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Urheberrecht in der Universitätsbibliothek

Handreichung für Universitätsangehörige

Fragen zum Urheberrecht treten im Umgang mit gedruckten und elektronischen Büchern, Zeitschriften und Musikwerken häufig auf.

Diese Liste aus Fragen und Antworten soll als Orientierung im Alltag dienen, enthält jedoch keine rechtsverbindlichen Auskünfte. Nicht zulässig ist alles, was den Rahmen einer normalen Nutzung deutlich überschreitet, wie Massenausspeicherung aus Datenbanken, exzessives Ausdrucken ganzer E-Books, jahrgangsweises Herunterladen von E-Zeitschriften.

Bitte achten Sie darauf, zu welchen Materialarten (gedruckte oder elektronische) und für welche Anwendungsbereiche (persönliche Nutzung, öffentliche Verwendung) die jeweiligen Antworten gegeben werden. Achten Sie bitte auch auf die inhaltliche Unterscheidung in den Formulierungen privater Gebrauch, eigener wissenschaftlicher Gebrauch und sonstiger eigener Gebrauch (s. Frage 2)


Wie lange besteht urheberrechtlicher Schutz?

Wie lange besteht urheberrechtlicher Schutz an einem Buch, einer Zeitschrift oder einem Musikwerk?

Grundregel §64 UrhG: Das Urheberrecht erlischt 70 Jahre nach dem Tod des Urhebers. Danach sind diese Werke gemeinfrei und damit frei benutzbar.


Privater Gebrauch, wissenschaftlicher Gebrauch, eigener Gebrauch?

Wie wird privater Gebrauch, eigener wissenschaftlicher Gebrauch und sonstiger eigener Gebrauch definiert?

Privater Gebrauch = privat ist nur, was sich im häuslichen Bereich oder im Freundeskreis abspielt;

Eigener Gebrauch = eigene Verwendung und keine Weitergabe an Dritte. Der Begriff ist weiter als privater Gebrauch und schließt diesen ein;

Wissenschaftlicher Gebrauch: dazu zählt auch der Student bei der Abfassung seiner Hausarbeit.


Aufsatz aus Zeitschrift kopieren, der von privatem Interesse ist?

Ist es zulässig, einen Aufsatz aus einer Zeitschrift zu kopieren, der von privatem Interesse ist?

Ja, §53 Abs.1 UrhG: Es ist zulässig, einzelne Vervielfältigungsstücke eines Werkes zum privaten Gebrauch herzustellen oder durch Dritte (z.B. Bibliothek) herstellen zu lassen.


Kapitel eines Fachbuches für eigene Dissertation kopieren?

Ist es zulässig, mehrere Kapitel eines wissenschaftlichen Fachbuches für die eigene Dissertation zu kopieren?

Ja, nach §53 Abs.2 Nr.1 UrhG ist es zulässig, einzelne Vervielfältigungsstücke eines Werkes zum eigenen wissenschaftlichen Gebrauch herzustellen oder herstellen zu lassen.


Ist es zulässig, ein Buch oder eine Zeitschrift komplett zu kopieren?

Ist es zulässig, ein Buch oder eine Zeitschrift komplett zu kopieren?

In Ausnahmefällen ja. Zwei Fälle sind für die Praxis relevant. Es ist zulässig, ein Buch komplett zu kopieren, wenn das Werk gemeinfrei ist (s. Frage 1) oder es seit mindestens zwei Jahren vergriffen ist. Ein Werk ist vergriffen, wenn es nicht mehr im Buchhandel oder über den Verlag käuflich zu erwerben ist. (Ebenfalls zulässig durch Abschreiben oder mit Einwilligung des Rechteinhabers oder wenn das Werk in das eigene Archiv aufgenommen wird und als Vorlage ein eigenes Werkstück diente.) Zulässig ist aber nur die Herstellung von Kopien auf Papier oder ähnlichen Trägern mittels fotomechanischer oder ähnlicher Verfahren oder die ausschließlich analoge Nutzung (§ 53 Abs. 2 S. 3 UrhG). Ansonsten ist eine „im wesentlichen vollständige“ Kopie eines Buches oder einer Zeitschrift nicht zulässig. Was „im wesentlichen vollständig“ bedeutet, ist in Rechtsprechung und Literatur strittig, max. 75%.


Ist es zulässig Musiknoten zu kopieren?

Ist es zulässig Musiknoten zu kopieren?

Die Vervielfältigung von Musiknoten ist ohne Genehmigung des Rechtsinhabers nur zur Aufnahme in ein eigenes Archiv oder für den eigenen Gebrauch zulässig, falls das Werk seit mindestens zwei Jahren vergriffen ist. Die Aufnahme in ein eigenes Archiv setzt die Verwendung eines im Eigentum des Archivbetreibers stehenden Werkstücks als Vorlage voraus.


Wie viel von einem Buch darf maximal gescannt werden?

Wie viel von einem Buch darf maximal gescannt werden?

Zu wissenschaftlichen und privaten Zwecken dürfen von ganzen Büchern und vollständigen Zeitschriftenheften keine im Wesentlichen vollständigen Kopien des Inhalts angefertigt werden (max. 75 %, str.). Für den sonstigen eigenen Gebrauch darf es nur „ein kleiner Teil“ eines Werkes sein (max. 10 % str.) oder es darf sich nur um einzelne Beiträge aus Zeitschriften oder Zeitungen handeln.


Dürfen E-Books ausgedruckt werden?

Dürfen E-Books ausgedruckt werden?

Beim Ausdruck ganzer E-Books entscheiden die Bedingungen des Lizenzvertrags für das E-Book. Soweit der Lizenzvertrag die Rechte aus § 53 UrhG nicht einschränkt oder dem Nutzer mehr Rechte zuerkennt, gilt für vollständige Zeitschriften und E-Books die Antwort zu Frage 5.


Welche Werke dürfen in elektron. Semesterapparat eingestellt werden?

Welche Werke dürfen in den elektronischen Semesterapparat eingestellt werden, §52 a UrhG?

Veröffentlichte kleine Teile eines Werkes (max. 12 % des Textes und nicht mehr als 100 Seiten. Dabei sind sämtliche Seiten zu berücksichtigen, die keine Leerseiten sind und deren Inhalt überwiegend aus Text besteht. Zu berücksichtigen sind daher auch Inhaltsverzeichnis, Vorwort, Einleitung, Literaturverzeichnis, Namensregister, Sachregister. Nicht zu berücksichtigen sind Leerseiten und Seiten, die überwiegend aus Bildern, Fotos oder Abbildungen bestehen.), Werke geringen Umfangs (max 25 Seiten, Musik 6 Seiten) sowie einzelne Beiträge aus Zeitungen oder Zeitschriften. Die Beschränkung auf Werkteile darf nicht durch sukzessive Entnahme umgangen werden.

Das öffentlich-Zugänglichmachen ist nicht zu dem jeweiligen Zweck geboten und damit unzulässig, wenn der Rechtsinhaber die Werke oder Werkteile in digitaler Form für die Nutzung im Netz der jeweiligen Einrichtung zu angemessenen Bedingungen anbietet. (Lizenzgebühr muss angemessen sein, Lizenzangebot muss unschwer aufzufinden sein und die Verfügbarkeit des Werkes oder der Werkteile müssen schnell und unproblematisch gewährleistet sein.)

Aktuell: BGH 1. Zivilsenat Meilensteine der Psychologie, v. 28.11.2013, Az.: I ZR 76/12 (Quelle: Juris)


Welche Bücher dürfen an elektron. Leseplätzen zur Verfügung gestellt werden?

Welche Bücher dürfen an den elektronischen Leseplätzen in der Bibliothek zur Verfügung gestellt werden (§52b UrhG)?

Bücher aus dem Bestand der Bibliothek soweit dem keine vertraglichen Regelungen entgegenstehen.  Gemeint sind Regelungen in bestehenden Verträgen und keine Regelungen in bloßen Vertragsangeboten. Die zur Zugänglichmachung erforderlichen Vervielfältigungen sind zulässig. An elektronischen Leseplätzen dürfen Werke unter den Voraussetzungen des § 52b S.1 und 2 UrhG auch dann zugänglich gemacht werden, wenn sie von Nutzern der elektronischen Leseplätze nicht nur gelesen, sondern ausgedruckt oder abgespeichert werden können.

An elektronischen Leseplätzen nach § 52b S.1 und 2 UrhG zugänglich gemachte Werke dürfen von Nutzern der elektronischen Leseplätze unter den Voraussetzungen des §53 UrhG vervielfältigt werden, s. dazu Frage 1-8. Betreiber elektronischer Leseplätze können für unbefugte Vervielfältigungen eines Werkes durch Nutzer der elektronischen Leseplätze haften, wenn sie nicht die ihnen möglichen und zumutbaren Vorkehrungen getroffen haben, um solche Rechtsverletzungen zu verhindern.

BGH, Urteil vom 16. April 2015 –I ZR 69/11 (Quelle: juris),

Gegen das Urteil ist Verfassungsbeschwerde eingelegt worden. (Quelle: boersenblatt.net)


Was passiert bei Verstößen gegen das Urheberrechtsgesetz?

Was passiert bei Verstößen gegen das Urheberrechtsgesetz?

Das Urheberrechtsgesetz sieht bei schuldhaften rechtswidrigen Verletzungen neben den zivilrechtlichen Vorschriften (Ansprüche auf Unterlassung, Vernichtung, Überlassung und Schadenersatz auch für immaterielle Schäden) auch die Anwendung strafrechtlicher Vorschriften vor, die Geldstrafe oder Freiheitsstrafe androhen und bereits den Versuch unter Strafe stellen (§ 97 ff UrhG).


Literaturhinweise

  1. Universität

Universitätsbibliothek

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Telefon: 0941 943-3990

Studentin mit Laptop vor Zentralbibliothek