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Lokalisierte Gelenkknorpeldefekte in den Kniegelenken entstehen häufig durch Unfälle oder Abnutzung. Das körpereigene Reparaturpotenzial für derartige Gelenkflächendefekte ist stark begrenzt, da die Knorpelzellen aus der Defektumgebung keine Teilungsaktivität mehr zeigen.
Ein frühzeitiger Gelenkfl ächenverschleiß (Arthrose) droht. Durch die Verwendung einer neuartigen Biomatrix können die Heilungsmöglichkeiten verbessert werden.
Konventionelle Knorpeloperation
Bei dem konventionellen operativen Reparaturverfahren wird durch Anbohrung/Perforation (Mikrofrakturierung) des frei liegenden Knochens der Einstrom von Knochenmarkstammzellen in die Defektzone ermöglicht. Aus dem so entstehenden Blutkoagel können die enthaltenen Knorpelvorläuferzellen ein knorpeliges Ersatzgewebe bilden.
Derartige Verfahren sind in der Gelenkchirurgie seit über 40 Jahren etabliert, waren jedoch bislang stets auf kleinere Defekte (<2 cm²) begrenzt.
Bild 1: Arthroskopisches Bild eines Knorpeldefektes der Oberschenkelrolle
Innovative Knorpeltherapie
Als günstig hat sich der Einsatz von biologischen Trägermaterialien (Matrices) erwiesen, welche den körpereigenen Stammzellen eine natürliche Umgebung simulieren. Das Tissue-Engineering hat in den letzen Jahren eine Vielzahl an derartigen Materialien entwickelt.
Seit November 2009 findet in unserer Klinik eine multizentrische Studie zur Versorgung von fokalen Knorpeldefekten des Kniegelenkes mit einer neuartigen Biomatrix (GelrinC®, Fa. Regentis) statt. Es handelt sich dabei um ein unter UV-Licht polymerisierbares Gel auf Basis eines natürlichen Eiweißes der Blutgerinnung (Fibrin), welches nach üblicher Mikrofrakturierung in den Defekt eingebracht wird. Es fungiert dabei als biologischresorbierbarer, individueller Platzhalter, indem es den einströmenden Stammzellen des Knochenmarks eine biologische Umgebung bietet, so dass diese sich in knorpelartige Zellen differenzieren zu können.
Diese Zellen produzieren dann ein knorpelähnliches Ersatzgewebe zur Defektauffüllung. Das implantierte Gel löst sich synchron dazu auf. Durch dieses Verfahren wird der Defekt quasi ausgegossen und unmittelbar versiegelt. Typische Spaltbildungen zum intakten Nachbarknorpel wie bei anderen vliesartigen Matrices treten nicht auf. Die Belastung der gesunden Knorpel um den Defekt herum wird reduziert. Die glatte elastische Oberfl äche dieser neuartigen Substanz zeigt zudem weniger Reibungseffekte.
Anwendungsbereiche
Zur Versorgung geeignet sind prinzipiell fokale singuläre Defekte der Oberschenkelrolle (Femurcondylus) mit einer Größe zwischen 2 und 4 cm² bei intaktem Bandapparat, gerader Beinachse sowie möglichst intakten Menisken. Das Patientenalter sollte zwischen 18 und 55 Jahren liegen.
Bild 2: UV-Polymerisation der eingebrachten durchsichtigen GelrinC®-Matrix
Das GelrinC®-Verfahren wird bei lokalen Defekten (traumatisch oder degenerativ) und
geeigneter Lokalisation am Knie einzeitig, unmittelbar im Anschluss an eine Arthroskopie durchgeführt. Die Nachbehandlung entspricht dem Standard einer konventionellen Mikrofrakturierung mit Teilbelastung an Unterarmgehstützen, einer gelenkigen Knieschiene sowie einem drei- bis viermonatigen intensiven physiotherapeutischen Nachbehandlungsprogramm. Sportfähigkeit für kniebelastende
Mannschafts- und Ballsportarten ist nach ca. 6 Monaten gegeben.
Mit dem GelrinC®-Verfahren können körpereigene Prozesse zur Gelenkflächenreparatur aussichtsreich verbessert werden.
Weitere Informationen:
Kliniksekretariat Prof. Grifka
Telefon 09405 18-2401
Telefax 09405 18-2920
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