Onomastik / WS 2002/3 / Kommentar

 

 

 

Vorlesungen

(für alle Studierenden des Grund- und Hauptstudiums; keine Anmeldung erforder­lich!)

 

 

[35 001] Die lateinischen Personennamen

1st., Di 10-11                                                                                                               Klingenschmitt

 

Die Vorlesung behandelt die lateinischen Personennamen, soweit diese ihrer Herkunft nach oder seit alter Zeit dem Latinischen (dem Latein und verwandten Dialekten Latiums) oder anderen Sprachen Mittelitaliens (dem Oskisch-Umbrischen oder dem Etruskischen) angehören. Die Namenkunde ist von hohem Interesse. Im Bereich der Sprachgeschichte liefert die Onomastik wertvolle Ergänzungen zur Kenntnis der Lautgeschichte und Wortbildungslehre des Lateinischen und gibt Aufschluß über die im appellativischen Wortschatz des Lateinischen verlorengegangenen lexikalischen Elemente, die in Namen wie Romulus und Remus fortgesetzt sind.

Besonders ausführlich wird in der Lehrveranstaltung das bei den Römern verwendete System der Personenbenennung besprochen: z.B. P. (Praenomen) Sextius (Gentilnamen) Baculus (Individualcognomen), P. (Praenomen) Cornelius (Gentile) Scipio (Familiencognomen) Nasica (zweites Familiencognomen) Corculum (Individualcognomen). Es wird dargelegt, wie die historische Benennungsweise aus einem Stadium der Einnamigkeit (z.B. Romulus, Remus) hervorgegangen ist. Im Mittelpunkt des Interesses steht die Herkunft der römischen Praenomina, Gentilicia und Cognomina. So werden etwa die verschiedenen semantischen Gruppen aufgeführt, die bei den Cognomina zu unterscheiden sind: Herkunftsbezeichnungen, Bezeichnungen von körperlichen oder geistigen Eigenschaften (z.B. Caesar 'langes Haupthaar tragend', Naso 'der eine auffällige Nase hat'), Tiernamen (z.B. Cornelius Bestia), Bezeichnungen von Geräten (z.B. Cornelius Dolabella), Körperteilbezeichnungen, Vornamencognomina,  Siegesbeinamen, Adoptionscognomina.

 

 

 

[35 002]   Die deutschen Vornamen germanischen Ursprungs                             Klingenschmitt

1st., Fr  12-13

Die germanischen Personennamen bestehen in der Mehrzahl aus (zweigliedrigen Kom­posita, die zumeist eigens zum Zwecke der Namengebung geschaffen sind; z.B. Guntram < urgerm. *gunþi-xra_na- ‚Kampf-Rabe’. Komposita bilden letztlich auch die Grundlage von Kurznamen des Typs Odo, Otto: Ottfried < urgerm. *a__a-friþu- ‚dem Besitz Frieden, (Sicherheit schaffend’), Otmar < urgerm. *a__a-m_ra- ‚durch Besitz bekannt’. Seltener finden sich demgegenüber eingliedrige Namen; z.B. Karl neben dem Appellativ ahd. Karl ‚Mann’ < urgerm. *karla- < vorurgerm. *or(h2)-lo- ‚alter Mann’.

Die Lehrveranstaltung bietet zunächst eine Übersicht über die Bildung der Perso­nen­namen in den altindogermanischen Sprachen. Die hier zu beobachtenden Ge­mein­samkeiten gestatten Rückschlüsse auf die Beschaffenheit der Personennamen zur Zeit der indogermanischen Grundsprache. Der Blick für die Charakteristika der indoger­manischen Namengebung wird geschärft durch einen kurzen Vergleich mit außer­indogermanischem Sprachmaterial. In der Folge wird die Bildeweise der Per­sonen­namen in den altgermanischen Sprachen (Althochdeutsch, Altenglisch usw.) ein­gehend besprochen; z.B. Rupert, Robert < urgerm. *xr_þa-berxta- ‚durch Ruhm, im Ruhm glänzend’ (Determinativkompositum mit adjektivischem Hinterglied und sub­stantivischem Vorderglied), Friedrich < urgerm. *friþur_k- ‚Friedens-Herrscher’ (Determinativkompositum mit substantivischem Hintergleid), Konrad < urgerm. *k_ni-r__a- ‚kühnen Rat habend’ (Possessivkompositum), Dietz < *þe_‑san- (Kurz­name mit Kurznamensuffix *-san-; vgl. Vollnamen wie Dietmar < urgerm. *þe__a-m_ra- ‚im Volk bekannt’, Dietrich < urgerm. *þe__a-r_k- ‚Volks-Herrscher’).

Im Mittelpunkt der Lehrveranstaltung steht die sprachwissenschaftliche Problematik, doch finden daneben auch kulturgeschichtliche Gesichtspunkte Berücksichtigung. Die Vorlesung wendet sich an Hörer mit besonderem Interesse für sprachhistorische Fragestellungen.

Nähere Informationen am Lehrstuhl für Indogermanistik!

 

 

 

[35 006] Etruskische Namen

1st., Mi 16-17                                                                                                                Steinbauer

 

Obwohl das Etruskische ein Gentilnamensystem besitzt, sind die Benennungsweisen etr. Männer und Frauen variabler und vielfältiger als etwa im Lateinischen. Eine große Zahl aus den Nachbarsprachen entlehnter Namen (z.B. Ma(ma)rce, Latine, Tite) fällt auf. Wegen der reichen und frühen (ab 7. Jhdt. vor) inschriftlichen Belege bilden etr. Namen auch eine wichtige Nebenüberlieferung für die Erforschung lateinischer Namen.

 

 

 

[36301]  Einführung in die Namenforschung für Slavisten                                 Hansack

1-st., Mi 12-13

 

In der Vorlesung werden die notwendigen Grundkenntnisse vermittelt, die erforderlich sind, um selbst Namenforschung zu betreiben. Es werden die Forschungsmethoden der Onomastik erörtert und es wird die wichtigste namenkundliche Literatur vorgestellt, abhängig von den Studienschwerpunkten der Teilnehmer und zugeschnitten auf die Schwerpunkte der Regensburger Slavistik. Außerdem wird gezeigt, wie man das neue Modul "Namenkunde" sinnvoll in ein Slavistikstudium integrieren kann.

 

 

 

 

Übungen im Grund- und Hauptstudium

(mit Leistungspunkten)

 

 

[35 421]   Thumirnicht, Dummerwitz und Konsorten – Namen und Dialekte                  Scherf

2st., Mo  12-14

Indem Eigennamen aus dem Wortschatz hervorgehen und mit diesem sich ständig wandeln, besitzen sie zugleich das nötige historisch angewachsene Potenzial, als sprachökonomisch identifizierende Mittel aussagenkonstituierend und Emotionen weckend zu wirken. Auf welche Weise Namen Identitäten konstituieren, verbergen oder auch demontieren, wobei Komisches, Ironisches, Volksetymologisches, Allu­sives, neben Bedenklichem, Destruktivem (bis hin zur Diffamierung von Namen­trägern) begegnen kann, soll in entsprechenden Übungen erkennbar werden. The­matisierte Untersuchungsgegenstände könnten hierzu Namengebung und -gebrauch innerhalb von dialekträumlich markierten Tätigkeits- und Siedlungsbereichen, beim Sprachkontakt in Sprachgrenzregionen, in (volkskundlich-)literarischen Texten u.a.m. sein. Dass dabei der Name als sprachliches Zeichen behandelt wird, ergibt sich aus dem Anspruch einer germanistischen Lehrveranstaltung.

Einführende Literatur: Gerhard Koß: Namenforschung. Eine Einführung in die Onomastik. 2. Aufl. Tübingen 1996. – Hermann Niebaum/Jürgen Macha: Einfüh­rung in die Dialektologie des Deutschen. Tübingen 1999.

 

 

 

Kolloquium

 

 

In ca. vierwöchigem Rhythmus wird ein Kolloquium „Ortsnamen“ von Herrn Profes­sor Greule angeboten (Tag und Zeit nach Vereinbarung).

 

In diesem Kolloquium werden laufende (Prüfungs)arbeiten, hauptsächlich zu (bairischen) Ortsnamen, diskutiert.

 

 

 

 

Hauptseminar

 

 

[36331]  Slavistische Namenforschung                                                                Hansack

2-st., Fr 12-14

 

Die Namenforschung ist ein Bereich, der den Studenten der Slavistik noch ein weites Betätigungsfeld eröffnet (z.B. auch hinsichtlich einer Magisterarbeit). Voraussetzung ist natürlich ein spezifisches Interesse an namenkundlichen Problemen. Behandelt werden je nach Wunsch der Teilnehmer west- oder ostslavische Namen.