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Opernedition Lotti

Antonio Lotti - "Gli odi delusi dal sangue" (oder "Ascanio")

einschließlich des dreiteiligen Intermezzos "Nana, francese e armena" von Francesco Gasparini und Giovanni Battista Bononcini

Herausgeber: Wolfgang HORN

Edition in der Reihe "Denkmäler Mitteldeutscher Barockmusik", Serie II, Band 7, hrsg. von MBM/Ständige Konferenz Mitteldeutsche Barockmusik


Eine Vorab-Partitur (Computernotensatz) und Aufführungsmaterial sowie das Libretto (italienisch/deutsch) ist leihweise zu erhalten.

Probeseiten


Kontakt

Prof. Dr. Wolfgang Horn
Universität Regensburg, Institut für Musikwissenschaft,
93040 Regensburg


Zur Einführung

In der Geschichte der spätvenezianischen Barockoper, die um und nach 1700 anzusetzen ist, spielt der Komponist Antonio Lotti (1666-1740) eine wichtige Rolle. Von seinen ursprünglich etwa zwanzig Opern sind nur sechs mit ihrer Musik erhalten, fünf davon (soweit man weiß: meist singulär) in der SLUB Dresden. Keine dieser Opern ist im Neudruck zugänglich; lediglich ein Faksimile der Oper "Alessandro severo" (aufgeführt in Venedig 1716 oder 1717; Text: Apostolo Zeno) wurde nach der Dresdner Partitur Mitte der 1980er Jahre faksimiliert (Garland-Reihe "Italian Opera, 1640-1770").

Die Überlieferung spiegelt das Wirken Lottis: er wurde 1717 an den Dresdner Hof engagiert mit dem Auftrag, für die bevorstehende, im September 1719 festlich vollzogene Hochzeit des sächsischen Kurprinzen Opern auf "europäischem Niveau" zu schreiben. Für Dresden entstanden das Pastorale "Giove in Argo" (Herbst 1717), sodann die dem "reinen Karnevalsoperntypus" zuzurechnende opera seria "Gl'odi delusi dal sangue" (auch "Ascanio" genannt, Karneval 1718), schließlich die zusätzlich mit Festspielelementen ausgestattete Oper "Teofane" (September 1719). Alle drei Werke wurden im Rahmen der Festlichkeiten im September 1719 in Dresden aufgeführt, so daß die bereits 1717 und 1718 entstandenen Werke keineswegs als bloße "Propädeutika" zu betrachten sind.

In zeitgenössischen Berichten (hervorzuheben ist insbesondere ein bereits bei Spitta abgedrucktes Zeugnis Kuhnaus sowie - einige Jahrzehnte später - die Autobiographie von Quantz) werden die drei Opern unterschiedslos gerühmt und als Beispiele im noch "unvermischten, dabei vernünftigen italienischen Geschmack" (Quantz) bezeichnet. Angesichts der Bedeutung, die die (meist nur vage umrissene) Kategorie des "vermischten Geschmacks" als Kennzeichen gerade der deutschen Musik im 18. Jahrhundert gewonnen hat, wäre die Gewinnung eines "unvermischten" Bezugspunktes willkommen.

Gegenüber der Festoper Teofane, deren einzigartiges und "unwiederholbares" Umfeld durch etliche Publikationen ausgeleuchtet worden ist (und die sicher irgendwann noch ediert oder faksimiliert werden wird), hat die Oper Ascanio den Vorzug höherer "Repräsentativität": sie steht als Exempel der Opernpflege in Dresden und zugleich als Exempel für den "gewöhnlichen" Typus der in Venedig aufgeführten Opern dieser Zeit, die - wenn die Partituren überhaupt erhalten geblieben sind - praktisch nicht in Neuausgaben zugänglich sind.

Das Libretto des Dichters Lucchini, das in der Ausgabe im Original sowie in einer modernen deutschen Prosaübersetzung geboten wird, hat gleichfalls exemplarische Bedeutung: Dichter wie Lucchini und auch Zeno folgen mit ihren Texten bereits den dramaturgischen Grundsätzen, die Metastasio einige Jahre später zum fortan gültigen Standard erhoben hat. Das einführende Vorwort wird durch einen Aufsatz des Hrsg. im Jahrbuch MBM 2002 ("Venezianische Oper am Dresdner Hof. Anmerkungen zum Gastspiel Antonio Lottis in Dresden [1717-1719] nebst einer Hypothese zum Anlaß von Heinichens Scheitern") wesentlich entlastet.

Schließlich zeichnet sich die Dresdner Partitur des "Ascanio" noch durch eine Besonderheit aus: sie enthält zugleich ein dreiteiliges "Intermezzo" (eine Gemeinschaftsarbeit von Francesco Gasparini und Giovanni Battista Bononcini; die beiden ersten Teile stehen zwischen den Akten, der dritte Teil in einer "Umbaupause" im dritten Akt).

  1. Fakultät für Philosophie, Kunst-, Geschichts- und Gesellschaftswissenschaften

Prof. Dr. Wolfgang Horn

 

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