Onomastik / WS 2004/05 / Kommentar

 

 

 

Vorlesungen

(für alle Studierenden des Grund- und Hauptstudiums; keine Anmeldung erforder­lich)

 

 

[35004] Die indogermanischen Personennamen                                            Klingenschmitt

1-st., Fr 11-12     Raum s. Aushang                                                              Beginn: 22.10.2004

 

Die indogermanischen Personennamen bestehen in der Mehrzahl aus (zweigliedrigen) Komposita, die zumeist eigens zum Zwecke der Namengebung geschaffen sind.

Die Personennamen der meisten altindogermanischen Sprachen sind nach den gleichen oder nach ähnlichen Prinzipien gebildet (z.B. Indisch, Iranisch, Griechisch, Keltisch, Germanisch, Baltisch, Slavisch). Sie bestehen in der Mehrzahl aus (zweigliedrigen) Komposita, die zumeist eigens zum Zwecke der Namengebung geschaffen sind; z.B. gr. Menélāos  < *mené-lāwo- ‚dem gegnerischen Kriegsvolk standhaltend’, germ. Guntram < urgerm. *gunþi- *xraƀna- ‚Kampf-Rabe’. Komposita bilden letztlich auch die Grundlage von Kurznamen des Typs gr. Kléommis: Kleo-ménēs ‚Sinn nach Ruhm habend’ Akhil(l)éus: *akhí-lāwo- ‚das gegnerische Kriegsvolk betrübend’, dt. Otto: Ottfried < urgerm. *ađa-friþu-, etwa ‚dem Besitz Frieden (Sicherheit) schaffend’, Otmar < urgerm. *ađa-mēra- ‚durch Besitz bekannt’. Seltener finden sich demgegenüber eingliedrige Namen; z.B. gr. Héktōr < *śeĝh-tōr ‚Überwinder’, dt. Karl < urgerm. *karla- ‚Mann’ < *gor(h2)-lo- ‚alter Mann’.

 

Die Lehrveranstaltung bietet zunächst eine gedrängte Übersicht über die Bildung der Personennamen in den wichtigsten altindogermanischen Sprachen. Die hier zu beobachtenden Gemeinsamkeiten gestatten Rückschlüsse auf die Beschaffenheit der Personennamen zur Zeit der indogermanischen Grundsprache. In der Folge wird die Bildeweise der Personennamen in den meisten altindogermansichen Sprachen eingehend besprochen; z.B. Komposita wie gr. Mené-lāos (verbales Rektionskompositum), Sō-krátes < *sawo-krátēs ‚unversehrte Stärke habend’ (Possessivkompositum), dt. Ottfried (Possessivkompositum), Otmar (Determinativkompositum mit adjektivischem Hinterglied); Kurznamen wie gr. Eurustheús (Kurznamensuffix –eús): Vollname euru-sthénēs ‚weite Kraft habend’, Kleommis (Kurznamensuffix –i-), dt. Dietz < *þed-son- (Kurznamensuffix –son-): Vollnamen wie Dietmar < *þeđo-mēra- ‚im Volk bekannt’, Dietrich < *þeđo-rīk- ‚Volks-Herrscher’.

Zum Abschluß werden Personennamen in Sprachen behandelt, wo Personennamen nach anderen, nicht ererbten Prinzipien geschaffen sind (z.B. lat. Quintus ‚das fünfte Kind’, Gnaeus ‚der mit einem Muttermal Behaftete’, Remus wohl ‚der Dicke’.

Im Mittelpunkt der Lehrveranstaltung steht die sprachwissenschaftliche Problematik, doch finden daneben auch kulturgeschichtliche Gesichtspunkte Berücksichtigung.

 

[35402] Einführung in die Namenkunde                                                                         Koß

2-st., Mi 14-16 (14-tägig)

 

Namenkunde (Onomastik) als internationale und interdisziplinäre Wissenschaft beschäftigt sich sowohl mit den „klassischen“ Namenarten (Personen-, Ortsnamen) als mit synchronen Fragen: theoretischer Status der Eigennamen, gedächtnispsychologische Probleme, Markennamen (zum Beispiel: Dürfen Regensburger Dresdner Stollen backen?).

 

Literaturhinweise: Koß, Gerhard: Namenforschung. Eine Einführung in die Onomastik. Tübingen 2002, 3. Aufl. – Brendler, Andrea und Silvio (Hrsg.): Namenarten und ihre Erforschung. Hamburg 2004.

 

 

[36301]  Einführung in die Namenforschung für Slavisten                                     Hansack

1-st., Mo 8-9 in PT 1.0.5

 

In der Vorlesung werden die notwendigen Grundkenntnisse vermittelt, die erforderlich sind, um selbst Namenforschung zu betreiben. Es werden die Forschungsmethoden der Onomastik erörtert und es wird die wichtigste namenkundliche Literatur vorgestellt, abhängig von den Studienschwerpunkten der Teilnehmer und zugeschnitten auf die Schwerpunkte der Regensburger Slavistik. Außerdem wird gezeigt, wie man das neue Modul "Namenkunde" sinnvoll in ein Slavistikstudium integrieren kann.

 

 

 

Hauptseminar

 

[36326]  Slavistische Namenforschung                                                                Hansack

2-st.,  Mo 10-12 in PT 1.0.5

 

Die Namenforschung ist ein Bereich, der den Studenten der Slavistik noch ein weites Betätigungsfeld eröffnet (z.B. auch hinsichtlich einer Magisterarbeit). Voraussetzung ist natürlich ein spezifisches Interesse an namenkundlichen Problemen. Behandelt werden je nach Wunsch der Teilnehmer west- oder ostslavische Namen.