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Samuel Beuttler
Politikwissenschaft
Metropolitan Governance und demokratische Legitimation: Was sagt der Bürger dazu?
Die Präsentation umfasst den aktuellen Forschungsstand, welcher sich mit den verschiedenen Steuerungsmodellen von Metropolregionen befasst. Diese unterscheiden sich hinsichtlich dem Grad und der Art ihrer Institutionalisierung. Zwei traditionelle Ansätze und eine moderne Denkschule befassen sich mit gegenteiligen Problemlösungsstrategien, welche v.a. aufgrund der Fragmentierung der politischen Macht in Metropolregionen vonnöten sind. Im Fokus dieser sogenannten Metropolitan Governance Debatte stehen die Implikationen der verschiedenen Lenkungsansätze für die demokratische (Input- und Output) Legitimation dieser Stadtregionen. Letztendlich wird die Frage aufgeworfen, wie die Bürger die unterschiedlich politisch legitimierten Metropolregionen wahrnehmen. Dazu werden verschiedene Hypothesen aus der Literatur abgeleitet und aufgestellt, welche zur Disposition stehen.
Markus Kattenbeck
Informationswissenschaft
Reich an Reizen, arm an Kenntnis – Zur Ordnung von Kontextvariablen in der Landmarkennavigation
Navigationssysteme für PKW strukturieren die gegebenen Anweisungen mit Hilfe von
Entfernungsangaben. Im Gegensatz dazu navigieren Fußgänger unter Rekurs auf Objekte, die genügend auffällig sind, um die Korrektheit des eigenen Weges zu bestätigen oder Entscheidungspunkte für Richtungsänderungen zu markieren. Die adäquate Repräsentation der Eigenschaften dieser Landmarken in Informationssystemen ist ein virulentes Gebiet gegenwärtiger Forschung. Im Fokus stehen dabei besonders die Aspekte Perzeption, Deskription und Selektion
von Landmarken. Im Fall der Beschreibung wird vor allem auf gängige GIS-Standards zurückgegriffen und diese systematisch erweitert (cf. Fang et al. 2012; Hansen et al. 2006). Andererseits richtet sich das Interesse häufig auf Auswahlprozesse und die Perzeption von Landmarken aus psychologischer (cf. e.g. Daniel et al. 2003; Ishikawa & Nakamura 2012; Peters et al. 2010) und algorithmischer Sicht (cf. e.g. Richter 2007). Allerdings ließen Experimente zur
Identifikation von Landmarken und die standardisierte Beschreibung dieser Objekte bisher Effekte der Rekursivität von Landmarken außer Betracht: Nähert man sich einer Landmarke, so wird diese mit abnehmender Distanz umso detaillierter wahrgenommen; sie wird gegebenenfalls als Zusammensetzung aus weiteren Landmarken erkennbar. Um der menschlichen Kognition angemessene Navigationsanweisungen situationsbezogen in Echtzeit erzeugen zu können, ist es
nötig, diese Wahrnehmungsverschiebung bereits bei der Repräsentation der Landmarken zu berücksichtigen. Dies wiederum kann nur dann gelingen, wenn die Veränderung der Perzeption systematisch beobachtet und erfasst wird. Hierzu ist vor allem die Kenntnis der Kontextfaktoren der jeweiligen Navigationssituation besonders bedeutsam. Allerdings existiert bisher keine geordnete Zusammenschau in Frage kommender Einflussgrößen. Im Vortrag soll daher ein Vorschlag für die Systematisierung der Umstände zur Diskussion gestellt werden, um so den ersten
Schritt zur Repräsentation der Abhängigkeit der Entfernung und dem wahrgenommenen Detaillierungsgrad bei Landmarken zu gehen.
Alexandra Herzog
Amerikanistik
Fanfiction
“We, the fans,” writes fanfiction author hazel-3017, “make our own version of our favourite characters, and twist and bend them to our will.” By insisting on her agency, this writer demonstrates a decisive empowerment of the stereotypically weak and vulnerable fan, who was long regarded as the powerless Other at the margins of culture.
Statements like hazel-3017’s provide an important starting point for my dissertation project: its main concern is the redistribution of power between fans and producers in the genre of fanfiction writing—fiction writing by fans of published meta-texts like books or TV shows that uses the characters, plot, settings of the source text to create new texts that are then distributed on the Internet. I argue that fans—on the basis of their fan work—need to be acknowledged as actively participating in the shaping of culture, restructuring the media industry according to democratic principles of visibility, representation, and involvement.
My thesis investigates a number of textual strategies fans employ in their writing to assert their empowerment and symbolic ownerships of the meta-texts, disclosing different ways the communities have found to engage in a grass-roots negotiation of authority with the traditionally privileged and hegemonic institution of author/producer. In contrast to previous studies, I distinctly foreground the written word: I claim that fans use a variety of decidedly textual features to demonstrate their agency and establish a more just balance of power between the fannish ‘audience’ and the copyright owners. The aim of my thesis is to reveal, investigate, elaborate on, and finally assess these gatekeeping moves on part of the fans, focusing on several elements of the fanfictions’ paratext and of the stories themselves, reconstructing them as means of claiming power and authority.
Marta Potuznikova
Medienwissenschaft
Audi-Werbung. Eine medienwissenschaftliche Analyse
Seit ihrer Entstehung gewann die Werbung immer mehr an Bedeutung und sie ist heute nicht mehr aus dem täglichen Leben wegzudenken. Werbung ist sowohl ein Spiegel der Wirtschaft als auch der Gesellschaft. Einerseits vermittelt sie attraktive Angebote, anderseits achtet sie kulturelle Werte, nimmt kulturelle Impulse auf und spiegelt die gesellschaftliche Realität wider. Der Fokus der Arbeit liegt nicht auf dem Verständnis von Werbung als Mittel der kommerziellen Marketingkommunikation, sondern als ein Kulturgut, betrachtet aus medienwissenschaftlicher Perspektive, als Kulturfaktor der Gesellschaft und ihrer Entwicklung. Die langjährige Tradition des heutigen Konzerns AUDI AG gab Anlass, den gesellschaftlichen Wandel durch die sich verändernden Werbemotive seit Firmengründung im Jahr 1909 darzustellen. Ziel ist es, die gesellschaftlichen Veränderungen anhand der Werbekommunikation darzulegen und die semiotischen Ansätze aus der Analyse der Werbemotive in den einzelnen Zeiträumen anzuwenden. Dementsprechend ist die Arbeit vor allem mit kulturwissenschaftlichen und semiotischen Fragestellungen verbunden: Welche Motive, Zeichen, Symbole werden verwendet? Welche konkreten Hintergründe und Wertvorstellungen werden seit dem Erscheinen des ersten Werbemotivs des Konzerns sichtbar? Wie spiegelt die Werbung im Laufe der Zeit die Entwicklung der Gesellschaft wider und was steht letztendlich hinter dem Begriff Werbung als „Kulturgut“? Die Untersuchung erfolgt durch ein Analysemodell, das zunächst auf die veränderte Gedankenwelt der Menschen nach der Erfindung des Automobils und durch den soziologischen, ökonomischen und kulturellen Wandel seit 1909 eingeht. Parallel dazu wird die Firmen- und Markengeschichte sowie die Werbekommunikation des Unternehmens untersucht. Im Anschluss daran werden repräsentative Werbemotive für den jeweiligen Betrachtungszeitraum zur Untersuchung ausgewählt. Mit dieser Vorgehensweise ergibt die Werbeanalyse eine umfassende Perspektive auf die Kultur- und Firmengeschichte. Mit der Analyse der im Laufe der Zeit sich verändernden Werbemotive lässt sich überprüfen, auf welche Art und Weise die Audi-Werbung die kulturellen Impulse der Zeitgeschichte aufnimmt, wie sie den gesellschaftlichen und firmengeschichtlichen Wandel reflektiert und dabei das Audi-Fahrzeug positioniert.
Anna Juraschek
Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft
Die Idee des Bildes in Bruno Schulz' Werk
In meiner Promotionsarbeit untersuche ich die Idee des Bildes im prosaischen und bildnerischen Werk des polnisch-jüdischen Schriftstellers und Künstlers Bruno Schulz und gehe der Frage nach, ob man von einer Rettung des Bildes im Wort sprechen kann. Deshalb ziehe ich zur Betrachtung die Philosophie Walter Benjamins hinzu, dessen Denken und Interessenbereich sich vielfältig mit dem Schulz’schen überschneidet und sich durch den Vergleich ein neuer Blick auf beider Denker Werk werfen lässt.
Ich gehe von der methodischen These aus, dass Schulz’ Werk als experimentelle Durchführung mancher Benjaminscher Begriffe lesbar ist. Dass beide Intellektuelle sich nicht persönlich und vermutlich auch nicht durch ihr Werk gekannt haben, macht diesen Ansatz nicht weniger reizvoll. Viele Begriffe, die Benjamin philosophisch entwickelt, lassen sich im Werk von Schulz’ programmatisch entweder in der Form oder im Inhalt wieder finden. Dadurch lässt sich wiederum folgern, dass beide bestimmte Strömungen aufnehmen, die in der Luft der Zwischenkriegszeit liegen und also auf bestimmte geistige Strömungen reagieren. Meinen Ansatz möchte ich auf der Tagung des Promotionskollegs genauer vorstellen und durch ein Beispiel verdeutlichen. Anhand einer „Bilddiskussion“ werde ich genauer aufzeigen, wie Schulz und Benjamin zusammen denkbar sind und was es mit der Idee des Bildes genauer auf sich hat.
Nadine Karl
Spanische Sprachwissenschaft
Didaktische Nutzung linguistischer Korpora am Beispiel des Spanischunterrichts
Die Arbeit mit Sprachkorpora als Datenbanken mit authentischen Sprachzeugnissen ist kein neuer Forschungsansatz. Sprachkorpora werden seit einiger Zeit in der sprachwissenschaftlichen Forschung verwendet, um neue Erkenntnisse über den realen Sprachgebrauch der spanischen Muttersprachler zu gewinnen - in den Unterricht haben sie allerdings noch kaum Einzug gehalten. Viel zu selten werden authentische Texte in den Spanischunterricht eingebunden und die Mehrheit der Übungen und Texte in Lehrwerken wurde von Lehrbuchautoren frei erfunden oder stark redigiert und gekürzt. Um den Lernenden den tatsächlichen Sprachgebrauch näher zu bringen, ist die vermehrte Verwendung von muttersprachlichem Material unabdinglich.
Die Sprachkorpora sind – was ihre Handhabung, ihren Aufbau und das darin enthaltene Sprachmaterial anbelangt – keineswegs zu kompliziert, um sie auf die universitäre Forschung zu beschränken. Korpora fördern selbstständiges und individuelles Lernen anhand authentischer Sprachdaten und bieten daher mindestens zwei Motivationsfaktoren für Schüler - selbstreguliertes Lernen und Ansporn durch den Umgang mit muttersprachlichem Material. Anhand der Texte und Konkordanzen der Korpora können Schüler selbstständig ihre Sprachkenntnisse überprüfen und Ideen für die eigene Sprachproduktion sammeln. Sie verstehen Zusammenhänge zwischen Wörtern wie Konnotationen, Kollokationen, Synonyme und Idiome, und ermitteln die relative Häufigkeit mit der bestimmte Ausdrücke von Muttersprachlern verwendet werden. Aber nicht nur das Vokabular, sondern auch das Wissen über grammatikalische Strukturen und textlinguistische Besonderheiten, sowie stilistische, soziolinguistische und regionale Variation, können mit Hilfe von Korpora erweitert werden.
Im Bereich des Englischunterrichts ist die Korpuslinguistik schon seit längerer Zeit etabliert und ermöglicht den Schülern anhand authentischer Daten aus englischen Korpora die Fremdsprache so zu erlernen wie diese von Muttersprachlern gesprochen wird. Ziel dieser Dissertation ist es nun, die spanischen Sprachkorpora auf deren Nutzbarkeit für den Spanischunterricht zu überprüfen, die Funktionen der bislang existierenden Korpora sowie deren Vor- und Nachteile zu beschreiben, Möglichkeiten und Grenzen für deren Anwendung aufzuzeigen und anhand konkreter Beispiele die Verwendung im Unterricht zu exemplifizieren.
Katharina Fackler
Amerikanistik
Picturing Poverty in the 1950s and 1960s
After the ‘pictorial turn’ in American Studies and many other disciplines, visuals are no longer considered mere illustrations, subordinate to the textual, but rather powerful communicative acts, shaping our understanding of past, present, and future. The analysis of the rhetorical power of visuals within their respective social, political, and historical contexts has thus become an integral part of (New) American Studies. On these premises, I examine the photographic representation of poverty in the U.S. during the 1950s and 1960s.
In the presentation, two selected photographs are analyzed in order to illustrate in which ways the pictures can provide answers to these central questions: What were the rhetorical functions of these representations within the social and political contexts at the time? And how did the U.S.-American tradition of documentary photography develop under these conditions?
One photograph was created by the administration of U.S. President Lyndon B. Johnson, which from 1964 to 1966 relied heavily on the medium of photography to create an image of poverty that would be in line with its political goals. The second photograph originates in the Poor People’s Campaign, a multiethnic non-violent protest action planned by Martin Luther King, Jr. and carried out in May and June 1968. Its aim was to stage and visualize the problem of poverty in a way that would direct national attention away from the war in Vietnam and back to the nation’s poor and the shortcomings of governmental anti-poverty programs so far.
The comparison of these two visuals can help to shed light on the important intersections between specific manifestations of documentary photography and the complex and conflicting views on poverty in the late 1950s and 1960s.