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Seit mehr als 15 Jahren beschäftigt sich Melanie Walter-Rogg mit Untersuchungsgegenständen der lokalen Politikforschung und seit 2002 verstärkt mit dem Thema „Metropolitan Governance“ und zwar stets in international vergleichender Perspektive. Unter dem Schlagwort „Metropolitan Governance“ wird untersucht, mit welchen politischen Steuerungsmodellen die verantwortlichen Akteure auf die Suburbanisierungsprozesse in großen Agglomerationsräumen bzw. Metropolregionen reagieren, um ihre Pflichten und Aufgaben in wichtigen regionalen Politikfeldern zu leisten. Der Begriff Governance soll ausdrücken, dass Steuerung und Regelung nicht nur vom Staat, sondern auch von nicht-staatlichen Akteuren wahrgenommen wird. Zu fragen ist auch, welche politische Steuerungsmodelle und Politikfelder sich für Kooperationen über verschiedene Gemeinden bzw. Städte (z.B. Regionalverband Stuttgart), Bundesländer (z.B. Metropolregion Hamburg oder Mitteldeutschland) oder gar Nationen (z.B. Metropolregion SaarLorLux) hinweg eignen.
Während Walter-Rogg in den letzten Jahren vor allem untersucht hat, welche politischen Steuerungsmodelle bei regionalen Kooperationen zu beobachten sind und welche Variation diese aufweisen, sollen künftig verstärkt regionale Kooperationen in föderalen Systemen sowie über mehrere Nationen hinweg im Vordergrund stehen. Dafür steht sie bereits im Kontakt mit dem Forum of Federations in Ottawa (Kanada). Seit August 2010 wurden unter dessen Federführung zwei internationale Workshops an beteiligten Universitäten und Forschungsinstituten in Brisbane (Australien) und Barcelona (Spanien) durchgeführt.
Im Bereich der internationalen Stadtforschung wird der Begriff Urban Governance schon seit längerem verwendet und weist begrifflich geschärfte Konturen auf. Er spielt vor allem bei der Analyse unterschiedlicher Politikfelder (policies) bei der Entwicklung von Städten eine wichtige Rolle. Theoretisch bedeutsam ist die Frage, ob in einer Analogiebildung zu dem Begriff Urban Governance Prozesse der Steuerung und Kooperation in Stadt- oder Metropolregionen als Metropolitan or Regional Governance zu bezeichnen sind. Oder sich nicht vielmehr vorhandene Ansätze aus dem Bereich der Policy-Forschung wie beispielsweise die Netzwerkanalyse eignen, die politischen und ökonomischen Steuerungsprozesse in Metropolregionen präziser zu fassen. Derartige Überlegungen sind in den Politikwissenschaften als innovativ zu bezeichnen, da sie bislang vor allem von Wissenschaftlern der Bereiche Regionalwissenschaften, Raum- oder Stadtplanung diskutiert werden.
Geplant ist deshalb eine theoretische Verknüpfung von Metropolitan Governance-Ansatz und verschiedenen Policy-Ansätzen. Gleichzeitig soll eine umfassende empirische Erhebung durchgeführt werden, um Experten und Verantwortliche in europäischen Metropolregionen zu befragen, welche Politikfelder sich gut oder weniger gut für überregionale Kooperationsstrukturen eignen und welche Entwicklungen hier künftig zu erwarten sind. Zu diesen Themen kooperiert Melanie Walter-Rogg bereits mit Jefferey Sellers (University of California), Alan Walks (University of Toronto) und Daniel Kübler (Universität Zürich). Geplant ist hierzu ein international vergleichendes Projekt mit Workshops und Publikationen sowie ein Drittmittelantrag bei der Deutschen Forschungsgemeinschaft für die Finanzierung der deutsche Beteiligung.
In ihrer Habilitation hat sich Melanie Walter-Rogg international vergleichend mit dem Ausmaß und den Ausstrahlungseffekten politischen Vertrauens gegenüber politischen Akteuren und Institutionen beschäftigt. Wenn auch in den untersuchten Demokratien kein genereller Vertrauensrückgang in die regulativen und parteienstaatlichen Institutionen zu beobachten ist, zeigt sich doch ein bedenklich niedriges Ausmaß an Vertrauen in die gewählten Politiker und eine zunehmende Politikverdrossenheit. Gleichzeitig ist eine verstärkte Forderung nach mehr direktdemokratischer Mitwirkung der Bevölkerung an politischen Sachentscheidungen wie beispielsweise beim Nichtraucherschutz in Bayern oder beim Projekt Stuttgart 21 in Baden-Württemberg zu beobachten. Deshalb stellt sich aus demokratietheoretischer Perspektive die Frage, inwieweit die Erhöhung der Anwendungsfreundlichkeit vorhandener direktdemokratischer Beteiligungsmöglichkeiten sowie die Eröffnung neuer Teilhaberechte (wie z.B. auf Bundesebene in der Bundesrepublik Deutschland) zu einer stärkeren Akzeptanz politischer Entscheidungen und einem größeren Ausmaß politischen Vertrauens führt.
Vor allem im Hinblick auf den Schwerpunkt Policy-Forschung ist ebenso relevant, welche Politikfelder sich für eine direktdemokratische Mitwirkung der Bürger eignen. Hierzu liegen keine oder nur rudimentäre empirische Analysen vor. Deshalb soll eine Forschergruppe initiiert werden, die zusammen mit Fachinstituten wie dem Deutschen Institut für Sachunmittelbare Demokratie an der Technischen Universität Dresden oder der Forschungsstelle Bürgerbeteiligung und direkte Demokratie an der Universität Marburg den skizzierten Sachverhalt untersucht.
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