Hauptseminare
| [31132] Nietzsche und der Platonismus (Klassikerkurs, Hauptseminar) (KS-M17/M38) 2st., Mo 8 - 10, VG_0.14, Beginn: 16.04.2012 |
Quero-Sánchez |
»Es sei die Zeit sehr nahe«, so schreibt Nietzsche in der Vorrede zu ›Jenseits von Gut und Böse‹, »um den Grundstein zu solchen erhabenen und unbedingten Philosophen-Bauwerken abzugeben, welche die Dogmatiker bisher aufbauten«. Seine Kritik am Dogmatismus gilt in erster Linie dem Platonismus und dessen Vorliebe zum Unbedingten, welches, so heißt es wörtlich, ›in die Pathologie gehört‹. Und doch bezeichnete Martin Heidegger Nietzsche – zu Recht? – als ›den zügellosesten Platoniker inner-halb der Geschichte der abendländischen Metaphysik‹.
Im Seminar soll – zum Einen – grundlegendes Sachwissen über das Leben und das Werk Friedrich Nietzsches vermittelt werden sowie – zum Anderen – die Hauptstellen gemeinsam diskutiert und ge-deutet werden, an denen Nietzsches Verständnis und Kritik des Platonismus zu Tage treten.
Textgrundlage
- Nietzsche, Friedrich, Sämtliche Werke – Kritische Studienausgabe in 15 Bänden, hrsg. von G. Colli und M. Montinari (= KSA) (Textauswahl wird im Seminar verteilt).
Literatur (Zur Einführung)
- Bremer, D., »Platonisches, Antiplatonisches«, in: Nietzsche-Studien 8 (1979), S. 39-103.
- Gerhardt, Volker, Friedrich Nietzsche, München (Beck) 1992 [Beck’sche Reihe – Denker 522].
- Hager, F.P., »Das Platon-Verständnis Nietzsches«, in: Nietzsche Kontroverse 4, hg. von R. Berlinger / W. Schrader, Würzburg 1984, S. 9-33.
- Ottmann, Henning (Hg.), Nietzsche-Handbuch. Leben – Werk – Wirkung, Stuttgart (Metz-ler) 2000, S. 374-376.
- Quero-Sánchez, Andrés, »Zarathustras Treue zur Erde als Wille zum Willen. Friedrich Nietzsches Philosophie der Wünschbarkeit«, in: Also wie sprach Zarathustra? West-östliche Spiegelungen im kulturgeschichtlichen Vergleich, hg. von Mathias Mayer, Würzburg 2006, S. 89-110.
| [31133] Platons „Politeia“ („Der Staat“) (Hauptseminar) (KS-M17/M38) 2st., bitte Aushang verfolgen |
Quero- |
Platons ›Politeia‹ gilt nach wie vor als sein Hauptwerk, in welchem eine Fülle von zentralen Themen der Philosophie Platons behandelt werden, an erster Stelle freilich die Frage nach dem Wesen der Gerechtigkeit. Das Werk empfiehlt sich in diesem Sinne bestens als Einleitung in die Philosophie Platons.
Im Seminar soll – zum Einen – grundlegendes Sachwissen über Leben, Werk und Wirkung Platons vermittelt werden sowie – zum Anderen – ausgewählte Stellen aus der ›Politeia‹ gemeinsam diskutiert und gedeutet werden, an denen die zentralen Thesen des Platonismus sich erkennen lassen. Griechisch-Kenntnisse sind zwar erwünscht, jedoch keineswegs Voraussetzung für die Teilnahme am Seminar.
Textgrundlage
- Platon, Der Staat (Politeia), Übersetzung von Karl Vretska (Reclams Universal Bibliothek 8205).
- Platon, Der Staat: Über das Gerechte, Übersetzung von Otto Apelt, Hamburg (Meiner) 111989 (Philosophische Bibliothek 80).
Literatur (Zur Einführung in das Thema)
- Erler, Michael, »Platon« (= Grundriss der Geschichte der Philosophie, neue Ausgabe von Helmut Holzhey; Die Philosophie der Antike, hg. von Hellmut Flashar, Bd. 2/2), Basel 2007, Sp. 202a–215b.
- Söder, Joachim, »Politeia – Über das Gerechte«, in: Christoph Horn / Jörn Müller / Joachim Söder (Hg.), Platon-Handbuch. Leben – Werk – Wirkung, Stuttgart/Weimar 2009, Sp. 49b–51b.
- Höffe, Otfried (Hg.), Platon: Politeia, Berlin ³2011 (Klassiker Auslegen, Bd. 7).
ProSeminare
| [31116] Summum bonum (Essaykurs, Proseminar) (KS-M15/M16/M38) 2st., bitte Aushang verfolgen |
Gasser |
Menschliches Verhalten ist zumeist nicht nur äußerlich beschreibbar, sondern weist auch, ebenso wie das Verhalten der anderen Lebewesen, eine „Innenseite“ auf, nämlich ein auf ein Ziel hin ausgerichtetes Streben. Menschen können sich jedoch, im Gegensatz zu Tieren und Pflanzen, von dem Ziel ihres Strebens distanzieren, um es als solches gegenständlich zu erfassen und an einem internen oder externen Maßstab zu messen – oder zumindest sollten sie das können. Ein solches von einer bewußten oder wenigstens bewußtseinsfähigen Absicht geleitetes Verhalten nennt man auch eine Handlung. Das den Menschen auszeichnende Verhalten ist also das des Handelns, und jedes Handeln ist auf ein Ziel hin ausgerichtet. Was nun auch immer dieses Ziel sein mag, so muß es doch zumindest dem Handelnden selbst als gut erscheinen (wobei ein innerer Zwiespalt oder gar eine innere Zerrissenheit in dieser Hinsicht nicht ausgeschlossen ist). Wenn dem nun aber so ist, dann läßt sich auch bezüglich des Ziels selbst wiederum danach fragen, wozu es gut ist, d. h. um welches Gutes willen es erstrebt wird. Daraus ergibt sich eine Hierarchie der mit unseren Handlungen verfolgten Ziele. Wenn ich z. B. ein Haus bauen will, dann deshalb, weil mir das Vorhandensein des Hauses als gut erscheint. Zum Errichten des Hauses aber sind viele Tätigkeiten (Mauern, Verputzen usw.) erforderlich, die ebenfalls um eines Zieles willen erstrebt werden. Diese Handlungen bzw. die entsprechenden Handlungsziele sind nun ohne Zweifel ebenfalls gut, wenn denn der Hausbau und das Vorhandensein des Hauses gut sind. Wozu aber ist das Vorhandensein des Hauses selbst eigentlich gut? Antworteten wir darauf nun z. B., daß uns ein Haus Schutz vor dem Wetter biete, dann ließe sich die Frage nach dem Zweck in Bezug auf diese Antwort nochmals wiederholen: Wozu wollen wir uns vor dem Wetter schützen? Die wiederholte Frage nach dem Zweck erhält nämlich erst dann eine endgültige Antwort, wenn sie auf ein höchstes Gut stößt – ein summum bonum – das nicht wiederum um eines anderen Gutes willen getan wird oder da ist. Dieses höchste Gut ist demnach also der Maßstab all unseres Handelns, auf es hin müssen wir all unser Streben ausrichten, wenn es nicht vergeblich sein soll.
Damit aber stellt sich unausweichlich die Frage, worin dieses höchste Gut besteht. Ist es z. B die Lust? Und wenn ja, jede Lust oder nur eine bestimmte Art? Oder ist das höchste Gut womöglich die Philosophie selbst und das Philosophieren? Oder vielleicht doch eher Gott? Mit diesen und weiteren Fragen wollen wir uns in diesem Essaykurs etwas eingehender befassen. Dazu lesen wir verschiedene Texte vor allem aus der Antike, in der die Frage nach dem summum bonum breiten Raum einnahm, und diskutieren sie. Wir werden uns aber nicht nur über Texte beugen, was freilich unabdingbare Voraussetzung jedes ernsthaften Philosophierens ist; Sie sollen auch selbst in dieser Frage Position beziehen. Letzteres wird in Form dreier Essays geschehen, die Sie über die Dauer des Seminars verteilt verfassen werden. Diese Essays sind auch die Grundlage für den Erwerb der Leistungspunkte.
Die Literatur wird in der ersten Sitzung bekannt gegeben.
| [31117] Aristoteles: Metaphysik Kap. XII (Klassikerkurs, Proseminar), (KS-M15/M16/M38) 2st., bitte Aushang verfolgen |
Gasser |
Das zwölfte Buch der Metaphysik gilt als Gipfelpunkt der theoretischen Philosophie des Aristoteles. Das hat zwei Gründe. Zum einen gibt Aristoteles hier einen Gesamtüberblick seines reifen ontologischen und kosmologischen Denkens, und zwar in überaus komprimierter Weise. Zum anderen thematisiert er hier in ausführlicher Weise das höchste Seiende, also Gott. Letzteres mündet in die berühmte und in ihrer Wirkmächtigkeit unmöglich zu überschätzende aber auch zugleich sehr schwer zu interpretierende Bestimmung der dem göttlichen Geist zukommenden Tätigkeit als Denken des Denkens.
Dieses Seminar soll dazu dienen, in die theoretische Philosophie des Aristoteles mittels eines Überblicks über wichtige Themen, Begriffe und Theoreme einzuführen und mit einigen zentralen Problemen der Aristotelesinterpretation vertraut zu machen. Dabei soll uns der Text des zwölften Buchs der Metaphysik als Leitfaden dienen.
Voraussetzung des Erwerbs der Leistungspunkte ist das Verfassen und Vortragen eines Protokolls der vorausgehenden Sitzung; zum Teil können aber evtl. statt dessen auch Referate gehalten werden.