Dissertationen
Dissertationsprojekt Mareike Gebhardt, M.A.
Politisches Handeln in der postmodernen Konstellation. Anonymität und Bürgersein nach Hannah Arendt und Jürgen Habermas.
Das Promotionsprojekt fragt nach den Möglichkeiten genuin politischen Handelns unter postmodernen Bedingungen, und setzt bei der Kisenhaftigkeit des Politischen an, die sowohl von Arendt als auch von Habermas diagnostiziert worden ist. Insbesondere das Verhältnis zwischen gemeinschaftlichem Handeln im öffentlichen Raum und der Dominanz ökonomischer Kalküle einerseits und dem fortgeschrittenen Individualismus andererseits steht im Fokus der Arbeit. Gibt es gegen die Anonymität zeitgenössisch-westlicher Gesellschaften ein Heilmittel, das den Einzelnen zur Übernahme politischer Verantwortung ermutigt oder endet das Zeitalter des Individualismus in einer aporetischen Konstellation?
Die harmonische wie auch dissonante Auseinandersetzung zwischen Arendt und Habermas erweist sich für die Fragestellung besonder wertvoll, wenn Habermas´ klassisch moderner Ansatz der politischen Theorie von Arendt gegenübergestellt wird: deren Strukturmerkmale erlauben es, Arendt als Vordenkerin der Postmoderne zu betrachten.
Dissertationsprojekt Franz Halas, M.A.
Zurück zum Gesetz! Zur Stellung des Judentums in der politischen Philosophie Rousseaus
Das Dissertationsprojekt untersucht die Stellung des Judentums in der politischen Philosophie Rousseaus. Das jüdische Volk erscheint bei Rousseau zunächst allerdings nur als ein Beispiel vorbildhafter politischer Praxis unter anderen, wie z.B. Sparta, Rom oder Genf. Dennoch muss diesem Beispiel besonderes Augenmerk geschenkt werden, da das jüdische Volk, wie es bei Rousseau in Erscheinung tritt bzw. wie es von ihm inszeniert wird, sowohl als singulär, und gleichzeitig auch als exemplarisch betrachtet werden muss. Rousseau selbst ist der Ansicht, dieses Volk und seine Gesetze seien als „ein einzigartiges Wunder [zu] sehen dessen göttliche oder menschliche Ursache sicherlich das Studium und die Bewunderung der Weisen verdient, ein Wunder, das allem was uns Griechenland und Rom an Bewundernswertem, an politischen und menschlichen Einrichtungen bietet, vorzuziehen ist“ (Rousseau Politische Schriften I, 1977, S. 230f.). Es gilt dabei zu klären, wie sich das jüdische Beispiel im Verhältnis zu den anderen politischen Referenzgrößen Rousseaus verhält, inwiefern dieses Beispiel ggf. „erfolgreich“ eingesetzt wird, oder ob es letztendlich zum Scheitern verurteilt ist. Ein solcher Zugang zielt vor allem auf die besonderen Erkenntnisse, die sich anhand gerade dieses Beispiels für eine Interpretation der Rousseauschen politischen Philosophie gewinnen lassen. Ziel ist es, gewissermaßen mit Rousseau von nichtjüdischer Seite her mit der jüdischen politischen Tradition in einen kreativen Dialog zu treten. So kann es gelingen, eine Komponente des Rouseauschen Denkens in ein neues Licht zu rücken, die bisher nur wenig beleuchtet wurde, aber unzweifelhaft zum Kern des politischen problème fondamental führt. Zudem soll – orientiert am Gesetzesbegriff – ermöglicht werden, Rousseaus theoretische Arbeit am Mythos zu rekonstruieren und einen Blick darauf zu werfen, wie Rousseau politische Philosophie und gleichermaßen politisch Philosophie betrieben hat.
Franz Halas wurde 1982 geboren. Er studierte von 2003-2009 Politikwissenschaft, Philosophie und Geschichte an der LMU München, der Universität Regensburg und der Adam Mickiwiecz Universität Poznań (Polen). Schwerpunkte seines wissenschaftlichen Interesses sind politische Philosophie und der Transformationsprozess in Mittel- und Osteuropa. Seine Magisterarbeit verfasste er zum Thema „Gesetz und Entscheidung. Zum Souveränitätsbegriff bei Rousseau und Schmitt“. Seit Mai 2010 ist er Doktorand am Lehrstuhl für Politische Philosophie und Ideengeschichte der Universität Regensburg und arbeitet an einer Dissertation mit dem Titel „Zurück zum Gesetz! Zur Stellung des Judentums in der politischen Philosophie Rousseaus“. Er ist Mitglied des bayerischen Promotionskollegs Politische Theorie und derzeit Mitarbeiter bei den Büchereien Wien.
- "Träumer und Kronjurist. Der Zwang zur Freiheit bei Rousseau und Schmitt" (25.6.2010, Tagung "Rousseaus Zauber. Lesarten und Wirkungsweisen der Politischen Philosophie", Universität Regensburg)
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"Rousseau und das Judentum. Anmerkungen zum ersten Buch des Contrat Social" (11.07.2012, Gastvortrag am Lehrstuhl für politische Philosophie und Ideengeschichte der Universität Regensburg)
- Friedenskonsolidierung mit polizeilichen Mitteln? Die Polizeimission EUPOL-PROXIMA auf dem Prüfstand. Düsseldorfer Institut für Außen- und Sicherheitspolitik, DIAS-Kommentar Nr. 72 12/2006. (zusammen mit Cornelia Frank)
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Träumer und Kronjurist. Der Zwang zur Freiheit bei Rousseau und Schmitt. in: Herb, Karlfriedrich/ Scherl, Magdalena (Hrsg.): Der Zauber Rousseaus. Lesarten der Politischen Philosophie. Würzburg 2012, S. 57-65.
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Die Probleme des Staats auf den Begriff gebracht? Rezension zu Samuel Salzborn/Rüdiger Voigt (Hg.), Souveränität - Theoretische und ideengeschichtliche Reflexionen, Reihe Staatsdiskurse Bd. 10, Stuttgart 2011. in: Politisches Denken. Jahrbuch 2011, S. 315-316.
Dissertation Dr. Antje Kuttner
Ökonomisches Kalkül und ethische Vernunft. Aporien der Wirtschaftsethik
Seit dem Wintersemester 2006/2007 arbeitet Antje Kuttner an ihrer Dissertation im Bereich der Wirtschaftsphilosophie. Unter dem Titel „Ökonomisches Kalkül und ethische Vernunft: Aporien der Wirtschaftsethik“ geht es darum die ideengeschichtlichen Entwicklungslinien und Zusammenhänge aufzudecken, die zu den gegenwärtigen Aporien der Wirtschaftsethik geführt haben.
Dem Dissertationsprojekt liegt die Vorstellung zugrunde, dass sich die moderne Wirtschaftsethik nicht nur mit der Überwindung einer „Zwei-Welten-Konzeption“ von Ökonomie und Ethik konfrontiert sieht, sondern ebenso auf die von der individualisierten Gesellschaft geschaffen Bedingungen reagieren muss. Insofern ist zwar einerseits unabdingbar, das Bestimmungsverhältnis von Moral und Ökonomie innerhalb der Wirtschaftsethik neu auszutarieren, doch muss dies vor dem Hintergrund des Krisenbewusstseins des Individualismus erfolgen. Wer sich heute wirtschaftsethischen Problemen stellt, darf nicht im Abstraktionsverfahren der reinen Ökonomik verhaftet bleiben, sondern ist dazu gezwungen, die Realität der gesellschaftlichen Bedingungen in seine Konzeption zu integrieren.
Dissertationsprojekt Tobias Maier, M.A.
Gefährdete Freiheit - Abgründe der politischen Moderne bei Jean-Jacques Rousseau und Claude Lefort
Tobias Maier hat von 2004-2009 Soziologie, Politikwissenschaft und Pädagogik an der Universität Regensburg studiert. Schwerpunkte des Studiums bildeten die politische und soziologische Theorie sowie der Bereich der Lehr-Lern-Forschung. Die Magisterarbeit mit dem Titel „Oligarchisierung der Politik – ein Jahrhundert nach Michels“ ging der Frage nach, ob das »eherne Gesetz der Oligarchie«, welches der Soziologe Robert Michels zu Beginn des 20. Jahrhunderts erarbeitete, auch unter den Bedingungen der zeitgenössischen Gesellschaft Geltung beanspruchen kann, wobei vor allem auf parteipolitische und mediale Mechanismen abgestellt wurde. Die im Herbst 2009 begonnene Dissertation „Gefährdete Freiheit – Abgründe der politischen Moderne bei Jean-Jacques Rousseau und Claude Lefort“ untersucht das Verhältnis zwischen der modernen Demokratie und dem Totalitarismus. Seit Juli 2010 ist Tobias Maier Promotionsstipendiat der Hanns-Seidel-Stiftung.
- „Gefährdete Freiheit – Pathologien des Politischen bei Rousseau, Tocqueville, Hannah Arendt und Claude Lefort“ (26.11.2010, Bayerisches Promotionskolleg Politische Theorie, Regensburg)
- „Gemeinwille und Totalitarismus – Gemeinwille oder Totalitarismus? Zur Einheit des Politischen bei Jean-Jacques Rousseau und Claude Lefort“ (25. Juni 2010, Tagung „Rousseaus Zauber. Lesarten und Wirkungsweisen der politischen Philosophie“, Universität Regensburg)
- „Welche Verantwortung wofür? Wissenschaft in der Postmoderne“ (22.2.2011, Selbstgestaltete Tagung für Promovenden der Hanns-Seidel-Stiftung, Bildungszentrum Wildbad Kreuth)
Dissertationsprojekt Kathrin Morgenstern, M.A.
"Einer wird immer bleiben, um die Geschichte zu erzählen." Freiheit und Narration in der politischen Philosophie Hannah Arendts
Im Einklang mit ihrer Forderung nach Pluralität zeichnet sich Hannah Arendts Gesamtwerk durch eine enorme Vielschichtigkeit aus. Demgegenüber findet sich in der Literatur häufig eine Lesart, die das gesamte Denken auf die Perspektive eines einzigen Werks verkürzt.Um Arendts Anspruch ernst zu nehmen, nimmt das Dissertationsprojekt ihr Gesamtwerk zum Gegenstand.
Um darin konstante Entwicklungslinien aufzuzeigen, wird eine Werkerschließung versucht, die vom Zusammenhang von Freiheit und Narration ausgeht. Diese beiden Begriffe stellen wichtige Konstanten in Arendts Werk dar: als inhaltliche Quintessenz und als Grundlage des methodischen Vorgehens.
In diesem Ansatz lassen sich auch Politik und Philosophie einander annähern. Beide verbinden sich mit einem spezifischen Begriff von Freiheit und von Narration. Anders als in Arendts eigenem resignativem Verständnis verliert die „Politische Philosophie“ so den Makel, das Unvereinbare vereinen zu wollen. Es ist also möglich, hier „mit Arendt gegen Arendt“ (Seyla Benhabib) zu denken: Politische Philosophie ist keine Quadratur des Kreises, sondern bietet eine vielversprechende Sichtweise auf aktuelle Fragen.
Dissertationsprojekt Magdalena Scherl, M.A.
Vergebliche Einheit, unheilbare Spaltung. Geschlechterordnung und Republik bei Jean-Jacques Rousseau
Das Dissertationsprojekt untersucht den Zusammenhang zwischen Rousseaus Republikideal und seiner Konzeptualisierung von Geschlechtlichkeit und Sexualität. Indem der Frage nachgegangen wird, welche Geschlechterordnung Rousseau seinem politischen Ideal zugrunde legt, lässt sich das zentrale Problem seiner Philosophie aus einer neuen Perspektive beleuchten: Wie kann der Verlust der ursprünglichen Einheit des Menschen kompensiert werden? Rousseaus Republik ist als Versuch zu verstehen, die verlorene Einheit auf der politischen Ebene wiederherzustellen. Angesichts der unheilbaren Spaltung des vergesellschafteten Menschen bleibt das Ideal jedoch notwendig prekär. Die These ist, dass der Zusammenhang zwischen Republik und Geschlechterordnung als ein Symptom des spannungsreichen Verhältnisses zwischen dem Streben nach Einheit und dem Bewusstsein der Spaltung zu verstehen ist, das Rousseaus Denken durchzieht. Ausgehend von der Untersuchung der Geschlechterordnung lässt sich so ein tiefer gehendes Verständnis für die Ambivalenzen seines Republikbegriffs entwickeln.
Habilitationen
Habilitationsprojekt Dr. Barbara Weber
Philosophieren mit Kindern:
Ein bildungstheoretisches Konzept zur wertebildenden Demokratieerziehung
In diesem Forschungsprojekt geht es um eine zeitgemäße Werteerziehung und Stärkung der Urteilskraft vermittels der Förderung von empathischem und kritischem Denken durch das Philosophieren mit Kindern. Kinder sollen durch selbstverantwortete philosophische Gesprächsgemeinschaften auf intersubjektive Wertebildungs- und demokratische Entscheidungsprozesse vorbereitet werden. Diese Arbeit sieht sich als Beitrag im Kontext der Wertewandelforschung.
Thematisiert werden u. a.
- Die Problematik universeller Menschenrechte am Beispiel der Kontroverse zwischen Rorty und Habermas
- Das allgemeine Verhältnis von Empathie und Rationalität in intersubjektiven Urteils- und demokratischen Entscheidungsprozessen
- Die Rekonstruktion von Entwürfen, Modellen und Methoden zur politischen Bildung im Bereich des Philosophierens mit Kindern
- Die Entwicklung eigener Modelle zur demokratischen Werteerziehung in der Grundschule