Vorlesung
| [35230] Antike Briefliteratur (Lateinische Vorlesung, Prosa und Poesie) (KS-M33/34/35/36/37/38) 2st., Mo 16 - 18, H 11, Beginn: 16.04.2012 |
Pausch |
Der Brief ist nicht nur eine der beliebtesten, sondern auch eine der vielseitigsten Gattungen der antiken Literatur: Das breit gefächerte Spektrum reicht von mit literarischem Anspruch verfaßten Privatbriefen (wie denjenigen Ciceros) über bewußt gestaltete Briefsammlungen (wie denjenigen des jüngeren Plinius) bis zu Episteln in Versform (wie denjenigen Ovids) einerseits und kann sich andererseits mit einer ganzen Reihe unterschiedlicher Themen wie der Philosophie (etwa bei dem jüngeren Seneca) oder der Literaturtheorie (etwa bei Horaz) verbinden. Diesen verschiedenen Erscheinungsformen wollen wir im Rahmen der Vorlesung nachspüren, sie mit der realen Praxis des Briefeschreibens ebenso vergleichen wie mit der – sehr elaborierten – antiken Theorie der Epistolographie und dabei versuchen, die Frage zu beantworten, warum sich gerade die Form des Briefes in dieser Weise angeboten hat, um sich mit unterschiedlichen Themen und Funktionen zu verbinden und somit zu einem zentralen Bestandteil der antiken Literatur zu werden.
Zur Einführung:
- R. Gibson, On the nature of ancient letter collections, in: Journal of Roman Studies 101 (2012) [im Druck].
- R. Morello (Hg.), Ancient letters: classical and late antique epistolography, Oxford 2007.
- H. Peter, Der Brief in der römischen Literatur, Leipzig 1901 (= Hildesheim 1965).
- P. A. Rosenmeyer, Ancient Epistolary Fictions, Cambridge 2001.
- K. Thraede, Grundzüge griechisch-römischer Brieftopik, Zetemata 48, München 1970.
Seminare
| [35236] Ovid, Metamorphosen (Lateinisches Hauptseminar, Poesie) (KS-M35/37/38) 2st., Di 10 - 12, H 7, Beginn: 17.04.2012 |
Pausch |
Von den vielen denkbaren und lohnenden Beschäftigungsweisen mit einem so vielschichtigen Text wie Ovids Metamorphosen sollen im Rahmen dieses Seminars vor allem zwei im Vordergrund stehen, die zunächst auf unterschiedlichen Ebenen zu liegen scheinen. Zum einen wollen wir uns mit der Frage beschäftigen, wie Ovid den im Proöm formulierten Anspruch eingelöst hat, in einer fortlaufenden Erzählung alle Verwandlungsgeschichten von der Entstehung der Welt bis in seine eigene Zeit zu behandeln, also den Blick über die – üblicherweise isoliert gelesene – Einzelepisode hinaus auf die so abwechslungsreiche wie raffinierte narrative Verknüpfung und die damit einhergehende spezifische Präsentation der jeweiligen Ver-wandlungssage (wer ist der Erzähler, wer ist das Publikum?) zu richten. Zum anderen wollen wir die Aspekte etwas genauer untersuchen, die man als die ‚dunkle Seite’ der Metamorphosen bezeichnen könnte (beispielsweise die zahlreichen Schilderungen von Gewalt oder der Willkür der Götter gegenüber den Menschen und das damit einhergehende generelle Gefühl der Unsicherheit) und die in einem gewissen Widerspruch zu der auf den ersten Blick als hei-ter und harmlos präsentierten Welt der Mythen und Verwandlungen steht.
Textausgabe:
P. Ovidi Nasonis Metamorphoses, ed. R. J. Tarrant, Oxford 2004.
Zur Einführung:
- A. Feldherr, Playing Gods, Ovid’s Metamorphoses and the Politics of Fiction, Princeton 2010.
- P. Fondermann, Kino im Kopf, Zur Visualisierung des Mythos in den ‚Metamorphosen’ Ovids, Göttingen 2008.
- N. Holzberg, Ovids Metamorphosen, München 2007.
- E. Fantham, Ovid’s Metamorphoses, Oxford 2004.
Beschränkte Teilnehmerzahl; persönliche oder telefonische Anmeldung im Sekretariat (keine E-mail und keine Nachricht auf dem Anrufbeantworter!) bis Donnerstag, den 29.03.2012, erforderlich.
| [35237] Tacitus, Dialogus de oratoribus (Lateinisches Hauptseminar, Prosa) (KS-M35/37/38) 2st., Mi 10 - 12, W 115, Beginn: 25.04.2012 |
Beck |
Nicht nur dass die Römer der Kaiserzeit unter z. T. tyrannischen principes zu leiden hatten wie Tacitus bis 96 n. Chr. unter dem despotischen Domitian. Der Verlust der persönlichen Freiheit hatte zugleich einen Verfall der Redekunst zur Folge, begünstigt überdies durch eine Neuerung im römischen Bildungswesen – ein Verlust, der den Römern der Kaiserzeit selbst schmerzlich bewusst war. Wiederholt fanden sich Stimmen, die nach den causae corruptae eloquentiae fragten, so der Titel einer leider verlorenen Schrift Quintilians. Glücklicherweise erhalten ist jedoch der ‘Dialogus’ des Tacitus wohl aus dem ersten Jahrzehnt des 2. Jahrhunderts n. Chr., der den Leser durch seine einzigartige Form vor eine sehr reizvolle Aufgabe stellt: Neben einer Diskussion über den Vorrang von Redekunst oder Dichtung und die Vorzüge alter oder neuer Beredsamkeit ist das eigentliche Thema zwar deren allgemeiner Verfall, doch eine Antwort in eigenem Namen hat Tacitus nicht formuliert. Wiedergegeben ist ein – natürlich fiktives – Gespräch der drei damals berühmtesten Redner mit einem Dichter, das der junge Tacitus in vespasianischer Zeit mit angehört haben will. Wie dies auf die eigene Zeit des Tacitus zu beziehen ist, wird im Seminar zu diskutieren sein.
Textausgaben und Kommentare:
- Cornelii Taciti Opera Minora, rec. M. Winterbottom, R. M. Ogilvie, Oxford (OCT) 1975.
- P. Cornelii Taciti libri qui supersunt, Tom. II, fasc. 4: Dialogus de oratoribus, ed. H. Heubner, Stuttgart (Teubner) 1983.
- Cornelii Taciti Dialogus de Oratoribus, ed., praefatus est, adparatu critico et exegetico … instruxit D. Bo, Turin 1974.
- R. Güngerich: Kommentar zum Dialogus des Tacitus, aus dem Nachlaß hrsg. v. H. Heubner, Göttingen 1980.
- Tacitus, Dialogus de Oratoribus, ed. R. Mayer (mit Kommentar), Cambridge 2001.
Beschränkte Teilnehmerzahl; persönliche oder telefonische Anmeldung im Sekretariat (keine E-mail und keine Nachricht auf dem Anrufbeantworter!) bis Donnerstag, den 29.03.2012, erforderlich.
| [35238] Plinius, Epistulae (Lateinisches Hauptseminar, Prosa) (KS-M35/37/38) 2st., Di 14 - 16, H 12, Beginn: 17.04.2012 |
Pausch |
Plinius der Jüngere ist eine der wenigen Personen aus der Antike, die wir vergleichsweise gut zu kennen meinen. Das liegt im Wesentlichen an dem so detaillierten wie faszinierenden Bild, dass er von sich und seiner Zeit in seiner 10 Bücher umfassenden Briefsammlung erzeugt. Dort erfahren wir zwar viel vom Leben der Oberschicht im Rom um das Jahr 100 n. Chr. in all seinen Facetten (seien es die Anlage von Villen, die Tätigkeiten als Anwalt und Politiker oder die literarischen Vorlieben und Ambitionen), bleiben aber immer auf den Ausschnitt angewiesen, den der Verfasser der Briefe uns zeigt. Dass Plinius es vielleicht wie kein zweiter verstanden hat, auf diese Weise ein möglichst positives Bild von sich und seinen Standesgenossen zu zeichnen, ist schon verschiedentlich gesehen worden. Dennoch lohnt es sich, der Frage noch etwas genauer nachzugehen, wie er dabei als Autor vorgegangen ist und welche Techniken sich auf den unterschiedlichen Ebenen – von der Stilistik des einzelnen Satzes über die Konzeption des jeweiligen Briefes bis zur Anlage der Sammlung als Ganzer – beobachten lassen.
Textausgabe:
C. Plini Secundi Epistularum libri decem, ed. M. Schuster, R. Hanslik, Leipzig/Stuttgart 31958.
Kommentar:
A. N. Sherwin-White, The letters of Pliny. A historical and social commentary, Oxford 1966.
Zur Einführung:
- R. K. Gibson/R. Morello, Reading the Letters of Pliny the Younger, Cambridge 2012.
- E. Lefèvre, Vom Römertum zum Ästhetizismus: Studien zu den Briefen des jüngeren Plinius, BzA 269, Berlin 2009.
- I. Marchesi, The Art of Pliny’s Letters. A Poetics of Allusion in the Private Correspondence, Cambridge 2008.
Beschränkte Teilnehmerzahl; persönliche oder telefonische Anmeldung im Sekretariat (keine E-mail und keine Nachricht auf dem Anrufbeantworter!) bis Donnerstag, den 29.03.2012, erforderlich.
| [35239] Cicero, Briefe (Lateinisches Proseminar, Prosa) (KS-M33/34/35/36/37/38) 2st., Mo 18 - 20, VG 1.36, Beginn: 16.04.2012 |
Schmid |
Die Briefsammlung Ciceros, die erst nach seinem Tod veröffentlicht worden ist, gibt einen einzigartigen Einblick sowohl in die Zeit der ausgehenden Republik als auch in das Leben und die Psyche des Verfassers. Dabei ist es besonders die alltägliche, private Seite des großen Redners, die uns heute so fasziniert und die in den Briefen zumindest teilweise fassbar wird wie beispielsweise seine Trauer über den frühen Tod der Tochter oder seine Verzweiflung angesichts der Verbannung aus Rom. Zugleich bieten die epistulae die Möglichkeit, die politischen Ereignisse der Zeit aus dem Blickwinkel einer der beteiligten Hauptpersonen nachvollziehen zu können.
In dem Seminar werden wir uns mit einer Auswahl der über 900 überlieferten Briefe begnügen müssen. Neben ihrer Rolle als Zeitzeugnis und autobiographisches Dokument wird es uns vor allem auch darum gehen, die Briefe unter gattungsspezifischen und literaturwissenschaftlichen Fragestellungen zu behandeln. Einen weiteren Schwerpunkt der Interpretationsarbeit wird zudem auf der Analyse der Sprache liegen, da die Briefe zumindest in weiten Teilen der (gehobenen) Umgangssprache zugerechnet werden können und sich somit von Ciceros anderen Werken deutlich unterscheiden.
Voraussetzungen für den Scheinerwerb sind, wie üblich, regelmäßige Teilnahme, stetige Vorbereitung und Mitarbeit, Referat und Hausarbeit sowie das Bestehen der Abschlussklausur.
In dem Seminar werden wir ausgewählte Briefe aus den Sammlungen Ad Atticum, Ad familiares und Ad Quintum fratrem behandeln. Eine entsprechende Textsammlung wird zu Semesterbeginn als Kopiervorlage bereitgestellt.
Textausgaben:
- M. Tulli Ciceronis epistulae ad Atticum, ed. D. R. Shackleton Bailey, 2 Bde., Stuttgart 1987 (BT).
- M. Tulli Ciceronis epistulae ad familiares, ed. D. R. Shackleton Bailey, Stuttgart 1988 (BT).
- M. Tulli Ciceronis epistulae ad Quintum fratrem. Epistulae ad M. Brutum, ed. D. R. Shackleton Bailey, Stuttgart 1988 (BT).
Kommentare:
- D. R. Shackleton Bailey, Cicero’s Letters to Atticus, 7 Bde., Cambridge 1965-70.
- D. R. Shackleton Bailey, Cicero: Epistulae ad familiares, 2 Bde., Cambridge 1977.
- D. R. Shackleton Bailey, Cicero: Epistulae ad Quintum fratrem et M. Brutum, Cambridge 1980.
Einführende Literatur:
M. Fuhrmann, Cicero und die römische Republik. Eine Biographie, München/Zürich ³1991.
Beschränkte Teilnehmerzahl; persönliche oder telefonische Anmeldung im Sekretariat (keine E-mail und keine Nachricht auf dem Anrufbeantworter!) bis Donnerstag, den 29.03.2012, erforderlich.
| [35240] Sallust, Catilina (Lateinisches Proseminar, Prosa) (KS-M33/34/35/36/37/38) 2st., Mi 8.30 - 10, VG 1.31, Beginn: 18.04.2012 |
Pausch |
C. Sallustius Crispus (86 - 34 v. Chr.) hat sich nach einer kurzen, aber durchaus lukrativen Karriere als Politiker im Gefolge Caesars um das Jahr 45 v. Chr. der historischen Schriftstellerei zugewandt. Aus seinem vielfältigen historiographischen Werk haben sich die beiden Monographien de coniuratione Catilinae und de bello Iugurthino vollständig erhalten. Wir wollen uns im Laufe des Semesters anhand der ersten dieser beiden Schriften mit verschiedenen Aspekten des komplexen Verhältnisses von Wissen über die Vergangenheit, seiner unvermeidlich sprachlichen Form der Präsentation und seiner gesellschaftlichen Bedeutung in der Mitte des 1. Jh. v. Chr. beschäftigen. Dabei werden wir ein besonderes Augenmerk auf die eigenwillige stilistische Gestaltung legen, die Sallust für seine Art der Geschichtsschreibung gewählt hat und die man als Archaismus einerseits und Vermeidung von Eingängigkeit andererseits beschreiben kann, und uns mit der Frage beschäftigen, welchen Beitrag diese sprachlichen Phänomene zur Deutung der dargestellten Ereignisse leistet.
Textausgabe:
C. Sallusti Crispi Catilina, Iugurtha, fragmenta selecta ed. L. D. Reynolds, Oxford 1991.
Kommentare:
- D. Flach, Gaius Sallustius Crispus: De Catilinae coniuratione – Catilinas Verschwörung, Eingeleitet, herausgegeben, übersetzt und erklärt, Stuttgart 2007.
- J. T. Ramsey, Sallust’s Bellum Catilinae, Oxford 1983 (22007).
Zur Einführung:
S. Schmal, Sallust, Darmstadt 2001.
Beschränkte Teilnehmerzahl; persönliche oder telefonische Anmeldung im Sekretariat (keine E-mail und keine Nachricht auf dem Anrufbeantworter!) bis Donnerstag, den 29.03.2012, erforderlich.
| [35241] Livius, Buch 21 und 22 (Lateinisches Proseminar, Prosa) (KS-M33/34/35/36/37/38) 2st., Mi 14 - 16, VG 0.04, Beginn: 18.04.2012 |
Held |
Der in Patavium, dem heutigen Padua, geborene Titus Livius (59 v. Chr. - 17 n. Chr.) ist durch sein monumentales, ehemals 142 Bücher umfassendes Geschichtswerk 'Ab urbe condita', in die Literaturgeschichte eingegangen. Darin schilderte er die Geschichte Roms von den Anfängen bis zu seiner Zeit. Allerdings sind uns nur die Bücher 1 bis 10 und 21 bis 45 erhalten. In den Büchern 21 bis 30 wird der Zweite Punische Krieg geschildert, also der Krieg, den die Römer mit dem Karthager Hannibal führen mussten und den Livius als bellum maxime omnium memorabile, quae umquam gesta sint, (21,1) bezeichnet.
In diesem Seminar wollen wir uns mit den beiden Büchern beschäftigen, in denen Livius die ersten Jahre dieses Krieges darstellt und von so berühmten Ereignissen wie Hannibals Alpenübergang und der Schlacht bei Cannae erzählt. Dabei werden wir sowohl typische Elemente antiker Geschichtsschreibung kennenlernen als auch Livius' Darstellungstechnik, sein Umgang mit der historischen Wahrheit und mit seinen Quellen untersuchen. Auch sprachliche und stilistische Besonderheiten werden berücksichtigt werden, denn Livius zählt zu den wichtigsten Prosa-Autoren der römischen Literatur.
Textausgabe:
Titi Livi Ab urbe condita, rec. C. F. Walters et R. S. Conway, Tomus III, Libri XXI-XXV, Oxford 1929 u. ö. (OCT).
Kommentare:
- Titi Livi Ab urbe condita libri, bearbeitet von W. Weissenborn und H. J. Müller, Vierter Band, Heft 1, Buch 21, Berlin 101921 (und Nachdrucke).
- Titi Livi Ab urbe condita libri, bearbeitet von W. Weissenborn und H. J. Müller, Vierter Band, Heft 2, Buch 22, Berlin 91905 (und Nachdrucke).
- Walsh, P. G., Livy, Book XXI, Bristol 2000.
Zur Einführung:
E. Burck, Das Geschichtswerk des Titus Livius, Heidelberg 1992.
Beschränkte Teilnehmerzahl; persönliche oder telefonische Anmeldung im Sekretariat (keine E-mail und keine Nachricht auf dem Anrufbeantworter!) bis Donnerstag, den 29.03.2012, erforderlich.
| [35242] Ovid, Ars amatoria (Lateinisches Proseminar, Poesie) (KS-M33/34/35/36/37/38) 2st., Di 14 - 16, VG 1.31, Beginn: 17.04.2012 |
Hagmaier, A. |
Die ‘Ars amatoria’, in der Ovid in die Rolle eines praeceptor amoris schlüpft und auf unterhaltsame und witzige Weise Männer (Buch 1 und 2) und Frauen (Buch 3) in der ars amandi unterweist – einer nach Auskunft des Liebeslehrers für jede(n) erlernbaren Disziplin genauso wie Wagenlenken, Seefahrt oder Musizieren –, erfreut sich seit jeher großer Beliebtheit bei einem breiten Leserpublikum. Allerdings rief gerade diese Schrift auch scharfe Kritik hervor: Nicht nur, dass die ‘Ars’ etwa acht Jahre nach ihrem Erscheinen zumindest als Vorwand für die Verbannung Ovids herhalten musste; auch die Fachwissenschaft stand diesem Werk lange Zeit eher ablehnend gegenüber. So lobte man zwar die Eleganz der Sprache und die psychologische Darstellungskunst Ovids, nahm jedoch Anstoß am Inhalt der ‘Ars’ und urteilte deshalb vielfach wie Schanz (1892): „Mit Honigseim versüßt wird uns das Gift gereicht.“ Neuere Beiträge dagegen zeigen u. a. auf, wie in der ‘Ars’ mit Hilfe mythischer Geschichten die augusteischen Ehegesetze verspottet werden, heben die vielfältigen Bezüge zur römischen Liebeselegie hervor und verdeutlichen Ovids literarisches Spiel mit der Gattung Lehrgedicht (Hesiod, Lukrez, Vergil).
Zur ersten Sitzung sind zumindest die Verse 1-40 vorzubereiten.
Textausgaben:
- P. Ovidi Nasonis Amores, Medicamina faciei femineae, Ars amatoria, Remedia amoris, ed.
E. J. Kenney, Oxford 1961, 21994 (OCT).
- P. Ovidius Naso, Carmina amatoria. Amores, Medicamina faciei femineae, Ars amatoria, Remedia amoris, ed. A. Ramírez de Verger, München/ Leipzig 2003 (BT).
Kommentare:
- P. Ovidi Nasonis de arte amatoria libri tres, erklärt von P. Brandt, Leipzig 1902 [2. Nachdruck Hildesheim 1991].
- Ovid, Ars amatoria Book I, ed. with an introduction and commentary by A. S. Hollis, Oxford 1977.
- M. Janka, Ovid Ars Amatoria Buch 2. Kommentar, Heidelberg 1997.
- Ovid, Ars amatoria Book 3, ed. with introduction and commentary by R. K. Gibson, Cambridge 2003.
Beschränkte Teilnehmerzahl; persönliche oder telefonische Anmeldung im Sekretariat (keine E-mail und keine Nachricht auf dem Anrufbeantworter!) bis Donnerstag, den 29.03.2012, erforderlich.
| [35243] Ovid, Tristia und Epistulae ex Ponto (Lateinisches Proseminar, Poesie) (KS-M33/34/35/36/37/38) 2st., Mo 8.30 - 10, VG 2.39, Beginn: 16.04.2012 |
Held |
Im Jahre 8 n. Chr. wurde Ovid bekanntlich von Kaiser Augustus nach Tomi am Schwarzen Meer verbannt. Diese Strafe hat Ovid zwar hart getroffen, trotzdem hat er aber nicht aufgehört zu dichten. So sind im Exil die beiden Werke Tristia und Epistulae ex Ponto entstanden. Im Seminar wollen wir wichtige Gedichte aus beiden Sammlungen lesen und herausarbeiten, wie die Werke aufgebaut sind, wie Ovid seine Situation als Verbannter literarisch gestaltet, welche Themen ihm wichtig sind, welche Metaphern er benutzt und welche Ziele er mit seinem Dichten verfolgt. In diesem Zusammenhang ist besonders interessant, welches Verhältnis zum Kaiserhaus und insbesondere zu Augustus in der Exildichtung zum Ausdruck kommt. Außerdem werden wir uns noch mit der Frage der literarischen Vorbilder und der Gattungsmischung in den behandelten Werken beschäftigen.
Textausgabe:
P. Ovidi Nasonis Tristium libri quinque, Ibis, Ex Ponto libri quattuor, Halieutica, Fragmenta. ed.
S. G. Owen, Oxford 1915 (OCT, Nachdrucke).
Kommentar:
P. Ovidius Naso: Tristia. hg., übersetzt und erklärt von G. Luck. Bd. II: Kommentar. Heidelberg 1977.
Einführende Literatur:
U. Schmitzer, Ovid, Hildesheim, 2001.
Beschränkte Teilnehmerzahl; persönliche oder telefonische Anmeldung im Sekretariat (keine E-mail und keine Nachricht auf dem Anrufbeantworter!) bis Donnerstag, den 29.03.2012, erforderlich.
| [35244-103/105] Lateinisches Proseminar (Poesie) (KS-M33/34/35/36/37/38) 2st., Mo 10 - 12, W 113, Beginn: 16.04.2012 |
N.N. |
Beschränkte Teilnehmerzahl; persönliche oder telefonische Anmeldung im Sekretariat (keine E-mail und keine Nachricht auf dem Anrufbeantworter!) bis Donnerstag, den 29.03.2012, erforderlich.
| [35245] Lateinische Wortbildung und Etymologie (Sprachwissenschaftl. Proseminar) (KS-M36/37/38) 2st., Blockveranstaltung nach Ende der Vorlesungszeit |
Schaffner |
In der Lehrveranstaltung soll zunächst ein systematischer Überblick über die wichtigsten Verfahren der lateinischen Wortbildung, nämlich Komposition und Derivation, geboten werden. Da in der lateinischen Wortbildung die Komposition etwa im Vergleich zum Griechischen oder Deutschen stark eingeschränkt ist, werden hauptsächlich suffixale Bildeelemente behandelt und nach ihren Funktionen klassifiziert. In einer sich an den Bedürfnissen des Lateinunterrichts an Gymnasien orientierenden Auswahl werden produktive Wortbildungssuffixe des Lateinischen sowohl unter sprachgeschichtlichen als auch gattungsgeschichtlichen bzw. stilistischen Aspekten besprochen. Dies geschieht durch die Behandlung ausgewählter Beispiele aus verschiedenen Epochen bzw. Gattungen der lateinischen Literatur.
Etymologisches Wissen kann im Schulunterricht eingesetzt werden, um auf sprachliche Zusammenhänge (Wortkunde) oder auf kulturgeschichtlich Bedeutsames („Wörter und Sachen“) hinzuweisen. Die Grundlagen der etymologischen Forschungen werden am lateinischen Sprachmaterial erläutert, so dass die Benützung und Beurteilung der etymologischen Fachliteratur möglich wird.
Die Teilnehmerzahl ist auf maximal 25 beschränkt. Um Anmeldung per e-mail (dr.stefan.schaffner@web.de) wird gebeten. Voraussetzungen für den Erwerb eines Seminarscheins sind regelmäßige Teilnahme und eine erfolgreich bestandene Abschlussklausur.
Einführungen
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[35246] Einführung in die antike Mythologie (Einführung in eine Teildisziplin) |
Oswald |
Das Ziel dieser Einführung ist es, Studienanfängern das für das Studium der Klassischen Philologie unerlässliche Hintergrundwissen im Bereich der antiken Mythologie zu vermitteln, ohne das antike Texte nicht gelesen und interpretiert werden können.
Ausgehend von der Lektüre lateinischer Originaltexte stehen folgende Themenkomplexe auf dem Programm:
a) antike Weltentstehungsmythen.
b) Die großen Sagenzyklen:
- der trojanische Sagenkreis.
- der thebanische Sagenkreis.
- der kretisch-minoische Sagenkreis.
- die Argonautensage.
c) die Irrfahrten des Aeneas und die Gründung Roms.
Ein Überblick über die großen Heroen und ihre Heldentaten sowie über den antiken Götterhimmel soll den Streifzug durch die bunte Welt der antiken Mythologie abrunden.
Einführende Literatur:
- F. Graf, Griechische Mythologie, Eine Einführung, München/Zürich 1987.
- M. Köhlmeier, Das große Sagenbuch des klassischen Altertums, München 1999.
- H. J. Rose, Griechische Mythologie, Ein Handbuch, München 1997.
| [35247] Einführung in die röm. Geschichte (Teil 1: Republik) (Einführung in eine Teildisziplin) (KS-M25) 2st., Mi 16 - 18, H 10, Beginn: 18.04.2012 |
Mitterer |
Die Lektüre der lateinischen Autoren fordert dem heutigen, freilich in ganz unterschiedlichem, jedoch nie zu verleugnendem Maße, mannigfaltige Vorkenntnisse ab. Wer einen Text verstehen will, muß in seinem Geiste immer den Rezipienten der entsprechenden Zeit und ihrer Umstände im Blick haben. Wer könnte in 2000 Jahren noch eine Glosse einer heutigen Tageszeitung verstehen? Wer kann heute eine politische Rede Ciceros verstehen? Nur der um das Geschehen der jeweiligen Zeit Kundige wird bis an die wirkliche Bedeutung der vordergründig vielleicht allzu einfach anmutenden Worte vordringen können. Die erste und, für die jeweiligen Teilnehmer, hoffentlich nicht letzte Stufe des Fundamentes hierfür soll – zumindest für die römische Geschichte – in diesem Kurs gelegt werden. Geboten wird ein knapper und übersichtlicher Abriss der römischen Geschichte, von den (mythologischen) Anfängen bis zum Beginn des Prinzipats. Besonders viel Wert wird dabei auf den Bezug zu den jeweiligen literarischen Quellen gelegt werden, die – in deutscher Übersetzung – das Vorgestellte immer wieder exemplarisch aufzeigen und vertiefen sollen.
Einführende Literatur:
- H. Bellen, Grundzüge der römischen Geschichte, Band 1: Von der Königszeit bis zum Übergang der Republik in den Prinzipat, Darmstatt 1994.
- H. Bengtson, Römische Geschichte, Republik und Kaiserzeit bis 284 n. Chr., München 1973.
- J. Bleicken, Die Verfassung der römischen Republik, Grundlagen und Entwicklung, Pader-born u. a. 1995 (7. Aufl. = UTB 460).
- J. M. Reiner, Römisches Staatsrecht, Republik und Prinzipat, Darmstatt 2006.
Lektüre
| [35251] Thema nach Absprache (Lateinische Lektüre, Prosa und Poesie) (KS-M33/34/35) 1st., n. V. |
Hagmaier, A. |
| [35252] Thema nach Absprache (Lateinische Lektüre, Prosa und Poesie) (KS-M33/34/35) 1st., n. V. |
Held |
Die geforderten Leistungsnachweise im Bereich der Lektüre können durch den erfolgreichen Besuch von Lektürekursen (regelmäßige Teilnahme, aktive Mitarbeit, Bestehen der Abschlussklausur) oder durch individuell vereinbarte Lektüre-Kolloquien zu einem selbst gewählten Textcorpus erbracht werden. Der Umfang beträgt dabei ca. 50 Seiten bzw. 800-1000 Verse für das „Basismodul Lateinische Lektürepraxis“, ca. 100 Seiten bzw. 1500 Verse für das „Aufbaumodul Lateinische Lektürepraxis“ und ca. 150 Seiten bzw. 2000 Verse für die Vertiefungsmodule. Die mündliche Prüfung dauert je nach Modul zwischen 20 und 30 Minuten und besteht aus der Übersetzung eines Ausschnitts aus dem vereinbarten Textcorpus sowie Zusatzfragen zu Autor und Werk. Für das Basis- und das Aufbaumodul wird dringend empfohlen, wenigstens einen der erforderlichen Leistungsnachweise in Form eines Lektürekolloquiums zu erbringen.
Hierzu stehen die genannten Lehrenden nach vorheriger Anmeldung und Absprache jederzeit zur Verfügung.
| [35255] Cicero, De legibus (Lateinische Lektüre, Prosa, Aufbaumodul) (KS-M33/35) 2st., Mi 14 - 16, VG 2.39, Beginn: 18.04.2012 |
Reif |
'All unsere Rede zielt auf die Stärkung der Gemeinwesen, d. h. Festigung der Verhältnisse und Heilung der Völker' (ad res publicas firmandas – id est ad stabiliendas res, sanandos populos – omnis nostra pergit oratio, leg. 1,37) – so die selbst erklärte Intention von Ciceros staatsphilosophischem Werk. Die Schriften seiner zweiten Schaffensperiode ‘De oratore’ (55 v. Chr.), ‘De re publica’ (54-51 v. Chr.) und ‘De legibus’ (52/51 v. Chr. bei einem hypothetischen, aber präferierten Frühansatz) verkörpern – eine Einheit bildend und zueinander in Relation stehend – ein politisches Bekenntnis, in dem der Philosoph und Staatsmann die das Gemeinwesen stützenden Kompetenzen eines fähigen Politikers darstellt und letztlich versucht, die bereits dem Untergang geweihte Republik doch noch zu retten. Während die Schrift ‘Über den Redner’ das Wissen zu erfolgreichem Kommunizieren, das Werk ‘Über den Staat’ Bereitschaft zur Übernahme politischer Verantwortung und Kenntnisse in der römischen Politikhistorie vermittelt, so erläutert der Dialog ‘Über die Gesetze’ konkret fundamentale, rechtliche Grundsätze zur Entschärfung von Konfliktsituationen. Bei Cicero sind theoretische Erwägungen stets mit praktischer Erprobung verknüpft (vgl. rep. 1,2, leg. 1,37): Es gibt bei ihm keine Staatsphilosophie ohne eindeutige Realitätsbindung. Entsprechend wird – aufs Große übertragen – durch die in ‘De legibus’ dargestellten Gesetze der in ‘De re publica’ gepriesene Staat erst möglich.
Zusätzlich zur sorgfältigen Lektüre exemplarischer Passagen aus der anspruchsvollen Schrift ‘De legibus’ ist Ziel des Kurses der Einblick in das komplexe römische Rechtssystem, das bis heute als Grundlage der modernen Legislative gelten muss. Die literarische Form und Gestaltung, die von Cicero herangezogenen Quellen bzw. die von ihm aufgegriffenen naturrechtlichen Denkansätze sowie sein politisches Schrifttum im Allgemeinen werden gebührend besprochen.
Textausgabe:
M. Tulli Ciceronis de re publica, de legibus, Cato maior de senectute, Laelius de amicitia, rec. J. G. F. Powell, Oxford 2006 (OCT).
Kommentar:
A. R. Dyck, A Commentary on Cicero, De Legibus, Ann Arbor 2004.
Einführende Literatur:
- K. Büchner, Cicero. Bestand und Wandel seiner geistigen Welt, Heidelberg 1964, S. 199-316 (das Kapitel „Das Werk“).
- E. Rawson, The Interpretation of Cicero’s ‘De legibus’, in: ANRW 1,4 (1973), S. 334-356.
- K. Ziegler, Cicero, Staatstheoretische Schriften, Lateinisch und deutsch, Berlin 1974 (Schriften und Quellen der alten Welt), S. 7-33 (das Kapitel „Einführung“).
| [35256] Vitruv (Lateinische Lektüre, Prosa, Aufbaumodul) (KS-M33/35) 2st., Mo 16 - 18, H 26, Beginn: 16.04.2012 |
Dronia |
Die Kenntnisse über den römischen Autor Vitruv sind in der Regel nicht sehr fundiert; man weiß, dass er ein Werk über die Architektur geschrieben hat, vielleicht noch, dass er im 1. Jh. v. Chr. gelebt hat. Der Allgemeinheit ist er – freilich ohne dass man sich zumeist dessen bewusst ist – durch etwas ganz anderes bekannt, nämlich durch die berühmte Proportionsstudie, die die Maße des menschlichen Körpers in Bezug zu einem Kreis bzw. zu einem Quadrat setzt und die von Leonardo da Vinci zeichnerisch umgesetzt worden ist.
Das Werk „De architectura“ verdient jedoch durchaus eine fundierte Beschäftigung, werden in ihm doch alle wesentlichen Aspekte des antiken römischen Bauwesens vermittelt. Die Texte sind freilich für den Laien auf diesem Gebiet aufgrund der Fachsprache und der speziellen Thematik nicht ganz einfach. Aber das gilt nicht grundsätzlich. Zahlreiche Textpassagen sind von allgemeinem Interesse (z. B. die zumeist recht umfänglichen Proömien zu den zehn Büchern, aber auch viele Passagen aus den Haupttexten): Sie behandeln Fragen der Bildung und philosophische Themen, zum Beispiel die Vorstellung vom Kosmos und dem Göttlichen, verschiedene Theorien der vorsokratischen Denker oder das Wesen der menschlichen Schöpfungskraft. Diese Themen waren auch ausschlaggebend dafür, dass im neuen gymnasialen Lehrplan des G8 (für Bayern) dieser Autor Berücksichtigung gefunden hat.
Der Kurs verspricht also eine abwechslungsreiche Lektüre: Wir werden anfangs auf die biographischen Textpassagen näher eingehen, um uns etwas genauer an den Autor heranzutasten, und uns dann mit einigen der oben erwähnten Themen beschäftigen, so dass die Arbeit im Kurs auch als Vorbereitung für den späteren Lateinunterricht in der 10. Jahrgangsstufe gesehen werden kann. Neben der intensiven Übersetzungsarbeit sollen auch grammatische und inhaltliche Erläuterungen nicht zu kurz kommen.
Die im Kurs gelesenen Texte werden den Teilnehmern als Kopie zur Verfügung gestellt.
Grundlegend für eine Beschäftigung mit diesem Autor seien folgende Werke als Einstieg empfohlen:
- Vitruv, Zehn Bücher über Architektur, Lat.-dt. herausgegeben von Curt Fensterbusch, Darmstadt 1976.
- H. Knell, Vitruvius, in: R. Vollkommer (Hrsg.), Künstlerlexikon der Antike, Hamburg 2007, S. 934-945.
| [35257] Sallust, Bellum Jugurthinum (Lateinische Lektüre, Prosa, Aufbaumodul) (KS-M33/35) 2st., Mo 18 - 19.30, PT 2.0.4, Beginn: 16.04.2012 |
Merkl |
Romae omnia venalia sunt. Auf der Basis dieser Feststellung entwirft Sallust die Darstellung des Numiderkönigs Iugurtha, seiner Auseinandersetzungen mit Rom und des Kriegsgeschehens in Nordafrika. Sallust wählt, ähnlich wie bereits in seiner ‘Coniuratio Catilinae’, einen eher als Randthema zu bezeichnenden Stoff der römischen Geschichte. Seine Absicht ist es, symptomatisch Sittenverfall, innere Krise, Korruption und imperialistisches Streben Roms, nun konkret im Spiegel von dessen Außenpolitik, zu illustrieren. Dabei begegnen dem Leser neben militärischen Schilderungen und anschaulichen Exkursen auch bedeutende Persönlichkeiten der römischen Geschichte, allen voran Sulla und Marius.
Mit der um 41 v. Chr. verfassten zweiten historischen Monographie Sallusts erhält der Leser einen Einblick in Schaffen und Wirken des rerum Romanorum florentissimus auctor (Tacitus). Der Reiz Sallusts liegt mitunter in der Besonderheit seiner Stilistik sowie seiner Biographie, die stets kritisch im Kontext seiner Ausführungen zu betrachten ist. Die Veranstaltung will dazu anleiten, sich durch die Übersetzung wesentlicher Textpassagen vertieft mit dem Werk auseinanderzusetzen.
Textausgabe und Kommentar:
- C. Sallusti Crispi, Catilina, Iugurtha, Fragmenta ampliora, ed. A. Kurfess, Leipzig 31957.
- C. Sallustius Crispus, Bellum Iugurthinum, erläutert und mit einer Einleitung versehen von E. Koestermann, Heidelberg 1971.
Einführende Literatur:
S. Schmal, Sallust, Hildesheim 2001.
| [35258] Vergil, Aeneis (Lateinische Lektüre, Poesie, Aufbaumodul) (KS-M33/35) 2st., Mi 12.30 - 14, H 7, Beginn: 18.04.2012 |
Reif |
„When I am laid in earth, am laid in earth, may my wrongs create no trouble, no trouble in thy breast. (…) Remember me! (…) But ah! Forget my fate!“ Diese berühmten Worte aus H. Purcells Barockoper ‘Dido and Aeneas’ (Uraufführung 1689) stößt die Karthagerin in einer Klagearie aus. Die anfänglich so innige, am Ende zum Scheitern verurteilte Liebesbeziehung zwischen dem Stammvater der Römer und der phönizischen Königin bildet in der vergilianischen Darstellung den Urgrund für die spätere Erzfeindschaft zwischen Rom und Karthago. In den drei Punischen Kriegen (264 bis 241, 218 bis 202, 149 bis 146 v. Chr.) hatten die beiden Mächte um die Hegemonialposition im Mittelmeerraum gekämpft. Der Fluch der sterbenden Dido nullus amor populis nec foedera sunt. / exoriare aliquis nostris ex ossibus ultor (Keine Liebe soll es geben zwischen unseren Völkern und keine Bündnisse. Erstehen mögest du, Unbekannter, als ein Rächer aus meinen Gebeinen, 4,624f.) nimmt in einem Vorverweis Hannibal als für Rom gefährlichen Feldherrn im zweiten Punischen Krieg vorweg.
Die Dido-Tragödie des vierten ‘Aeneis’-Buches, dem sich dieser Kurs widmet, zeigt, wie lodernde Liebesglut in ihr Gegenteil, erbarmungslosen Hass, umschlagen kann. Während Didos Gefühlswogen in Wahn ausarten, bis sich ihr keine andere Lösung mehr als der Freitod zu bieten scheint, fühlt sich Aeneas, selbst gleichsam unglücklich (me si fata meis paterentur ducere vitam / auspiciis et sponte mea componere curas, 4,340f.), seiner Mission, der Suche Hesperiens, verpflichtet. Zwei Liebende dürfen, weil das fatum anderes im Sinne hat, nicht beieinander bleiben. Neben der akribischen Lektüre unter ausführlicher Erörterung sprachlicher und grammatikalischer Phänomene ist Ziel des Kurses insbesondere die Auseinanderset-zung mit der literar-historischen Gestalt der Dido und ihrer Abhängigkeit von quasi-historischen Quellen (Timaios, Justin bzw. Pompeius Trogus, Naevius), literarischen Vorbildern (z. B. der Medea des Apollonios von Rhodos oder Homers Kirke und Kalypso), zeitgenössischen Anspielungen (Kleopatra) und Normvorstellungen. Damit einhergehende Deutungen werden knapp aufgegriffen, und es wird sich zeigen, dass Vergils Leistung gerade in der Verbindung zahlreicher, vielschichtiger Aspekte zu sehen ist.
Textausgabe:
P. Vergili Maronis opera, rec. R. A. B. Mynors, Oxford 1969 (OCT, Nachdrucke).
Kommentar:
- R. G. Austin, P. Vergili Maronis Aeneidos Liber quartus, Edited with a Commentary, Oxford 1963 (Korrigierter Nachdruck der Ausgabe 1955).
- H. E. Butler, The Fourth Book of the Aeneid, Oxford 1935.
- Th. Ladewig/C. Schaper, Vergils Gedichte erklärt von […]. II. Aeneide Buch I-VI. Bearbeitet von P. Deuticke, Berlin 111891 (Nachdruck 1973).
Einführende Literatur:
- M. v. Albrecht, Vergil. Bucolica – Georgica – Aeneis, Eine Einführung, Heidelberg 2006 (Heidelberger Studienhefte zur Altertumswissenschaft), S. 107-196 (das Kapitel „Aeneis“).
- T. R. Bryce, The Dido-Aeneas Relationship: A Re-Examination, in: CW 67 (1973/74), S. 257-269.
- W. Suerbaum, Vergils »Aeneis«. Epos zwischen Geschichte und Gegenwart, Stuttgart 1999 (Reclams Universal-Bibliothek 17618).
| [35259] Ovid, Metamorphosen (Lateinische Lektüre, Poesie, Aufbaumodul) (KS-M33/35) 2st., Fr 10 - 12, H 18, Beginn: 20.04.2012 |
Oswald |
In einem carmen perpetuum von ca. 250 Verwandlungssagen stellt Ovid die Entstehung der Welt als eine Kette von Verwandlungen dar, wobei der Bogen von der Entstehung des Kosmos – primaque ab origine mundi – bis zur unmittelbaren Gegenwart des Autors gespannt ist.
Damit bieten Ovids ‘Metamorphosen’ einen unerschöpflichen Fundus für die antike Mythologie, in der existentielle Grundsituationen des Menschen in exemplarischer Weise thematisiert werden.
In einer Fülle von Rezeptionsdokumenten in Literatur, Malerei, bildender Kunst und Musik findet dies seinen Niederschlag:
Die unglückliche Liebesgeschichte zwischen Pyramus und Thisbe z. B. wird von William Shakespeare in seiner Tragödie Romeo und Julia neu adaptiert. Narziss in seiner Ich-Zentrierung wird zur Symbolfigur der Kunstauffassung des l`art pour l`art. Dädalus, der durch die Erfindung von Flügeln Grenzen überwindet, verkörpert die Sehnsucht des Menschen nach Freiheit, während Ikarus, den „Kick“ suchend, im 20. Jahrhundert für die Drogenproblematik steht.
Dass der antike Mythos auch heute noch nicht an Aktualität verloren hat, zeigt der Regisseur Helmut Dietl in seiner tragikomischen Filmversion des Mythos von Orpheus und Eurydike (Vom Suchen und Finden der Liebe), in der uns Moritz Bleibtreu und Alexandra Maria Lara als Protagonisten alle Stadien einer modernen Paarbeziehung – Suchen, Finden und schließlich Verlust der großen Liebe im Alltag des 21. Jahrhunderts – vor Augen führen.
Im Kurs sollen, ausgehend von ausgewählten Metamorphosen, die eine große Wirkung entfaltet haben, zentrale inhaltliche sowie gattungstheoretische Aspekte gemeinsam erarbeitet werden. Ebenso behandelt werden grammatikalische Probleme und Fragen der lateinischen Metrik.
Textausgabe:
P. Ovidi Nasonis, Metamorphoses, ed. R. J. Tarrant. Oxford 2004 (OCT).
Kommentar:
F. Böhmer, P. Ovidius Naso, Metamorphosen, Kommentar, 7 Bände. Heidelberg 1969-1986.
| [35260] Ovid, Fasti (Lateinische Lektüre, Poesie, Aufbaumodul) (KS-M33/35) 2st., Di 18 - 19.30, H 18, Beginn: 17.04.2012 |
Aigner, C. |
Unser Jahreskreis ist seit jeher von immer wiederkehrenden Festen geprägt, an denen wir nicht ohne Grund bestimmte Rituale und Bräuche pflegen. So versuchen wir beispielsweise an Neujahr, in den ersten Minuten nach Mitternacht, durch ein möglichst lautes Feuerwerk böse Geister zu vertreiben und wünschen uns mit Kleeblättern, kleinen Schornsteinfegern und Schweinchen aus Marzipan Glück für das neue Jahr. Und auch wenn sich die Römer zum Jahresbeginn eher mit Datteln, Feigen und Honig beschenkten, so ist die zugrunde liegende Intention dennoch dieselbe, wie man in den ‘Fasti’ von Janus, dem Namensgeber des Monats Januar, erfährt. In seiner Funktion als „Experte“ für den Beginn eines neuen Jahres antwortet er Ovid auf dessen Frage bereitwillig und erklärt: Omen ... causa est, ut res sapor ille sequatur | et pergat coeptum dulcis et annus iter (1,187f.).
Diese Stelle aus dem ersten Buch von Ovids poetischer Darstellung des römischen Festkalenders fasziniert nicht nur durch die Konstanz des beschriebenen Rituals bis in unsere Tage hinein, sie lässt den Leser durch ein lockeres Frage-Antwort-Spiel zwischen Ovid und Janus auch in die Welt der römischen Feste eintauchen.
In sechs Büchern stellt uns Ovid in seinem aitiologischen Gedicht die Monate Januar bis Juni des römischen Jahreskalenders vor und versucht, den durch Sternbilder bestimmten Lauf des Jahres sowie dessen Feste und ihre Verankerung im Kalender aus dem Mythos zu erklären und bestimmte Bräuche abzuleiten.
Dass er in seinen Schilderungen über den Juni nicht hinausgekommen ist und uns somit nur sechs Bücher überliefert sind, ist wohl auf die Verbannung des Autors nach Tomi am Schwarzen Meer im Jahre 8 n. Chr. zurückzuführen.
Ziel des Kurses soll es sein, in kursorischer Lektüre das erste halbe Jahr des römischen Festkalenders durchzuarbeiten, bei den wichtigsten Mythen länger zu verweilen, um so die Möglichkeit zu erhalten, die Kenntnis des antiken Mythos ein wenig aufzufrischen, und nicht zuletzt auch Ovid und seine Eigenart der Darstellung und Themenbearbeitung näher kennenzulernen.
Textausgaben:
- P. Ovidius Naso Fastorum libri sex, ed. E. Alton, Stuttgart 41997 (BT).
- Ovid, Fasti, Der Festkalender Roms. Lat. und dt. hg. v. Niklas Holzberg, Düsseldorf/ Zürich 1995, Sammlung Tusculum.
| [35261] Seneca, Dialogi (Lateinische Lektüre, Prosa, Aufbaumodul) (KS-M33/35) 2st., Mi 18 - 19.30, VG 0.15, Beginn: 18.04.2012 |
Gerl |
L. Annaeus Seneca ist ohne Zweifel eine der bedeutendsten Persönlichkeiten des ersten nachchristlichen Jahrhunderts. Zeitlose Bedeutung bis heute hat Seneca in erster Linie durch seine Briefe und Dialoge erworben.
Im Mittelpunkt des Lektürekurses wird Senecas Schrift ‘De vita beata’ stehen. Seneca erläutert aus stoischer Perspektive eine der grundsätzlichsten und wohl am häufigsten gestellten Fragen der Menschheit überhaupt: Wie kann ein Mensch dauerhaft glücklich werden? Der Dialog führt in der für Seneca typischen eingängigen und sentenzenhaften Sprache ins Zentrum hellenistischer Philosophie und eignet sich so in besonderer Weise als Einstieg. Die vermeintliche Weiterentwicklung und Adaption der stoischen Schultradition durch Seneca, die Abgrenzung des stoischen Denkens von konkurrierenden Schulen mit der dazu notwendigen Definition von Begriffen führen in spezifische Fragestellungen der hellenistischen Philosophie im Allgemeinen ein.
Erweitert und in gewissem Sinne abgerundet wird die Lektüre Senecas Dialogi an geeigneten Stellen durch Passagen aus ‘De brevitate vitae’.
Textausgabe:
L. Annaei Senecae Dialogorum libri duodecim, ed. L. D. Reynolds, Oxford 1977 (OCT).
Kommentar und weitere Literatur:
- L. Annaei Senecae De vita beata, éd., introd. et comm. de P. Grimal, Paris 1969.
- G. Kuen, Die Philosophie als „dux vitae“: die Verknüpfung von Gehalt, Intention u. Darstellungsweise im philosophischen Werk Senecas am Beispiel des Dialogs „De vita beata“, Heidelberg 1994.
| [35262] Cicero, Reden nach der Rückkehr aus der Verbannung (Lateinische Lektüre, Prosa, Basismodul) (KS-M33/34) 2st., Di 8.30 - 10, H 22, Beginn: 17.04.2012 |
Krogmann |
Cicero ist unübertroffener Meister – die „Lichtgestalt“ – des lateinischen Prosastils. Als Mensch durchlebte er eine Zeit höchster politischer Brisanz und Unsicherheit, in der die Ordnung der res publica den Bedürfnissen des Reiches nicht mehr genügte und Neuem weichen musste.
Mit diesem Kurs begeben wir uns in die Jahre 57-56 v. Chr. Ciceros Triumph über die Verschwörer von 63 v. Chr. mündet in einer persönlichen Katastrophe: Der Gesetzesantrag des Volkstribunen P. Clodius Pulcher, nach dem jeder – auch rückwirkend – zu ächten ist, der einen römischen Bürger ohne Verurteilung tötet, zwingt Cicero im März 58 zur Flucht aus Rom und ins Exil nach Griechenland. Sein Vermögen wird eingezogen, sein Haus auf dem Palatin niedergerissen. Knapp eineinhalb Jahre später, am 4. Aug. 57 v. Chr., hat sich die Lage zugunsten Ciceros soweit stabilisiert, dass Senat und Volksversammlung seine Rückberufung durchsetzen. In Rom wird er begeistert umjubelt am 4. Sept. von Volk und Senat empfangen. Erfüllt von diesem Hochgefühl und der Zuversicht, er werde politisch wieder entscheidend Einfluss nehmen können, wendet er sich voller Dankbarkeit mit zwei Reden an Senat und Volksversammlung und verkündet seinen Wiedereintritt in die Politik.
In diesen und den anderen zu behandelnden Reden manifestiert sich ein Cicero, der wie gewohnt vehement für seinen Glauben an die überkommene Ordnung und Moral eintritt, dabei sich aber durch Schönfärberei des eigenen Handelns und erhebliche Fehleinschätzung der realen Machtverhältnisse immer weiter ins politische Aus manövriert, bis er sich den Absichten und dem Kalkül der Triumvirn unterstellen muss.
Da Cicero sehr auf zeitgenössische Ereignisse Bezug nimmt und mit einem Publikum rechnen konnte, das den Gang der Dinge genau kennt, wird empfohlen, sich im Vorfeld über die Jahre 63-56 v. Chr. zu informieren.
Textausgabe:
M. Tulli Ciceronis Orationes, Bd. V, Cum senatui gratias egit, Cum populo gratias egit, De domo sua, De haruspicum responso, Pro Sestio, In Vatinium, De provinciis consularibus, Pro Balbo, rec. G. Peterson, Oxford 1989 u. ö. (OCT).
Einführende Literatur:
W. Stroh, Cicero – Redner, Philosoph, Staatsmann, München 22010.
| [35263] Cicero, De re publica (Lateinische Lektüre, Prosa, Basismodul) (KS-M33/34) 2st., Mi 16 - 18, VG 2.45, Beginn: 18.04.2012 |
Reif |
(…) quanto plus est ingenii Romani terminos in tantum promovisse quam imperii (Plin. nat. 7,117). Dem vorliegenden, Cäsar in den Mund gelegten Ausspruch nach überrage die Leistung Ciceros sogar seine eigene – und zwar dadurch, dass dieser die Grenzen des römischen Denkens soweit ausgedehnt habe wie er selbst die des römischen Herrschaftsgebietes. Das Lob muss in signifikanter Weise für Ciceros politisches Konzept in der lange für verschollen und verloren geglaubten, erst im Jahre 1820 auf einem codex rescriptus wieder entdeckten ‘Staatsschrift’ gelten. ‘De re publica’ behandelt ein dreitägiges, an den feriae Latinae 129 v. Chr. abgehaltenes Gespräch im Scipionenkreis über den besten Staat und seine Verfassung. Cicero entwirft – anders als es Platon vor ihm getan hatte – keine wirklichkeitsfremde Utopie, deren Realisation nicht von Interesse ist (vgl. R. 9,592a11-b4), sondern ein auf Empirie fußendes, in der römischen res publica und ihrer historischen Entwicklung fundiertes Staatsmodell. In seinen sechs, bisweilen nur fragmentarisch tradierten Büchern liefert der Meister in Rhetorik, Staatskunst und Philosophie eine Definition des Gemeinwesens und greift dessen denkbare Verfassungsformen und potentielle Entwicklungsarten auf (Buch 1). Außerdem handelt er die Geschichte der römischen Verfassung – ausgehend vom Königtum – bis in die Republik ab (Buch 2), thematisiert Gerechtigkeit (Buch 3), Aufbau des Staates und Volkscharakter (Buch 4), den Politiker (Buch 5) und beschließt sein Werk mit dem berühmten ‘Somnium Scipionis’ (Buch 6). Neben einer akribischen sprachlichen, grammatikalischen und stilistischen Analyse zusammengehöriger Sinneinheiten bietet der Kurs einen Überblick über die wichtigsten staats-theoretischen Erwägungen der Antike – ausgehend von Platon und Aristoteles bis hin zu Polybios und der Philosophie des Panaitios und Karneades.
Textausgabe:
M. Tulli Ciceronis de re publica, de legibus, Cato maior de senectute, Laelius de amicitia, rec. J. G. F. Powell, Oxford 2006 (OCT).
Kommentar:
K. Büchner, M. Tullius Cicero, De re publica, Heidelberg 1986 (Wissenschaftliche Kommentare zu griechischen und lateinischen Schriftstellern).
Einführende Literatur:
- K. Büchner, Cicero, Bestand und Wandel seiner geistigen Welt, Heidelberg 1964, S. 199-316 (das Kapitel „Das Werk“).
- Ch. Habicht, Cicero der Politiker, München 1990.
- P. L. Schmidt, Cicero ‘De re publica’: Die Forschung der letzten Dezennien, in: ANRW 1,4 (1973), S. 262-333.
- K. Ziegler, Cicero, Staatstheoretische Schriften, Lateinisch und deutsch, Berlin 1974 (Schriften und Quellen der alten Welt), S. 7-33 (das Kapitel „Einführung“).
| [35264] Caesar, Bellum Gallicum (Lateinische Lektüre, Prosa, Basismodul) (KS-M33/34) 2st., Do 18 - 20, H 25, Beginn: 19.04.2012 |
Schmid |
Gallia est omnis divisa in partes tres…. Mit diesem, wohl jedem Lateinschüler bekannten Satz beginnt Caesar seine Commentarii zum Gallischen Krieg (58-52 v. Chr.), mit denen er vor allem das Ziel verfolgt, vor seinen Lesern in Rom Rechenschaft über seine Entscheidungen und Vorgehensweise in den Kriegen im fernen Norden abzulegen. Dabei bedient er sich einer Sprache, die besonders durch ihren sachlichen, schnörkellosen Stil besticht und aufgrund ihrer klaren Struktur auch für Studienanfänger gut übersetzbar ist.
Ziel des Kurses ist es, möglichst viele der wichtigsten und interessantesten Passagen der ersten sieben Bücher des Werkes gemeinsam zu übersetzen. Dabei werden zwar die grammatikalischen und stilistischen Besonderheiten der Texte im Mittelpunkt stehen, immer wieder werden wir aber auch auf Caesars Strategien und auf die Ziele zu sprechen kommen, die er mit der jeweiligen Schilderung verfolgt.
Textausgabe (zur Anschaffung dringend empfohlen):
C. Iulius Caesar. Vol. I: Bellum Gallicum, edidit Wolfgang Hering, München 21997 (BT).
Kommentar:
C. Iulii Caesaris Commentarii de bello Gallico. Erklärt von F. Kraner, W. Dittenberger, H. Meusel, Berlin 171920 (drei Bände; mehrere Nachdrucke).
| [35265] Sallust, Catilina (Lateinische Lektüre, Prosa, Basismodul) (KS-M33/34) 2st., Di 18 - 19.30, PT 2.0.5, Beginn: 17.04.2012 |
Aigner, E. |
Viele bedeutende oder weniger bedeutende Menschen kreuzten den Weg des großen römischen Schriftstellers und Redners Marcus Tullius Cicero. Doch kein Name bleibt mit ihm so verbunden wie der des Sergius Catilina, dessen Verschwörung Cicero in seinem Konsulatsjahr 63 v. Chr. aufdeckte und damit eine der größten Gefahren für die späte römische Republik bannen konnte. Diesen turbulenten Ereignissen widmet der Historiker Sallust eine seiner Monographien und blickt dabei tief hinein in eine von Wohlleben, Luxus und Gier zerrüttete römische Gesellschaft. Er legt den Finger in die Wunde und zeigt den moralischen Verfall des römischen Volkes auf, der Menschen wie Catilina erst zu solchem „Erfolg“ verhelfen kann. Sallust will mit seiner Schrift, die einem vielleicht nur als ein Randthema der römischen Geschichte erscheinen mag, seinen Zeitgenossen, aber auch der Nachwelt das Zusammenspiel von Ursache und Wirkung in den historischen Abläufen vor Augen führen. Und bis heute scheint die Faszination, die Catilinas Verschwörung ausübt, ungebrochen, denn der bekannte britische Autor Robert Harris machte sie zum zentralen Gegenstand seines Bestsellers „Titan“, dem zweiten Teil seiner Cicero-Trilogie.
Dieser Kurs lädt dazu ein, anhand einer möglichst vollständigen und intensiven Lektüre der ‘Coniuratio Catilinae’ die Ereignisse des Jahres 63 v. Chr. und ihre Hintergründe genauer zu betrachten sowie den tiefgreifenderen Intentionen des Historikers nachzuspüren, der in seinem Werk den Römern und in gewisser Weise auch uns einen Spiegel vorhält.
Textausgabe:
C. Sallusti Crispi Catilina, Iugurtha, Fragmenta ampliora, post A. W. Ahlberg, ed. A. Kurfess, Leipzig 31957, 1981 (BT).
| [35266] Vergil, Aeneis (Lateinische Lektüre, Poesie, Basismodul) (KS-M33/34) 2st., Di 10 - 12, H 12, Beginn: 17.04.2012 |
Ernest |
Mit dem Begriff „Augusteische Dichtung“ verbindet man Namen wie Horaz und Ovid, vor allem aber Vergil. Letzterer wurde berühmt durch die ‘Aeneis’, ein zum römischen Nationalepos gewordenes gewaltiges Werk in zwölf Büchern. Diese Dichtung soll von Octavian, dem späteren Kaiser Augustus, nach dessen Sieg in der Seeschlacht bei Actium (31 v. Chr.) in Auftrag gegeben worden sein, um den Sieger und seine Herrschaft zu preisen, ein Opus, das den Dichter Vergil (geboren 70 v. Chr.) bis zu seinem Tod im Jahr 19 v. Chr. beschäftigt.
Mantua me genuit, Calabri rapuere, tenet nunc / Parthenope; cecini pascua, rura, duces – so lautet Vergils Grabepigramm. Es nennt neben seinen Lebensstationen – geboren bei Mantua, gestorben in Brundisium/Kalabrien, bestattet in Parthenope/Neapel – sein Œuvre – die ‘Bucolica’, eine Sammlung von Hirtengedichten, die ‘Georgica’, ein Lehrgedicht über den Landbau, und die ‘Aeneis’.
Dieses Epos folgt dichterisch vor allem Homer, aber Vergil besingt die Taten des mythischen Helden Aeneas aus Troja, des Urvaters der Römer, und preist damit zugleich die Geschichte seiner Nachkommen in Italien; und deren weltgeschichtliche Sendung gipfelt nach Auffassung der Zeit in Augustus.
Der Kurs vermag höchstens einen kleinen Eindruck von der Großartigkeit des Epos und seiner dichterischen Qualität zu vermitteln, wenn er anhand von Ausschnitten aus den Büchern 1, 4 und 6 den Verlauf einer tragisch endenden Liebesbeziehung thematisiert. Den Trojanerfürsten Aeneas verschlägt es nach der Zerstörung seiner Heimatstadt durch die Griechen nach Karthago in Didos Reich (Buch 1). Die Königin verliebt sich in den Helden, muss ihn aber ziehen lassen, damit dieser im Auftrag Jupiters in Italien seinen hehren Auftrag erfüllen kann. Daraufhin begeht sie Selbstmord (Buch 4). In der Unterwelt kommt es erneut zur Begegnung des Aeneas mit Dido – ihrem Schatten (Buch 6).
Ziel des Kurses ist eine Übertragung der ausgewählten Textstellen in ein Deutsch, das stets das Original erkennbar lassen soll, das aber trotzdem immer angemessen sein muss. Begleitet wird diese Arbeit vorrangig von der Erweiterung des aktiven Wortschatzes und der Erklärung grammatischer Probleme, es soll aber auch, von Fall zu Fall, nicht an Tipps zur Technik des Übersetzens fehlen. Nicht zuletzt ist der sichere Vortrag von Hexametern ein Thema.
Das Semester schließt mit einer Klausur ab.
Textausgabe:
P. Vergili Maronis opera, ed. R. A. B. Mynors, Oxford 1969 (OCT, Nachdrucke).
| [35267] Tibull (Lateinische Lektüre, Poesie, Basismodul) (KS-M33/34) 2st., Mi 18s.t. - 19.30, VG 0.24, Beginn: 18.04.2012 |
Reif |
Ich hab dich geliebet und liebe dich noch!
Und fiele die Welt zusammen,
Aus ihren Trümmern stiegen doch
Hervor meiner Liebe Flammen.
(Heine, H., Buch der Lieder, darin: Lyrisches Intermezzo 44)
Geht es Ihnen so, wie es H. Heine formuliert? Dann fühlen Sie dem amator in Tibulls ‘Liebeselegien’ gleich und sind hier goldrichtig: Dieser Kurs steht ganz im Zeichen der Liebe. Wir wollen den elegischen poeta begleiten in seine eigene, nur durch ihn allein zugängige, imaginäre Gegenwelt, wollen ihn um den geliebten Menschen werben hören, ihn bei einer Erwiderung der Gefühle frohlocken sehen und ihm in seinem wehmütigen Klagen bei enttäuschter, einseitiger Liebe zur Seite stehen. Passend zur Unkalkulierbarkeit aller Sehnsuchtsemotionen treffen wir ihn mal himmelhoch jauchzend, mal zu Tode betrübt an. Dabei führt Tibull dem Rezipienten das ganze Spektrum zwischenmenschlicher Liebe vor Augen: Neben Schwüren ewiger Treue, Flüchen auf die Kupplerin, Selbstmordgedanken, Sehnsucht nach der Geliebten, Traumvisionen von einem Leben zu zweit, Betrugsverdächtigungen und Sexualgelüsten erfährt der Leser von Gefühlen des elegischen Ichs für Mann und Frau, den Knaben Marathus oder Delia bzw. Nemesis. Immer wieder begegnet uns ein amator, der in absoluter Willfährigkeit für seine Liebe alles zu tun bereit ist. Lieben bedeutet servitium amoris und somit demütigste Unterwürfigkeit dem geliebten Menschen gegenüber (obsequi[um], 1,8,40). Moderner ausgedrückt könnte man mit dem irischen Dramatiker G. B. Shaw (1856-1950) sagen: „Liebe ist die einzige Sklaverei, die als Vergnügen empfunden wird.“
Der Kurs wird sich schwerpunktmäßig mit den Delia- und Marathus-Elegien (1,1, 2, 3, 5, 6 bzw. 1,4, 8, 9) beschäftigen. Neben der Arbeit an einer adäquaten und stilistisch ansprechenden Übersetzung sollen die gattungsspezifische Eigenständigkeit der subjektiv-erotischen Liebeselegie, ihre sozialen Entstehungsvoraussetzungen sowie die Stellung Tibulls und seine Eigenart gegenüber Gallus, Properz und Ovid thematisiert werden. Im Besonderen aber möge ein jeder durch den Einblick in diese Art der römischen Dichtung die Zeitlosigkeit und Unveränderlichkeit der einen jeden persönlich angehenden Liebesproblematik begreifen lernen. Wenn auch Sie unglücklich verliebt sind, im Sinne des Paraklausithyron als exclusus amator ausgesperrt vor der Tür des oder der Geliebten harren oder auf Liebeslösung hoffen, so sind Sie herzlich willkommen. Dieser Kurs strebt nach kathartischer Wirkung.
Textausgabe:
Albii Tibulli aliorumque carmina, ed. G. Luck, Stuttgart / Leipzig 21998.
Kommentare:
- P. Murgatroyd, Tibullus I, A Commentary on the First Book of the Elegies of Albius Tibullus, Pietermaritzburg 1980.
- P. Murgatoyd, Tibullus, Elegies II, Edited with Introduction and Commentary, Oxford 1994.
- C. J. Putnam, Tibullus, A Commentary, Norman 1973 (The American Philological Associa-tion Series of Classical Texts).
Einführende Literatur:
- N. Holzberg, Die römische Liebeselegie, Eine Einführung, Darmstadt 42009.
- Ch. Neumeister, Tibull, Einführung in sein Werk, Heidelberg 1986 (Heidelberger Studien-hefte zur Altertumswissenschaft).
| [35268] Livius (Lateinische Lektüre, Prosa, Basismodul) (KS-M33/34) 2st., Do 14 - 16, H 21, Beginn: 19.04.2012 |
Mitterer |
Teilweise in Anlehnung an die Einführung in die römische Geschichte sollen in diesem Kurs Auszüge aus dem großen und leider bei weitem nicht vollständig überlieferten gewaltigen Werk ab urbe condita gelesen werden. Livius selbst, der, wohl 59 v. Chr. geboren, die römische Republik selbst nicht mehr miterlebt hat und der Generation des Augustus angehörte, zeigt sich der Größe seiner sich selbst auferlegten Aufgabenstellung im Proömium durchaus bewusst: res est praeterea et immensi operis, es handle sich ja immerhin um mehr als 700 Jahre, die er sich anschicke darzustellen. Er selbst zweifelt, ob er der Aufgabe gewachsen sei, doch wagt er es gleichwohl, die Taten des eigenen Volkes darzustellen, von den Anfängen an, deren frühere, wie er befürchtet, seinen Lesern wohl weit weniger Genuss bereiten würden als die aktuelleren. Wir jedenfalls, die wir derlei Präferenzen nicht teilen, sind froh, dass er sich dennoch nicht abhalten ließ und können so, ein ganzes Semesters lang, aus dem Vollen schöpfen und Szenen, Helden und Schlachten miterleben. Die Auswahl der Texte wird jeweils im Laufe des Semesters bekannt gegeben und kann sich auch nach dem Interesse der Teilnehmenden richten.
| [35268X] Phädrus, Fabeln (Lateinische Lektüre, Poesie, Basismodul) (KS-M33/34) 2st., Mi 8.30 - 10, H 12, Beginn: 18.04.2012 |
Krogmann |
Hund, Katze, Esel, Maus, Biene, Gans und Ziege – ein wahres Panoptikum römischer Haus-tiere führt uns Phaedrus in seinen Fabeln vor. Daneben kommen andere Gestalten des römischen Alltags und vielerlei Götter in eingängigen Versen zu Wort. Das Ziel ist ihnen gemeinsam: durch vergnügliche Unterhaltung erziehen, Kritik an Moral und Lebensweisen üben, ohne eine Person direkt anzugreifen und dabei doch zur Selbstreflexion anzuregen – ein bewährtes pädagogisches Prinzip.
Grundlage für das Werk des Phaedrus bildet eine in Prosa gehaltene Fabelsammlung, die dem – historisch nicht zu belegenden – Sklaven Äsop aus Phrygien zugeschrieben wird. Phaedrus erweitert die Vorlage allerdings um einige Anekdoten und Mythen und transferiert sie zudem als eigentliche Besonderheit in gebundene Sprache. Dem Geschmack der Zeit entsprechend verwendet er als Versmaß den jambischen Senar, das Metrum der römischen Komödie.
Textausgabe:
Phaedri Augusti liberti fabularum, rec. A. Guaglianone, Turin 1969 [Da diese Ausgabe nicht im Handel erhältlich ist, muss sie kopiert werden. Für die erste Sitzung werden Kopien vorbereitet und gestellt, für den weiteren Verlauf müssen die Teilnehmer/innen die Texte selbst kopieren].
| [35269] Martial (Lateinische Lektüre, Poesie, Basismodul) (KS-M33/34) 2st., Di 18s.t. - 19.30, H 17, Beginn: 17.04.2012 |
Meier |
Hominem pagina nostra sapit – Martial rückt den Menschen ins Zentrum seiner Dichtkunst, mit all seinen Problemen, Unzulänglichkeiten, aber auch Glücksgefühlen und Empfindungen. Der Kurs möchte einen umfassenden Einblick in die Themenvielfalt des Meisters der Epigrammdichtung bieten. Ein Schwerpunkt soll dabei auch auf Gedichten liegen, die im gymnasialen Unterricht behandelt werden (können). Darüber hinaus bietet der Kurs die Möglichkeit, sich im Lesen gängiger lateinischer Metren zu üben (Hendekasyllabus, elegisches Distichon).
Textausgabe (leider kaum erschwinglich):
M. Valerius Martialis Epigrammata, ed. D. R. Shackleton Bailey, Stuttgart 1990.
| [35270] Plinius, Epistulae (Lateinische Lektüre, Prosa, Basismodul) (KS-M33/34) 2st., Di 8.30 - 10, H 18, Beginn: 17.04.2012 |
Oswald |
In der 10 Bücher umfassenden Briefsammlung des Plinius minor begegnet uns antikes Leben aus der Perspektive eines römischen Beamten im 1. Jahrhundert nach Christus.
Der Autor gibt uns Einblick in das politische, kulturelle und literarische Leben seiner Zeit, aber auch Aspekte des römischen Alltags sowie persönliche Angelegenheiten werden erörtert: Wir erleben Plinius als Ehemann im Briefwechsel mit seiner jungen Gattin Calpurnia, als Freund, der zum Tod eines 14-jährigen Mädchens kondoliert, als pater familias, der im Umgang mit Sklaven eine humanitäre Haltung einfordert. Von besonderem Interesse ist für uns heute vor allem die Schilderung des Vesuvausbruchs im Jahr 79 n. Chr., den Plinius, der bei dieser Naturkatastrophe seinen Onkel und Adoptivvater Plinius maior verliert, als Augenzeuge miterlebt.
In der nicht für die Veröffentlichung bestimmten amtlichen Korrespondenz mit dem Kaiser Trajan im 10. Buch sieht Plinius sich schließlich als kaiserlicher Verwalter der Provinz Bithynien mit der Frage konfrontiert, wie mit den Anhängern des noch jungen Christentums zu verfahren ist.
Ausgehend von der Lektüre eines ausgewählten Textkorpus sollen im Kurs – neben der Arbeit an Grammatik und Wortschatz – auch inhaltlich relevante sowie literaturtheoretische Aspekte der Gattung Briefliteratur behandelt werden.
Textausgaben:
- C. Plini Secundi Epistularum libri decem, ed. M. Schuster/R. Hanslik. Leipzig/Stuttgart 31958.
- C. Plini Caecili Secundi Epistularum libri decem, ed. R. A. B. Mynors. Oxford 1963.
Sprachkurse
| [35293] Latein II (Parallelkurs A) 4st., Blockveranstaltung vor Vorlesungsbeginn |
Oswald |
| [35294] Latein II (Parallelkurs B) 4st., Blockveranstaltung vor Vorlesungsbeginn |
Krogmann |
| [35295] Latein III 2st., Mo 19s.t. - 20, H 9; Mi 19s.t .- 20, H 25, Beginn: 16.04.2012 |
Hofschuster |