Griechische Philologie - Lateinische
Philologie
Vorlesungen
[35200] Griechische Vorlesung: Rechenauer
Die griechische Geschichtsschreibung von ihren Anfängen bis
Polybios
2st., Di 16-18, PT 1.0.7 Beginn: 16.10.2001
Die Anfänge dessen, was im europäischen Denken bis heute unter Geschichtsschreibung verstanden wird, sind in grundlegender Weise von den Griechen gestaltet worden. Fortan war jede Form von Geschichtsschreibung direkt oder indirekt dem Vorbild der Griechen verpflichtet. Neben Herodot, dem "Vater der Geschichtsschreibung" (pater historiae), wie ihn Cicero (De legibus I 1,5) genannt hat, war es v.a. Thukydides, der mit seiner Darstellung des peloponnesischen Krieges die politische Geschichtsschreibung begründet und damit die moderne Auffassung von Historiographie entscheidend mitgeprägt hat. Aber das geschichtliche Geschehen wurde bei den Griechen auch noch mit anderen Darstellungsschwerpunkten eingefangen, beispielsweise einer rhetorischen, einer tragischen oder einer pragmatischen Ausrichtung, wie man sie bei Polybios findet.
Will man den Wurzeln dieses Phänomens nachspüren, muß man freilich weiter als bis Herodot zurückgehen: Schon Jahrzehnte vor ihm sind bei den Griechen Prosaschriften entstanden, die sich mit Teilbereichen der Historiographie (Mythologie als historischer Raum, Geographie, Ethnographie) beschäftigten und methodische Grundsätze entwickelten, die für die spätere Geschichtsschreibung maßgeblich wurden.
Diese Vorlesung will mit den Vorformen, den einzelnen Entwicklungsstufen der griechischen Geschichtsschreibung und deren bedeutendsten Vertretern vertraut machen und dabei ein Bild von der Breite dieses Spektrums vermitteln. Besonderes Gewicht wird dabei auf Methodenbewußtsein und Darstellungsintention der jeweiligen Autoren gelegt werden.
Zur Einführung empfohlen:
M. Grant, Klassiker der antiken Geschichtschreibung, München 1973 (The Ancient Historians, London 1970)
A. Momigliano, Die Geschichtsschreibung, in: E. Vogt (Hrsg.): Griechische Literaturgeschichte, Wiesbaden 1981, 305-336
K. Meister, Die griechische Geschichtsschreibung. Von den Anfängen bis zum Ende des Hellenismus, Stuttgart 1990
O. Lendle, Einführung in die griechische Geschichtsschreibung.
Von Hekataios bis Zosimos, Darmstadt 1992
[35000] Sprachwissenschaftliche Vorlesung: Klingenschmitt
Sprachwissenschaftliche Kommentierung von attischen Texten
1st., Di 11-12, R 005 Beginn: 16.10.2001
Die Veranstaltung beginnt mit einer kurzen Darstellung der charakteristischen
Merkmale des Attischen im Vergleich zu dem innerhalb des Griechischen nächstverwandten
Ionischen und zum Urgriechischen (der gemeinsamen einheitlichen Vorstufe
der griechischen Dialekte). In der Folge wird eine sprachwissenschaftliche
Interpretation ausgewählter Textzeugnisse der attischen Prosa vorgenommen.
Im Mittelpunkt des Interesses steht dabei die Sprache der Literaturdenkmäler
(z.B. Thukydides, die pseudoxenophontische Schrift über den Staat
der Athener, Lysias, Platon, Xenophon, Demosthenes).
Seminare und Übungen
[35201] Griechisches Hauptseminar: Rechenauer
Aristoteles, Metaphysik
2st., Do 14-16, PT 3.3.66 Beginn: 18.10.2001
Aristoteles hat in den 14 Büchern seiner Metaphysik diejenigen Inhalte behandelt, die er als die "erste Philosophie" verstand. Die Einordnung als "erste" begriff er dabei im Sinne eines der Natur nach Ersten, das allerdings für den Menschen als höchste Form des Wissens erst zuletzt erkennbar wird, während ihm das der Natur nach Spätere – wie beispielsweise der physikalische Aufbau des Kosmos – früher kenntlich wird. Dementsprechend war die Metaphysik nach späterer peripatetischer Tradition im Stufengang der Lehre "nach der Physik" (metá ta physiká) zu behandeln. In diesen Büchern finden die zentralen Fragen nach dem Wesen und den Prinzipien des Seins Behandlung, so die vier Ursachen des Seienden, die Relationen des Seienden als Vermögen und Verwirklichung, das Verhältnis von Stoff und Form, das Problem des ersten Bewegenden usw.
In der Interpretation sollen die methodischen Verfahrensweisen sowie die historischen und sachlichen Voraussetzungen des aristotelischen Denkens analysiert werden. Besondere Beachtung verdient dabei die Frage nach der Entstehung und Funktion einer philosophiegeschichtlichen Reflexion auf die Denkansätze früherer Denker. Hierbei sind auch Anspruch und Grenzen des Versuchs einer Erfassung und Aufhebung alles zuvor Gedachten in der aristotelischen Teleologie zu diskutieren.
Empfohlene Textausgabe und Hilfsmittel:
Aristotelis Metaphysica, recognovit brevique adnotatione critica instruxit W. Jaeger, Oxford 1957 u. ö.
W.D. Ross, Aristotle’s Metaphysics, with introduction and commentary, 2 Bde., Oxford 21958
F.-P. Hager (Hrsg.), Metaphysik und Theologie des Aristoteles, Darmstadt
1969
[35202] Griechisches Proseminar (auch für Latinisten): Rechenauer
Politische Theorie und Staatsdenken der Antike
2st., Do 10-12, ZH 1 Beginn: 18.10.2001
Die philosophische Theorie der Politik hat ihren Ursprung im Denken der griechischen Klassik. Dort wurde erstmals nach dem Wesen und den Grundproblemen des menschlichen Zusammenlebens in größeren, auf Dauer angelegten Gemeinschaften gefragt. Der Horizont umfaßte dabei vor allem die Probleme von Ursprung, Wandel und Untergang politisch-staatlicher Organisationsformen. Kennzeichnend für das antike politische Denken ist, daß es vorzugsweise um den Begriff des Idealstaates kreist. Insofern sind die dort aufgeworfenen Fragestellungen nach der besten politisch-gesellschaftlichen Lebensform auch für das abendländische Denken von exemplarisch-paradigmatischer Bedeutung geworden.
In dieser Veranstaltung soll ein Überblick gegeben werden über die wesentlichen Ausformungen der Theorien von Staat und Gesellschaft in der Antike, soweit sie in literarischen Texten Niederschlag gefunden haben. Das Spektrum der zu behandelnden Quellen erstreckt sich dabei von mythologischen Vorläuferformen im Epos über die Anschauungen in der politischen Elegie (Tyrtaios, Solon), der Historiographie (Herodot, Thukydides) sowie besonders in der Sophistik bis hin zu den klassischen Staatsschriften Platons (Politeia, Nomoi) und des Aristoteles (Politik). Ergänzend soll hierzu ein Blick auf die römische Staatstheorie bei Cicero (De re publica, De legibus) treten.
Empfohlene Literatur:
P. Weber-Schäfer, Einführung in die antike politische Theorie, 2 Bde., Darmstadt 1976
A. Demandt, Der Idealstaat. Die politischen Theorien der Antike, Köln-Weimar-Wien
32000
[35229] Übung zur antiken Mythologie Janka
2st., Do 16-18, H 9 Beginn: 18.10.2001
[35230] Einführung in das Studium der Klassischen Philologie
Beck
2st., Fr 8.30-10, H 6 Beginn: 19.10.2001
Lektüre
[35206] Griechische Lektüre (Prosa) Rechenauer
Thukydides
2st., Di 18-20, PT 3.3.66 Beginn: 16.10.2001
Thukydides hat mit seiner Darstellung des peloponnesischen Krieges die griechische Geschichtsschreibung bereits in ihrer Anfangsphase auf einen unüberbietbaren Höhepunkt geführt und Maßstäbe gesetzt, an denen sich jede weitere Historiographie - nicht nur in der Antike - zu orientieren hatte. Was sein Geschichtswerk grundlegend auszeichnet und diesem einen regelrecht modernen Wesenszug verleiht, ist die Überzeugung von der Autonomie des Politischen. Thukydides sieht das historisch-politische Geschehen nicht durch die Einflüsse einer metaphysischen Pragmatik gesteuert, sondern von einer streng naturimmanenten Kausalität bestimmt, deren Faktoren hauptsächlich in festen Wesenszügen der menschlichen Natur gründen. Entsprechend kann auch die Anwendung ethischer Kategorien kein zuverlässiges Regulativ politischer Prozesse sein. Mit dieser rationalistischen Sicht des Politischen verbindet sich ein klares Methodenbewußtsein hinsichtlich der Möglichkeiten der Erforschung historischer Wahrheit sowie ein dezidierter Anspruch von exemplarischer Allgemeingültigkeit der eigenen Darstellung.
Die Veranstaltung will anhand der Lektüre ausgewählter Partien einen Überblick über das Geschichtswerk geben und die Grundstrukturen von Thukydides’ politischem Denken einsichtig machen.
Empfohlene Textausgabe:
Thucydidis historiae, recognovit brevique adnotatione critica instruxit H. S. Jones, apparatum criticum correxit et auxit J. E. Powell, Oxford 1942 (seither immer nachgedruckt).
Zur weiteren Orientierung:
O. Luschnat, Thukydides der Historiker, in: RE Suppl. XII (1970), 1085-1354
(auch als Sonderausgabe München 1978)
[35207] Griechische Lektüre (Poesie): Bernek
Sophokles, Oidipus auf Kolonos
2st., Mi 16-18, PT 3.3.68 Beginn: 17.10.2001
Der Oidipus auf Kolonos kann in zweifacher Hinsicht als Markstein einer Epochengrenze verstanden werden. Zum einen handelt es sich um das letzte (postum aufgeführte) Werk des Sophokles, mit dessen Tod im Jahre 405 das Dreigestirn der großen Tragiker erlosch und die Blütezeit der attischen Tragödie ihr Ende fand. Zum anderen entstand das Stück in der Endphase des Peloponnesischen Krieges, im Schatten der sich anbahnenden Katastrophe, die nur etwa ein Jahr nach Sophokles’ Tod das Ende der athenischen Vormachtstellung in Griechenland besiegeln sollte.
In dieser Endzeit, über zwanzig Jahre nach seinem berühmten Oidipus Tyrannos, wendet sich Sophokles noch einmal seinem tragischen Helden par excellence zu, äußert sich noch einmal zur condicio humana im Kräftespiel göttlichen Wirkens. Dem Abstieg des glanzvollen Königs zum geblendeten Bettler setzt er nun den allen Gewalten trotzenden Wiederaufstieg des greisen und blinden Schutzflehenden zum schützenden Heros entgegen.
Doch noch einem zweiten Helden verleiht Sophokles in seinem Vermächtnis Unsterblichkeit: seiner Heimatstadt Athen. Sowohl in der Figur des idealen athenischen Königs Theseus, der in seiner Menschlichkeit und Gottesfurcht den Wiederaufstieg des Oidipus erst ermöglicht, als auch in Chorliedern von betörender Schönheit setzt der greise Dichter inmitten von Not und Verwüstung seinem Ideal von Athen ein Denkmal.
Bei der kursorischen Lektüre wollen wir unser Augenmerk neben den
Formgesetzen Sophokleischer Kompositionskunst hauptsächlich auf die
enge Verzahnung von existentieller und politischer Dimension des Stückes
richten.
Sprach- und Stilübungen
[35209] Übersetzungskurs Deutsch-Griechisch Wolbergs
2st., Mo 14-16, PT 3.3.68 Beginn: 15.10.2001
Der Kurs ist für Kandidaten des Grund- und Hauptstudiums (ab 1. Sem.) gedacht.
Schwerpunkte:
(1) Repetitorium der griechischen Morphologie (insoweit nötig) und Syntax;
(2) Häusliche Übersetzungen, die korrigiert und besprochen werden;
(3) Klausuren.
Zur Vorbereitung empfohlen:
Sorgfältige Lektüre einiger Reden des Lysias und/oder des
Demosthenes.
[35210] Übersetzungskurs Griechisch-Deutsch (I): Wacht
2st., Mo 10-12, PT 3.3.68 Beginn: 15.10.2001
Die Übung dient der Vertiefung der griechischen Syntax und soll zugleich die Lektürefähigkeit fördern. Gelesen werden Texte verschiedener Autoren und Genera, die auch Latinisten ansprechen. Der Schwierigkeitsgrad wird dem Kenntnisstand von Studierenden im Grundstudium (ab 1. Sem.) angemessen sein.
Texte werden in Kopie zur Verfügung gestellt.
[35211] Übersetzungskurs Griechisch-Deutsch (II): Blusch
2st., Fr 13-15, PT 3.3.68 Beginn: 19.10.2001
Gelesen werden Texte verschiedener Autoren und Genera von mittlerem
Schwierigkeitsgrad. Angesprochen sind vornehmlich Studierende, die die
Zwischenprüfung absolviert haben.
Sprachkurse zur Vorbereitung auf das Graecum
[35213] Griechisch I für Theologen Wolbergs
6st., Mo-Fr 11 s.t. - 12; CH 33.1.93 Beginn: 15.10.2001
[35214] Griechisch II für Philologen Wolbergs
6st., vor der Vorlesungszeit (26.9.-12.10.) Mo-Fr 14 s.t. - 15, PT
2.0.9 Beginn: 26.9.2001
In der Vorlesungszeit Mo, Mi, Fr 12 s.t. - 13, CH 33.1.93
Nach der Vorlesungszeit (13.2. - 26.2.), Näheres in der Vorlesungszeit
Sprachkurse für Neugriechisch
[35215] Neugriechisch für Anfänger Müller
2st., Mi 18-20, Phys. 5.1.08 Beginn: 17.10.2001
Die Lektionen 1-6 des Buchs "Griechisch Heute 1+1" von Dimitra Dimitra und Marineta Papacheimona werden erteilt. Übungen zu den entsprechenden Lektionen werden aus dem Arbeitsheft zu demselben Buch geübt. Die Kapitel der Grammatik befassen sich mit den häufigsten Kategorien von männlichen, weiblichen und sächlichen Substantiven im Singular und Plural, Nominativ und Akkusativ, Adjektiven, Verben im Präsens, kurzer Einleitung in den Aorist, den wichtigsten Pronomen und Präpositionen, Nebensätzen.
Vorkenntnisse oder Altgriechisch-Kenntnisse sind keine Voraussetzung.
[35216] Neugriechisch für Fortgeschrittene Müller
2st., Di 18-20, Phys. 5.1.08 Beginn: 16.10.2001
Die Lektionen 7-11 des Buchs von Dimitra-Papacheimona werden erteilt. Die grammatikalischen Kapitel umfassen: Die Zeitformen – im Aktiv – vom Imperfekt, Aorist, einmaligen Futur, Verben im Passiv und reflexive Verben, verneinter Imperativ, Steigerung der Adjektive, weitere Nebensätze. Ein Teil der Unterrichtsstunde ist für Konversation reserviert.
Für den Fall, dass das Kenntnisniveau der Teilnehmer sehr unterschiedlich
ist, wird die Gruppe unterteilt und der Unterricht angepasst.
Vorlesungen
[35220] Lateinische Vorlesung: Beck
Republikanische Historiographie
2st., Mi 10-12, H 23 Beginn: 17.10.2001
Angesichts der Bedeutung des mos maiorum und des Nationalstolzes auf die Leistungen des eigenen Volkes darf es nicht verwundern, daß die Historiographie für die Römer stets einen besonderen Stellenwert hatte. Für den römischen Leser bot sich so eine Möglichkeit, Exempla für eigene Verhaltensweisen zu gewinnen; für den römischen Senator aber war die Geschichtsschreibung die Gelegenheit, auch neben oder anstelle einer aktiven politischen Tätigkeit einen Beitrag zum Wohl des Staates zu leisten (vgl. z.B. Sallust im Proöm seiner ersten historischen Schrift ... pulchrum est bene facere rei publicae et qui fecere et qui facta aliorum scripsere, multi laudantur ...; selbst ein Cicero ließ sich in den 50er Jahren zur Geschichtsschreibung drängen).
Ausgehend von den noch unliterarischen tabulae apud pontificem maximum und den ersten Anfängen einer römischen Geschichtsschreibung in griechischer Sprache (z.B. Fabius Pictor) wird zunächst in einem kurzen Überblick die leider nur fragmentarisch erhaltene Historiographie des 2. Jahrhunderts v. Chr. zu behandeln sein: Cato vor allem mit seinen ‘Origines’, dem ersten lateinischen Prosabuch sowie die sog. älteren Annalisten, dann Coelius Antipater mit seiner ersten historischen Monographie, Sempronius Asellio als Verfasser von ‘Historien’ (Zeitgeschichte) und viele andere bis hin zur sog. jüngeren Annalistik des 1. Jahrhunderts v. Chr. Im Mittelpunkt aber werden natürlich die erhaltenen Texte stehen, zum einen Caesar mit seinen ‘Commentarii’ - hier wird die Zugehörigkeit zur Historiographie zu diskutieren sein (vgl. Cic. Brut. 262 ... uoluit alios habere parata, unde sumerent, qui uellent scribere historiam ...). Zum anderen werden die seit Ende der 40er Jahre entstandenen Werke Sallusts zu besprechen sein, zwei Monographien über herausragende Einzelereignisse der jüngeren römischen Vergangenheit, und eine wieder nur fragmentarisch überlieferte zeitgeschichtliche Darstellung, die die ‘Historien’ des Sisenna fortsetzt. Einzubeziehen ist schließlich auch Livius mit seinen 142 Büchern ‘Ab urbe condita’, auch wenn diese bereits zur Zeit des ersten römischen princeps entstanden - eine Zeit des Überganges, in der nach Tacitus nicht einmal die Geschichtsschreiber wirklich erkannten, was aus dem römischen Staat geworden war (hist. 1,1 ... inscitia rei publicae ut alienae ...).
Zur Einführung:
D. Flach: Römische Geschichtsschreibung, Darmstadt 31998
[35001] Sprachwissenschaftliche Vorlesung: Klingenschmitt
Die Sprache der lateinischen Dichtung in klassischer Zeit
1st., Di 10-11, PT 2.0.4 Beginn: 16.10.2001
Der bereits in altlateinischer Zeit, freilich je nach Gattung der Dichtung in unterschiedlicher Ausprägung vorhandene Gegensatz zwischen der Dichtersprache und der Sprache der Prosatexte hat bei der Herausbildung der Gegebenheiten des Lateins der klassischen Zeit eine gewisse Verstärkung erfahren. Zur Vergrößerung des Abstands zwischen der Sprache von Dichtung und Prosa haben einmal der starke Konservativismus der poetischen Sprache und zum anderen die Entstehung der klassischen Kunstprosa beigetragen.
In der Lehrveranstaltung wird zunächst kurz die Sprache des altlateinischen
Autors Ennius skizziert, die einen nachhaltigen Einfluß auf die Gestalt
der späteren Dichtersprache ausgeübt hat. In der Folge wird die
Dichtersprache zu Beginn der klassischen Zeit (Lukrez; Cicero als Dichter),
die Reform der Dichtersprache durch die Neoteriker sowie Sprache und Stil
der Augusteer besprochen. Zur Illustrierung von Sprache und Stil der einzelnen
Gattungen und Autoren dient eine Interpretation von ausgewählten Textpartien.
Dabei bietet sich auch Gelegenheit, allgemeine Erscheinungen der Sprachgeschichte
und historischen Grammatik des Lateinischen zu behandeln.
Seminare und Übungen
[35225] Lateinisches Hauptseminar (Poesie): Beck
Ovid, Tristien
2st., Fr 10-12, PT 1.0.7 Beginn: 19.10.2001
Als tenerorum lusor amorum (trist. 4,10,1) hochgeschätzt, hat sich Ovid mit seiner erotisch-mythologischen Dichtung bis heute als einer der beliebtesten antiken Autoren einen festen Platz in der Weltliteratur erschrieben - ein genialer, durch und durch verspielter Dichter, der die Themen Liebe und Mythos in immer wieder neuer und überaus attraktiver Weise zu behandeln verstand.
Verglichen mit dieser Vielfalt ist der Ovid, um den es in diesem Semester gehen soll, ein ganz anderer geworden: Ohne die unbeschwerte Ausgelassenheit und z.T. frivole Laszivität seiner bisherigen Werke müssen wir in den ‘Tristien’ einen klagenden und ganz auf sich selbst gerichteten Dichter erleben. Von Augustus 8 n. Chr. nach Tomi am Schwarzen Meer relegiert - die Gründe dafür sind umstritten (trist. 2,209 carmen et error) -, wirkt Ovid gebrochen. Ohne Freunde, ohne Bücher und ohne die kultivierte Hauptstadt wird das Leben für den gerade 50-jährigen zur Katastrophe: ein Leben im ewigen Winter, umgeben von Barbaren und bedroht durch äußere Feinde - nach Ovid eine durch und durch unfreundliche Gegend, in der man selbst den Wein nur gefroren bekommt und in der nicht einmal die Vögel richtig singen! Um sich zu rechtfertigen, um beim Kaiser und dessen einflußreicher Umgebung Gnade zu finden und um in seinem geliebten Rom nicht vergessen zu werden, schickt Ovid jedes Jahr eines der in Tomi und bereits auf dem Weg dorthin entstandenen fünf ‘Tristien’- Bücher in die Hauptstadt. Es sind gleichsam offene Briefe des auf Mitleid und Erlösung hoffenden Ovid, an die sich seit 13 n. Chr. weitere und nun auch direkt als Briefe überschriebene Bücher angeschlossen haben (‘Epistulae ex Ponto’).
Ausgehend von Ovids Autobiographie (trist. 4,10) und dem nach Art einer Verteidigungsrede angelegten 2. Buch werden im Seminar ausgewählte Gedichte der ‘Tristien’ gemeinsam zu besprechen sein.
Textausgabe:
P. Ovidii Nasonis Tristium Libri quinque ..., rec. S. G. Owen, Oxford 1915/1946 u.ö.
Kommentare:
z.B. von Luck (1969, 1977), Owen (1902, 1924), de Jonge (1951), Bakker
(1946).
[35226] Lateinisches Hauptseminar (Prosa): Beck
Seneca, Epistulae morales
2st., Mi 8-10, ZH 8 Beginn: 17.10.2001
Mit den uns noch erhaltenen 124 Briefen des ehemaligen Erziehers und Beraters des römischen Kaisers Nero ist scheinbar die intime Privatkorrespondenz eines der mächtigsten Männer Roms überliefert: vertraute Privatbriefe aus seinen letzten Lebensjahren an den engen Freund Lucilius nach dem Vorbild der Privatkorrespondenz Ciceros mit seinem Atticus. Tatsächlich jedoch ist Seneca mit seinem berühmten Alterswerk zum Schöpfer des philosophischen Essays geworden, in dem er unter dem bloßen Vorwand der Briefsituation in vielfältiger Weise Fragen der persönlichen Lebensführung und vor allem auch des Umgangs mit dem Tod erörtert. Eine äußerst ansprechende, lockere und abwechslungsreiche Hinführung zur eigenen Beschäftigung mit antiker, speziell stoischer Philosophie.
Gemeinsam behandelt werden bevorzugt Briefe aus dem ersten Teil der Sammlung (epist. 1-88).
Empfohlene Textausgabe:
L. Annaei Senecae ad Lucilium epistulae morales, rec. L. D. Reynolds, Bd. I, Oxford 1965.
(Hingewiesen sei auch auf die zweisprachige ‘Studienausgabe’ der Wissenschaftlichen Buchgesellschaft (Bd. 3 und 4, Darmstadt 1980, 1984) mit dem kritischen Text von F. Préchac und einer umstrittenen deutschen Übersetzung von M. Rosenbach, die zu besprechen sein wird.)
Zur Einführung und begleitenden Lektüre:
M. Fuhrmann: Seneca und Kaiser Nero, Berlin 1997.
M. T. Griffin: Seneca. A philosopher in politics, Oxford 1976.
P. Grimal: Seneca. Macht und Ohnmacht des Geistes, Darmstadt 1978 (Original Paris 1978).
G. Maurach: Seneca. Leben und Werk, Darmstadt 1991.
H. Cancik: Untersuchungen zu Senecas Epistulae morales, Spudasmata Bd. 18, Hildesheim 1967.
E. Hachmann: Die Führung des Lesers in Senecas ‘epistulae morales’, Münster 1995.
G. Maurach: Der Bau von Senecas Epistulae morales, Heidelberg 1970.
[35227] Lateinisches Proseminar (Prosa): Janka
Cicero, De oratore
2st., Do 12-14, PT 1.0.7 Beginn: 18.10.2001
Abhorrent ... a communibus praeceptis atque omnem antiquorum ...
rationem oratoriam complectuntur. Mit diesen Worten legt Cicero
(106-43 v. Chr.) seine 55 v. Chr. vollendeten tres libros ‚de
oratore‘ brieflich seinem Freund Lentulus ans Herz (fam. 1, 10 [9],
23). Und wenn wir dem Cicero-Übersetzer Manfred Fuhrmann Glauben schenken,
dann werden wir mit dem Gespräch über den (perfekten) Redner
"die bedeutendste Darstellung der Rhetorik, welche die Antike hinterlassen
hat", kennenlernen.
Zweifellos ist es der größte redetheoretische Entwurf aus
der Feder des Cicero, der sich als Staatsmann, Redner und Philosoph
in einer Person feierte.
So haben wir es hier mit einer Rhetorik mit höchstem literarischem Anspruch zu tun. Der Autor läßt die berühmtesten Redner seiner Vätergeneration in einem 91 v. Chr. spielenden (fiktiven) Dialog debattieren, den er Aristotelio more verfaßt haben will, dem aber gleichwohl auch Platonische Züge eignen: So etwas wie der Entwurf eines ,Staates‘ der oratores perfecti bereitet sich vor. Und Cicero resp. seine Dialogfiguren haben wahrlich mehr zu bieten als die bloße ,Technologie‘, d.h. die formalen (Bau)elemente der Rede sowie die Voraussetzungen und den Bildungsgang eines ,vollkommenen‘ Redners. Sie reflektieren zudem über so ,zeitlose‘ Themen wie den Gegensatz zwischen systematischem Recht und Einzelfallgerechtigkeit (Kasuistik), über Sinn und Unsinn stilistischer Normen und sogar über Witz und Humor.
Konzeption und Struktur der drei Bücher werden wir uns mit Hilfe von Überblicksreferaten erarbeiten. Bei der Feinanalyse ausgewählter Partien stehen Sprache, Stil und Argumentationstechnik sowie literarische Vorbilder und Gestaltungsformen im Mittelpunkt. Auch der Cicero-Rezeption in antiker und moderner Redetheorie und -praxis werden wir uns widmen.
Das Seminar ist als Einführung in die antike Rhetorik geeignet und über die Fachgrenzen hinaus geöffnet, etwa für Interessierte des Moduls Literaturtheorie oder Literatur im Mediendialog.
Voraussetzungen für den Erwerb eines Seminarscheins sind die Übernahme eines Referates, die Anfertigung einer kurzen schriftlichen Seminararbeit sowie die erfolgreiche Teilnahme an der Klausur am Ende des Semesters.
Textgrundlage:
M. Tulli Ciceronis De oratore libri tres, ed. Kazimierz F. Kumaniecki, Stuttgart/Leipzig 1995 (Bibliotheca Teubneriana).
Zur Einführung:
Manfred Fuhrmann, Die antike Rhetorik. Eine Einführung, Zürich
41995,
bes. 52-64.
[35228] Lateinisches Proseminar (Poesie): Wolbergs
Horaz, Satiren
2st., Mi 14-16, W 112 Beginn: 17.10.2001
Die Satiren des Horaz, 18 Gedichte unterschiedlichen Umfangs in Hexametern, veröffentlicht wahrscheinlich in den Jahren 35/34 bzw. 30/29 v. Chr., sind, von Horaz selbst als sermones bezeichnet, Plaudereien über eine bunte Vielzahl von Themen mit dem Ziel, ridentem dicere verum. Menschliche Schwächen und soziale Mißstände werden beleuchtet, Anekdoten und belustigende Vorfälle erzählt, wiederholt kommen literarkritische Fragen zur Sprache, und Horaz äußert sich bald selbstbewußt, bald selbstkritisch über sich selbst.
Das Proseminar soll den Teilnehmern Gelegenheit bieten, sich in gemeinsamem Bemühen ein möglichst präzises Verständnis jedenfalls der Mehrzahl der Satiren zu erarbeiten. Voraussetzung für den Erwerb eines Seminarscheins ist die Übernahme eines Referats, das bis zum Ende der Vorlesungszeit als Seminararbeit einzureichen ist.
Interessenten werden um Anmeldung spätestens bis zum 1. 10. in PT 3.3.69 gebeten.
Textausgaben (Q. Horati Flacci Opera):
F. Klingner, Leipzig (Teubner) 1939, 6. Aufl. 1982
J. Borzsák, Leipzig (Teubner) 1984
D. R. Shackleton Bailey, Stuttgart (Teubner) 1985
Zur Vorbereitung empfohlen:
M. v. Albrecht, Horaz, in: J. Adamietz (Hrsg.), Die römische Satire,
Darmstadt 1986, S. 123-178
[35015] Sprachwissenschaftliches Proseminar: Schaffner
Einführung in die Sprachwissenschaft für Klassische Philologen
2st., Mi 12-14, Ch 13.0.82 Beginn: 17.10.2001
Das Ziel dieser Lehrveranstaltung besteht darin, Studierende der Fächer Latein und/oder Griechisch mit den wesentlichen Hilfsmitteln und Disziplinen der historischen Sprachwissenschaft der beiden klassischen Sprachen vertraut zu machen. Die Einführung wird sich hautpsächlich an den Gegebenheiten des Lateinischen orientieren. Aus der Vielzahl der zu behandelnden Themen seien genannt: Genetische Sprachverwandtschaft (Latein und Griechisch als indogermanische Sprachen), Periodisierung der lateinischen und griechischen Sprachgeschichte, literarische und inschriftliche Texte als Beispiele für sprachgeschichtliche Entwicklungen, historische Laut- und Formenlehre (Flexion und Wortbildung), Etymologie, sprachliche Grundlagen metrischer Regeln, Probleme der lateinischen Satzlehre vor dem Hintergrund moderner Syntaxtheorien.
Interessenten mögen sich in die Anfang September 2001 aushängende Teilnehmerliste (Raum PT 3.3.83) einschreiben. Voraussetzungen für den Erwerb eines Seminarscheins sind regelmäßige Teilnahme, Bearbeitung von schriftlichen Hausaufgaben und eine erfolgreich bestandene Abschlußklausur am Ende des Semesters.
Zur Einführung:
Alfred Bammesberger, Lateinische Sprachwissenschaft, Regensburg 1984
Gerhard Meiser, Historische Laut- und Formenlehre der lateinischen Sprache, Darmstadt 1998
Michael Meier-Brügger, Griechische Sprachwissenschaft, Bd. 1/2, Berlin-New York 1992
Helmut Rix, Historische Grammatik des Griechischen, Darmstadt 1976
[35229] Übung zur antiken Mythologie
Janka
2st., Do 16-18, H 9 Beginn: 18.10.2001
Ob Herakles (,Hercooles‘) und Odysseus, ob Antigone und Oedipus oder Narzissus und Echo: Der griechisch-römische Mythos hat sich mitsamt seinen Heldinnen und Helden tief ins kollektive Gedächtnis zumindest der abendländischen Welt eingeprägt. Fragt man freilich nach den Wurzeln dieser lebenskräftigen Tradition, so stößt man auf die Kunst und Literatur der Antike. Doch ist es meist alles andere als einfach, das vielfältige und oft widersprüchliche Überlieferungsgeflecht zu entwirren, so beharrlich man auch fragen mag: "Aber wie hat alles angefangen?"
In diesem Kurs werden wir uns hauptsächlich auf diejenigen Texte der griechischen und römischen Literatur konzentrieren, welche unser Bild von Mächten, Göttern und Menschen sowie von den einzelnen Sagenkreisen "des klassischen Altertums" am nachhaltigsten beeinflußt haben. Archäologische Parallelen sowie Rezeptionsdokumente aus Literatur und Kunst späterer Epochen werden wegen der Überfülle des Materials nur punktuell mit einbezogen.
Zum Procedere: Nach einer terminologischen Eingrenzung (,Was ist antiker Mythos?‘, ,Wie funktioniert Mythologie?‘) werden wir die mythische Chronologie von Okeanós und Tethys zumindest bis Aeneas und Augustus anhand der Interpretation typischer Texte aus den unterschiedlichsten literarischen Genera (von Hesiod und Homer bis Vergil und Ovid) nachvollziehen.
Die Vor- und Nachbereitung der einzelnen Sitzungen wird im Sinne des Übungscharakters arbeitsteilig erfolgen. Dabei sollen sich die Teilnehmer mit den wichtigsten traditionellen und modern-multimedialen Arbeitsinstrumenten und Hilfsmitteln zur wissenschaftlichen Beschäftigung mit der antiken Mythologie vertraut machen.
Der Kurs ist für Interessierte aller Fächer geöffnet.
Griechisch- und Lateinkenntnisse sind nicht zwingend erforderlich.
[35230] Einführung in das Studium
der Klassischen Philologie Beck
2st., Fr 8.30-10, H 6 Beginn: 19.10.2001
Diese - personalbedingt nur im Wintersemester angebotene - Übung ist für Studienanfänger der Fächer Latein und/oder Griechisch obligatorisch und sollte möglichst im ersten Semester besucht werden. Ihr Ziel besteht darin, die Teilnehmer mit den für ein Studium der Klassischen Philologie wesentlichen Hilfsmitteln und Disziplinen vertraut zu machen und als Vorbereitung für den Besuch von Seminaren eine erste Einführung in grundlegende Arbeitsmethoden zu geben. Berührt werden folgende Gebiete:
2.) Epochen und Gattungen der griech. und lat. Literatur
3.) Aufbau und Benutzung der Bibliothek
4.) Hilfsmittel (z.B. RE, Bibliographien, Lexika, Grammatiken, Handbuch der Altertumswis-senschaft, Textausgaben, Zeitschriften), Technik des Bibliographierens sowie Hinweise zum Aufbau einer eigenen Studienbibliothek
5.) Überlieferungs- und Textgeschichte, Textkritik
6.) Metrik
7.) Rhetorik
8.) Methoden der Interpretation, Hinweise zur Anfertigung einer Seminararbeit.
Zur Einführung und begleitenden Lektüre empfohlen:
G. Jaeger, Einführung in die Klassische Philologie, München
21990
Lektüre
[35231] Lateinische Lektüre (Poesie): Blusch
Catull
2st., Di 16 s.t-17.30., PT 3.3.68 Beginn: 16.10.2001
"Catulls Dichtung reagiert mit einer für antike Verhältnisse erstaunlichen Sensibilität auf allgemein Erfahrbares. Bestimmte "Kreaturen" aus Politik und Gesellschaft ..., die Catull attackiert, werden dann als ebenso peinigend (Leid verursachend) erlebt wie seine persönliche Beziehung zu einer gewissen Clodia. Gedankenlosigkeit, Rücksichtslosigkeit, Gefühlskälte, Ich-Bezogenheit ... sind keine nur auf privates Dasein bezogenen, sondern "weltweit" erfahrbare Eigenschaften. Und wenn ... angesichts von c.85 gesagt wurde, daß in diesem Gedicht im Grunde dasselbe Thema wie in c.64 abgehandelt wird, dann muß auch gesagt werden, was beide unterscheidet: c.85 gibt einem (eher subjektiven) Empfinden Ausdruck (sei es auf Clodia bezogen oder auch nicht); in c.64 geht es dagegen um Erklärung (d.h. um etwas, das vom Einzelfall stärker abstrahiert, andererseits jedoch konkrete persönliche Erfahrungen natürlich nicht ausschließt). So darf wohl festgestellt werden, daß - angesichts von c.64 - in keinem anderen Catull-Gedicht persönlich-biographische Bezüge derartig objektiviert, ins Allgemeine (hier: ins "Heroische") gewendet worden sind wie in diesem zentralen Gedicht des Corpus Catullianum" (Jürgen Blusch, Vielfalt und Einheit. Bemerkungen zur Komposition von Catull c.64, in: Antike und Abendland XXXV (1989) 130).
Es geht, angefangen mit c.64, hauptsächlich um die größeren
Gedichte des Catull-Buches. - Text: in jedem Fall eine wissenschaftliche
Ausgabe.
[35232] Lateinische Lektüre (Prosa): Csajkas
Plinius, Epistulae
2st., Mo 18s.t.-20, W 113 Beginn: 15.10.2001
In Zeiten der unverbindlichen und rückstandsfreien Fast-Communication per Handy und E-mail wird der traditionelle Brief zu einer zunehmend raren Gattung. Was aber einen über die Zeiten bewahrenswerten Brief im Unterschied zu den zahllosen alltäglichen Verlautbarungen auszeichnet, darüber kann man entweder abstrakte Betrachtungen anstellen – oder man macht es wie der jüngere Plinius (61/62 - ca.112) und erstellt eine exemplarische Sammlung eigener Episteln, die man für gelungene Repräsentanten dieser Gattung hält: ... si quas paulo curatius scripsissem, wie Plinius sich in seinen Einleitungsworten ausdrückt. Da er seine Briefe also mit literarischen Ambitionen selbst veröffentlichte, ist davon auszugehen, dass er sie hierfür eigens überarbeitete, wenn sich auch im einzelnen schwer sagen lässt, wie tiefgreifend derartige Änderungen gewesen sein mögen.
Die Sammlung von Schreiben an verschiedenste Adressaten (darunter Berühmtheiten wie der Historiker Tacitus) umfasst zehn Bücher, deren letztes insofern eine Sonderstellung einnimmt, als es – wohl auch nicht mehr vom Autor selbst herausgegeben – den Briefwechsel zwischen Plinius als Statthalter in Bithynien und Trajans kaiserlicher Kanzlei in Rom enthält. Von großem historischen Wert sind gleichwohl auch die Briefe der Bücher 1 bis 9. Diese stilistisch sorgfältig komponierten ‘Essays in Briefform’ – sie sind stets jeweils nur einem Thema gewidmet – gewähren zahlreiche Einblicke in das Leben der römischen Oberschicht in trajanischer Zeit, präsentiert sich doch Plinius als ein typischer Vertreter derselben: Nach der traditionellen rhetorischen Ausbildung (u.a. bei Quintilian) betätigte er sich als Anwalt und gelangte, durch unermüdlichen Einsatz ebenso wie durch gute Kontakte, zu den höchsten Staatsämtern.
Durch gemeinsame sorgfältige Lektüre ausgewählter Stücke aus dem vielseitigen Corpus – die Themenpalette reicht von den berühmten Schilderungen des Vesuvausbruchs im Jahre 79 u.a. über Nachrufe, Erziehungs- und Vermögensfragen, Reisebilder und Literarisches bis hin zu Gespenstergeschichten – wollen wir uns einen möglichst breiten Überblick verschaffen.
Voraussetzungen für den Erwerb eines Lektürescheins sind regelmäßige aktive Teilnahme und das Bestehen der Abschlussklausur am Ende des Semesters.
Text:
C. Plini Caecili Secundi Epistularum libri decem, rec. R.A.B.
Mynors, Oxford 1966 u.ö.
[35233] Lateinische Lektüre (Spätantike): Fiedler
Claudian
2st., Mo 16-18, Ph 5.1.09 Beginn: 15.10.2001
Claudius Claudianus ist ein herausragender Repräsentant spätantik-lateinischer Kultur: aus Alexandria stammend (also ursprünglich griechisch-sprechend!), dichtet er um das Jahr 400 n. Chr. Werke in lateinischer Sprache, die den klassischen Autoren Vergil und Ovid an Eleganz kaum nachstehen; seine Verstechnik ist ausgefeilt, der Sprachgebrauch kunstfertig. Selbst über das Mittelalter hin verlor Claudian nicht an Beliebtheit, vielmehr wuchs die Bewunderung, die man seinen Werken entgegenbrachte, gerade in dieser Epoche, wovon die handschriftliche Überlieferung in ihrer Verzweigtheit und Fülle deutlich zeugt. Völlig konträr hierzu stellt sich die Situation der Neuzeit im allgemeinen dar: nach einer Phase reicher Rezeption wurde Claudian mehr und mehr zum Stiefkind der Philologie (neuere Kommentierungen seien dabei ausdrücklich ausgeschlossen!), ein Umstand der durchaus der Korrektur bedarf.
Im Kurs soll nach einführender Lektüre einiger carmina minora (20, 27, 42, 51, 53) hauptsächlich das in drei Büchern abgefaßte, nicht vollendete Gedicht de raptu Proserpinae erarbeitet werden.
Darüber hinaus ist wegen immer wieder zu beobachtender Schwierigkeiten der metrischen Analyse von Hexameter und elegischem Distichon breiter Raum gegeben: präzise Versmaßanalyse soll sowohl zuhause wie auch im Kurs intensiv geübt werden, um größere Sicherheit im Umgang mit diesen beiden wichtigen Metren zu erreichen.
Da der umfangreiche, vorzüglich gestaltete Textband nahezu unerschwinglich ist, wird den TeilnehmerInnen empfohlen, sich Kopien der entsprechenden Partien anzufertigen.
Um Listeneintrag im Sekretariat vor Semesterbeginn wird gebeten.
Textausgabe:
Claudii Claudiani carmina ed. John Barrie Hall, Teubner (jetzt Saur), Leipzig 1985.
Kommentar:
John B. Hall, De raptu Proserpinae, Cambridge classical texts and commentaries 11, Cambridge 1969.
Zur Orientierung bitte vor der ersten Sitzung lesen:
M. v. Albrecht, Geschichte der römischen Literatur, Bd. II, Bern / München 1992, S. 1017-1043, 1060-1071.
Sprach- und Stilübungen
[35240] Klausurenkurs für Examenskandidaten Wacht
2st., Mo 8.30-10, W 112 Beginn: 15.10.2001
Diese Übung ist ausschließlich für Examenskandidaten gedacht und soll die eigene häusliche Vorbereitung auf die beiden Übersetzungsklausuren begleitend unterstützen. Jeweils im Wechsel werden dt.-lat. und lat.-dt. Klausuren auf Examensniveau geschrieben und besprochen.
Als reguläre Teilnehmer mit Korrekturanspruch zugelassen sind Studierende,
die mindestens einen Sprachübungsschein der Oberstufe erworben haben
und sich bereits für das Examen angemeldet haben oder sich im WS 2001/02
anmelden werden.
[35241] Übersetzungskurs Latein-Deutsch (Oberstufe) Blusch
2st., Do 16-18, PT 1.0.7 Beginn: 18.10.2001
Die Übung ist zur Vorbereitung auf die Examensklausur und die mündliche
Examensprüfung gedacht. Texte verschiedener Gattungen und Epochen
werden teils nach häuslicher Vorbereitung, teils als mündliche
ad-hoc-Übersetzungen oder auch in Form von Übungsklausuren bearbeitet.
Anfallende Fragen grammatischer und, soweit in diesem Rahmen möglich,
auch inhaltlicher Art werden behandelt.
[35242] Übersetzungskurs Deutsch-Latein (Oberstufe) Blusch
2st., Mo 14s.t.-15.30, W 112 Beginn: 15.10.2001
Diese Übung dient gezielt der Vorbereitung auf das dt.-lat. Staatsexamen. Als Hausaufgaben, Klausuren und in gemeinsamer Arbeit in den Sitzungen selbst werden Paraphrasen von Originaltexten aus dem Bereich Kriegswesen, Geschichtsschreibung, Philosophie ins Lateinische zu übersetzen sein. Grammatische Phänomene (vor allem Syntax) und schwierige Konstruktionen werden wiederholt bzw. besprochen und eingeübt. Die Konzentration auf eine bestimmte Thematik soll zur Erarbeitung einer themenbezogenen Phraseologie anleiten. (Ein weiterer Oberkurs wird im nächsten Semester die Themenbereiche Rhetorik, Staatswesen, Recht, Wissenschaft abdecken.)
Teilnahmevoraussetzung:
Erfolgreicher Besuch der dt.-lt. Sprachübungen Mittelstufe.
[35243] Übersetzungskurs Latein-Deutsch (Mittelstufe) Csajkas
2st., Mo 8.30-10, R 009 Beginn: 15.10.2001
Diese Übung stellt in erster Linie eine zusätzliche Möglichkeit der Vorbereitung auf die lateinisch-deutsche Übersetzungsscheinklausur (Zwischenprüfung) dar; die eigenverantwortliche Vorbereitung auf diese Prüfung (nämlich möglichst intensive Lektüre im angegebenen Textcorpus) kann der Kurs aber keinesfalls ersetzen.
Doch werden wir anhand von Texten, die aus dem relevanten Corpus stammen, Übersetzungstechniken üben und unsere Kenntnisse auf jenen Gebieten festigen, die im Fragenteil der o.g. Klausur im Mittelpunkt stehen: Metrik, sprachliche und stilistische Merkmale, Editionstechnik und Textkritik.
Neben der mündlichen Diskussion, in der wir regelmäßig
Übersetzungsmöglichkeiten erarbeiten und dabei auftretende Fragen
klären wollen, soll es auch Gelegenheit zu Übungsklausuren geben,
in denen die Teilnehmer sich testen können.
[35244] Übersetzungskurs Deutsch-Latein (Mittelstufe) Wacht
2st., Do 8.30-10, H 21 Beginn: 18.10.2001
Diese Übung baut auf den deutsch-lateinischen Unterkursen auf.
Im Plenum werden mittelschwere zusammenhängende Texte ins Lateinische
übersetzt. Neben den Problemen der Syntax, die zu besprechen sein
werden, sollen – auch anhand exemplarischer Einzelsätze – zum einen
die Kenntnis der lateinischen Phraeseologie und Synonymik gefestigt, zum
andern Grundfragen der lateinischen Stilistik behandelt werden; den Schwerpunkt
hierbei wird der im Deutschen und Lateinischen unterschiedliche Gebrauch
der Wortarten und der syntaktischen Strukturen bilden.
[35245] Übersetzungskurs Latein-Deutsch (Unterstufe) Blusch
2st., Do 14-16, Ch 33.1.93 Beginn: 18.10.2001
Die Übung richtet sich speziell an Studienanfänger und sollte möglichst im ersten Semester besucht werden. Besprochen werden die wichtigsten Erscheinungen der lateinischen Syntax anhand lateinischer Einzelsätze. Ein entsprechendes Textheft ist etwa ab Mitte September bei mir (ggf. auch im Sekretariat) erhältlich. Formen- und Kasuslehre sollen nach vorgegebenem Plan in häuslicher Arbeit wiederholt werden. Letzteres wird in Kurzklausuren regelmäßig überprüft.
Zur Anschaffung unbedingt empfohlen: H. Rubenbauer-J.B. Hofmann, Lateinische Grammatik, neubearbeitet von R. Heine, Bamberg-München 121995.
Aufgrund nicht vom Institut zu verantwortender Stellenstreichungen kann
diese Veranstaltung nicht mehr in der bisher üblichen Weise als 6st.
Grammatik- und Übersetzungskurs durchgeführt werden. Der gemäß
Studienordnung für die Zulassung zu Zwischenprüfung notwendige
Schein wird stattdessen für den Besuch der Unterkurse Lt.-dt., Dt.-Lt.
(je 2st.) und den Nachweis der erfolgreichen Teilnahme an einem Lektürekurs
(2st.) ausgestellt.
[35246] Übersetzungskurs Deutsch-Latein (Unterstufe) Wacht
2st., Mi 13-15, R 009 Beginn: 17.10.2001
Die Übung ist besonders gedacht für Studienanfänger und sollte möglichst schon im ersten Semester besucht werden. Zugrundegelegt wird ein Textheft mit deutschen Einzelsätzen. Der Schwerpunkt liegt auf der Formen- und Kasuslehre und auf einfacheren syntaktischen Erscheinungen.
Zur Anschaffung wird empfohlen:
H. Rubenbauer – J.B. Hofmann, Lateinische Grammatik, neubearbeitet von R. Heine, Bamberg/ München 121995.
Fachdidaktische Veranstaltung
[35247] Theorie und Praxis des Lateinunterrichts
in der Lehrbuchphase Utz
2st., Mo 16 s.t.-19 (14-tägig, bitte Aushang beachten!),
Ph 5.1.08 Beginn: 22.10.2001
Nach der üblichen grundsätzlichen Einführung geht es
auf didaktischer Ebene v.a. um die Behandlung von Lehrbuchtexten, um die
Darbietung von Wortschatz und Grammatikstoffen sowie um die Anlage von
Lehrwerken für L1 und L2. In methodischer Hinsicht sollen verschiedene
Möglichkeiten der Stunden- und Sequenzgestaltung vorgestellt und exemplifiziert
werden. Die Teilnehmer sollten für die Veranstaltung Beispiele neuerer
Lehrwerke (v.a. Roma A, Cursus continuus B, Felix B, Interesse) zur Verfügung
haben. Ein detaillierter Arbeitsplan wird in der 1. Sitzung vorgelegt.
Sprachkurse zur Vorbereitung auf das Latinum
[35250] Latein I (Parallelkurs A) Blusch
6st., Mo-Fr 12 s.t. - 13, Mo H 6, Di H 22, Mi H 9, Do H 23, Fr H 9
Beginn: 15.10.2001
[35251] Latein I (Parallelkurs B) Wacht
6st., Mo-Fr 12 s.t. - 13, Mo H 12, Di H 4, Mi R 008, Do H 10, Fr H
5 Beginn: 15.10.2001
[35252] Latein I (Parallelkurs C) Fajen
6st., Mo-Fr 12 s.t. - 13, Mo PT 2.0.8, Di H 2, Mi+Fr PT 2.0.9, Do H
4 Beginn: 15.10.2001
Sprachkurs für Italienisch
[35253] Italienisch I Fajen
2st., Mi 18 s.t.-19.30 PT 1.0.6 Beginn: 17.10.2001
Dieser Anfängerkurs steht allen Studenten offen, und jeder ist
willkommen!