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Das seit Sommersemester 2013 stattfindende „Colloquium zur Philosophie der Antike“ ist eine fächerübergreifende, thematische Seminarreihe, welche sich im Verbund des Zentrums für Klassikstudien insbesondere an alle Studierenden der Philosophie und Klassischen Philologie richtet, die sich für die Grundprobleme des antiken Denkens und deren Rezeption interessieren. Selbstverständlich sind auch Teilnehmer anderer Fächer, sofern sie das genannte Interesse bei sich wecken wollen oder schon geweckt haben, willkommen.
Im Ausgang von grundlegenden Themen des frühen und klassischen griechischen Denkens werden, je nach Problem- und Fragestellung, ausgewählte Fragmente der Vorsokratiker sowie Passagen aus dem platonischen und dem aristotelischen Corpus gelesen. Ergänzend sollen auch Texte zu Rate gezogen werden, die dem gesamten antiken, griechischen wie lateinischen Schrifttum entstammen können.
Das „Colloquium“ bietet Studierenden, auf dieser Basis einer gemeinsamen themen-, problem- und fragenorientierten Lektüre, Gelegenheit zum philosophisch-philologischen Gespräch und Austausch.
Arbeitsgrundlage bilden deutsche Übersetzungen, jedoch stets mit Blick auf das griechische bzw. lateinische Original. Daher sind Kenntnisse der Klassischen Sprachen erwünscht, aber keineswegs Voraussetzung für die Teilnahme; ausgegangen wird lediglich von der grundsätzlichen Bereitschaft, sich auf die Andersheit elementarer Phänomene des Griechischen und Lateinischen einzulassen. So soll z.B. jeder Teilnehmer im Laufe der Zeit in die Lage versetzt werden, einzelne antike Begriffe und Fragen von der Sinnstruktur der Originaltexte her zu verstehen (was allerdings die Kenntnis des griechischen Alphabets voraussetzt).
Umgekehrt wird Gräzisten und Latinisten ein zusätzlicher, konzentrierter Raum eröffnet, um sich mit der antiken Philosophie und deren für die abendländische Überlieferungsgeschichte grundlegenden Problemen zu befassen; dazu gehören u. a. die Nähe von Denken und Dichtung (in Sinne der ursprünglichen Sophia) und der in dieser Nähe gründende Bereich des Ethischen, in dem nach platonisch-aristotelischem Verständnis jedes wissenschaftliche wie ästhetische, politische wie ökonomische Problem fundiert ist. Das „Colloquium“ kann somit Studierenden der Philosophie als eine einführende Übung in die griechische oder lateinische Sprache, Klassischen Philologen als eine Einleitung in die antike Philosophie dienen.
Da zwar die Veranstaltung für Module verschiedener Studiengänge (s.u. zu den einzelnen Veranstaltungskommentaren) geltend gemacht werden kann, der bloße Scheinerwerb jedoch nicht als Motivation für die Teilnahme genügt, werden Interessenten um Anmeldung per E-Mail gebeten.
Die frühgriechischen Denker, sophoi, gelten für uns heute als diejenigen, auf deren Denken, sophia, sich in erster Linie die späteren Begründer der philosophia, Sokrates, Platon und Aristoteles, d.h. die philosophoi, berufen. Der Name sophos bezeichnet ursprünglich überhaupt den Erfahrenen, Geschickten und Kundigen, dann den Dichter, schließlich, in Abwandlung, auch den Sophisten (sophistes), insofern deren Wissen und Können konkret ist und sie durch dieses zugleich einen Stand im Ganzen dessen repräsentieren, was überhaupt ist, wird, scheint sowie gedacht und getan werden kann. So bildet die Frage nach der Bestimmung des Ganzen dessen, was ist und was es gibt, die Frage nach dem Seienden im Ganzen im Sinne der physis, eine wesentliche Grund- und Ausgangsfrage des Denkens der frühen sophoi und wird für die spätere philosophia sinnstiftend.
Von dieser thematischen Frage ausgehend wollen wir uns im Wintersemester drei in dieser Hinsicht exemplarischen Vorsokratikern zuwenden, nämlich Anaximander, Parmenides und Heraklit. Auf dem Wege einer wortgetreuen Lektüre ihrer spruch- bzw. bruchstückhaft überlieferten Werke soll deutlich werden, wie und als was bei Ihnen jeweils die physis konkret ausgelegt ist.
Die Lektüre begleiten werden stets Fragen nach der Sprache, der Überlieferung und dem Fortwirken der gelesenen Zeugnisse.
Die Veranstaltung ist für die folgenden Module anrechenbar:
GRI-M-04/05/13/14/15, KS-M-15/16/26/30/33/36/37/38, KLA-M-04, PHI-M-01/09/ 10/35
Die Geschichte des abendländischen Denkens läßt sich in eine vormetaphysische, metaphysische und nachmetaphysische Phase einteilen, was eine sowohl historische als auch systematische Struktur der Metaphysik einbegreift.
Im Sommersemester 2013 wollen wir uns, ausgehend von der Lektüre der drei berühmten platonischen Gleichnisse aus dem Dialog „Politeia“, zum einen den systematischen Begriff der Metaphysik im Sinne einer Ontologie erarbeiten, wie er im platonisch-aristotelischen Denken fundiert ist und im Zentrum der Geschichte des abendländischen Denkens steht. Zum anderen sollen im Zuge dieser Begriffsgewinnung einzelne Grundprobleme der Ästhetik, Wissenschaftstheorie und Ethik diskutiert und von ihrem platonischen Ursprungszusammenhang her beleuchtet werden.
Die Lektüre begleiten werden Fragen nach der Sinndimension des platonischen Dialogs, des platonischen Gleichnisses sowie der platonischen Ironie.
Die Veranstaltung ist für die folgenden Module anrechenbar:
GRI-M-04/13/14, KS-M-15/16/26/30/33/36/37/38, KLA-M-04, PHI-M-01/09/10/35
Dr. Sergiusz Kazmierski
Universitätsstr. 31
D-93053 Regensburg
Tel (+49) (0)941 943-3665
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