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Workshop 7. - 9. Juni 2012, "Fiktion - Wahrheit - Interpretation"

Vortragende

  • Lutz Danneberg (Berlin)
  • Wolfgang Detel (Frankfurt am Main)
  • Hans-Johann Glock (Zürich)
  • Max Kölbel (Barcelona)
  • Benjamin Schnieder (Hamburg)
  • Frank Zipfel (Mainz)
  • Daniel Hartenstein (Regensburg)
  • Eva-Maria Konrad (Regensburg)
  • Thomas Petraschka (Regensburg)
  • Christiana Werner (Duisburg-Essen/Regensburg)


Lutz Danneberg

"Probleme des Interpretierens fiktionaler Texte"


Wolfgang Detel

„Fiktion und Wahrheit aus geist-theoretischer Sicht“

Der Vortrag analysiert das Verhältnis von Fiktion und Wahrheit primär
unter der Bedingung der Interpretierbarkeit von Fiktionen.
Interpretation und Interpretierbarkeit werden dabei geist-theoretisch
gefasst. Unter anderem wird geltend gemacht, dass die
Interpretierbarkeit von Fiktionen voraussetzt, dass eine Reihe von
Wahrheitsannahmen und Rationalitätsunterstellungen sowohl für fiktive
Modelle als auch für die aktuale Welt gelten müssen.


Hans-Johann Glock

„Unverständlichkeit verständlich Machen“

In dem Vortrag geht es um einen Kontrast, der die Analytische Philosophie seit Frege, Moore und Russell beschäftigt hat und in jüngster Zeit im Anschluss an Davidson und Wittgenstein wieder an Bedeutung gewonnen hat. Manche grammatisch wohlgeformte assertorische Sätze sind weder falsch noch unbegründet, sondern leiden an einem scheinbar grundlegenderen Mangel semantischer Art. Sei es, dass sie keinen Wahrheitswert haben, wie z.B. in fiktionalen Texten, sei es, dass sie grundsätzlich nicht 'wahrheitsfähig' sind, wie z.B. Typen- bzw. Kategorienfehler, sei es, dass sie aus anderen Gründen sinnlos oder unsinnig sind. Mein Vortrag versucht, diese verschiedenen Kategorien möglichst klar voneinander zu unterscheiden und in Beziehung zu setzen zum Begriff der Unverständlichkeit und dem Begriff der semantischen Richtigkeit. Ist Sinnlosigkeit ausschließlich eine Privation, wie die sogenannten 'New Wittgensteinians' behaupten, oder kann sie sich auch aus der regelwidrigen Kombination eigentlich sinnvoller Bestandteile ergeben, wie Ryle und Carnap annehmen? Kann man sinnlose oder widersinnige Sätze problemlos verstehen, wie Davidson behauptet, oder versteht man hier allenfalls, was die Sprecherin sagen wollte bzw. gemeint hat und zwar aufgrund der Kenntnis semantischer Regeln.


Max Kölbel

“Behauptung, Konversationsstand und Fiktion”

Frege, Dummett, Davidson und viele andere vertreten die Auffassung, dass in fiktionalen Kontexten (z.B. beim Erzählen einer Geschichte) gemachte Äußerungen keine Behauptungen sind. Diese Auffassung verträgt sich nicht gut mit der Idee, den Behauptungsbegriff mittels der Rolle von Behauptungen in der Konversationsdynamik zu erklären, eine Idee die vor allem Stalnaker propagiert hat. Ich werde argumentieren, dass man die Möglichkeit von Behauptungen in fiktionalen Kontexten zulassen sollte, wenn man den Behauptungsbegriff Stalnaker folgend konversationell definieren möchte. Schließlich möchte ich noch zeigen, dass fiktionale Behauptungen nicht mit den Einsichten im Konflikt stehen, auf die sich die erwähnte Auffassung gründet, dass beim Geschichtenerzählen nicht behauptet wird.


Benjamin Schnieder

“Zur Logik der Fiktion“

Ein Verständnis des Gehalts eines fiktionalen Werks setzt voraus, auch vielfältige Folgen des explizit gegebenen Gehalts zu erfassen. Dazu zählen zunächst basale logische Folgen des expliziten Gehalts, sodann komplexere begriffliche Folgen und schließlich auch konversational bedingte Implikaturen. In diesem Vortrag ist der Fokus auf logische Folgen gerichtet; die Grundfrage lautet, ob es einen Begriff logischer Folge gibt, mit dem das folgende, plausible Prinzip gilt: Wenn etwas aus dem expliziten Gehalt einer Fiktion logisch folgt, so gehört es zum Gehalt jener Fiktion.
Der Folgebegriff der klassischen Logik scheint hierfür untauglich zu sein. Denn ihm zufolge gilt die Regel des "Ex Falso Quodlibet" (EFQ), so dass jedwede Proposition als Folge einer beliebigen Kontradiktion gilt. Doch Fiktionen können Inkonsistenzen enthalten (man denke an Lewis Carrolls Geschichten). Würde aber jede klassische Folge einer Proposition, die Gehalt einer solchen Geschichte ist, selbst zum Gehalt der Geschichte gehören, so wäre in jeder inkonsistenten Fiktion einfach alles wahr. Doch das entspricht nicht unserem Umgang mit inkonsistenten Fiktionen, bei denen wir durchaus zwischen dem unterscheiden, was in ihnen gilt, und dem, was nicht. Daher wird hier ausgehend von Ideen Bernard Bolzanos ein alternative Folgebegriff entwickelt, mit dem die Regel EFQ nicht gilt und der sich daher für den Umgang mit Fiktionen besser eignet als der klasissche Folgebegriff.


Frank Zipfel

„Imagination, fiktive Welten und fiktionale Wahrheit. Zu Theorien fiktionsspezifischer Rezeption von literarischen Texten“


Daniel Hartenstein

"Irrealismus und fiktionale Namen: Ellipse, Präsupposition und Fiktion"


Eva-Maria Konrad

"Nichtfiktionale Elemente in fiktionalen Texten"


Thomas Petraschka

"Zum Begriff 'literarischer' Wahrheit und seiner Signifikanz für eine kognitivistische Ästhetik"

Die schwierige Frage nach dem Verhältnis von fiktionaler Literatur und Wahrheit wird von manchen Theoretikern durch die Annahme umgangen, dass Wahrheit in dem üblichen aristotelischen Sinne im philologischen Kontext schlicht irrelevant sei. Stattdessen sei es sinnvoll, eine alternative "ästhetische" oder "literarische" Wahrheit zu thematisieren, die sich etwa duch die Kohärenz des Ausgesagten, die Suggestivität des Erzählten oder die Aufrichtigkeit des Autors definieren lasse.
Kernthese des Vortrags ist, dass dieses Vorgehen nicht sinnvoll ist. Es bleibt nicht nur unklar, wieso in diesen Fällen von literarischer Wahrheit als Kohärenz, Suggestivität oder Aufrichtigkeit etc. gesprochen wird und nicht einfach von Kohärenz, Suggestivität oder Aufrichtigkeit, auch die Angst, ohne die Einführung bestimmter Alternativkonzepte literarischer Wahrheit auf ein trivialisierendes nonkognitivistisches Verständnis von Literatur festgelegt zu sein, erweist sich als unbegründet. Ich versuche dementsprechend zu zeigen, dass selbst der Skeptiker in Bezug auf die Frage nach der Wahrheitsfähigkeit fiktionaler Literatur mit guten Gründen für eine kognitivistische Ästhetik und damit für ganze Reihe von epistemisch höchst relevanten Funktionen von Kunst und Literatur argumentieren kann.


Christiana Werner

"Making the Fictional World - Fiktionale Äußerungen als deklarative Sprechakte"

Scheinbar harmlose Aussagen wie (1) „Sherlock Holmes raucht Pfeife“ oder (2) „Sherlock Holmes ist schlauer als Jane Marple“ werden zu einem Problem, wenn diese Sätze mit dem Anspruch geäußert werden, damit etwas Wahres auszusagen. Wie kann man aber etwas Wahres aussagen, wenn es das, worüber scheinbar die Rede ist, doch gar nicht gibt?

Realisten in der Debatte um den ontologischen Status fiktiver Gegenstände argumentieren gerade angesichts dieser Schwierigkeiten dafür, dass es (a) fiktive Gegenstände gibt, dass (b) auf sie Bezug genommen und (c) über sie prädiziert werden kann. Eine in dieser Debatte weit verbreitete Position ist, dass fiktive Gegenstände als abstrakte Artefakte angesehen werden müssen. Sind Vertreter dieser Position darauf festgelegt, dass abstrakte Gegenstände Pfeife rauchen? Dies scheint zumindest prima facie die äußerst unangenehme Konsequenz der Annahme zu sein, fiktive Gegenstände seien abstrakte Artefakte.

Um dieser Konsequenz zu entgehen, werde ich in meinem Vortrag einen Vorschlag unterbreiten, was genau unter einem fiktiven Gegenstand als abstraktes Artefakt verstanden werden muss: Ich werde vorschlagen, fiktive Gegenstände als Gegenstände aufzufassen, die in vielen Hinsichten analog zu Ämtern aufgefasst werden müssen. Dafür werde ich die sprachliche Handlung, mit der fiktive Gegenstände erschaffen werden, also fiktionale Äußerungen eines Autors, genauer untersuchen. Es muss geklärt werden, als welcher illokutionäre Akt-Typ diese spezifischen Äußerungen aufgefasst werden müssen, und was es heißt, dass ein Autor eines fiktionalen Textes Akte der Referenz und der Prädikation ausführt.

  1. Forschung
  2. DFG-Projekt

Fiktion - Wahrheit - Interpretation

 

Workshop-flyer 2012

Der Workshop-Flyer 2012