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Fragen nach nationaler Identität und demokratischem Bürgersein stellen sich in einer globalisierten Welt unter neuen Vorzeichen. Klassische Denkformen des Politischen kommen damit auf den Prüfstand. Dichotomien wie Öffentlichkeit und Privatheit, Konsens und Dissens, Rationalität und Emotionalität verlieren ihre Selbstverständlichkeit. Stärker als bisher müssen diese abstrakten Konzepte aus dem interkulturellen Kontext heraus verstanden werden. Diese Neubewertung soll von deutschen und brasilianischen WissenschaftlerInnen in einem gemeinsamen Forschungsprojekt unter ihren spezifischen theoretischen und gesellschaftlichen Perspektiven versucht werden.
Das gemeinsame Projekt des Lehrstuhls für Politische Philosophie der Universität Regensburg und des Instituts für Politikwissenschaft der Universidade de Brasília ist um vier Themenschwerpunkte zentriert, die im Schnittfeld von Politik und Interkulturalität angesiedelt sind:
1. Zwischen Öffentlichkeit und Privatheit. Profile des Bürgerseins
2. Wandel des Privaten. Zur Dynamik von Intimität und Transparenz
3. Ausgrenzung des Anderen. Demokratie zwischen Konsens und Dissens
4. Politische Identität und Körper. Differenz – Disziplin – Dominanz
Einen Projektüberblick in pdf-Format finden Sie hier.
Im September 2012 waren Prof. Karlfriedrich Herb, Kathrin Morgenstern und Magdalena Scherl zu einem zweiwöchigen Forschungsaufenthalt in Brasilien.
Vom 17. bis zum 21. September wurde in São Paulo mit einem großen internationalen Kolloquium der 300. Geburtstag von Jean-Jacques Rousseau gefeiert. Herr Herb, Frau Morgenstern und Frau Scherl sowie Tobias Maier, ein Doktorand des Lehrstuhls, konnten sich daran mit Vorträgen beteiligen.
Das Programm des Kolloquiums finden Sie hier.
Im Rahmen des Brasilien-Schwerpunkts plant der Lehrstuhl ein gemeinsames Forschungsprojekt mit der Universität Brasília, in dem es um Bürgersein und nationale Identität in interkultureller Perspektive gehen wird. Bei dem anschließenden Aufenthalt in Brasília wurden erste Arbeitstreffen abgehalten, um die Kooperation auf den Weg zu bringen.
Im Rahmen des Wissenschaftleraustauschs (DAAD/ CAPES) zwischen den Departements für Philosophie und Politische Wissenschaften der Universität Brasília und dem Lehrstuhl für Politische Philosophie nimmt Prof. Herb während des Forschungssemesters eine Gastprofessur an der Universität Brasília wahr.
Das interdisziplinäre Forschungsprojekt untersucht das Konzept des modernen Bürgerseins/cidadania im Schnittfeld von Ideengeschichte, Politischer Philosophie und Politischer Soziologie. Es ist als Fallstudie auf Brasilien zentriert. Geklärt werden soll, welches spezifische Profil brasilianisches Bürgersein im Vergleich mit klassisch antiken, modernen und zeitgenössischen Konzeptionen besitzt.
Das Projekt wird in einer gemeinsamen Publikation münden.
BILD: Heitor Carvalho Jorge
Im Rahmen des kooperativen israelisch-deutschen Projekts “Narrative, Dreams, Imagination: Israeli and German Youth Imagine their Futures” waren die Projektpartner aus Israel vom 13. bis 15. Juli 2010 in Regensburg zu Gast. Der Gegenbesuch in Israel fand vom 31. Oktober bis 7. November 2010 statt.
Das Projekt befindet sich an der Schnittstelle zwischen Theorie und pädagogischer Praxis. Ausgehend von den methodischen Grundlagen von „Kinder philosophieren“ wurden entlang der zentralen Konzepte "narrative", "dreams" und "imagination" pädagogische Ressourcen entwickelt, um israelische und deutsche Schüler zum Nachdenken über ihr kulturelles Selbstverständnis und ihre Vorstellungen von der Zukunft anzuregen. Der ergebnisoffene Dialog darüber soll im Sinne eines deliberativen Demokratieideals – ohne von vornherein auf die Entwicklung eine gemeinsame Vision zu zielen – eine "Erweiterung des Denkens" in einer pluralistischen Gesellschaft und globalisierten Welt ermöglichen.
Die israelischen Projektpartner kommen von der Hebrew University of Jerusalem und dem Israel Center for Philosophy in Education. Aus Deutschland sind neben der Universität Regensburg (Prof. Dr. Karlfriedrich Herb, Dr. Barbara Weber, Dr. Dr. Bernhard Heider, Kathrin Morgenstern M.A., Mareike Gebhardt M.A.) die Pädagogische Hochschule Karlsruhe (Prof. Dr. Eva Marsal) und das Netzwerk "Kinder philosophieren" an dem Projekt beteiligt.