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Klassische Philologie - Gräzistik

Vorlesung

[35200] Die griechische Literatur des 4. Jahrhunderts (Griechische VL Prosa/Poesie)
(KS-M26/27/30/31/33/36/37/38)   
2st., Di 14 - 16, H 8, Beginn: 17.04.2012   
Rechenauer

Verglichen mit der – weithin unbestrittenen – Blüte der griechischen Literatur im 5. Jh. v. Chr. scheint der literarischen Produktion des 4. Jh.s ein nicht mehr ebenbürtiger, ja fast epigonenhafter Rang zuzufallen. Eine derartige Einschätzung mag im Hinblick auf einzelne Formen wie die Tragödie oder die Historiographie, die im Zeitalter der Klassik des 5. Jh.s ihre gültige Ausprägung erfahren haben, berechtigt sein. Gleichwohl darf nicht übersehen werden, daß einige der größten Leistungen des geistigen und literarischen Lebens bei den Griechen dem 4. Jahrhundert angehören, so die philosophischen Systeme eines Platon (Akademie) und Aristoteles (Peripatos), ebensowenig stellt sich der rhetorischen Kunst eines Demosthenes Vergleichbares aus dem 5. Jh. zur Seite. Und unzweifelhaft ist eine Reihe von literarischen Gattungen für uns überhaupt erst in fortan kanonisierter Form des 4. Jh.s greifbar wie etwa der literarisch-philosophische Dialog oder der enkomiastische Fürstenspiegel. Nicht zu vergessen, daß sich die politische Komödie des 5. Jh.s in dieser Zeit zu einer Neuen Komödie hin entwickelt, die in dieser Gestalt von den Römern bis in die europäische Neuzeit als klassisches Vorbild komischen Spiels gedient hat.
Die Vorlesung will am Leitfaden gattungsgeschichtlicher Entwicklungen einen Überblick über diese Phase der griechischen Literatur geben, die sich in vielerlei Hinsicht als eine Epoche des Wandels darstellt: Der bisherige Sitz der Literatur im Leben der Polis wird zunehmend abgelöst von einer Literarisierung, neben den bisherigen geistig-kulturellen Mittelpunkt Athen treten alsbald die neuen hellenistischen Zentren. Von nun an übernimmt die Prosaliteratur die Führung vor der Poesie, insbesondere Philosophie und Rhetorik bereiten die geistigen Grundlagen der hellenistischen Welt vor. Bei dieser Betrachtung sollen ebenso die historischen Voraussetzungen, die Entwicklungen der verschiedenen Gattungen und ihre Formprobleme behandelt werden wie die vielfältigen Arten der Rezeption.

Literatur:
- B. L. WEBSTER: Art and Literature in Fourth Century Athens, London 1956.

Seminare

[35201] Homer, Odyssee (Griechisches HS Poesie)
(KS-M31/33/37/38)   
2st., Di 16 - 18, PT 3.3.66, Beginn: 17.04.2012
Rechenauer

In diesem Hauptseminar sollen weniger die heute schon fast obsoleten Fragen nach der vorgeblich schichtenanalytisch aufzuhellenden Genese der Odyssee oder gar nach der historischen Person des Dichters Homer traktiert werden, vielmehr soll das in der Odyssee vorliegende Werk in seiner durch die Forschung der letzten Jahrzehnte von vielen Seiten erhellten Eigenart im Blickpunkt des Interesses stehen. Demzufolge wird auch von der sog. „homerischen Frage“ im traditionellen Sinne eher wenig die Rede sein. Dagegen sollen folgende Themenkreise ausführliche Behandlung finden: Die Voraussetzungen und Bedingungen der Tradition des homerischen Epos; der Problemkreis von Mündlichkeit und Schriftlichkeit; das Verhältnis von dargestelltem Gegenstand und Darstellung; Aufbau und Struktur des homerischen Epos; Eigenart der epischen Dichtersprache. Besonderes Augenmerk wird der Frage gelten, in welcher Weise der hermeneutische Prozess zwischen Autor und Publikum als ein auf Verstehbarkeit gerichteter Akt das dichterische Schaffen mitbestimmt hat.

Die Teilnehmer sollten im Besitz einer wissenschaftlichen Textausgabe der Odyssee sein, z.B.:
-    HOMERI opera, recognovit brevique adnotatione critica instruxit Th. W. ALLEN, Tomus III, Oxonii 1917 (seither immer wieder nachgedruckt),
-    HOMERI Odyssea, recogn. P. VON DER MÜHLL, Basileae 1962 (ND Stuttgart 1984),
    oder:   
-    HOMERI Odyssea, recogn. H. VAN THIEL, Hildesheim 1991.

Aus der beinahe unüberschaubaren Literatur seien zur ersten Orientierung genannt:
-    W. SCHADEWALDT: Von Homers Welt und Werk, Stuttgart 31959 (ND 1966).
-    J. LATACZ (Hrsg.): Homer. Tradition und Neuerung (WdF Bd. 463), Darmstadt 1979.
-    J. LATACZ: Homer. Der erste Dichter des Abendlandes, München-Zürich 1989.
-    H. PATZER: Die Formgesetze des homerischen Epos, Stuttgart 1996.
-    J. LATACZ (Hrsg.): Zweihundert Jahre Homer-Forschung. Rückblick und Ausblick, Stuttgart-Leipzig 1991 (Colloquium Rauricum 2).
- R. FOWLER (Ed.): The Cambridge Companion to Homer, Cambridge 2004.   


[35202] Repetitorium zur Examensvorbereitung (Griechisches Oberseminar
(KS-M30/31/33/37/38)   
2st., Mi 10-12, PT 3.3.66, Beginn: 18.04.2012   
Rechenauer

Angesichts des immer wieder vernehmbaren Unbehagens über die Fülle der in einem Klassisch-Philologischen Studium zu bewältigenden Inhalte und Themen möchte diese Veranstaltung an einzelnen Schwerpunkten der griechischen Philologie systematisch dazu anleiten, examensrelevante Sachgebiete und Methoden zu wiederholen und zu vertiefen. Natürlich kann dadurch nicht die intensive Beschäftigung mit diesen Themen und Fragestellungen, wie sie im Rahmen des Studiums angeboten wird, ersetzt werden. Vielmehr soll hier ein Leitfaden geboten werden zur effizienten Wiederholung, Erweiterung und Vertiefung der im Studium erarbeiteten Grundthemen.


[35203] Euripides, Medea (Griechisches PS Poesie)
(KS-M27/33/36/37/38)   
2st., Do 10 - 12, PT 3.3.68, Beginn: 19.04.2012   
Rechenauer

Eine Frau, die aus heißer Liebe zu einem fremden Mann die eigenen Eltern hintergeht und schädigt, sodann mit dem Geliebten durchbrennt und auf der Flucht durch Dick und Dünn geht, schließlich, als der geliebte Mann sich einer anderen Frau zuwendet, zu grausamer Rache schreitet und dabei sogar die gemeinsamen Kinder ermordet – eine solche Protagonistin bot alle Voraussetzungen, um auf der Bühne jedes Register tragisch-dramatischer Kunst zu ziehen. Aber seltsam genug – als Euripides im Jahre 431 mit der Trilogie, deren erstes Stück die Medea war, zum Agon antrat, musste er sich mit dem dritten Platz begnügen. Ob das, wie die Euripideskritik des Komikers Aristophanes glauben machen kann, an seinem missliebigen Interesse für einen – nach damaligen Maßstäben – bühnenunwürdigen Gegenstand wie der weiblichen Psyche lag, können wir nicht sagen. Heute jedenfalls, mehr als 2400 Jahre später ist das Stück von diesem Misserfolg längst revidiert: Aufgrund der Geschlossenheit des Aufbaus, der Geradlinigkeit der Handlungsführung, insbesondere aber der eindrucksvollen Darstellung der seelischen Kämpfe und Qualen der Helden wird das Stück unter die Meisterwerke des Euripides wie der dramatischen Kunst insgesamt gerechnet.
In diesem Seminar soll nach einer knappen Einführung in die tragische Dichtung Athens die Interpretation des Stückes, vornehmlich der drei großen Monologe Medeas im Vordergrund stehen. Vorgesehen ist auch ein Vergleich der euripideischen Medea mit den gleichnamigen Stücken Senecas und Corneilles.

Empfohlene Textausgabe:
-    EURIPIDIS Fabulae, ed. J. DIGGLE, Tom. I, Oxford 1984;
    oder auch die ältere Oxford-Ausgabe von G. MURRAY, Tom. I, 1902 u. ö.



Hinweise zu den beiden Griechischen Proseminaren für Lateinstudierende:
Wegen der zu erwartenden hohen Teilnehmerzahl wird es nötig sein, eine gleichmäßige Aufteilung auf die beiden Proseminare vorzunehmen.
Zunächst werden alle Interessenten gebeten, sich in zwei Listen, die im Sekretariat des Lehrstuhls Griechisch (Frau Götzfried, PT 3.3.67, Mo-Do 8:30 - 11:30) aufliegen, verbindlich einzutragen.

Wenngleich der Scheinerwerb zur Anrechnung innerhalb der Griechischmodule M04 bzw. M05 ausdrücklich nicht möglich ist, stehen beide Veranstaltungen, sofern Plätze frei bleiben, auch Griechischstudierenden offen.

[35204] Grundbegriffe der antiken Ethik im Ausgang von Aristoteles (Griechisches PS für Lateinstudierende I - Prosa)
(KS-M26/33/36/37/38)       
2st., Di 8:30 - 10, H 12, Beginn: 17.04.2012   
Kazmierski

Um in eine Beschäftigung mit der antiken Ethik zu treten – „Ethik“ meint hier den Begriff dessen, was Aristoteles die „ἠθικὴ ἐπιστήμη“ nennt und wiederum Cicero als „philosophia moralis“ auslegt und übersetzt –, bestehen vor allem zwei Zugangswege: Auf der einen Seite steht die Möglichkeit offen, sich in den aus der griechisch-römischen Welt überbrachten Ethiken der drei dahingehend bedeutsamsten Geistesströmungen des Skeptizismus, Epikureismus und der Stoa zu befassen und deren griechische Ursprünge sowie römische Ausprägungen kennenzulernen. Auf der anderen Seite aber zeigt sich ein Zugang, der über die antikimmanente Theorie der Ethik führt, deren ursprünglichste Ausgestaltung die Nikomachische Ethik des Aristoteles darstellt, welcher somit auch als Begründer der Ethik im Sinne einer philosophischen Disziplin gelten darf.
In diesem Proseminar sollen beide Zugangsweisen, d. h. zum einen die historische, zum anderen die systematische aus einem gemeinsamen Ursprung des Begrifflichen her vollzogen werden. So wird einerseits der Versuch unternommen, anhand der Durchsprache der in der Nikomachischen Ethik grundlegenden Begriffe Gut, Glück, Tugend, Maß, λόγος, Seele, Natur, Leben die Blickstellung der antiken Ethik in ihrer epochalen Ganzheit zu erfahren. Andererseits aber sollen – im Ausgang von der Gewinnung eines solchen begriffssystematischen Rüstzeugs – skeptische, epikureische und stoische Grundpositionen erarbeitet werden: durch Lektüre historischer Passagen u. a. aus Platon, Epikur, Lukrez, Cicero, Seneca. In der Doppeltheit des systematisch-historisch Begriffenen wird ferner zur Einsicht kommen können, daß der epochale Unterschied von antiker und moderner Ethik gerade darin begründet zu liegen scheint, was sich für uns als die mitunter „unübersetzbare“ Kluft zwischen Ethik und Moral zeigt. 

Die Texte werden zwar in Kopie zur Verfügung gestellt, zur Anschaffung empfiehlt sich jedoch:
-    ARISTOTELIS Ethica Nicomachea, recognovit brevique adnotatione critica instruxit I. BYWATER, Oxonii 1894. [öfter nachgedruckt]


[35205] Griechische Vorbilder lateinischer Dichtung
(Griechisches PS für Lateinstudierende II - Poesie)
(KS-M27/33/36/37/38)   
2st., Do 18s.t. - 19:30, W 115, Beginn: 19.04.2012   
M. Hagmaier

Graecia capta ferum victorem cepit et artis | intulit agresti Latio (Hor. epist. 2,1,156f.). Im Wort von der „Einnahme“ Roms durch Griechenland findet die wissenschaftliche, literarische und künstlerische Überlegenheit der Griechen gegenüber den Römern ihren eindrucksvollen Niederschlag. Spiegelt sich Roms Abhängigkeit vom griechischen Vorbild im Bereich der Literatur zunächst in einer Phase der Unselbständigkeit, in der zumeist Übersetzungen und Bearbeitungen entstehen, suchen die römischen Dichter der klassischen Zeit aus einer gewissen Distanz mit den griechischen Vorbildern zu wetteifern.
Im Zentrum des Seminars wird die Interpretation ausgewählter Partien bzw. Gedichte von Catull, Vergil und Horaz und ihren griechischen Vorbildern stehen, vornehmlich also von Texten aus den homerischen Epen und der frühgriechischen Lyrik. Dabei werden geeignete Textbeispiele unmittelbar gegenübergestellt, die die Verfahrensweise der römischen Dichter bei der Übernahme von Themen, Motiven, poetischen Ausdrucksmitteln und metrischen Formen exemplarisch erhellen.
Die Veranstaltung möchte einen Einblick in die schöpferische aemulatio der römischen Dichter mit ihren griechischen Vorbildern vermitteln und für die künftige Lektüre lateinischer Dichtung dazu anleiten und anregen, sich für ein vertieftes Verständnis der Texte eigenständig die entsprechenden griechischen Vorbilder zu erschließen.

Texte werden in Kopie zur Verfügung gestellt.



Übungen

[35206] Grundwissen Griechische Philologie: Textkritik (Übung) (KS-M25/33)      
1st., Di 12 - 13, PT 3.3.68, Beginn: 17.04.2012   
Kazmierski

In dieser Übung soll zum einen das Problembewußtsein für die kritische Text- und Quellenlektüre geweckt, zum anderen in die Praxis dieses Bewußtseins als eines philologischen Grundlagenhandwerks eingeführt werden.
In Anbetracht dessen wird es somit zunächst notwendig sein, überhaupt den Gebrauch kritischer Textausgaben und ihre vielfach voneinander abweichenden Notierungsweisen systematisch kennenzulernen. In einem zweiten Schritt wollen wir das Entstehen einer kritischen Textausgabe exemplarisch beleuchten und die hierfür allen modernen Ausgaben letztlich zugrundeliegende sogenannte LACHMANN-MAASsche Methode untersuchen. In einem dritten Schritt werden wir anhand einer vereinfachten Überlieferungsgeschichte der antiken Texte im allgemeinen und der Geschichte der Textkritik im besonderen die genannte Methode in ihrer historischen Genese betrachten, um schließlich in einem vierten und letzten Schritt deren Grenzen einzusehen, welche insbesondere die Arbeiten von Giorgio PASQUALI und die auf letzteren aufbauenden von Martin L. WEST offengelegt haben.

Literatur:
-    P. MAAS: Textkritik. Leitfehler und stemmatische Fehler (1937), Leipzig 21950.
-    G. PASQUALI: Storia della tradizione e critica del testo, Firenze 1934. [nachgedruckt]
-    M. L. WEST: Textual Criticism and Editorial Technique, applicable to Greek and Latin texts, Stuttgart 1973. [als print on demand bei De Gruyter verfügbar]
-    S. TIMPANARO: Die Entstehung der Lachmannschen Methode. Für die deutsche Ausgabe vom Verfasser erweitert und überarbeitet. Autorisierte Übertragung aus dem Italienischen v. D. IRMER, Hamburg 21971 (Original: La genesi del metodo del Lachmann, Firenze 11963).
-    O. STÄHLIN: Editionstechnik. Ratschläge für die Anlage textkritischer Ausgaben, Leipzig-Berlin 21914.
-    L. D. REYNOLDS, N. G. WILSON: Scribes and Scholars. A guide to the transmission of Greek and Latin literature, Oxford 31991.

Zur Anschaffung empfohlen:
-    E. PÖHLMANN: Einführung in die Überlieferungsgeschichte und die Textkritik der antiken Literatur, 1. Band: Altertum, Darmstadt 32008.
-    E. PÖHLMANN (Hrsg.): Einführung in die Überlieferungsgeschichte und die Textkritik der antiken Literatur, 2. Band: Mittelalter und Neuzeit, Darmstadt 2003.


[35213] Übersetzungskurs Griechisch-Deutsch I (Übung)
(KS-M25/33)  
2st., Di 18s.t. - 19:30, PT 3.3.68, Beginn: 17.04.2012   
Annedore Groß

Die Veranstaltung ist für Studienanfänger bzw. Studierende des Grundstudiums gedacht. Sie soll die Kenntnisse der griechischen Syntax vertiefen und zugleich die Lektürefähigkeit fördern. Dazu dient neben der Einübung von Besonderheiten der Syntax anhand von Einzelsätzen die kontinuierliche Lektüre einer Rede des attischen Logographen Lysias.
Voraussetzung für den Scheinerwerb ist die regelmäßige, aktive Teilnahme an den Sitzungen sowie das Bestehen zweier Klausuren.

Zur Anschaffung empfohlen:
-    E. BORNEMANN, E. RISCH: Griechische Grammatik, Frankfurt/Main 21978 (u. Nachdrucke).
-    LYSIAE orationes cum fragmentis, ed. C. CAREY, Oxford 2007.


[35214] Übersetzungskurs Griechisch-Deutsch II (Übung)
(KS-M29/33)   
2st., Mo 18s.t. - 19:30, PT 3.3.68, Beginn: 16.04.2012
Schrott

Dieser Kurs richtet sich an fortgeschrittene Studierende (i.d.R. Hauptstudium). Gelesen werden Texte verschiedener Autoren und Genera, um dem Interesse der Studierenden für die Vielfalt der griechischen Literatur zu entsprechen.
Dabei wird es vor allem darauf ankommen, auf Auffälligkeiten sprachlicher Art einzugehen. Vertieft eingeübt werden soll die präzise, den Sinn treffende Übersetzung in korrektes Deutsch. Dabei ist auch die kritische Bewertung gedruckter Übersetzungen möglich. Ferner kann, je nach Teilnehmerkreis, an alten Staatsexamensklausuren geübt werden. Für den Scheinerwerb ist das erfolgreiche Bestehen zweier Klausuren Voraussetzung.

Lektüre

[35207] Euripides, Cyclops (Griechische Lektüre Poesie) 
(KS-M27/31/33)       
1st., 14tägig, Mi 14 - 16, PT 3.3.68, Beginn: 18.04.2012   
Gruber

Der Kyklops des Euripides ist das einzige vollständig erhaltene Beispiel für die Gattung des Satyrspiels. Ein solches wurde beim tragischen Agon jeweils als viertes Stück nach den drei Tragödien eines Dichters aufgeführt; es kann als entspannender ‚Nachschlag’ gesehen werden. Die trotz ihres heiteren Inhaltes streng von der Komödie zu unterscheidenden, da immer mythologische Themen behandelnden Satyrspiele folgen einem bestimmten Muster. Stets präsent sind die Satyrn („geile Waldteufel“, so Lesky) und deren Anführer, der Silen, sowie ein Ungeheuer, der sogenannte Oger. Im Kyklops nun sind die Satyrn Sklaven des Polyphem und bilden den Chor, als Odysseus plötzlich mit seinen Gefährten dort in der Wildnis ankommt. Die Handlung des Stücks schließt sich zwar an das 9. Buch der Odyssee an, enthält jedoch grundsätzliche Abwandlungen. So spielt sie nicht mehr im Inneren der Höhle, womit Odysseus auch kein Gefangener mehr ist. Die Blendung Polyphems dient nicht mehr der Befreiung, sondern der Rache, auch wenn in der Konsequenz, wie es im Satyrspiel sein muss, die Satyrn flüchten und sich wieder auf die Suche nach ihrem wirklichen Herrn Dionysos machen können. Wichtig für die Einschätzung des Kyklops als eines Dokuments seiner Zeit ist die Darstellung Polyphems: Er ist der sophistische Typus des skrupellosen, rhetorisch geschickten Machtmenschen, der nur sich selbst genügt und selbst definiert, was Recht ist. Aber auch wegen der durchgehenden literarischen Parodisierung, die manchmal ans Absurde grenzt, lohnt es sich, dieses Satyrspiel zu behandeln. Da es nur 709 Verse umfasst, ist eine vollständige Lektüre im Kurs, der alle 14 Tage zweistündig stattfindet, angestrebt.

Ausgabe:
-    EURIPIDIS Fabulae, ed. J. DIGGLE, Tomus I, Oxford 1984. [und Nachdrucke]

Kommentare:
-    R. SEAFORD: Euripides Cyclops, Oxford 1984. [empfehlenswert]
-    R. G. USSHER: Euripides Cyclops, Rom 1978.
-    W. BIEHL: Euripides’ Kyklops, Heidelberg 1986.

Zur Einführung:
-    R. KRUMEICH, N. PECHSTEIN, B. SEIDENSTICKER (Hrsg.): Das griechische Satyrspiel, Darmstadt 1999, S. 431-441.
-    B. SEIDENSTICKER: Das Satyrspiel, in: G. A. SEECK (Hrsg.): Das griechische Drama, Darmstadt 1979, S. 204-257.
-    B. ZIMMERMANN (Hrsg.): Handbuch der griechischen Literatur der Antike, Bd. 1: Die Literatur der archaischen und klassischen Zeit, München 2011, S. 650-658.


[35208] Longos, Daphnis und Chloe (Griechische Lektüre Prosa)
(KS-M26/30/33)    
2st., Mo 16 - 18, PT 3.3.68, Beginn: 16.04.2012
M. Hagmaier

„Man müßte ein ganzes Buch schreiben, um alle großen Verdienste dieses ,Gedichts‘ nach Würden zu schätzen. Man tut wohl, es alle Jahr einmal zu lesen, um immer wieder daran zu lernen und den Eindruck seiner großen Schönheit aufs neue zu empfinden.“
Mit diesen Worten preist Goethe (Gespräche mit Eckermann, 20.3.1831) den Hirtenroman des Longos, der in vier Büchern von der Liebe zweier in bukolischer Idylle aufwachsender Findelkinder erzählt. Die Zuneigung zwischen den beiden, deren Entwicklung vom ersten Erwachen bis zur Erfüllung Longos meisterhaft schildert, ist allerdings einigen Hindernissen ausgesetzt (abenteuerliche Bedrohung der Liebenden, Überfälle, Entführungsversuche ...), bis die beiden Helden schließlich ihre leiblichen Eltern finden und ein Paar werden können.
Zu Recht zählt Niklas Holzberg den Roman „zur unvergänglichen Weltliteratur ..., und das dürften auch die meisten von den Lesern zugeben, die Goethe nicht darin folgen, daß sie den Text zu ihrer alljährlichen Lektüre machen“.

Textausgabe:
-    LONGUS, Daphnis et Chloe, ed. M.D. REEVE, München-Leipzig 31994 (ND 2001).


[35209] Thukydides (Griechische Lektüre Prosa)
(KS-M26/30/33)      
1st., Mi 12 - 13, PT 3.3.66, Beginn: 18.04.2012   
Rechenauer

Thukydides hat mit seiner Darstellung des peloponnesischen Krieges die griechische Geschichtsschreibung bereits in ihrer Anfangsphase auf einen unüberbietbaren Höhepunkt geführt und Maßstäbe gesetzt, an denen sich jede weitere Historiographie – nicht nur in der Antike – zu orientieren hatte. Was sein Geschichtswerk grundlegend auszeichnet und diesem einen regelrecht modernen Wesenszug verleiht, ist die Überzeugung von der Autonomie des Politischen. Thukydides sieht das historisch-politische Geschehen nicht durch die Einflüsse einer metaphysischen Pragmatik gesteuert, sondern von einer streng naturimmanenten Kausalität bestimmt, deren Faktoren hauptsächlich in festen Wesenszügen der menschlichen Natur gründen. Entsprechend kann auch die Anwendung ethischer Kategorien kein zuverlässiges Regulativ politischer Prozesse sein. Mit dieser rationalistischen Sicht des Politischen verbindet sich ein klares Methodenbewußtsein hinsichtlich der Möglichkeiten der Erforschung historischer Wahrheit sowie ein dezidierter Anspruch von exemplarischer Allgemeingültigkeit der eigenen Darstellung.
Die Veranstaltung will anhand der Lektüre ausgewählter Partien einen Überblick über das Geschichtswerk geben und die Grundstrukturen von Thukydides’ politischem Denken einsichtig machen.

Empfohlene Textausgabe:
-    THUCYDIDIS historiae, recognovit brevique adnotatione critica instruxit H. S. JONES, apparatum criticum correxit et auxit J. E. POWELL, Oxford 1942. [seither immer nachgedruckt]

Zur weiteren Orientierung:
-    O. LUSCHNAT: Thukydides der Historiker, in: RE Suppl. XII (1970), Sp. 1085-1354 (auch als Sonderausgabe München 1978).

Sprachkurse

Hinweise zu den beiden Parallelkursen „Griechisch I für Philologen“:

Um eine gleichmäßige Verteilung auf die beiden Parallelkurse zu gewährleisten, ist eine Anmeldung erforderlich. Es wird daher bis Ende März um Eintrag in eine der beiden Listen gebeten, die bei PT 3.3.69 (Büro Gruber) aushängen. Eine Anmeldung per E Mail oder Telefon ist nicht möglich.

Beachten Sie unbedingt das spezielle Hinweisblatt, das auf der Homepage des Lehrstuhls Griechisch unter „Lehrveranstaltungen“ verfügbar ist:
http://www.uni regensburg.de/Fakultaeten/phil_Fak_IV/Klass_Phil/Griechisch/HW12.pdf

Für allgemeine Informationen zum Graecum siehe das Hinweisblatt auf der Hauptseite des Lehrstuhls.

In beiden Parallelkursen wird mit den folgenden Unterrichtswerken gearbeitet:

Lehrbuch:
-    W. ELLIGER u.a. (Hrsg.): Kantharos. Griechisches Unterrichtswerk. Lese- und Arbeitsbuch, Leipzig (Klett) 21992 [und Nachdrucke], ISBN 3-12-670100-0 (32,25,-).

Grammatik:
-    F. MAIER (Hrsg.), Hellas. Grammatik. Bamberg (C.C. Buchners) 1998 [und Nachdrucke], ISBN 3-7661-5821-X (30,40,-).
    Bemerkung: Das zur Hellas-Grammatik gehörende Lehrbuch ‚Hellas’ brauchen Sie nicht.


[35216] Griechisch I für Philologen (Parallelkurs A) (Sprachkurs)
(KS-M24)   
6st.   
Gruber

-    Blockkurs vor Vorlesungsbeginn: 2. - 13. April, Mo-Fr täglich 10s.t.-11, H 22
-    während der VL-Zeit: Mo 12s.t.-13 (H 14),Mi 12s.t.-13 (H 14), Fr 8s.t.-9 (H 8)
-    Blockkurs nach VL-Ende: 23. Juli - 3. August, Mo-Fr täglich 10s.t.-11, H 22


[35217] Griechisch I für Philologen (Parallelkurs B) (Sprachkurs)
(KS-M24)   
6st.   
Gruber

- Blockkurs vor Vorlesungsbeginn: 2. - 13. April, Mo-Fr täglich 11s.t.-12, H 22
- während der VL-Zeit: Di 12s.t.-13 (H 25), Do 12s.t.-13 (H 14), Fr 9s.t.-10 (H 8)
- Blockkurs nach VL-Ende: 23. Juli - 3. August, Mo-Fr täglich 11s.t.-12, H 22


[35219] Tutorium zum Graecum für Philologen I    
2st., Di 18s.t. - 19:30, VG 2.39, Beginn: 17.04.2012   
Elisabeth Knodel

Im Tutorium, dessen Besuch freiwillig ist, wird der Grammatikstoff anhand des Lehrbuchs KANTHAROS sowie weiterer Übungsmaterialien wiederholt und vertieft. Dadurch ist zusätzlich zum Graecumskurs die Möglichkeit auch individueller Förderung gegeben.


[35220] (SFA-Nr. 37247) Grundkurs 1 Neugriechisch (A 1)
2st., Mi 17s.t. - 18:30, S 024, Beginn: 18.04.2012
Akrivi Athena Müller

Zulassungsvoraussetzungen:
Keine. Altgriechisch-Kenntnisse sind keine Voraussetzung.

Zielgruppe:
Studierende ohne Vorkenntnisse.

Lehrwerk: 
VASILI BACHTSEVANIDIS: Pame!  A 1 Kursbuch – Der Griechischkurs, Ismaning: Hueber Verlag (ISBN 978-3-19-005404-06), Lektionen 1-8.

Lernziele:
Die kommunikativen Fertigkeiten und die sprachlichen Mittel zur elementaren Sprachverwendung entsprechen der Stufe A1. Die Teilnehmer verfügen am Ende des Kurses über Kenntnisse und Fertigkeiten, die zum Handeln in unterschiedlichen Alltagssituationen auf einem elementaren Level befähigen.
Die Teilnehmer können daher alltägliche Ausdrücke und ganz einfache Sätze verstehen und verwenden und sich in einer einfachen Art ausdrücken, vorausgesetzt die Gesprächspartner äußern sich deutlich und langsam.

Kommunikative Inhalte:
Im Kurs werden die Sprachmittel, die zur Bewältigung von kommunikativen Situationen dienen erlernt:  sich vorstellen, sich begrüßen, nach dem Namen fragen, telefonieren, sich über Personen, Gegenstände, Wohnort unterhalten und kleine Briefe schreiben, Datums- und Urzeitangaben machen, ein Zimmer mieten, den Weg beschreiben.  Es wird außerdem über die Unterschiede zwischen der deutschen und der neugriechischen Kultur reflektiert.

Grammatik:
Die Kapitel der Grammatik befassen sich mit dem bestimmten und unbestimmten Artikel, den häufigsten Kategorien von Substantiven, Adjektiven, Verben im Präsens Aktiv, Passiv, Futur der Dauer, einige Verben im Aorist (punktuelle Vergangenheit), einige Verben im Fu-tur (einmalig), Länder und Sprachennamen.  Fragewörter, Pronomen, Plural, Zahlen, Diminutiv.

Leistungsnachweis:
Klausur (90 Minuten):  Leseverständnis, Schreibfertigkeit, grammatische Kompetenz, Hörverständnis, Reaktion.

ECTS: 3


[35221] (SFA-Nr. 37248) Grundkurs 2 Neugriechisch
(A 2)   
2st., Mi 18:30 - 20, S 024, Beginn: 18.04.2012
Akrivi Athena Müller

Zulassungsvoraussetzungen:
Besuch des Kurses 1 oder Kenntnisse auf dem Niveau A1.

Zielgruppe:
Studierende mit Vorkenntnissen (vorheriger Kurs oder Niveau A1).

Lehrwerk:
VASSILI BACHTSEVANIDIS: Pame! A2 Kursbuch – Der Griechischkurs, Ismaning: Hueber Verlag (ISBN:  978-3-19-005462-6), Lektionen 1-10.

Lernziele:
Die kommunikativen Fertigkeiten und sprachlichen Mittel zur elementaren Sprachverwendung entsprechen der Stufe A2.
Die Teilnehmer verfügen am Ende des Kurses über Kenntnisse und Fertigkeiten, die zum Handeln in unterschiedlichen Alltagssituationen auf einem elementaren Level befähigen. Die Teilnehmer können daher alltägliche Ausdrücke und einfache Sätze verstehen und verwenden und sich in einer einfachen Art verständigen, vorausgesetzt, die Gesprächspartner äußern sich deutlich und langsam.

Kommunikative Inhalte:
Ein Teil der Unterrichtsstunde ist für Konversation reserviert.
Im Kurs werden die Sprachmittel die zur Bewältigung von kommunikativen Situationen dienen erlernt, wie Alltagsgespräche führen, Mengenangaben machen, über Pläne reden, über Urlaub oder Reisen berichten, kurze Nachrichten verstehen, eine Telefonnotiz  und einen Lebenslauf schreiben.

Grammatik:
Die Zeitformen im Aktiv vom Imperfekt, Aorist, einfaches Futur, Verben im Passiv und reflexive Verben, Imperativ, Verneinung des Imperativs, Steigerung der Adjektive und Adverbien, Imperfekt, Aorist und Futur (einmalig) von Verben im Passiv.

Leistungsnachweis:
Klausur (90 Minuten):  Leseverständnis, Schreibfertigkeit, grammatische Kompetenz, Hörverständnis, Reaktion.

ECTS: 3

  1. STARTSEITE UR