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Burg Wölpe


Archäologische Untersuchungen auf Burg Wölpe bei Erichshagen

 

Wissenschaftliche Leitung: Dr. Tobias Gärtner

Kooperationspartner: Museum Nienburg (Dr. Eilert Ommen), Kommunalarchäologie Schaumburger Landschaft (Dr. Jens Berthold), Arbeitskreis „Wölper Burghügel“ aus Erichshagen-Wölpe (Dieter Schwanbeck)

Finanzierung: Landschaftsverband Weser-Hunte, Sparkassenstiftung Nienburg, Wirker Stiftung, private Spender

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Der Burghügel von Süden.

Die Burg Wölpe bei Erichshagen (Lkr. Nienburg/Weser) war die Stammburg der 1120/40 erstmals genannten Edlen von Wölpe, die wenig später den Grafentitel führten und zunächst als Lehensleute des Bischofs von Minden auf der Burg ansässig waren. 1151 ist Bischof Heinrich „in quodam castro ecclesiae quod dicitur Wilipa“ anwesend, womit die ursprünglichen Herrschaftsrechte des Bischofs an der Burg bezeugt sind. 1239 und 1242 wird in Verträgen zwischen dem Bischof und den Grafen der gemeinsame Besitz der Burg bekräftigt. Im Jahre 1301 gelangten Burg und Grafschaft Wölpe vermutlich durch Verkauf an Graf Otto von Oldenburg und bereits im folgenden Jahr an Herzog Otto den Strengen von Braunschweig-Lüneburg – von mindenschen Besitzansprüchen war nicht mehr die Rede. Schon 1315 wurde die Burg im Zuge einer Fehde stark in Mitleidenschaft gezogen. Es folgten weitere Zerstörungen und Wiederinstandsetzungen im 16. und 17. Jahrhundert. Bis 1859 diente die Burg mit ihrem Vorgelände als Amtssitz, dessen Gebäude 1876 endgültig abgerissen wurden.

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 Höhenplan vom Burghügel mit seiner Umgebung.

Archäologische Untersuchungen fanden auf der Burg bislang nicht statt. Um den Erhaltungszustand der Anlage zu klären und die Grundlage für archäologische Ausgrabungen zu schaffen, wurden 2011 durch die Firma Eastern Atlas, Berlin, umfangreiche Prospektionen durchgeführt. Das Umfeld des Hügels wurde geomagnetisch untersucht, während auf dem Burgplateau Georadar und -elektrik zum Einsatz kamen.

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Interpretierende Umzeichnung der geomagnetischen Prospektionsergebnisse. Nordwestlich der Burg zeichnen sich Spuren der Vorburg-/Amtshofgebäude ab.

Die aufschlussreichen Ergebnisse liefern Ansatzpunkte für die weiteren Forschungen. Mit einem ersten Suchschnitt wurden im September 2012 am nördlichen Rand des Burghügels der alte Burggraben und Teile des Plateaurandes aufgedeckt. Die bislang ältesten Schichten des noch nicht vollständig erfassten Grabens datieren in das 13./14. Jahrhundert.

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Anlegen des Schnitts an der Nordseite des Burghügels.

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Arbeiten im Burggraben.

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Profil im Burggraben.

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Pfahlholz aus dem Burggraben.

Hier geborgene Pfahlhölzer werden nach der vorgesehenen dendrochronologischen Untersuchung weitere Aufschlüsse zur Geschichte der Burgbefestigung erbringen. Die ältesten Funde, die aus jüngeren Schuttschichten stammen, stellen Fragmente hochmittelalterlicher Kugeltöpfe dar, die in das 12. oder frühe 13. Jahrhundert gehören. Während eine mittelalterliche Burgmauer oder anderweitige Plateaurandbefestigung noch nicht aufgedeckt werden konnte und wohl noch unter neuzeitlichen Aufschüttungen verborgen liegt, wurden auf dem Hügel Reste neuzeitlicher Gebäude, mehrere Mauerzüge und ein Ziegelfußboden, untersucht, die eine mehrphasige Bebauung an dieser Stelle anzeigen.

 

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Ziegelpflaster unter Bauschutt auf dem Burgplateau.

Zentrale Aspekte der Geschichte des Platzes sind noch ungeklärt. Hierzu zählt die Frage nach dem möglichen Vorhandensein einer mittelalterlichen Vorburg unter dem neuzeitlichen Amtshof, die Beschaffenheit der Befestigungselemente und Burggebäude im Mittelalter (Stein- oder noch weitgehend Holzbau) und die Existenz einer sich in den Radarbildern möglicherweise abzeichnenden Burgkapelle. Die Grabungen werden in den nächsten Jahren fortgesetzt.

Literatur:

Hans-Wilhelm Heine, Die „Motte“ bei Erichshagen, Burg der Grafen von Wölpe. In: Hannover, Nienburg, Hildesheim, Alfeld. Führer zu vor- und frühgeschichtlichen Denkmälern 49, Teil II (Mainz 1981) 89–92.

B. Chr. v. Spilcker, Geschichte der Grafen von Wölpe und ihrer Besitzungen. Beiträge zur Deutschen Geschichte 1 (Arolsen 1827).        

 

  1. Fakultät für Philosophie, Kunst-, Geschichts- und Gesellschaftswissenschaften
  2. Institut für Geschichte