedeutung für die europäische Geistesgeschichte schwer zu überschätzen ist. Sie ist Teil der griechischen Akkulturation Roms und Teil jenes Prozesses, in dessen Verlauf die erste ‚abgeleitete Literatur‘ der Menschheit (von Albrecht), nämlich die römische entstand.
Das Hauptseminar verfolgt zwei Ziele, die sich ergänzen: Intendiert ist zum einen die systematische Erschließung der Gattung ‚Philosophie‘ in Rom: Alle wesentlichen Autoren und Texte, Inhalte und Fragestellungen sollen im Verlauf der Veranstaltung wenigstens zur Sprache kommen; die wichtigsten Autoren (z.B. Lukrez, Cicero, Seneca) werden eingehend behandelt. Intendiert ist zum anderen eine Auseinandersetzung mit der Frage, welche Folgen die Etablierung griechischer Philosophie in Rom für beide Seiten hatte: Wie beeinflusste griechische Philosophie Werte und Normen, Deutungen und Ideologien des römischen Staats und der römischen Gesellschaft? Und wie veränderten römischer Kontext und lateinische Sprache die Inhalte der Philosophie? Beides soll an ausgewählten Beispielen beleuchtet werden und könnte nicht nur für Latinisten, sondern auch für Gräzisten, Theologen und andere an der europäischen Geistesgeschichte Interessierte von Interesse sein. Gäste sind willkommen!
Der Erwerb eines Hauptseminarscheins erfolgt zu den in Regensburg üblichen
Konditionen (Referat plus Ausarbeitung, ca. 20 Seiten). Hinzu kommen Bedingungen,
die organisatorischen Notwendigkeiten geschuldet sind: a) Vorhandensein
einer Mailadresse und Fähigkeit, ein Word-Dokument zu erstellen; b)
verbindliche Anmeldung per e-Mail bis zum 1. April 2002 (Mail an:
bloessnr@zedat.fu-berlin.de
); c) Ausarbeitung und Übersendung des schriftlichen Referats per
Mail als Word-Datei bis spätestens Mitte Juni (gerne auch früher).
Unmittelbar nach Eingang der Anmeldungen übersende ich Ihnen eine
Liste denkbarer Referatthemen (Absprache möglich). Ihre Referate erhalten
Sie wenige Tage nach Eingang korrigiert mit meinen Änderungswünschen
zurück; Besprechungen per Mail, Telephon oder Chatroom.
[35228] Exkursionsseminar: Roma aeterna Beck
2st., Mi 19-21, H 7 Beginn: 17.4.2002
Das Forum Romanum mit den rostra und den beiden großen Bögen, Kapitol und Palatin, das Colosseum, Neros ‚goldenes Haus‘, die Ara Pacis, das Marcellus-Theater, die Trajanssäule, das Pantheon, der Vatican mit seinen unvergleichlichen Sammlungen und all die anderen Museen, die spanische Treppe, die Villen und Parks, die Kirchen Roms und all die vielen weiteren Schätze und Sehenswürdigkeiten – um Rom, die ‚ewige Stadt‘ zu lieben, braucht man kein Klassischer Philologe zu sein. Einst in weiser Voraussicht an zentraler Stelle auf den sieben Hügeln gegründet mit einem Zugang zum Meer über den Tiber (vgl. Cic. rep. 2), hat Rom bis heute auf gewiß jeden Besucher seine faszinierende, unvergessliche Wirkung ausüben können – die Geschichte, die Kunst so vieler Jahrhunderte, die hier zu bestaunen ist. Und dann das römische Leben: Cafés und Bars, die ungezwungene römische Art mit dem chaotischen Verkehr und den nie wirklich zu durchschauenden Öffnungsgewohnheiten der Museen!
Bei einer Exkursion im Oktober wollen wir all dies gemeinsam genießen und überdies nach Möglichkeit auch z.B. Ostia und die Villa Hadrians in Tivoli besuchen. Doch zuvor, zur Einstimmung und Vorbereitung wollen wir uns bereits in diesem Semester mit Rom befassen. Wir werden einschlägige lateinische Texte besprechen und uns die zentralen Bauten bildlich vor Augen führen.
Von den Exkursionsteilnehmern wird der Besuch des Seminars und die Bereitschaft zur Übernahme eines Referats erwartet. Interessierte Gäste sind – nach persönlicher Anmeldung – willkommen.
Zur Einführung:
F. Coarelli: Rom. Ein archäologischer Führer, Mainz 2000 (ursprünglich 1974, 1994)
B. Kytzler (Hrsg.): Roma aeterna, lat. und griech. Romdichtung von der Antike bis in die Gegenwart, Zürich 1972
B. Kytzler (Hrsg.): Rom als Idee, Darmstadt 1993
F.P. Waiblinger (Hrsg.): Rom. Ein literarischer Reiseführer, Darmstadt
2000
[35229] Lateinisches Proseminar (Prosa): Wacht
Sallust, bellum Iugurthinum
2st., Di 8.30-10, PT 1.0.7 Beginn: 16.4.2002
Sallusts historische Monographie zum Krieg mit dem numidischen König Jugurtha ist (neben der Coniuratio Catilinae) die erste ihrer Art, die uns von der römischen Geschichtsschreibung erhalten ist. Die Themenwahl ist, anders als der Titel zunächst vermuten läßt, durch innenpolitische Ziele und Geschichtsbild motiviert. Der Historiker betrachtet das Kriegsgeschehen in Nordafrika in Zusammenhang mit dem Parteienkampf in Rom, veranschaulicht so den politisch-moralischen Verfall des römischen Staates, insbes. der Nobilität. – Der Nachdruck der Seminararbeit liegt auf Textlektüre und –interpretation. Dabei kommen selbstverständlich Prinzipien und Darstellungsmittel (Proömium, Rede, Charakteristiken etc.) der antiken Historiographie zur Sprache.
Persönliche Anmeldung erwünscht; Referatthemen etwa ab Anfang
März.
Text:
C. Sallusti Crispi Catilina, Iugurtha, Histor. fragm. sel., Appendix Sallustiana rec. L.D. Reynolds, Oxford 1991 (OCT) oder: C. Sallusti Crispi Catilina, Iugurtha, Fragmenta ampliora ed. A. Kurfeß, Stuttgart/Leipzig 1971 (3 1957), (Teubner)
Kommentar:
C. Sallustius Crispus, Bellum Iugurthinum erl. u. m. Einl. vers. v. E. Köstermann, Heidelberg 1971
Zur Einführung:
R. Syme, Sallust Darmstadt 1975
St. Schmal, Sallust (Olms Studienbücher Antike 8),
Hildesheim 2001
[35230] Lateinisches Proseminar: Janka
Seneca, Phaedra
2st., Do 12.30-14, W 116 Beginn: 18.4.2002
Den Skandal um Phaidras ehebrecherische Liebe zu ihrem keuschen Stiefsohn Hippolytos, die nach schmählicher Abweisung in tödliche Verleumdung des Geliebten, Selbstmord und Täuschung des hintergangenen Gatten Theseus umschlägt, haben Dramatiker seit der griechischen Klassik in zahlreichen Spielarten auf die tragische Bühne gebracht.
Die nachhaltigste Wirkung war dem Bekränzten Hippolytos des Euripides (428 v. Chr.) und eben der lateinischen Phaedra-Tragödie beschieden, die als Werk des L.Annaeus Seneca aus dem ersten nachchristlichen Jh. gilt und etwa die Phèdre (1677) von Jean Racine (1639-1699) stark beeinflußt hat.
Den Beitrag des stoisch geprägten Dichter-Philosophen Seneca zu dem großen tragischen Diskurs um die tödliche ,Liebeskrankheit‘ einer eigentlich besonnenen Frau kennenzulernen und zu ergründen, ist Ziel des Seminars. Denn die Qualität der unter Senecas Namen laufenden tragoediae ist höchst umstritten, ihre Wertschätzung unterliegt starken ,konjunkturellen‘ Schwankungen: Auf reichste Rezeption in Renaissance und Barock folgt krasse Abwertung durch die Klassizisten (etwa als "sehr späte Aftergeburten des Altertums" im Verdikt August Wilhelm Schlegels). Erst im 20. Jh. begann man den in Denken und Stil betont anti-klassischen ,Modernisten‘ Seneca auch als Dramatiker wiederzuentdecken und gerechter zu würdigen. Dennoch bleibt bis heute eine wichtige Frage: Waren seine Tragödien traditionsfixierte Rezitationsetüden aus der und für die Rhetorenschule oder originelle und philosophisch aufgeladene Versuche der Neugewinnung klassischer Stoffe für die tragische Bühne der neronischen Zeit?
Diesen und ähnlichen Fragen werden wir bei der genauen Lektüre und Interpretation des Stückes im Seminar nachspüren.
Dabei werden Sprache, Metrik, Szenenaufbau, Handlungsstruktur, Figurenzeichnung, Ästhetik, Tragik und philosophischer Gehalt, aber auch Datierung und Textgestaltung thematisiert. Exkurse zum antiken Theaterwesen (Entstehung und Bühnenpraxis des Dramas in Griechenland und Rom) sowie zum Fortwirken der Gattung in der späteren europäischen Literatur runden das Kursprogramm ab.
Text:
L. Annaei Senecae Tragoediae, rec. Otto Zwierlein, Oxford 1986 u. ö. (OCT): Bitte kaufen!
Zur Einführung: Eckard Lefèvre (Hrsg.), Senecas Tragödien,
Darmstadt 1972 (WdF 310).
[35015] Sprachwissenschaftliches Proseminar: Schaffner
Lateinische Inschriften der Kaiserzeit
2st., Mi 12-14, R 009 Beginn: 17.4.2002
Die Überlieferung des Lateinischen beginnt im 7. bzw. 6. Jh. v. Chr. mit Inschriften. Ihre Anzahl wächst mit zunehmender Machtausdehnung Roms in Italien und im Mittelmeerraum stetig an und erreicht gegen Ende der Kaiserzeit einen gewaltigen Umfang. Als authentische und meist datierbare Zeugnisse auf dauerhaftem Material geben Inschriften wertvolle Aufschlüsse über sprachliche Zustände und Entwicklungen des Lateinischen, die der kodikalen Tradition nur schwer abzugewinnen wären. Zudem behandeln sie oft Bereiche des antiken Lebens, die von der Literatur kaum oder nicht berührt werden.
In der Lehrveranstaltung soll zunächst eine Einführung in die lateinische Epigraphik vorgenommen und ein kurzer Überblick über die für die Kenntnis des Früh- und Altlateinischen wichtigsten Inschriften geboten werden. Im Mittelpunkt steht dann die sprachhistorische und philologische Interpretation ausgewählter Inschriften der Kaiserzeit. Als Schwerpunkt geplant ist die Lektüre ausgewählter Passagen aus dem Monumentum Ancyranum, einer 1555 gefundenen Abschrift des Leistungsberichts des Augustus (index rerum gestarum, Suet, Aug. 101,4). Im Anschluß sollen dann noch einige neugefundene Inschriften der Kaiserzeit behandelt werden.
Interessenten mögen sich in die Anfang März 2002 aushängende Teilnehmerliste (PT 3.3.83) eintragen. Als Leistungsnachweis für den Seminarschein wird die Übernahme eines Referates mit Seminararbeit und eine erfolgreich bestandene Klausur am Ende des Semesters erwartet.
Zur Einführung und begleitenden Lektüre empfohlen:
Ernst Meyer, Einführung in die lateinische Epigraphik, Darmstadt 1973
Hans Volkmann, Res gestae divi Augusti. Das Monumentum Ancyranum, Berlin
31969
[35231] Textüberlieferung und das römische Bibliothekswesen
Lorenz
1st., Fr 16-18 (14-tägig), PT 1.0.3 Beginn: 19.4.2002
Das Verständnis von der Kontinuierlichkeit der Antike behindert oft den Blick auf die Länge der Zeiträume, um die es hier geht. So war beispielsweise Plautus bereits für Tacitus ein jahrhundertealter Klassiker, geschweige denn für die Zeitgenossen in der Spätantike.
Der Bewahrung und Überlieferung von Texten kam daher große Bedeutung zu und gab den – öffentlichen und privaten – Bibliotheken als Textlieferanten eine ihrer wichtigen Aufgaben. Es ist daher angemessen und hilfreich, den Bibliotheken als Trägern der Textüberlieferung und als Angebot an die Leser, aber auch als Teil öffentlicher Bauwerke und öffentlichen Gestaltens einige Aufmerksamkeit zu widmen. Zugleich haben – in deutlichem Kontrast zu unserer Situation – auch die römischen Privatbibliotheken einen wichtigen Anteil an der Literaturversorgung.
Ziel der Veranstaltung ist somit die Skizzierung des – meist zweisprachigen, lateinischen und griechischen – Bibliothekswesens Roms und der Provinzen nach Bau, Verwaltung und Benutzung sowie ihre Einordnung in die römische Kultur.
Grundlage dafür bilden Klassikertexte wie Vitruv, de architectura VI 4,5,7; Cicero, epist. ad Atticum I; Seneca, de tranquillitate animi IX und Martial I,66, VII,17, IX prooem., XIV 188-192.
Zugleich erfolgt eine Einführung in die umfangreiche, aber ziemlich verstreute Literatur zum römischen Buch- und Bibliothekswesen.
Vorbereitende Literatur:
Blanck, Horst: Das Buch in der Antike. München 1992
Mazal, Otto: Griechisch-römische Antike. Graz 1999 (Geschichte
der Buchkultur, 1)
[35232] Interpretationsübung (Poesie) Janka
2st., Do 18-20, H
5 Beginn: 18.4.2002
Obwohl interpretari im Sinne von "verstehend lesen" und "den Sinn des Verstandenen erklären" zum täglichen Geschäft des Philologen gehört, herrscht gerade mit Blick auf die Interpretationsklausur des Staatsexamens oft Unsicherheit. Nicht selten hört man Fragen wie "Was genau heißt ,Interpretieren Sie...‘?".
Diesen Problemen will die Lehrveranstaltung durch möglichst reichhaltige Interpretationspraxis begegnen: Durch gemeinsame Interpretation von (etwa examenslangen) poetischen Texten aus verschiedenen Epochen – das Spektrum reicht diesmal von den ,Neoterikern‘ bis zur ,Silbernen‘ Latinität – und Gattungen (Lyrik, Elegie, Epos, Drama) der römischen Literatur werden wir Techniken und Regeln des Interpretierens erarbeiten und einüben.
Arbeitsteilig erfolgen ‘Präparation’ (Sammeln und Ordnen von ‘Vorwissen’ zu Autoren und Werken) sowie ‘Nachbereitung’ zur Ergebnissicherung in Form von Interpretationsprotokollen.
Auf Wunsch kann der ‘Ernstfall’ in einer Interpretationsklausur unter Examensbedingungen simuliert werden.
Zur Vorbereitung in den Semesterferien sei auf die Hinweise und Interpretationsbeispiele in unseren Internet-Materialien verwiesen:
http://www.uni-regensburg.de/Fakultaeten/phil_Fak_IV/Klass_Phil/Rialtstart.htm#Rialtstart
Lektüre
[35233] Lateinische Lektüre (Prosa): Fiedler
Cicero, Verres-Reden
2st., Mi 17-19, Physik
5.1.03 Beginn: 17.4.2002
Die Verrinen stellen in Ciceros Laufbahn als orator eine Ausnahme in doppelter Hinsicht dar: Im Geburtsjahr Vergils übernahm der noch junge Anwalt für die Provinz Sizilien auf Bitten der Einwohner zum ersten und einzigen Male eine Anklage (de repetundis), und zwar die von C. Verres, der – sicher nicht als einziger seiner Zeit – während seiner Amtszeit als propraetor seine Schutzbefohlenen hatte ausbluten lassen. Während andere Reden in der Regel nachträgliche Fixierungen tatsächlich gehaltener actiones sind, handelt es sich bei den Verres-Reden (mit Ausnahme der diuinatio in Caecilium und der actio prima) um die rein literarische Zusammenstellung der Schandtaten des Angeklagten unter thematischen Gesichtspunkten, da Verres es vorgezogen hatte, vor Beginn der eigentlichen Verhandlung freiwillig in die Verbannung zu gehen. Die außergewöhnliche Brutalität und Schonungslosigkeit des Verres erlauben es Cicero, in diesen Reden sein ganzes narratives Können unter Beweis zu stellen: "Sie enthalten wahre Perlen lateinischer Erzählkunst." (von Albrecht, S. 418)
Da die orationes in C. Verrem Lektürestoff an bayerischen Gymnasien sind (10. Jahrgangsstufe), erübrigt sich eine Begründung des Lektürekurses schon wegen der nicht selten geforderten "Praxisnähe" für Lehramtsstudierende. Gleichwohl sollte die Freude an den ungewöhnlichen Geschichten von Kunstraub und Skrupellosigkeit eines römischen Individuums ohnehin Anreiz genug sein, sich mit ihnen auseinanderzusetzen (so manche Parallele in der Moderne trägt nicht zuletzt zur unverminderten Aktualität des Textes bei).
Als Einführung vor der ersten Sitzung ist in jedem Falle zu lesen:
von Albrecht, Michael, Geschichte der römischen Literatur, Bd. I, S. 391-398 und 414-446
Wer sich darüber hinaus zugleich fundiert und unterhaltsam über Cicero informieren möchte, dem sei folgendes Buch empfohlen:
Giebel, Marion, Marcus Tullius Cicero, Rowohlt 1977 (rororo)
Wer an Cicero mehr die politische Seite entdecken möchte, der kann auch lesen:
Fuhrmann, Manfred, Cicero und die römische Republik, München
/ Zürich 1992
[35234] Lateinische Lektüre (Poesie): Blusch
Tibull
2st., Mi 12-14, PT 1.0.7 Beginn: 17.4.2002
Elegia quoque Graecos provocamus, cuius mihi tersus atque elegans maxime videtur auctor Tibullus. Sunt qui Propertium malint. Ovidius utroque lascivior, sicut durior Gallus. Dies die (bzw. eine erste) Orientierungshilfe, die uns Quintilian (inst. or. X 1, 93) im Hinblick auf das Phänomen "Römische Liebeselegie" bzw. deren Vertreter zuteil werden läßt. Man sieht: Quintilian gibt Tibull den Vorzug, wohl unter dem eher speziellen Blickpunkt eines Lehrers der Beredsamkeit, was uns allerdings nicht daran hindern soll, weitere Vorzüglichkeiten dieses Dichters zu entdecken; Stichworte: Tibull als ein "Meister der raffinierten Schlichtheit" (M. v. Albrecht), sensibel, friedliebend, auch ‘gemütlich’, heiter bis (zuweilen) melancholisch usw. - Im übrigen: die Lektüre des einen oder anderen kürzeren Gedichts aus dem Corpus Tibullianum soll durch diese Ankündigung nicht von vornherein ausgeschlossen sein.
Text:
In jedem Fall eine wissenschaftliche Ausgabe
[35235] Lateinische Lektüre (Neulatein): Blusch
Erasmus, Stultitiae laus
1st., Mi 14-15, PT
3.3.88
Achtung Satire! Das "Lob der Torheit" des Erasmus steht in der Tradition der antiken Laudes-Literatur, genauer: in der Tradition der sogenannten ironischen Enkomien. Ein solches Enkomion diente, verkürzt gesagt, einerseits der Belustigung, andererseits der Demonstration der eigenen Kunstfertigkeit (bei mehr oder weniger nonsens-artiger Thematik). Die Grundkonstellation ist in der Regel so, daß ein Subjekt, also ein kunstbesessener Redner, ein eher minderwertiges Objekt (wie z.B. Kahlheit, Haupthaar, Tontöpfe, Mäuse und Fliegen) mit allem nur erdenklichen rhetorischen Aufwand zu kolossaler Bedeutung emporzustilisieren versucht. Ein solches Objekt ist natürlich auch die Torheit. Allerdings stoßen wir bei Erasmus auf etwas, auf das in der ganzen Antike m.W. niemand gekommen ist: Erasmus läßt nicht irgendeinen externen Redner auftreten, um das Lob der Torheit zu singen, sondern der zu preisende "Unwert", die Stultia, tritt selber als Person auf, um die Torheit und damit sich selber zu loben. Subjekt und Objekt sind eine und dieselbe Sache bzw. Person. Die traditionelle Lobrede wird so zum dick aufgetragenen Eigenlob, zur "reflexiven Lobrede". Dies mit vielfältigen (vergnüglichen) Implikationen, insbesondere auch logischen Irritationen: Da die Torheit ihrem Wesen gemäß Törichtes äußert und gelegentlich auch noch darauf besteht, daß das eben Gesagte sehr töricht sei, ist dies dann wiederum töricht oder aber, weil die Torheit es als töricht bezeichnet, per Aufhebung in Wirklichkeit etwas ganz Kluges??
Interessenten mögen bitte ab sofort bei mir vorsprechen (u.a. wg.
Terminplanung - ggf. 2st., 14tgl.?). Texte werden in kopierter Form (gegen
Entgelt) zur Verfügung gestellt.
Sprach- und Stilübungen
[35240] Klausurenkurs für Examenskandidaten Blusch
2st., Do 12-14, W 113 Beginn:18.4.2002
Diese Übung ist ausschließlich für Examenskandidaten gedacht und soll die eigene häusliche Vorbereitung auf die beiden Übersetzungsklausuren begleitend unterstützen. Jeweils im Wechsel werden dt.-lat. und lat.-dt. Klausuren auf Examensniveau geschrieben und besprochen.
Als reguläre Teilnehmer mit Korrekturanspruch zugelassen sind Studierende,
die mindestens einen Sprachübungsschein der Oberstufe erworben und
sich bereits für das Examen angemeldet haben oder sich im SS 2002
anmelden werden.
[35241] Übersetzungskurs Latein-Deutsch (Oberstufe) Wolbergs
2st., Mi 16-18, PT 1.0.3 Beginn: 17.4.2002
Die Übung ist zur Vorbereitung auf die Examensklausur und die mündliche
Examensprüfung gedacht. Texte verschiedener Gattungen und Epochen
werden teils nach häuslicher Vorbereitung, teils als mündliche
ad-hoc-Übersetzungen oder auch in Form von Übungsklausuren bearbeitet.
Anfallende Fragen grammatischer, und, soweit in diesem Rahmen möglich,
auch inhaltlicher Art werden besprochen.
[35242] Übersetzungskurs Deutsch-Latein (Oberstufe) Wolbergs
2st., Di 16-18, PT 1.0.3 Beginn: 16.4.2002
Diese Übung dient gezielt der Vorbereitung auf das dt.-lat. Staatsexamen. Als Hausaufgaben, Klausuren und in gemeinsamer Arbeit in den Sitzungen selbst werden Paraphrasen von Originaltexten aus dem Bereich Rhetorik, Staatswesen, Recht, Wissenschaft ins Lateinische zu übersetzen sein. Grammatische Phänomene (vor allem der Syntax) und schwierige Konstruktionen werden wiederholt bzw. besprochen und eingeübt. Die Konzentration auf eine bestimmte Thematik soll zur Erarbeitung einer themenbezogenen Phraseologie anleiten. (Ein weiterer Oberkurs wird im nächsten Semester die Themenbereiche Kriegswesen, Geschichtsschreibung, Philosophie abdecken).
Teilnahmevoraussetzung:
Erfolgreicher Besuch der dt.-lat. Sprachübungen Mittelstufe.
[35243] Übersetzungskurs Latein-Deutsch (Mittelstufe) Blusch
2st., Di 12-14, PT 1.0.7 Beginn: 16.4.2002
Diese Übung stellt in erster Linie eine zusätzliche Möglichkeit der Vorbereitung auf die lateinisch-deutsche Übersetzungsscheinklausur (Zwischenprüfung) dar; die eigenverantwortliche Vorbereitung auf diese Prüfung (nämlich möglichst intensive Lektüre im angegebenen Textcorpus) kann der Kurs aber keinesfalls ersetzen.
Doch werden wir anhand von Texten, die aus dem relevanten Corpus stammen, Übersetzungstechniken üben und unsere Kenntnisse auf jenen Gebieten festigen, die im Fragenteil der o.g. Klausur im Mittelpunkt stehen: Metrik, sprachliche und stilistische Merkmale, Editionstechnik und Textkritik.
Neben der mündlichen Diskussion, in der wir regelmäßig
Übersetzungsmöglichkeiten erarbeiten und dabei auftretende Fragen
klären wollen, soll es auch Gelegenheit zu Übungsklausuren geben,
in denen die Teilnehmer sich testen können.
[35244] Übersetzungskurs Deutsch-Latein (Mittelstufe) Blusch
2st., Fr 12-14, PT 1.0.7 Beginn: 19.4.2002
Diese Übung baut auf den deutsch-lateinischen Unterkursen auf.
Im Plenum werden mittelschwere zusammenhängende Texte ins Lateinische
übersetzt. Neben den Problemen der Syntax, die zu besprechen sein
werden, sollen - auch anhand exemplarischer Einzelsätze - zum einen
die Kenntnis der lateinischen Phraseologie und Synonymik gefestigt, zum
anderen Grundfragen der lateinischen Stilistik behandelt werden; den Schwerpunkt
hierbei wird der im Deutschen und Lateinischen unterschiedliche Gebrauch
der Wortarten und der syntaktischen Strukturen bilden.
[35245] Übersetzungskurs Latein-Deutsch (Unterstufe) Wolbergs
2st., Mo 16-18, W 116 Beginn: 15.4.2002
Die Übung ist speziell für Studienanfänger gedacht und sollte möglichst im ersten Semester besucht werden. Besprochen werden die wichtigsten Erscheinungen der lateinischen Syntax, und zwar (1.) anhand lateinischer Einzelsätze und (2.) im Rahmen der Lektüre einiger zusammenhängender Partien aus einer Rede Ciceros. Kenntnisse in der Formen- und Kasuslehre sollen dazu parallel nach vorgegebenem Plan in häuslicher Arbeit aufgefrischt werden; sie werden in Kurzklausuren regelmäßig überprüft.
Aufgrund nicht vom Institut zu verantwortender Stellenstreichungen kann diese Veranstaltung nicht mehr in der bisher üblichen Weise als 6st. Grammatik- und Übersetzungskurs durchgeführt werden. Der gemäß Studienordnung für die Zwischenprüfung notwendige Schein wird stattdessen für den Besuch der Unterkurse Lat.-Dt., Dt.-Lat. (je 2st.) und den Nachweis der erfolgreichen Teilnahme an einem Lektürekurs (2st.) ausgestellt.
Ein Textheft mit lateinischen Einzelsätzen ist ab Mitte April bei mir erhältlich.
Texausgabe der Rede Ciceros:
M. Tulli Ciceronis orationes recognovit brevique adnotatione critica instruxit A. C. Clark, tom. I, Oxford 1905 (seither immer wieder nachgedruckt).
Dazu zur Anschaffung dringend empfohlen:
H. Rubenbauer-J. B. Hofmann, Lateinische Grammatik, neubearbeitet von
R. Heine, Bamberg/München 121995.
[35246] Übersetzungskurs Deutsch-Latein (Unterstufe) Blusch
2st., Di 14-16, PT 1.0.7 Beginn: 16.4.2002
Der Übung zugrunde gelegt wird ein Textheft mit (dt. Einzel-)Sätzen, die im wesentlichen die lateinische Syntax abdecken. Da möglicherweise nicht alle Teilnehmer den Unterkurs des letzten Semesters absolviert haben, würde ich gleichwohl bestimmte Voraussetzungen gerne erfüllt sehen, d.h. ich erwarte eine möglichst solide Kenntnis der Laut-, Wortbildungs- und Formenlehre sowie gute Vokalbelkenntnisse. Es empfiehlt sich, mit der ggf. notwendigen Auffrischung der angesprochenen Kenntnisse gleich in den Semesterferien zu beginnen. Das Textheft kann gegen Unkostenerstattung jederzeit bei mir (zwischen Mitte Februar und Mitte März im Sekretariat) bezogen werden.
Dazu zur Anschaffung dringend empfohlen:
H. Rubenbauer-J. B. Hofmann, Lateinische Grammatik, neubearbeitet von
R. Heine, Bamberg/München 121995.
Fachdidaktische Veranstaltung
[35247] Übersetzen, erschließen, interpretieren – die
zentralen Aufgaben Utz
des Lateinunterrichts
2st., Mo 16 s.t.-19 (14-tägig, bitte Aushang beachten!),
Phys. 5.1.08 Beginn: vorauss. 15.4.2002
Nach der üblichen grundsätzlichen Einführung geht es um das Übersetzen, Erschließen und Interpretieren lateinischer Texte im Sprach- und Lektüreunterricht, in der Theorie und in der unterrichtlichen Praxis. Es handelt sich dabei um zentrale Aufgaben des Lateinunterrichts, die zugleich die wesentlichen Fachleistungen repräsentieren. Behandelt werden wichtige didaktische Ansätze sowie die Umsetzung in konkreten Beispielen.
Ein detaillierter Arbeitsplan wird in der 1. Sitzung vorgelegt.
Sprachkurse zur Vorbereitung auf das Latinum
[35250] Latein II (Parallelkurs A) Blusch
6st., Mo-Fr 12 s.t. - 13, Blocksitzungen vor Vorlesungsbeginn
Beginn/Raum: siehe Aushang
[35251] Latein II (Parallelkurs B) Wacht
6st., Mo-Fr 12 s.t. - 13, Blocksitzungen vor Vorlesungsbeginn
Beginn/Raum: siehe Aushang
Sprachkurs für Italienisch
[35253] Italienisch II Fajen
2st., nach Vereinbarung Beginn/Raum: siehe Aushang
Dieser Kurs steht allen Studenten offen, und jeder ist willkommen!